---
title: "Wertgrenzen in der Zwangsversteigerung – 7/10-Grenze und 5/10-Grenze (§§ 74a, 74b, 85a ZVG)"
slug: "verkehrswert-wertgrenzen-74a-85a-zvg"
domaine: "prozess-vollstreckungsrecht"
valid_from: "2026-10-27"
valid_to: null
last_reviewed: "2026-10-27"
statut: "In Kraft"
authority_level: "A"
legal_status: "in_force"
license: CC-BY-4.0
url: https://nexvyra.de/fakten/verkehrswert-wertgrenzen-74a-85a-zvg.md
wikidata_subjects: []
factcheck_status: "ok"
---

# Wertgrenzen in der Zwangsversteigerung – 7/10-Grenze und 5/10-Grenze (§§ 74a, 74b, 85a ZVG)

## Kurzantwort

Bleibt das **Meistgebot** in der Zwangsversteigerung eines Grundstücks deutlich unter dem festgesetzten **Grundstückswert**, schützt das ZVG davor, dass die Immobilie unter Wert zugeschlagen wird. Liegt das Meistgebot samt Kapitalwert der bestehen bleibenden Rechte **unter sieben Zehnteln** des Grundstückswerts, ist der Zuschlag **auf Antrag** eines Berechtigten zu versagen, dessen Anspruch durch das Gebot nicht gedeckt ist (**§ 74a Abs. 1 ZVG**). Erreicht das Meistgebot samt bestehen bleibenden Rechten **nicht die Hälfte** des Grundstückswerts, ist der Zuschlag **von Amts wegen** zu versagen (**§ 85a Abs. 1 ZVG**). Beide Grenzen gelten nur im **ersten** Versteigerungstermin; im neuen Termin darf der Zuschlag aus diesen Gründen nicht mehr versagt werden (**§ 74a Abs. 4, § 85a Abs. 2 ZVG**).

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| 7/10-Grenze | Meistgebot + Kapitalwert bestehen bleibender Rechte unter 7/10 des Grundstückswerts (§ 74a Abs. 1 ZVG) |
| Verfahren bei 7/10-Grenze | Versagung des Zuschlags nur auf Antrag eines Berechtigten, der bei einem Gebot in Höhe von 7/10 voraussichtlich gedeckt wäre (§ 74a Abs. 1 ZVG) |
| Widerspruch | betreibender Gläubiger kann widersprechen und muss glaubhaft machen, dass ihm durch die Versagung ein unverhältnismäßiger Nachteil entstünde (§ 74a Abs. 1 ZVG) |
| Zeitpunkt für Antrag/Widerspruch | nur bis zum Schluss der Verhandlung über den Zuschlag (§ 74a Abs. 2 ZVG) |
| 5/10-Grenze | Meistgebot + Kapitalwert bestehen bleibender Rechte erreicht nicht die Hälfte des Grundstückswerts (§ 85a Abs. 1 ZVG) |
| Verfahren bei 5/10-Grenze | Zuschlag ist von Amts wegen zu versagen, kein Antrag nötig (§ 85a Abs. 1 ZVG) |
| Neuer Termin | von Amts wegen; Abstand grundsätzlich mindestens drei, höchstens sechs Monate (§ 74a Abs. 3, § 85a Abs. 2 ZVG) |
| Wirkung im neuen Termin | Zuschlag darf nicht mehr aus den Gründen des § 74a Abs. 1 oder § 85a Abs. 1 ZVG versagt werden (§ 74a Abs. 4, § 85a Abs. 2 ZVG) |
| Wertfestsetzung | durch das Vollstreckungsgericht, bei Bedarf nach Anhörung von Sachverständigen (§ 74a Abs. 5 ZVG) |
| Anfechtung der Wertfestsetzung | sofortige Beschwerde gegen den Festsetzungsbeschluss (§ 74a Abs. 5 ZVG) |
| Meistgebot des Berechtigten | § 74a ist unter den Voraussetzungen des § 74b ZVG nicht anwendbar |

## Was ist der Grundstückswert?

Maßstab beider Grenzen ist der vom **Vollstreckungsgericht festgesetzte Grundstückswert** (§ 74a Abs. 5 ZVG). Das Gericht setzt ihn selbst fest und kann dafür **Sachverständige anhören**. Der Wert beweglicher Gegenstände, auf die sich die Versteigerung erstreckt, wird **frei geschätzt**.

