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title: Vermögensauskunft / eidesstattliche Versicherung (§ 802c ZPO)
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topic: prozess-vollstreckungsrecht
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# Vermögensauskunft / eidesstattliche Versicherung (§ 802c ZPO)

## Kurzantwort

Die **Vermögensauskunft** (früher „eidesstattliche Versicherung" oder „Offenbarungseid") ist das Mittel, mit dem ein Gläubiger erfährt, welches pfändbare Vermögen ein Schuldner besitzt. Auf Verlangen des Gläubigers muss der Schuldner ein **Vermögensverzeichnis** vorlegen und **an Eides statt** versichern, dass seine Angaben richtig und vollständig sind (§ 802c ZPO). Abgenommen wird die Auskunft seit der Reform **„Sachaufklärung in der Zwangsvollstreckung" (1. Januar 2013)** vom **Gerichtsvollzieher**, nicht mehr vom Rechtspfleger. Der Gerichtsvollzieher setzt dem Schuldner zunächst eine **Zahlungsfrist von zwei Wochen** und bestimmt bei Nichtzahlung einen Termin (§ 802f ZPO). Erscheint der Schuldner **unentschuldigt nicht** oder verweigert er die Auskunft **grundlos**, kann das Gericht auf Antrag des Gläubigers einen **Haftbefehl** zur Erzwingungshaft erlassen (§ 802g ZPO); die Haft darf **sechs Monate** nicht übersteigen (§ 802j ZPO). Wer die Auskunft nicht abgibt, wird in das **Schuldnerverzeichnis** eingetragen (§ 882c ZPO); die Eintragung wird nach **drei Jahren** gelöscht (§ 882e ZPO). Innerhalb von **zwei Jahren** muss der Schuldner grundsätzlich keine erneute Vermögensauskunft abgeben (§ 802d ZPO).

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | **§ 802c ZPO** (Vermögensauskunft), **§ 802d** (Sperrfrist), **§ 802f** (Verfahren), **§ 802g/§ 802j** (Erzwingungshaft), **§ 802k** (Vermögensverzeichnisregister), **§§ 882b–882e ZPO** (Schuldnerverzeichnis) |
| Zuständig für die Abnahme | **Gerichtsvollzieher** (seit Reform vom 01.01.2013) |
| Zuständig für den Haftbefehl | **Vollstreckungsgericht** (Amtsgericht) auf Antrag des Gläubigers (§ 802g ZPO) |
| Inhalt | Vollständiges **Vermögensverzeichnis** aller Vermögensgegenstände; Geburtsdatum und -ort; bei Forderungen Grund und Beweismittel (§ 802c Abs. 1, 2 ZPO) |
| Auskunftsform | Angaben werden zu Protokoll **an Eides statt** versichert (§ 802c Abs. 3 ZPO) |
| Vorlauf | Gerichtsvollzieher setzt **zwei Wochen** Zahlungsfrist, dann Terminbestimmung (§ 802f Abs. 1 ZPO) |
| Sperrfrist | binnen **zwei Jahren** keine erneute Auskunft, außer der Gläubiger macht wesentliche Vermögensänderung glaubhaft (§ 802d Abs. 1 ZPO) |
| Speicherung | elektronisches **Vermögensverzeichnis** beim **zentralen Vollstreckungsgericht** des Landes (§ 802k ZPO) |
| Folge der Nichtabgabe | **Eintragung ins Schuldnerverzeichnis** von Amts wegen (§ 882c ZPO) |
| Erzwingungshaft | Haftbefehl bei unentschuldigtem Nichterscheinen oder grundloser Verweigerung; **max. 6 Monate** (§§ 802g, 802j ZPO) |
| Löschung im Schuldnerverzeichnis | nach **3 Jahren** seit der Eintragungsanordnung; früher bei Nachweis der Befriedigung (§ 882e ZPO) |
| Einsicht Schuldnerverzeichnis | zweckgebunden über das zentrale **Vollstreckungsportal** der Länder (§ 882f ZPO) |

