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title: Verbundene Online-Buchungsverfahren (§ 651c BGB) – wann die „Click-Through"-Buchung zur Pauschalreise wird
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# Verbundene Online-Buchungsverfahren (§ 651c BGB) – wann die „Click-Through"-Buchung zur Pauschalreise wird

## Kurzantwort

**§ 651c BGB** ordnet an, dass aus mehreren **einzeln abgeschlossenen** Reiseverträgen kraft Gesetzes **eine Pauschalreise** wird, wenn sie über ein **verbundenes Online-Buchungsverfahren** – umgangssprachlich **„Click-Through"-Buchung** – zusammengeführt werden. Der Unternehmer, bei dem der Reisende **zuerst** online eine Reiseleistung (z. B. den Flug) bucht oder vermittelt bekommt, gilt dann als **Reiseveranstalter** der gesamten Zusammenstellung, wenn **drei Voraussetzungen kumulativ** erfüllt sind: (1) er vermittelt dem Reisenden **für dieselbe Reise mindestens eine andere Art von Reiseleistung**, indem er den **Zugriff auf das Online-Buchungsverfahren eines anderen Unternehmers** ermöglicht (etwa per Weiterleitungs-Button „Jetzt Hotel dazubuchen"), (2) er **übermittelt Name, Zahlungsdaten und E-Mail-Adresse** des Reisenden an diesen anderen Unternehmer, und (3) der **weitere Vertrag** wird **spätestens 24 Stunden nach Bestätigung** des ersten Vertrags geschlossen. Sind alle drei Punkte erfüllt, gelten die vom Reisenden geschlossenen Verträge nach **§ 651c Abs. 2 BGB** zusammen als **ein Pauschalreisevertrag** im Sinne des § 651a Abs. 1 BGB. Damit greift der **volle Verbraucherschutz** des Pauschalreiserechts – insbesondere Mängelhaftung (§§ 651i ff. BGB), Minderung (§ 651m BGB), Schadensersatz (§ 651n BGB), Beistandspflicht (§ 651q BGB) sowie die **Insolvenzabsicherung mit Sicherungsschein** (§§ 651r, 651t BGB). Der erste Unternehmer wird also zum Vollverantwortlichen, obwohl der Reisende zwei getrennte Verträge zu getrennten Preisen abgeschlossen hat. Fehlt eine der drei Voraussetzungen – etwa weil die Zweitbuchung erst **nach 24 Stunden** erfolgt oder keine Zahlungsdaten übermittelt werden –, liegt **keine** Click-Through-Pauschalreise vor; in Betracht kommt dann nur die schwächere **„Vermittlung verbundener Reiseleistungen"** nach § 651w BGB (reine Insolvenzabsicherung).

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | § 651c BGB – Verbundene Online-Buchungsverfahren [gesetze-im-internet.de] |
| Systematik | Untertitel 4 (§§ 651a–651y BGB), Pauschalreiserecht |
| In Kraft seit | 01.07.2018 (Drittes Gesetz zur Änderung reiserechtlicher Vorschriften, BGBl. I S. 2394) |
| EU-Grundlage | Art. 3 Abs. 2 Buchst. b Ziff. v Richtlinie (EU) 2015/2302 (Pauschalreiserichtlinie) |
| Rechtsfolge | Erster Unternehmer gilt als **Reiseveranstalter**; Verträge zusammen = ein Pauschalreisevertrag [§ 651c Abs. 2] |
| Voraussetzung 1 | Vermittlung mind. **einer anderen Art** von Reiseleistung für dieselbe Reise durch Zugriff auf fremdes Online-Buchungsverfahren [§ 651c Abs. 1 Nr. 1] |
| Voraussetzung 2 | Übermittlung von **Name, Zahlungsdaten und E-Mail-Adresse** an den anderen Unternehmer [§ 651c Abs. 1 Nr. 2] |
| Voraussetzung 3 | Zweitvertrag **spätestens 24 Stunden** nach Bestätigung des ersten Vertrags [§ 651c Abs. 1 Nr. 3] |
| Kumulativ | Alle drei Voraussetzungen müssen **gleichzeitig** vorliegen |
| „Andere Art" | Beförderung, Beherbergung, Fahrzeug-/Kraftradmiete oder sonstige touristische Leistung [§ 651a Abs. 3] |
| Rückausnahme | § 651a Abs. 4 (touristische Nebenleistung < 25 % / erst nach Reisebeginn) bleibt anwendbar [§ 651c Abs. 2] |
| Tagesreisen | § 651a Abs. 5 Nr. 2 (< 24 h, keine Übernachtung) gilt **unabhängig vom Reisepreis** [§ 651c Abs. 3] |
| Schutzfolgen | Mängelhaftung, Minderung, Schadensersatz, Beistand, Insolvenzsicherung + Sicherungsschein |
| Abgrenzung nach unten | Bei Fehlen einer Voraussetzung: nur § 651w BGB (verbundene Reiseleistung, reine Insolvenzabsicherung) |
| Halbzwingend | Abweichung zum Nachteil des Reisenden unwirksam [§ 651y BGB] |

