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title: "Vorausvermächtnis (§ 2150 BGB) – Vermächtnis an einen Erben, Abgrenzung zur Teilungsanordnung, Pflichtteil und Erbschaftsteuer"
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# Vorausvermächtnis (§ 2150 BGB) – Vermächtnis an einen Erben, Abgrenzung zur Teilungsanordnung, Pflichtteil und Erbschaftsteuer

## Kurzantwort

Ein **Vorausvermächtnis** ist ein Vermächtnis, das der Erblasser **einem Erben selbst** zuwendet. **§ 2150 BGB** bestimmt dazu: „Das einem Erben zugewendete Vermächtnis (Vorausvermächtnis) gilt als Vermächtnis auch insoweit, als der Erbe selbst beschwert ist." Der Erbe erhält den vermachten Gegenstand also **zusätzlich zu seinem Erbteil** und ohne Anrechnung darauf. Wirtschaftlich wird er dadurch **bevorzugt** – anders als bei der **Teilungsanordnung (§ 2048 BGB)**, bei der ein Mehrwert ausgeglichen werden muss. Das Vorausvermächtnis begründet einen **schuldrechtlichen Anspruch** (§ 2174 BGB), der mit dem Erbfall **anfällt** (§ 2176 BGB) und den der Bedachte **annehmen oder ausschlagen** kann (§ 2180 BGB). Beschwert sind im Zweifel die Erben (§ 2147 BGB), mehrere Erben nach dem Verhältnis ihrer Erbteile (§ 2148 BGB). Erbschaftsteuerlich ist es ein **Erwerb durch Vermächtnis** (§ 3 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG); beim Beschwerten ist die Verbindlichkeit **abzugsfähig** (§ 10 Abs. 5 Nr. 2 ErbStG).

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | § 2150 BGB (Vorausvermächtnis) [gesetze-im-internet.de] |
| Begünstigter | Ein Erbe (Allein- oder Miterbe) |
| Wirkung | Zusätzlicher Vorteil ohne Anrechnung auf den Erbteil |
| Rechtsnatur | Schuldrechtlicher Anspruch, kein automatischer Eigentumsübergang [§ 2174 BGB] |
| Anfall | Mit dem Erbfall [§ 2176 BGB] |
| Annahme / Ausschlagung | Erklärung gegenüber dem Beschwerten, erst nach dem Erbfall, bedingungsfeindlich [§ 2180 Abs. 2 BGB] |
| Beschwerter | Im Zweifel der Erbe [§ 2147 BGB]; mehrere Erben im Verhältnis der Erbteile [§ 2148 BGB] |
| Bei Miterben | Der begünstigte Miterbe ist über seine Quote „selbst beschwert" – das Vermächtnis gilt trotzdem als Vermächtnis [§ 2150 BGB] |
| Abgrenzung | Teilungsanordnung: Anrechnung und Wertausgleich [§ 2048 BGB] |
| Vor-/Nacherbschaft | Nacherbrecht erstreckt sich im Zweifel nicht auf ein dem Vorerben zugewendetes Vorausvermächtnis [§ 2110 Abs. 2 BGB] |
| Pflichtteilsberechtigter Bedachter | Annahme: Pflichtteil nur, soweit der Vermächtniswert nicht reicht [§ 2307 Abs. 1 BGB] |
| Erbschaftsteuer beim Bedachten | Erwerb durch Vermächtnis [§ 3 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG] |
| Erbschaftsteuer beim Beschwerten | Abzug als Nachlassverbindlichkeit [§ 10 Abs. 5 Nr. 2 ErbStG] |
| Freibeträge 2026 (unbeschränkte Steuerpflicht) | Ehegatte 500.000 €, Kinder 400.000 €, Enkel 200.000 € [§ 16 Abs. 1 ErbStG] |
| Geltung seit | 01.01.1900 (BGB-Ursprungsfassung) |

