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title: Vollstreckungserinnerung (§ 766 ZPO)
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# Vollstreckungserinnerung (§ 766 ZPO)

## Kurzantwort

Die **Vollstreckungserinnerung** (auch **Erinnerung gegen die Art und Weise der Zwangsvollstreckung**) ist der Rechtsbehelf gegen **Verfahrensfehler** in der Zwangsvollstreckung. Über Anträge, Einwendungen und Erinnerungen, welche die **Art und Weise der Zwangsvollstreckung** oder das vom **Gerichtsvollzieher** dabei zu beobachtende **Verfahren** betreffen, entscheidet das **Vollstreckungsgericht** (§ 766 Abs. 1 Satz 1 ZPO) – also das **Amtsgericht**, in dessen Bezirk vollstreckt wird (§ 764 ZPO). Angegriffen werden damit **formelle Fehler** des Vollstreckungsorgans (z. B. Pfändung unpfändbarer Sachen, Überpfändung, Missachtung von Pfändungsschutz, Formfehler bei der Zustellung), **nicht** der titulierte Anspruch selbst. Die Erinnerung ist **nicht fristgebunden**: Sie ist zulässig, solange die beanstandete Vollstreckungsmaßnahme **noch andauert** bzw. noch nicht beendet ist. Es besteht **kein Anwaltszwang**. Die Erinnerung hat **keine automatische aufschiebende Wirkung**; das Gericht kann die Zwangsvollstreckung aber auf Antrag **einstweilen einstellen** (§ 766 Abs. 1 Satz 2 i. V. m. § 732 Abs. 2 ZPO). Nach § 766 Abs. 2 ZPO ist die Erinnerung auch dann eröffnet, wenn der **Gerichtsvollzieher sich weigert**, einen Auftrag zu übernehmen oder auszuführen (Untätigkeit), oder wenn wegen der **von ihm angesetzten Kosten** Einwendungen erhoben werden. Gegen die Entscheidung des Vollstreckungsgerichts findet die **sofortige Beschwerde** statt (§ 793 ZPO).

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | **§ 766 ZPO** (Erinnerung gegen Art und Weise der Zwangsvollstreckung) |
| Rechtsbehelf gegen | **Art und Weise der Zwangsvollstreckung** / Verfahren des Gerichtsvollziehers = **formelle / Verfahrensfehler** |
| Nicht erfasst | der **titulierte Anspruch** selbst (→ § 767) und das **Recht eines Dritten** am Gegenstand (→ § 771) |
| Berechtigt | jeder **Beteiligte** (Schuldner, Gläubiger, betroffener Dritter), dessen Rechte durch die Art und Weise verletzt sind |
| Zuständig | **Vollstreckungsgericht** = Amtsgericht des Vollstreckungsbezirks (§§ 766 Abs. 1, 764 ZPO); funktionell meist der **Rechtspfleger** |
| Frist | **keine** – zulässig, solange die Vollstreckungsmaßnahme **noch nicht beendet** ist |
| Anwaltszwang | **nein** (§ 78 ZPO gilt beim Vollstreckungsgericht nicht) |
| Aufschiebende Wirkung | **keine automatische**; einstweilige Einstellung möglich (**§ 766 Abs. 1 S. 2 i. V. m. § 732 Abs. 2 ZPO**) |
| Sonderfälle (Abs. 2) | **Weigerung** des Gerichtsvollziehers (Untätigkeit) und **Kostenansatz** (Kostenerinnerung) |
| Rechtsmittel | **sofortige Beschwerde** (§ 793 ZPO) |
| Abgrenzung | materielle Einwendungen des Schuldners → **Vollstreckungsabwehrklage** (§ 767); Recht eines Dritten → **Drittwiderspruchsklage** (§ 771); Vollstreckungsklausel → **Klauselerinnerung** (§ 732) |

## Wozu dient die Vollstreckungserinnerung? (§ 766 Abs. 1 ZPO)

Die Zwangsvollstreckung wird von **Vollstreckungsorganen** durchgeführt – vor allem vom **Gerichtsvollzieher** und vom **Vollstreckungsgericht**. Dabei können **Verfahrensfehler** unterlaufen: Es wird eine Sache gepfändet, die **unpfändbar** ist, es wird **mehr** gepfändet als zur Deckung nötig, es werden **Pfändungsschutzvorschriften** missachtet oder **Form- und Zustellungsvorschriften** verletzt. Gegen solche Fehler in der **Art und Weise** der Vollstreckung stellt § 766 ZPO die **Erinnerung** bereit.