## Was die Vermögensauskunft ist

Die Vermögensauskunft nach § 802c ZPO ist das zentrale **Instrument der Sachaufklärung** in der Zwangsvollstreckung. Weiß der Gläubiger nicht, worin er vollstrecken soll – welches Konto, welcher Arbeitgeber, welche Wertgegenstände –, kann er den Schuldner zwingen, sein Vermögen offenzulegen. Der Schuldner ist verpflichtet, auf Verlangen des Gerichtsvollziehers zum Zweck der Vollstreckung einer Geldforderung **Auskunft über sein Vermögen** zu erteilen und dazu ein **Vermögensverzeichnis** vorzulegen (§ 802c Abs. 1 ZPO). Bis zur Reform 2013 hieß dieses Verfahren „Abgabe der eidesstattlichen Versicherung" oder umgangssprachlich „Offenbarungseid"; der Begriff **Vermögensauskunft** ist seither die gesetzliche Bezeichnung.

Voraussetzung ist – wie bei jeder Zwangsvollstreckung – ein **vollstreckbarer Titel** (z. B. Urteil, Vollstreckungsbescheid oder notarielle Urkunde) mit Vollstreckungsklausel, der dem Schuldner zugestellt wurde. Anders als bei der Pfändung wird hier aber kein Vermögensgegenstand ergriffen, sondern **Information** beschafft, auf deren Grundlage der Gläubiger anschließend gezielt pfänden kann.

## Inhalt des Vermögensverzeichnisses (§ 802c ZPO)

Im Vermögensverzeichnis muss der Schuldner **alle ihm gehörenden Vermögensgegenstände** angeben; bei Forderungen sind Grund und Beweismittel zu bezeichnen (§ 802c Abs. 1 ZPO). Zusätzlich anzugeben sind **Geburtsdatum und Geburtsort**. Erfasst werden außerdem bestimmte Vermögensverschiebungen der Vergangenheit: **entgeltliche Veräußerungen an nahestehende Personen** aus den letzten **zwei Jahren** sowie **unentgeltliche Leistungen** aus den letzten **vier Jahren** (§ 802c Abs. 2 ZPO). Damit sollen Verschleierungen und Schenkungen kurz vor der Vollstreckung sichtbar werden.

Nach Aufnahme werden dem Schuldner die Angaben **vorgelesen oder am Bildschirm zur Durchsicht angezeigt**; erst danach versichert er **an Eides statt**, dass er sie nach bestem Wissen und Gewissen **richtig und vollständig** gemacht hat (§ 802c Abs. 3 ZPO). Eine **falsche eidesstattliche Versicherung** ist strafbar (§ 156 StGB).

## Ablauf beim Gerichtsvollzieher (§ 802f ZPO)

Zuständig für die Abnahme ist seit dem **1. Januar 2013** der **Gerichtsvollzieher**. Er setzt dem Schuldner zunächst eine **Frist von zwei Wochen zur Zahlung** der Forderung (§ 802f Abs. 1 Nr. 1 ZPO). Zahlt der Schuldner nicht, **bestimmt** der Gerichtsvollzieher einen **Termin zur Abgabe der Vermögensauskunft** und lädt den Schuldner (§ 802f Abs. 1 ff. ZPO). Der Termin findet möglichst bald nach Fristablauf statt; die Ladung kann frühestens zusammen mit der Zahlungsaufforderung zugestellt werden. Zum Termin muss der Schuldner die zur Auskunft erforderlichen Unterlagen mitbringen. Das aufgenommene Vermögensverzeichnis wird als **elektronisches Dokument** erstellt (§ 802f Abs. 6 ZPO, VermVV).

## Speicherung im Vermögensverzeichnisregister (§ 802k ZPO)

Das Vermögensverzeichnis wird bei einem **zentralen Vollstreckungsgericht** des jeweiligen Landes **elektronisch hinterlegt** und dort verwaltet (§ 802k ZPO). Auf diesen Datenbestand können weitere Gerichtsvollzieher, Vollstreckungs- und Strafverfolgungsbehörden sowie – zu Vollstreckungszwecken – Gläubiger unter den gesetzlichen Voraussetzungen zugreifen. Dadurch muss ein Schuldner, der bereits ein Verzeichnis abgegeben hat, nicht gegenüber jedem Gläubiger erneut Auskunft erteilen (siehe Sperrfrist).