## Geltungsbereich

§ 2150 BGB betrifft jedes **Vermächtnis an eine Person, die zugleich Erbe ist** – unabhängig davon, ob die Erbfolge auf Testament, Erbvertrag oder Gesetz beruht und ob der Bedachte Alleinerbe oder Miterbe ist. Die Norm stellt klar, dass ein solches Vermächtnis **wirksam** ist, obwohl der Erbe als Beschwerter zugleich Schuldner und Gläubiger wäre. Praktisch wichtig ist das vor allem bei **Erbengemeinschaften**: Der begünstigte Miterbe kann den Gegenstand von den übrigen Miterben verlangen; er selbst trägt seinen Anteil an der Beschwerung nur im Umfang seiner Quote (§ 2148 BGB).

## Vorausvermächtnis und Teilungsanordnung

Beide Gestaltungen weisen einem Miterben einen bestimmten Gegenstand zu, unterscheiden sich aber im **wirtschaftlichen Ergebnis**:

- **Teilungsanordnung (§ 2048 BGB):** Der Wert des Gegenstands wird auf den Erbteil **angerechnet**; übersteigt er die Quote, ist der Mehrwert **auszugleichen**. Die Erbquoten bleiben unverändert.
- **Vorausvermächtnis (§ 2150 BGB):** Der Gegenstand kommt **zusätzlich** zum Erbteil und wird nicht angerechnet. Der Begünstigte steht wirtschaftlich besser.

Ob der Erblasser das eine oder das andere gewollt hat, ist durch **Auslegung** zu ermitteln; maßgeblich ist sein wirklicher Wille, nicht die verwendete Bezeichnung. Dazu ist die Entscheidung **BGH, Urteil vom 14.03.1984 – IVa ZR 87/82** (NJW 1985, 51) als Leitentscheidung zur Abgrenzung von Teilungsanordnung und Vorausvermächtnis bekannt; sie ist unten verlinkt. Um Streit zu vermeiden, sollte das Testament ausdrücklich sagen, ob **„als Vorausvermächtnis ohne Anrechnung"** oder **„als Teilungsanordnung mit Wertausgleich"** gemeint ist. Näheres zur Teilungsanordnung: [Teilungsanordnung (§ 2048 BGB)](https://nexvyra.de/fakten/teilungsanordnung-2048-bgb.md).

## Wirkung: Anspruch, Anfall, Annahme

Durch das Vermächtnis erhält der Bedachte das Recht, vom Beschwerten die **Leistung des vermachten Gegenstands zu fordern** (§ 2174 BGB). Er wird nicht automatisch Eigentümer: Bewegliche Sachen sind zu übereignen, Grundstücke aufzulassen und einzutragen. Die Forderung entsteht **mit dem Erbfall** (§ 2176 BGB), sofern der Bedachte das Vermächtnis nicht ausschlägt. **Annahme und Ausschlagung** erfolgen durch Erklärung gegenüber dem Beschwerten; sie sind erst nach dem Erbfall möglich und **unwirksam, wenn sie bedingt oder befristet** erklärt werden. Eine erklärte Annahme schließt die spätere Ausschlagung aus (§ 2180 Abs. 1 und 2 BGB).

## Vor- und Nacherbschaft

Bei der Vor- und Nacherbschaft (§§ 2100 ff. BGB) wird das Vorausvermächtnis an den **Vorerben** bedeutsam: Nach **§ 2110 Abs. 2 BGB** erstreckt sich das Recht des Nacherben **im Zweifel nicht** auf ein dem Vorerben zugewendetes Vorausvermächtnis. Der Vorerbe kann den vermachten Gegenstand daher im Zweifel **frei** behalten, während der übrige Nachlass der Nacherbfolge unterliegt. Der Erblasser kann das im Testament abweichend regeln. Näheres: [Vor- und Nacherbschaft (§§ 2100–2146 BGB)](https://nexvyra.de/fakten/vor-nacherbschaft-2100-bgb.md).