Nach § 766 Abs. 1 Satz 1 ZPO entscheidet über **Anträge, Einwendungen und Erinnerungen, welche die Art und Weise der Zwangsvollstreckung oder das vom Gerichtsvollzieher bei ihr zu beobachtende Verfahren betreffen**, das **Vollstreckungsgericht**. Es ist dabei befugt, die in **§ 732 Abs. 2 ZPO** bezeichneten **einstweiligen Anordnungen** zu erlassen (§ 766 Abs. 1 Satz 2 ZPO). Angegriffen wird also **wie** vollstreckt wird – nicht **ob** der zugrunde liegende Anspruch besteht. Für Einwendungen gegen den titulierten Anspruch ist die Vollstreckungsabwehrklage (§ 767 ZPO) der richtige Weg.

## Was heißt „Art und Weise der Zwangsvollstreckung"?

Erfasst sind **formelle** Fehler des Vollstreckungsverfahrens, insbesondere:

- **Pfändung unpfändbarer Sachen** – Verstoß gegen den Katalog des § 811 ZPO (z. B. für die Berufsausübung oder eine bescheidene Lebensführung unentbehrliche Gegenstände).
- **Missachtung des Pfändungsschutzes** bei Arbeitseinkommen (Pfändungsfreigrenzen, § 850c ZPO) oder beim Kontoguthaben.
- **Überpfändung** oder zwecklose Pfändung – die Pfändung darf nicht weiter ausgedehnt werden, als zur Befriedigung des Gläubigers und zur Deckung der Kosten erforderlich ist (§ 803 ZPO).
- **Vollstreckung zur Unzeit** oder ohne die erforderliche **richterliche Durchsuchungsanordnung** (§ 758a ZPO).
- **Form- und Verfahrensfehler**, etwa fehlerhafte Zustellung, unrichtige Protokollierung oder Verstöße gegen Zuständigkeits- und Ablaufregeln.

Nicht mit der Erinnerung geltend zu machen sind dagegen **materiell-rechtliche** Einwendungen gegen den Anspruch (Erfüllung, Stundung, Aufrechnung, Verjährung) – dafür ist § 767 ZPO vorgesehen – und das **Eigentum oder ein sonstiges die Veräußerung hinderndes Recht eines Dritten**, das über die Drittwiderspruchsklage (§ 771 ZPO) verfolgt wird.

## Zuständigkeit, Frist und Verfahren

Zuständig ist das **Vollstreckungsgericht**, das heißt das **Amtsgericht**, in dessen Bezirk die Zwangsvollstreckung stattfindet oder erfolgen soll (§§ 766 Abs. 1, 764 ZPO). Funktionell entscheidet innerhalb des Gerichts regelmäßig der **Rechtspfleger**. Vor dem Vollstreckungsgericht besteht **kein Anwaltszwang** – Schuldner, Gläubiger oder betroffene Dritte können die Erinnerung selbst einlegen; sie ist an **keine besondere Form** gebunden und kann auch zu Protokoll der Geschäftsstelle erklärt werden.

Die Erinnerung ist **nicht fristgebunden**. Sie kann eingelegt werden, **solange die Vollstreckungsmaßnahme noch andauert** bzw. das Verfahren noch nicht beendet ist. Ist die konkrete Maßnahme bereits **vollständig abgeschlossen**, fehlt der Erinnerung in der Regel das Rechtsschutzbedürfnis; ein nachträglicher Angriff kommt nur ausnahmsweise (etwa bei fortbestehender Beschwer oder besonderem Feststellungsinteresse) in Betracht.