## Geltungsbereich

§ 651c BGB steht im **Untertitel 4** des BGB-Werkvertragsrechts (§§ 651a–651y BGB) und setzt **Art. 3 Abs. 2 Buchst. b Ziff. v der Richtlinie (EU) 2015/2302** über Pauschalreisen und verbundene Reiseleistungen um. Die Vorschrift wurde durch das **Dritte Gesetz zur Änderung reiserechtlicher Vorschriften vom 17. Juli 2017** (BGBl. I S. 2394) eingeführt und ist am **1. Juli 2018** in Kraft getreten; seither ist sie **unverändert** in Kraft. Sie schließt eine Schutzlücke der Online-Buchungswelt: Reisende buchen ihre Leistungen zunehmend **nicht** aus einer Hand als klassisches Pauschalpaket, sondern klicken sich über **verknüpfte Buchungsmasken** von einem Anbieter zum nächsten. Ohne § 651c BGB wären solche Zusammenstellungen bloße Einzelbuchungen ohne Reiseveranstalterhaftung. Die Norm knüpft daher an das typische **„Click-Through"-Muster** an, bei dem der Kundenfluss und die Kundendaten gezielt zwischen zwei Unternehmern weitergereicht werden.

## Die drei Voraussetzungen des § 651c Abs. 1 BGB

Damit aus getrennten Verträgen kraft Gesetzes eine Pauschalreise wird, müssen **alle drei** Merkmale des § 651c Abs. 1 BGB **kumulativ** erfüllt sein:

- **Nr. 1 – Vermittlung über fremdes Buchungsverfahren:** Der erste Unternehmer vermittelt dem Reisenden **für den Zweck derselben Reise** mindestens einen Vertrag über eine **andere Art** von Reiseleistung, indem er den **Zugriff auf das Online-Buchungsverfahren eines anderen Unternehmers ermöglicht** – praktisch durch einen Weiterleitungs-Button, ein eingebettetes Buchungsfenster oder einen personalisierten Link. „Andere Art" bedeutet: Zum gebuchten Flug muss z. B. eine Beherbergung, eine Fahrzeugmiete oder eine sonstige touristische Leistung hinzukommen (§ 651a Abs. 3 BGB); zwei Leistungen derselben Art (etwa zwei Flüge) genügen nicht.
- **Nr. 2 – Datenübermittlung:** Der erste Unternehmer **übermittelt** dem anderen Unternehmer **Name, Zahlungsdaten und E-Mail-Adresse** des Reisenden. Dieses gezielte Weiterreichen der Kundendaten ist das entscheidende Abgrenzungsmerkmal gegenüber einer bloßen Werbeverlinkung: Wird der Reisende nur auf eine fremde Startseite geleitet und muss er dort seine Daten **selbst neu eingeben**, fehlt es an der Übermittlung nach Nr. 2.
- **Nr. 3 – 24-Stunden-Frist:** Der **weitere Vertrag** muss **spätestens 24 Stunden nach der Bestätigung** des Vertragsschlusses über die erste Reiseleistung zustande kommen. Wird die Zweitleistung erst später gebucht, greift § 651c BGB nicht.