Die Festsetzung erfolgt durch **Beschluss**, der mit der **sofortigen Beschwerde** angefochten werden kann (§ 74a Abs. 5 ZVG; zur Beschwerde allgemein § 567 ZPO). Ein Zuschlag oder dessen Versagung kann dagegen **nicht** damit angegriffen werden, der Grundstückswert sei unrichtig festgesetzt worden (§ 74a Abs. 5 ZVG). Wer den Wert für falsch hält, muss den Festsetzungsbeschluss also **selbst und rechtzeitig** angreifen.

## Die 7/10-Grenze (§ 74a ZVG)

Bei der Prüfung zählt nicht allein das **bare Meistgebot**. Hinzu kommt der **Kapitalwert der nach den Versteigerungsbedingungen bestehen bleibenden Rechte** (etwa übernommene Grundpfandrechte). Erst die Summe wird mit sieben Zehnteln des Grundstückswerts verglichen.

- **Antrag erforderlich:** Das Gericht prüft die 7/10-Grenze nicht von Amts wegen. Einen Antrag auf Versagung kann ein **Berechtigter** stellen, dessen Anspruch durch das Meistgebot **ganz oder teilweise nicht gedeckt** ist, bei einem Gebot in Höhe von 7/10 aber **voraussichtlich gedeckt** wäre.
- **Widerspruch des betreibenden Gläubigers:** Der Antrag wird abgelehnt, wenn der **betreibende Gläubiger** widerspricht und **glaubhaft macht**, dass ihm durch die Versagung des Zuschlags ein **unverhältnismäßiger Nachteil** entstehen würde.
- **Frist:** Antrag und Widerspruch sind nur **bis zum Schluss der Verhandlung über den Zuschlag** zulässig (§ 74a Abs. 2 ZVG).
- **Folge:** Wird der Zuschlag versagt, bestimmt das Gericht **von Amts wegen** einen neuen Versteigerungstermin (§ 74a Abs. 3 ZVG).

## Die 5/10-Grenze (§ 85a ZVG)

Die Hälftegrenze ist **strenger**, weil sie ohne Antrag wirkt: Erreichen Meistgebot und Kapitalwert der bestehen bleibenden Rechte **nicht die Hälfte des Grundstückswerts**, ist der Zuschlag **zwingend zu versagen** (§ 85a Abs. 1 ZVG). Auf einen Widerspruch des Gläubigers kommt es nicht an.

**Sonderfall Meistgebot eines Berechtigten:** Hat ein zur Befriedigung aus dem Grundstück Berechtigter das Meistgebot abgegeben, gilt die 5/10-Grenze nicht, wenn sein Gebot **zusammen mit dem Betrag, mit dem er bei der Erlösverteilung ausfallen würde,** die Hälfte des Grundstückswerts erreicht (§ 85a Abs. 3 ZVG). Entsprechend greift § 74a nicht, wenn Gebot, Kapitalwert der bestehen bleibenden Rechte und der Ausfallbetrag zusammen **sieben Zehntel** erreichen und der Ausfallbetrag rangmäßig unmittelbar an den letzten durch das Gebot noch gedeckten Betrag anschließt (§ 74b ZVG).

## Der neue Termin: keine zweite Versagung

Wird der Zuschlag wegen der 7/10- oder der 5/10-Grenze versagt, soll der **neue Termin** grundsätzlich **frühestens nach drei und spätestens nach sechs Monaten** stattfinden, sofern die Umstände nichts anderes gebieten (§ 74a Abs. 3 ZVG). Im neuen Termin gilt: Der Zuschlag darf **weder** aus den Gründen des § 74a Abs. 1 **noch** des § 85a Abs. 1 ZVG versagt werden (§ 74a Abs. 4, § 85a Abs. 2 ZVG). Ein niedriges Gebot kann dann also zugeschlagen werden, wenn kein anderer Versagungsgrund (§ 83 ZVG) vorliegt.

## Beispiel

*Fiktives Beispiel:* Das Vollstreckungsgericht hat den Grundstückswert auf **200.000 Euro** festgesetzt. Im ersten Termin beträgt das Meistgebot **90.000 Euro**; Rechte, die bestehen bleiben, gibt es nicht. Die 5/10-Grenze liegt bei **100.000 Euro**, die 7/10-Grenze bei **140.000 Euro**. Weil 90.000 Euro unter der Hälfte liegen, **versagt** das Gericht den Zuschlag **von Amts wegen** (§ 85a Abs. 1 ZVG) und bestimmt einen neuen Termin. Hätte das Meistgebot **120.000 Euro** betragen, wäre die 5/10-Grenze erreicht; der Zuschlag würde dann nur versagt, wenn ein Berechtigter, der durch das Gebot nicht gedeckt wäre, aber bei 140.000 Euro voraussichtlich gedeckt würde, einen **Antrag** nach § 74a ZVG stellt und der betreibende Gläubiger nicht erfolgreich widerspricht. Im **neuen Termin** könnte der Zuschlag auch bei einem Gebot von 90.000 Euro erteilt werden.

