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title: Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung (§§ 1820, 1816 BGB) – Form, Reichweite, Abgrenzung
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# Vorsorgevollmacht und Betreuungsverfügung (§§ 1820, 1816 BGB) – Form, Reichweite, Abgrenzung

## Kurzantwort

Mit einer **Vorsorgevollmacht** bevollmächtigt eine geschäftsfähige Person eine andere, im Fall der eigenen Entscheidungsunfähigkeit Rechtsgeschäfte und persönliche Angelegenheiten für sie zu führen. Rechtsgrundlage ist seit der Betreuungsrechtsreform zum 01.01.2023 die **allgemeine Bevollmächtigung nach §§ 167, 168 BGB**, ergänzt durch die spezifischen Wirksamkeitsanforderungen des **§ 1820 BGB** für medizinische Maßnahmen und freiheitsentziehende Unterbringung. Die **Betreuungsverfügung** nach **§ 1816 Abs. 2 BGB** ist davon zu unterscheiden: sie ist **keine** Vollmacht, sondern ein Wunsch an das Betreuungsgericht für den Fall, dass eine Betreuung angeordnet werden muss. Eine Vorsorgevollmacht **vermeidet** typischerweise die Notwendigkeit einer gerichtlichen Betreuung; eine Betreuungsverfügung **steuert** sie nur. Seit dem 01.01.2023 gilt zudem das **Ehegatten-Notvertretungsrecht** nach **§ 1358 BGB** für medizinische Notfälle — es ist auf sechs Monate befristet und ersetzt keine Vorsorgevollmacht.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage Vollmacht allgemein | §§ 164 ff., 167 BGB |
| Rechtsgrundlage Vorsorgevollmacht medizinisch + Unterbringung | § 1820 BGB [gesetze-im-internet.de] |
| Rechtsgrundlage Betreuungsverfügung | § 1816 Abs. 2 BGB |
| Form Vorsorgevollmacht (allgemein) | Schriftform empfohlen, formfrei möglich |
| Form-Pflicht bei med. Maßnahmen mit Lebensgefahr | Schriftform + ausdrückliche Erwähnung [§ 1820 Abs. 2 Nr. 1 BGB] |
| Form-Pflicht bei freiheitsentziehender Unterbringung | Schriftform + ausdrückliche Erwähnung [§ 1820 Abs. 2 Nr. 2 BGB] |
| Notarielle Beurkundung erforderlich für | Grundstücksgeschäfte (§ 311b BGB), GmbH-Anteile |
| Notarielle Beurkundung empfohlen für | Bank-/Kreditgeschäfte (Kreditinstitute verlangen häufig öffentliche Beglaubigung) |
| Registrierung möglich | Zentrales Vorsorgeregister der Bundesnotarkammer |
| Reichweite Vermögenssorge | Bankgeschäfte, Mietverträge, Rente, Steuer (sofern in Vollmacht erfasst) |
| Reichweite Personensorge | Aufenthalt, Wohnung, Gesundheitssorge (Schriftform nach § 1820 Abs. 2 BGB) |
| Genehmigungspflicht Betreuungsgericht trotz Vollmacht | Bei lebensgefährlichen Eingriffen ohne ausdrückliche Erlaubnis [§ 1820 Abs. 2 BGB] |
| Widerruf Vorsorgevollmacht | Jederzeit formfrei möglich, solange Geschäftsfähigkeit besteht |
| Ehegatten-Notvertretungsrecht | § 1358 BGB – nur medizinische Maßnahmen, max. 6 Monate |
| Wirkung Betreuungsverfügung | Bindet Betreuungsgericht „soweit dies dem Wohl des Betreuten nicht zuwiderläuft" [§ 1816 Abs. 2 BGB] |

## Geltungsbereich

Eine Vorsorgevollmacht kann jede **volljährige und geschäftsfähige** Person für jede andere volljährige Person erteilen (§ 1820 Abs. 1 BGB). Sie wirkt grundsätzlich **sofort und zeitlich unbefristet**, kann aber im Innenverhältnis auf den Fall der Geschäftsunfähigkeit beschränkt werden („Vollmacht soll nur im Vorsorgefall ausgeübt werden"). Die Betreuungsverfügung nach § 1816 Abs. 2 BGB richtet sich an das Betreuungsgericht und enthält zwei Elemente: die **Person**, die als Betreuer eingesetzt werden soll, sowie **Wünsche zur Führung der Betreuung** (z. B. zur Wohnsituation, ärztlichen Behandlung, sozialen Kontakten). Bei Vorhandensein einer wirksamen Vorsorgevollmacht ist eine Betreuung **subsidiär** und wird nicht angeordnet, sofern die Bevollmächtigung die anstehenden Angelegenheiten abdeckt (§ 1814 Abs. 3 Nr. 2 BGB).