## Sperrfrist: keine erneute Auskunft binnen zwei Jahren (§ 802d ZPO)

Hat der Schuldner die Vermögensauskunft abgegeben, ist er innerhalb von **zwei Jahren** grundsätzlich **nicht verpflichtet**, eine erneute Auskunft zu erteilen (§ 802d Abs. 1 ZPO). Ausnahme: Ein Gläubiger macht **glaubhaft**, dass sich die Vermögensverhältnisse des Schuldners wesentlich geändert haben. Besteht keine erneute Auskunftspflicht, übersendet der Gerichtsvollzieher dem Gläubiger einen **Ausdruck des zuletzt abgegebenen Vermögensverzeichnisses**. Das im Register gespeicherte Verzeichnis wird nach Ablauf von zwei Jahren seit Abgabe – oder mit Eingang eines neuen Verzeichnisses – gelöscht.

## Erzwingungshaft: Haftbefehl bei Verweigerung (§§ 802g, 802j ZPO)

Erscheint der Schuldner zum Termin **unentschuldigt nicht** oder **verweigert er ohne Grund** die Abgabe der Vermögensauskunft, erlässt das **Gericht auf Antrag des Gläubigers** einen **Haftbefehl** zur Erzwingung der Auskunft (§ 802g Abs. 1 ZPO). Der Haftbefehl bezeichnet Gläubiger, Schuldner und den Haftgrund. Die **Erzwingungshaft** dient allein dazu, den Schuldner zur Auskunft zu bewegen – sie ist **keine Strafe**. Gibt der Schuldner die Vermögensauskunft ab, ist der Zweck der Haft erreicht und er wird entlassen. Die Haft darf **sechs Monate nicht übersteigen**; nach Ablauf von sechs Monaten ist der Schuldner **kraft Gesetzes** aus der Haft zu entlassen (§ 802j Abs. 1 ZPO).

## Eintragung ins Schuldnerverzeichnis (§§ 882b–882e ZPO)

Neben der Erzwingungshaft hat die Nichtabgabe eine zweite, oft folgenschwerere Wirkung: die **Eintragung ins Schuldnerverzeichnis**. Der Gerichtsvollzieher ordnet die Eintragung **von Amts wegen** an, wenn (1) der Schuldner seiner **Pflicht zur Abgabe** der Vermögensauskunft **nicht nachkommt**, (2) eine Vollstreckung nach dem Inhalt des Verzeichnisses **offensichtlich nicht zur vollständigen Befriedigung** des Gläubigers führen würde, oder (3) der Schuldner **nicht binnen eines Monats** nach Abgabe der Auskunft die Forderung vollständig befriedigt (§ 882c Abs. 1 ZPO). Die Eintragung ist ein wichtiges Bonitätssignal: Sie führt regelmäßig zu Problemen bei Krediten, Mietverträgen und Geschäftsbeziehungen.

Die **Einsicht** in das Schuldnerverzeichnis ist **zweckgebunden** und nur bestimmten Personen und Stellen (etwa zur Prüfung der wirtschaftlichen Zuverlässigkeit oder für Vollstreckungszwecke) über das zentrale **Vollstreckungsportal** der Länder gestattet (§ 882f ZPO). Eine Eintragung wird nach Ablauf von **drei Jahren seit dem Tag der Eintragungsanordnung** vom zentralen Vollstreckungsgericht **gelöscht** (§ 882e Abs. 1 ZPO); eine **frühere Löschung** erfolgt insbesondere, wenn die Befriedigung des Gläubigers nachgewiesen wird oder der Eintragungsgrund wegfällt (§ 882e Abs. 3 ZPO).