## Einstweiliger Rechtsschutz: keine automatische aufschiebende Wirkung

Die bloße Einlegung der Erinnerung **hemmt die Zwangsvollstreckung nicht** – sie läuft also zunächst weiter. Das Vollstreckungsgericht ist aber ausdrücklich befugt, die in **§ 732 Abs. 2 ZPO** bezeichneten **einstweiligen Anordnungen** zu treffen (§ 766 Abs. 1 Satz 2 ZPO). Danach kann angeordnet werden, dass die **Zwangsvollstreckung** – gegen oder ohne Sicherheitsleistung – **einstweilen einzustellen** ist bzw. **nur gegen Sicherheitsleistung** fortgesetzt werden darf, und dass bereits getroffene **Vollstreckungsmaßregeln aufzuheben** sind. Wer die Vollstreckung stoppen will, muss diese einstweilige Einstellung also **gesondert beantragen**.

## Untätigkeit und Kostenansatz des Gerichtsvollziehers (§ 766 Abs. 2 ZPO)

§ 766 Abs. 2 ZPO erweitert die Zuständigkeit des Vollstreckungsgerichts auf zwei praktisch wichtige Konstellationen:

- **Weigerung / Untätigkeit:** Weigert sich ein Gerichtsvollzieher, einen **Vollstreckungsauftrag zu übernehmen** oder eine Vollstreckungshandlung **dem Auftrag gemäß auszuführen**, entscheidet ebenfalls das Vollstreckungsgericht. Dieser Rechtsbehelf wird häufig als **Untätigkeits- oder Vollstreckungsauftrags-Erinnerung** bezeichnet – hier wendet sich meist der **Gläubiger** gegen ein Unterlassen.
- **Kostenansatz:** Werden **wegen der vom Gerichtsvollzieher in Ansatz gebrachten Kosten** Einwendungen erhoben, entscheidet das Vollstreckungsgericht (**Kostenerinnerung**). Angegriffen wird dann die Höhe oder der Grund der berechneten Gerichtsvollzieherkosten.

## Rechtsmittel: sofortige Beschwerde (§ 793 ZPO)

Gegen die **Entscheidung des Vollstreckungsgerichts** über die Erinnerung ist die **sofortige Beschwerde** statthaft. Nach § 793 ZPO findet gegen Entscheidungen, die **im Zwangsvollstreckungsverfahren ohne mündliche Verhandlung** ergehen können, die sofortige Beschwerde statt. Sie ist – nach den allgemeinen Regeln der §§ 567 ff. ZPO – binnen einer **Notfrist von zwei Wochen** einzulegen. Entscheidet zunächst der Rechtspfleger, ist gegen dessen Entscheidung der Rechtsbehelf nach dem Rechtspflegergesetz gegeben, der als sofortige Beschwerde behandelt wird; hilft der Rechtspfleger nicht ab, legt er die Sache dem Beschwerdegericht vor.

## Abgrenzung zu anderen Rechtsbehelfen

Die Rechtsbehelfe der Zwangsvollstreckung unterscheiden sich nach **Angriffsziel** und **Betroffenem**:

- **Vollstreckungserinnerung (§ 766 ZPO):** gegen **Verfahrensfehler** / die **Art und Weise** der Vollstreckung. Entscheidung durch das **Vollstreckungsgericht**, keine Frist.
- **Vollstreckungsabwehrklage (§ 767 ZPO):** des **Schuldners** gegen den **titulierten Anspruch selbst** (Erfüllung, Aufrechnung, Verjährung usw.) – als **Klage** beim Prozessgericht.
- **Drittwiderspruchsklage (§ 771 ZPO):** eines **Dritten**, der ein **die Veräußerung hinderndes Recht** (v. a. Eigentum) am Gegenstand geltend macht.
- **Klauselerinnerung (§ 732 ZPO):** gegen die **Erteilung der Vollstreckungsklausel** – also gegen die Voraussetzungen der Vollstreckbarkeit des Titels, nicht gegen die Durchführung der Vollstreckung.