## Drei Instrumente – wann welches

**Patientenverfügung (§ 1827 BGB).** Legt **inhaltlich** fest, in welche medizinischen Maßnahmen eingewilligt oder nicht eingewilligt wird. Wirkt unmittelbar gegenüber Behandlern. Keine Person nötig.

**Vorsorgevollmacht (§ 1820 BGB).** Bestimmt eine **Person**, die für den Vollmachtgeber **stellvertretend entscheidet** — auch über medizinische Maßnahmen, Vermögen, Aufenthalt. Wirkt im Außenverhältnis.

**Betreuungsverfügung (§ 1816 Abs. 2 BGB).** Wünscht eine **Person** für den Fall, dass das Betreuungsgericht **gleichwohl** eine Betreuung anordnen muss (z. B. weil die Vorsorgevollmacht fehlt oder unzureichend ist). Bindet nur das Gericht, nicht die Person selbst.

In der Praxis ist die Kombination aus Patientenverfügung + Vorsorgevollmacht + Betreuungsverfügung der Standardweg. Die Bundesnotarkammer empfiehlt zudem die freiwillige Eintragung in das Zentrale Vorsorgeregister, damit das Betreuungsgericht im Ernstfall die Existenz der Dokumente schnell feststellt.

## Häufige Fehler

- **„Ehegatte vertritt automatisch."** Falsch — das Ehegatten-Notvertretungsrecht nach § 1358 BGB gilt nur für **medizinische** Maßnahmen, nur **6 Monate** und nur, wenn keine Vorsorgevollmacht vorhanden ist und kein Widerspruch eingetragen wurde.
- **„Eine Vorsorgevollmacht ohne Schriftform reicht für alles."** Falsch — bei lebensgefährlichen medizinischen Maßnahmen und freiheitsentziehender Unterbringung verlangt § 1820 Abs. 2 BGB **ausdrückliche schriftliche** Bezugnahme.
- **„Betreuungsverfügung ersetzt Vorsorgevollmacht."** Falsch — sie wirkt nur, **falls** Betreuung doch angeordnet werden muss. Eine Vorsorgevollmacht **verhindert** Betreuung; eine Betreuungsverfügung **steuert** sie.
- **„Mit notarieller Beurkundung ist alles abgedeckt."** Teilweise — für Grundstücke nötig, für sonstige Bankgeschäfte verlangen viele Banken die **öffentliche Beglaubigung** (Unterschrift) durch Notar oder Betreuungsbehörde.
- **„Vorsorgevollmacht wirkt erst bei Geschäftsunfähigkeit."** Falsch — sie wirkt **sofort** ab Erteilung. Die Beschränkung „nur im Vorsorgefall" bindet nur im Innenverhältnis.

## Quellen

- § 1820 BGB – Vorsorgevollmacht: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1820.html
- § 1816 BGB – Auswahl des Betreuers: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1816.html
- § 1814 BGB – Voraussetzungen der Betreuerbestellung: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1814.html
- § 1358 BGB – Ehegatten-Notvertretung: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1358.html
- § 1827 BGB – Patientenverfügung: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1827.html
- BMJ – Vorsorgevollmacht, Betreuungs- und Patientenverfügung (Broschüre): https://www.bmj.de/SharedDocs/Publikationen/DE/Broschueren/Betreuungsrecht.html
- Zentrales Vorsorgeregister Bundesnotarkammer: https://www.vorsorgeregister.de/

## Änderungsverlauf

- 2026-06-18: Tote BMJ-Broschuere-URL (404) durch aktuelle Broschuere "Betreuungsrecht" (umfasst Vorsorgevollmacht/Betreuungs-/Patientenverfuegung) ersetzt. | change_type=source_update field="sources" old="https://www.bmj.de/SharedDocs/Publikationen/DE/Vorsorgevollmacht.html" new="https://www.bmj.de/SharedDocs/Publikationen/DE/Broschueren/Betreuungsrecht.html" reviewed_by="Nexvyra Faktencheck-Bot"
- 2026-06-17: Erstveröffentlichung. Inhalt gegen §§ 1820, 1816, 1814, 1358 BGB (gesetze-im-internet.de) und Betreuungsrechtsreform zum 01.01.2023 verifiziert. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"

## Stand

- Stand: 2026-06-17
- Gültig ab: 2023-01-01 (Betreuungsrechtsreform)
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (BGB, BMJ)
- Lizenz: CC BY 4.0