Sind alle drei Merkmale erfüllt, ordnet **§ 651c Abs. 2 BGB** an, dass die vom Reisenden geschlossenen Verträge – vorbehaltlich des § 651a Abs. 4 BGB – **zusammen als ein Pauschalreisevertrag** im Sinne des § 651a Abs. 1 BGB gelten.

## Rechtsfolge: Der erste Unternehmer wird Reiseveranstalter

Die zentrale Wirkung des § 651c BGB ist die **Zurechnung der Veranstalterrolle**: Der Unternehmer, bei dem der Reisende **zuerst** gebucht hat, gilt als **Reiseveranstalter** der gesamten Zusammenstellung. Damit haftet er nicht nur für seine eigene Leistung, sondern für die **ordnungsgemäße Erbringung sämtlicher** in die Pauschalreise einbezogenen Reiseleistungen. Für den Reisenden bedeutet das den vollen Rechterahmen des Pauschalreiserechts:

- **Mängelrechte** nach §§ 651i ff. BGB: Abhilfe (§ 651k BGB), Kündigung bei erheblichem Mangel (§ 651l BGB), **Minderung** kraft Gesetzes für die Dauer des Mangels (§ 651m BGB) und **Schadensersatz** einschließlich Entschädigung für nutzlos aufgewendete Urlaubszeit (§§ 651n, 651n Abs. 2 BGB).
- **Beistandspflicht** des Veranstalters bei Schwierigkeiten (§ 651q BGB).
- **Insolvenzabsicherung** der Kundengelder und Rückbeförderung mit Aushändigung eines **Sicherungsscheins** (§ 651r BGB) sowie das Anzahlungsverbot ohne Absicherungsnachweis (§ 651t BGB).
- **Vorvertragliche Informationspflichten** nach Art. 250 EGBGB, einschließlich des Formblatts, das über den Pauschalreise-Status aufklärt.

Ein einzelner Ansprechpartner haftet damit für das Gesamtprodukt, obwohl der Reisende formal mit zwei verschiedenen Anbietern kontrahiert hat.

## Abgrenzung: § 651a, § 651c und § 651w BGB

Das Reiserecht kennt drei Stufen, die auseinandergehalten werden müssen:

- **§ 651a Abs. 2 BGB – klassische Pauschalreise:** Eine Gesamtheit aus mindestens zwei verschiedenen Arten von Reiseleistungen wird **von einem Unternehmer** zusammengestellt – entweder in **einem** Vertrag oder auf Wunsch/Auswahl des Reisenden. Typisch: der Katalog- oder Baukasten-Urlaub eines Veranstalters.
- **§ 651c BGB – Click-Through-Pauschalreise:** **Getrennte** Verträge mit **verschiedenen** Unternehmern werden über das verbundene Online-Buchungsverfahren (Datenübermittlung + 24-Stunden-Frist) zusammengeführt und **gelten** als **eine** Pauschalreise. Voller Veranstalterschutz.
- **§ 651w BGB – Vermittlung verbundener Reiseleistungen:** Der Unternehmer vermittelt lediglich getrennte Verträge, **ohne** dass die Voraussetzungen des § 651c BGB erfüllt sind (z. B. keine Datenübermittlung, Buchung außerhalb der 24-Stunden-Frist oder getrennte, aber koordinierte Vor-Ort-Buchung). Es entsteht **keine** Pauschalreise; der Vermittler schuldet **nur** eine **Insolvenzabsicherung** der bei ihm eingezogenen Zahlungen und einen entsprechenden Hinweis. Die Mängel- und Beistandsrechte des Pauschalreiserechts greifen **nicht**.

Die Weichen zwischen § 651c und § 651w BGB stellt vor allem die **Datenübermittlung nach § 651c Abs. 1 Nr. 2** und die **24-Stunden-Frist nach Nr. 3**: Sie entscheiden über Voll- oder bloßen Insolvenzschutz.