## Häufige Fehler

- **„Mit der Erinnerung kann ich einwenden, dass die Forderung längst bezahlt ist."** Nein. Einwendungen gegen den **Anspruch selbst** (Erfüllung, Verjährung, Aufrechnung) gehören zur **Vollstreckungsabwehrklage** (§ 767 ZPO), nicht zur Erinnerung.
- **„Für die Erinnerung gilt eine zweiwöchige Frist."** Nein. Die Erinnerung nach § 766 ZPO ist **nicht fristgebunden**; die Zwei-Wochen-Notfrist gilt erst für die **sofortige Beschwerde** (§ 793 ZPO) gegen die Entscheidung.
- **„Sobald ich Erinnerung einlege, wird die Vollstreckung gestoppt."** Nein. Es gibt **keine automatische aufschiebende Wirkung**; die einstweilige Einstellung muss **gesondert beantragt** werden (§ 766 Abs. 1 S. 2 i. V. m. § 732 Abs. 2 ZPO).
- **„Als Dritter widerspreche ich der Pfändung meiner Sache mit der Erinnerung."** In der Regel nein. Wer **Eigentum** oder ein sonstiges die Veräußerung hinderndes Recht geltend macht, klagt mit der **Drittwiderspruchsklage** (§ 771 ZPO).
- **„Die Erinnerung reiche ich beim Gericht ein, das das Urteil erlassen hat."** Nein. Zuständig ist das **Vollstreckungsgericht** – das Amtsgericht des Vollstreckungsbezirks (§§ 766 Abs. 1, 764 ZPO).
- **„Wenn der Gerichtsvollzieher nicht tätig wird, kann ich nichts tun."** Doch. Gegen die **Weigerung**, einen Auftrag zu übernehmen oder auszuführen, ist die Erinnerung nach § 766 Abs. 2 ZPO eröffnet.

## Siehe auch

- [Vollstreckungsabwehrklage (§ 767 ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/vollstreckungsabwehrklage-767-zpo.html)
- [Drittwiderspruchsklage (§ 771 ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/drittwiderspruchsklage-771-zpo.html)
- [Sachpfändung durch den Gerichtsvollzieher (§§ 808 ff. ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/sachpfaendung-gerichtsvollzieher-808-zpo.html)
- [Kontopfändung – Ablauf und Schutz (§§ 829, 833a ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/kontopfaendung-ablauf-zpo.html)
- [Pfändungsfreigrenzen bei Lohnpfändung (§ 850c ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/pfaendungsfreigrenzen-850c-zpo.html)




## Quellen

- § 766 ZPO – Erinnerung gegen Art und Weise der Zwangsvollstreckung (Zuständigkeit des Vollstreckungsgerichts Abs. 1 S. 1, einstweilige Anordnungen nach § 732 Abs. 2 in Abs. 1 S. 2, Weigerung/Kostenansatz des Gerichtsvollziehers Abs. 2): https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__766.html
- § 764 ZPO – Vollstreckungsgericht (Amtsgericht als Vollstreckungsgericht): https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__764.html
- § 732 ZPO – Erinnerung gegen Erteilung der Vollstreckungsklausel (Abs. 2: einstweilige Anordnungen): https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__732.html
- § 793 ZPO – Sofortige Beschwerde (gegen Entscheidungen im Zwangsvollstreckungsverfahren ohne mündliche Verhandlung): https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__793.html
- § 767 ZPO – Vollstreckungsabwehrklage (materielle Einwendungen gegen den Anspruch): https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__767.html
- § 771 ZPO – Drittwiderspruchsklage (die Veräußerung hinderndes Recht des Dritten): https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__771.html
- § 803 ZPO – Pfändung (Umfang; Verbot der Über- und zwecklosen Pfändung): https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__803.html
- § 811 ZPO – Unpfändbare Sachen und Tiere: https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__811.html
- § 758a ZPO – Richterliche Durchsuchungsanordnung; Vollstreckung zur Unzeit: https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__758a.html
- BMJ – Zwangsvollstreckung und Pfändungsschutz (amtliche Übersicht): https://www.bmj.de/DE/Themen/FinanzenUndAnlegerschutz/ZwangsvollstreckungPfaendungsschutz/ZwangsvollstreckungPfaendungsschutz_node.html

## Änderungsverlauf

- 2026-07-27: Erstveröffentlichung der Faktenseite, alle Quellen-URLs gegen amtliche Stellen gegengeprüft, Frontmatter-Felder gesetzt (legal_status, authority_level, wikidata_subjects). | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"
## Stand

- Stand: 2026-07-27
- Status: aktuell (geltendes Recht)
- Quellenautorität: A
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