## Häufige Fehler

- **„Der Offenbarungseid ist abgeschafft."** Nur der Name. Seit 2013 heißt das Verfahren **Vermögensauskunft** und wird vom **Gerichtsvollzieher** abgenommen (§ 802c ZPO) – die Pflicht besteht unverändert.
- **„Ich muss jedem Gläubiger einzeln Auskunft geben."** Nein. Innerhalb von **zwei Jahren** besteht grundsätzlich **keine erneute Auskunftspflicht**; der Gerichtsvollzieher übersendet dann einen Ausdruck des letzten Verzeichnisses (§ 802d ZPO).
- **„Wer nicht zahlt, kommt sofort in Haft."** Falsch. Die **Erzwingungshaft** setzt einen **Haftbefehl** des Gerichts auf Antrag des Gläubigers voraus und greift nur bei **unentschuldigtem Nichterscheinen** oder **grundloser Verweigerung** (§ 802g ZPO) – nicht bei bloßer Zahlungsunfähigkeit.
- **„Die Haft dauert, bis ich zahle."** Nein. Die Erzwingungshaft darf **sechs Monate nicht übersteigen** (§ 802j ZPO) und endet vorher, sobald die Auskunft abgegeben ist.
- **„Die Eintragung im Schuldnerverzeichnis bleibt für immer."** Nein. Sie wird nach **drei Jahren** gelöscht, bei nachgewiesener Befriedigung auch früher (§ 882e ZPO).
- **„Im Vermögensverzeichnis kann ich Angaben weglassen."** Riskant. Die Angaben werden **an Eides statt** versichert; eine falsche Versicherung ist nach **§ 156 StGB** strafbar.

## Siehe auch

- [Kontopfändung – Ablauf und Schutz (§§ 829, 833a ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/kontopfaendung-ablauf-zpo.html)
- [Pfändungsfreigrenzen bei Lohnpfändung (§ 850c ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/pfaendungsfreigrenzen-850c-zpo.html)
- [P-Konto – Pfändungsschutzkonto (§§ 850k, 899 ff. ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/p-konto-pfaendungsschutz-850k-zpo.html)
- [Vollstreckungsbescheid (§§ 699 ff. ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/vollstreckungsbescheid-699-zpo.html)
- [Gerichtliches Mahnverfahren (§§ 688 ff. ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/gerichtliches-mahnverfahren-688-zpo.html)




## Quellen

- § 802c ZPO – Vermögensauskunft des Schuldners (Vermögensverzeichnis, eidesstattliche Versicherung): https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__802c.html
- § 802d ZPO – Erneute Vermögensauskunft (Zwei-Jahres-Sperrfrist): https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__802d.html
- § 802f ZPO – Verfahren zur Abnahme der Vermögensauskunft (Zwei-Wochen-Frist, Terminbestimmung): https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__802f.html
- § 802g ZPO – Erzwingungshaft (Haftbefehl auf Antrag des Gläubigers): https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__802g.html
- § 802j ZPO – Dauer der Haft (höchstens sechs Monate): https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__802j.html
- § 802k ZPO – Zentrale Verwaltung des Vermögensverzeichnisses: https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__802k.html
- § 882c ZPO – Eintragungsanordnung (Schuldnerverzeichnis): https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__882c.html
- § 882e ZPO – Löschung (Drei-Jahres-Frist): https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__882e.html
- § 882f ZPO – Einsicht in das Schuldnerverzeichnis: https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__882f.html
- BMJ – Zwangsvollstreckung und Pfändungsschutz (amtliche Übersicht): https://www.bmj.de/DE/Themen/FinanzenUndAnlegerschutz/ZwangsvollstreckungPfaendungsschutz/ZwangsvollstreckungPfaendungsschutz_node.html

## Änderungsverlauf

- 2026-07-23: Erstveröffentlichung der Faktenseite, alle Quellen-URLs gegen amtliche Stellen gegengeprüft, Frontmatter-Felder gesetzt (legal_status, authority_level, wikidata_subjects). | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"
## Stand

- Stand: 2026-07-23
- Status: aktuell (geltendes Recht)
- Quellenautorität: A
- Lizenz: CC BY 4.0