## Sonderregeln: § 651a Abs. 4 und Abs. 5 Nr. 2 BGB

§ 651c BGB verweist auf zwei Einschränkungen des § 651a BGB:

- **§ 651a Abs. 4 BGB (Vorbehalt in Abs. 2):** Wird nur **eine** Art von Beförderung, Beherbergung oder Fahrzeugmiete mit **touristischen Nebenleistungen** kombiniert, liegt keine Pauschalreise vor, wenn die touristischen Leistungen **keinen erheblichen Anteil** (weniger als **25 %** des Gesamtwertes) ausmachen und weder wesentliches Merkmal sind noch als solches beworben werden, oder erst **nach Reisebeginn** ausgewählt werden. Diese Bagatellgrenze gilt auch im Click-Through-Fall.
- **§ 651a Abs. 5 Nr. 2 BGB in Verbindung mit § 651c Abs. 3 BGB:** Für **Tagesreisen** (weniger als 24 Stunden Dauer, keine Übernachtung) ist das Pauschalreiserecht grundsätzlich nur bis zu einem Reisepreis von **500 Euro** ausgeschlossen. § 651c Abs. 3 BGB ordnet an, dass diese Ausnahme im verbundenen Online-Buchungsverfahren **unabhängig von der Höhe des Reisepreises** anzuwenden ist. Eine reine Click-Through-Tagesreise ohne Übernachtung führt daher – auch oberhalb von 500 Euro – **nicht** in das Pauschalreiserecht.

## Praktische Hinweise für Reisende

Wer online eine Reiseleistung bucht und **unmittelbar danach** über einen Weiterleitungs- oder „Jetzt dazubuchen"-Button eine zweite Leistung eines **anderen** Anbieters bucht, sollte prüfen, ob die zweite Buchungsmaske bereits mit den **eigenen Daten vorbelegt** ist. Trifft das zu und erfolgt die Zweitbuchung **innerhalb von 24 Stunden**, spricht viel für eine **Click-Through-Pauschalreise** nach § 651c BGB – mit der Folge, dass der **erste** Anbieter als Reiseveranstalter für die gesamte Reise haftet und einen **Sicherungsschein** stellen muss. Reisende sollten die **Buchungsbestätigungen und das vorvertragliche Informationsformblatt** (Art. 250 EGBGB) aufbewahren; dort ist auszuweisen, ob eine Pauschalreise vorliegt. Bei Mängeln ist dann der **erste** Anbieter der richtige Anspruchsgegner, nicht (nur) der zweite Leistungsträger. Fehlt eine der drei Voraussetzungen, bleibt regelmäßig nur der **Insolvenzschutz** nach § 651w BGB, während Minderung und Schadensersatz gegenüber dem jeweiligen Einzelanbieter gesondert durchgesetzt werden müssen. Da die Regelung über **§ 651y BGB halbzwingend** ist, sind Klauseln, die den Reisenden schlechterstellen, unwirksam.




## Quellen

- § 651c BGB – Verbundene Online-Buchungsverfahren: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__651c.html [gesetze-im-internet.de, Autorität A]
- § 651a BGB – Vertragstypische Pflichten beim Pauschalreisevertrag (Begriff, Abs. 3–5): https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__651a.html [gesetze-im-internet.de, Autorität A]
- § 651w BGB – Vermittlung verbundener Reiseleistungen: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__651w.html [gesetze-im-internet.de, Autorität A]
- Richtlinie (EU) 2015/2302 über Pauschalreisen und verbundene Reiseleistungen (Art. 3): https://eur-lex.europa.eu/eli/dir/2015/2302/oj [eur-lex.europa.eu, Autorität A]
- § 651c BGB – Normtext und Rechtsprechungsnachweise: https://dejure.org/gesetze/BGB/651c.html [dejure.org, Autorität B]

## Änderungsverlauf

- 2026-07-27: Erstveröffentlichung der Faktenseite, alle Quellen-URLs gegen amtliche Stellen gegengeprüft, Frontmatter-Felder gesetzt (legal_status, authority_level, wikidata_subjects). | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"