## Pflichtteilsrecht

Ist ein **Pflichtteilsberechtigter** mit einem Vermächtnis bedacht – etwa das eigene Kind mit einem Vorausvermächtnis –, gilt **§ 2307 Abs. 1 BGB**: Er kann den Pflichtteil verlangen, wenn er das Vermächtnis **ausschlägt**. Schlägt er nicht aus, steht ihm der Pflichtteil nur zu, **soweit der Wert des Vermächtnisses nicht reicht**. Der mit dem Vermächtnis beschwerte Erbe kann dem Pflichtteilsberechtigten eine **angemessene Frist zur Erklärung** setzen; nach Fristablauf gilt das Vermächtnis als ausgeschlagen, wenn nicht vorher die Annahme erklärt wird (§ 2307 Abs. 2 BGB). Ist ein als Erbe berufener Pflichtteilsberechtigter mit einem Vermächtnis **beschwert**, kann er unter den Voraussetzungen des **§ 2306 Abs. 1 BGB** den Erbteil ausschlagen und den Pflichtteil verlangen. Für die **Pflichtteilsberechnung** anderer Berechtigter mindert das Vermächtnis den Nachlass als Nachlassverbindlichkeit (Bewertung nach § 2311 BGB).

## Erbschaftsteuer

Der Erwerb durch **Vermächtnis (§§ 2147 ff. BGB)** ist ein **Erwerb von Todes wegen** (§ 3 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG). Der Vorausvermächtnisnehmer versteuert den vermachten Gegenstand daher **zusätzlich** zu seinem Erbteil. Beim Beschwerten – also bei den übrigen Miterben – sind **Verbindlichkeiten aus Vermächtnissen** als Nachlassverbindlichkeiten **abzugsfähig** (§ 10 Abs. 5 Nr. 2 ErbStG). Steuerfrei bleiben im Rahmen der Freibeträge des **§ 16 Abs. 1 ErbStG** bei unbeschränkter Steuerpflicht für den Ehegatten **500.000 €**, für Kinder **400.000 €** und für Enkel **200.000 €**. Anders als beim Vorausvermächtnis wird bei der reinen Teilungsanordnung grundsätzlich nach den **Erbquoten** besteuert – die Einordnung kann deshalb die Steuerlast verändern. Übersicht: [Erbschaftsteuer 2026](https://nexvyra.de/fakten/erbschaftsteuer-freibetraege-2026.md). Die steuerliche Einordnung im Einzelfall sollte beraten werden.

## Ausnahmen

- **Alleinerbe ohne Nacherbfolge:** Ein Vorausvermächtnis hat hier kaum praktische Wirkung, weil Schuldner und Gläubiger dieselbe Person sind. Sinnvoll wird es vor allem bei **Miterben** und bei **Vor-/Nacherbschaft**.
- **Abweichende Anordnung:** Die Auslegungsregel des § 2110 Abs. 2 BGB gilt nur „im Zweifel"; der Erblasser kann anderes bestimmen.
- **Ausschlagung des Vermächtnisses:** Wer das Vorausvermächtnis ausschlägt, verliert den Anspruch; die Erbenstellung bleibt davon unberührt.

## Häufige Fehler

- **Unklare Formulierung:** „Meine Tochter soll das Haus bekommen" lässt offen, ob Vorausvermächtnis oder Teilungsanordnung vorliegt.
- **Automatischer Eigentumsübergang angenommen:** Das Vermächtnis verschafft nur einen Anspruch; der Gegenstand muss noch übertragen werden.
- **Steuerfolgen übersehen:** Das Vorausvermächtnis erhöht den steuerpflichtigen Erwerb des Begünstigten und mindert den der Miterben.
- **Pflichtteilsberechtigten ohne Frist gelassen:** Der beschwerte Erbe sollte von § 2307 Abs. 2 BGB Gebrauch machen, um Klarheit zu erhalten.