## Häufige Fehler

- **7/10 und 5/10 verwechseln.** Die 7/10-Grenze wirkt nur **auf Antrag**, die 5/10-Grenze **von Amts wegen**.
- **Nur das bare Gebot vergleichen.** Maßgeblich ist das Meistgebot **zuzüglich** des Kapitalwerts der bestehen bleibenden Rechte.
- **Antrag zu spät stellen.** Antrag und Widerspruch nach § 74a ZVG sind nur bis zum **Schluss der Verhandlung über den Zuschlag** möglich.
- **Falsche Wertfestsetzung erst im Zuschlagsverfahren rügen.** Das ist ausgeschlossen (§ 74a Abs. 5 ZVG); der Festsetzungsbeschluss ist **selbst** mit der sofortigen Beschwerde anzugreifen.
- **Schutz im Folgetermin erwarten.** Im neuen Termin entfallen beide Grenzen (§ 74a Abs. 4, § 85a Abs. 2 ZVG).

## Geltungsbereich

Die §§ 74a, 74b und 85a ZVG regeln die **Zwangsversteigerung von Grundstücken** und grundstücksgleichen Rechten. Für die Verwertung gepfändeter beweglicher Sachen gelten die §§ 814 ff. ZPO, nicht diese Grenzen. Dies ist eine allgemeine Information und keine Rechtsberatung.

## Siehe auch

- [Zwangsversteigerung einer Immobilie (ZVG)](https://nexvyra.de/fakten/zwangsversteigerung-immobilie-zvg.html)
- [Zuschlagsbeschwerde in der Zwangsversteigerung (§§ 95–104 ZVG)](https://nexvyra.de/fakten/zuschlagsbeschwerde-zwangsversteigerung-96-zvg.html)
- [Rangklassen in der Zwangsversteigerung (§ 10 ZVG)](https://nexvyra.de/fakten/rangklassen-zwangsversteigerung-10-zvg.html)
- [Einstweilige Einstellung der Zwangsversteigerung (§ 30a ZVG)](https://nexvyra.de/fakten/einstweilige-einstellung-zwangsversteigerung-30a-zvg.html)
- [Teilungsversteigerung (§ 180 ZVG)](https://nexvyra.de/fakten/teilungsversteigerung-nachlass-180-zvg.html)
- [Zwangsverwaltung einer Immobilie (ZVG)](https://nexvyra.de/fakten/zwangsverwaltung-immobilie-zvg.html)
- [Sofortige Beschwerde (§ 567 ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/sofortige-beschwerde-567-zpo.html)

## Änderungsverlauf

- 2026-10-27: Erstveröffentlichung (Prozess- & Vollstreckungsrecht-Agent, 14:15-Lauf). NEU zur Queue hinzugefügt (0 offene `[ ]`-Einträge). Bestandslücke: §§ 74a, 74b, 85a ZVG nur beiläufig erwähnt, keine eigene Seite. Wortlaut/Inhalt §§ 74a, 74b, 85a ZVG am 2026-10-27 per WebFetch von gesetze-im-internet.de abgerufen (HTTP 200).

## Stand

- Stand: 2026-10-27
- Status: aktuell (geltendes Recht)
- Quellenautorität: A
- Lizenz: CC BY 4.0

## Quellen

- § 74a ZVG – Versagung des Zuschlags bei Meistgebot unter 7/10, Wertfestsetzung:
  https://www.gesetze-im-internet.de/zvg/__74a.html
- § 74b ZVG – Meistgebot eines zur Befriedigung Berechtigten:
  https://www.gesetze-im-internet.de/zvg/__74b.html
- § 85a ZVG – Versagung des Zuschlags bei Meistgebot unter 5/10:
  https://www.gesetze-im-internet.de/zvg/__85a.html
- § 83 ZVG – Versagungsgründe:
  https://www.gesetze-im-internet.de/zvg/__83.html
- ZVG Gesamttext:
  https://www.gesetze-im-internet.de/zvg/

## Stand

- Letzte Änderung: 2026-10-27
- Letzte Prüfung: 2026-10-27
- In Kraft seit: 2026-10-27
- Status: In Kraft
- Quellen-Autorität: A
- Lizenz: CC BY 4.0