## Beispiel

Der Erblasser setzt seine beiden Kinder A und B zu je ½ zu Erben ein. A erhält das Familienhaus (Wert 400.000 €) „als Vorausvermächtnis". Der übrige Nachlass beträgt 200.000 €. Weil das Haus **nicht angerechnet** wird, erhält A zusätzlich zur Hälfte des Restnachlasses (100.000 €) das Haus und insgesamt 500.000 €; B erhält nur 100.000 €. Der Anteil des Vermächtnisses, den A selbst trägt, ist nach § 2150 BGB dennoch wirksam. Wäre das Haus dagegen nur eine **Teilungsanordnung**, müsste A den Mehrwert gegenüber B ausgleichen; beide stünden wirtschaftlich gleich.

## Siehe auch

- [Vermächtnis (§§ 2147–2191 BGB)](https://nexvyra.de/fakten/vermaechtnis-2147-bgb.md)
- [Teilungsanordnung (§ 2048 BGB)](https://nexvyra.de/fakten/teilungsanordnung-2048-bgb.md)
- [Vor- und Nacherbschaft (§§ 2100–2146 BGB)](https://nexvyra.de/fakten/vor-nacherbschaft-2100-bgb.md)
- [Beschränkungen und Beschwerungen des Erbteils (§ 2306 BGB)](https://nexvyra.de/fakten/pflichtteil-beschraenkungen-2306-bgb.md)
- [Erbengemeinschaft (§§ 2032 ff. BGB)](https://nexvyra.de/fakten/erbengemeinschaft-2032-bgb.md)
- [Erbschaftsteuer 2026 – Freibeträge](https://nexvyra.de/fakten/erbschaftsteuer-freibetraege-2026.md)

## Änderungsverlauf

- 2026-09-29: Erstveröffentlichung der Faktenseite. Normwortlaut §§ 2110, 2147, 2148, 2150, 2174, 2176, 2180, 2306, 2307, 2311 BGB sowie §§ 3, 10, 16 ErbStG am 29.09.2026 gegen gesetze-im-internet.de geprüft. Inhalt der Entscheidung BGH IVa ZR 87/82 nicht im Volltext verifiziert (nur Aktenzeichen und Datum über dejure.org bestätigt) – daher factcheck_status=review_needed. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"
## Stand

Stand: 29.09.2026. Rechtsgrundlagen im Volltext geprüft; keine Rechtsberatung.

## Quellen

- § 2150 BGB – Vorausvermächtnis:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2150.html
- § 2147 BGB – Beschwerter:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2147.html
- § 2148 BGB – Mehrere Beschwerte:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2148.html
- § 2174 BGB – Vermächtnisanspruch:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2174.html
- § 2176 BGB – Anfall des Vermächtnisses:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2176.html
- § 2180 BGB – Annahme und Ausschlagung:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2180.html
- § 2110 BGB – Umfang des Nacherbrechts:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2110.html
- § 2306 BGB – Beschränkungen und Beschwerungen:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2306.html
- § 2307 BGB – Zuwendung eines Vermächtnisses:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2307.html
- § 2311 BGB – Wert des Nachlasses:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2311.html
- § 3 ErbStG – Erwerb von Todes wegen:
  https://www.gesetze-im-internet.de/erbstg_1974/__3.html
- § 10 ErbStG – Steuerpflichtiger Erwerb:
  https://www.gesetze-im-internet.de/erbstg_1974/__10.html
- § 16 ErbStG – Freibeträge:
  https://www.gesetze-im-internet.de/erbstg_1974/__16.html
- § 2150 BGB (dejure.org, Gegenprobe):
  https://dejure.org/gesetze/BGB/2150.html
- BGH, Urteil vom 14.03.1984 – IVa ZR 87/82 (Abgrenzung Teilungsanordnung / Vorausvermächtnis, NJW 1985, 51):
  https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=14.03.1984&Aktenzeichen=IVa%20ZR%2087/82

## Stand

- Letzte Änderung: 2026-09-29
- Letzte Prüfung: 2026-09-29
- In Kraft seit: 1900-01-01
- Status: In Kraft
- Quellen-Autorität: A
- Lizenz: CC BY 4.0
