{
    "slug": "weiter-gehender-schadensersatz-261-2004",
    "titre": "Weiter gehender Schadensersatz neben der Ausgleichszahlung (Art. 12 VO (EG) Nr. 261/2004) – Anrechnung, immaterieller Schaden, Grenzen",
    "domaine": "reiserecht",
    "statut_juridique": "in_force",
    "niveau_autorite": "A",
    "description": "Die pauschale Ausgleichszahlung von 250, 400 oder 600 Euro nach Art. 7 der Fluggastrechte-Verordnung ist nicht die Obergrenze dessen, was ein Fluggast…",
    "resume_court": "Die pauschale Ausgleichszahlung von **250, 400 oder 600 Euro** nach Art. 7 der Fluggastrechte-Verordnung ist **nicht die Obergrenze** dessen, was ein Fluggast verlangen kann. **Art. 12 Abs. 1 Satz 1 VO (EG) Nr. 261/2004** stellt ausdrücklich klar: Die Verordnung gilt „unbeschadet eines weiter gehenden Schadensersatzanspruchs des Fluggastes\u0022. Wer wegen einer Annullierung oder großen Verspätung **konkrete Vermögensschäden** erleidet – Verdienstausfall, eine verfallene Hotelbuchung, eine nicht genutzte Konzertkarte, ein teurer Ersatzmietwagen –, kann diese **zusätzlich** ersetzt verlangen. Die Verordnung selbst ist dafür aber **keine Anspruchsgrundlage**: Sie verweist auf das **Montrealer Übereinkommen (MÜ)** und auf das **nationale Recht** (EuGH, C-83/10, Sousa Rodríguez, 13.10.2011).\n\nDer zweite Satz des Art. 12 Abs. 1 lautet: Die Ausgleichsleistung „**kann** auf einen solchen Schadensersatzanspruch angerechnet werden\u0022. Der EuGH hat in der Rechtssache **Rusu (C-354/18, 29.07.2019)** entschieden, dass das nationale Gericht anrechnen **darf, aber nicht muss** – und dass die Verordnung ihm dafür **keine Bedingungen vorgibt**. Das unterscheidet Art. 12 deutlich vom Pauschalreiserecht, wo § 651p Abs. 3 BGB eine **zwingende** Anrechnung anordnet.\n\nZwei Grenzen sind wichtig. Erstens: Kosten, die entstehen, weil die Airline ihre **Betreuungs- und Unterstützungspflichten** aus Art. 8 und 9 verletzt hat (Hotel, Verpflegung, Ersatzbeförderung), sind **kein** „weiter gehender Schadensersatz\u0022 im Sinne des Art. 12 – sie werden direkt aus Art. 8 und 9 ersetzt (EuGH, C-83/10). Zweitens: Wer nach Art. 4 Abs. 1 **freiwillig** auf seine Buchung verzichtet hat, ist nach **Art. 12 Abs. 2** von der Regelung ausgenommen.",
    "faits": [
        {
            "point": "Rechtsgrundlage",
            "valeur": "Art. 12 Verordnung (EG) Nr. 261/2004 [eur-lex.europa.eu]",
            "autorite": "A"
        },
        {
            "point": "In Kraft seit",
            "valeur": "17.02.2005",
            "autorite": "A"
        },
        {
            "point": "Grundsatz",
            "valeur": "Verordnung gilt unbeschadet eines weiter gehenden Schadensersatzanspruchs [Art. 12 Abs. 1 Satz 1]",
            "autorite": "A"
        },
        {
            "point": "Charakter der Verordnungsrechte",
            "valeur": "Mindestrechte [Art. 1 Abs. 1]",
            "autorite": "A"
        },
        {
            "point": "Art. 12 als Anspruchsgrundlage",
            "valeur": "Nein – verweist auf Montrealer Übereinkommen oder nationales Recht [EuGH C-83/10, Tenor 2]",
            "autorite": "A"
        },
        {
            "point": "Anrechnung der Ausgleichsleistung",
            "valeur": "Kann-Regelung [Art. 12 Abs. 1 Satz 2]",
            "autorite": "A"
        },
        {
            "point": "Anrechnung: Pflicht des Gerichts?",
            "valeur": "Nein – Gericht darf anrechnen, ist nicht verpflichtet, Verordnung gibt keine Bedingungen vor [EuGH C-354/18, Tenor 2]",
            "autorite": "A"
        },
        {
            "point": "Immaterieller Schaden",
            "valeur": "Ersatzfähig über Art. 12 nach MÜ oder nationalem Recht [EuGH C-83/10, Tenor 2]",
            "autorite": "A"
        },
        {
            "point": "Verdienstausfall",
            "valeur": "Nicht von Art. 7 erfasst, aber tauglicher Gegenstand des Art. 12 [EuGH C-354/18, Tenor 1]",
            "autorite": "A"
        },
        {
            "point": "Nicht über Art. 12 ersetzbar",
            "valeur": "Kosten aus der Verletzung der Art. 8/9-Pflichten [EuGH C-83/10, Tenor 2]",
            "autorite": "A"
        },
        {
            "point": "Ausnahme",
            "valeur": "Gilt nicht für Fluggäste, die nach Art. 4 Abs. 1 freiwillig auf die Buchung verzichtet haben [Art. 12 Abs. 2]",
            "autorite": "A"
        },
        {
            "point": "Haftungsgrund Verspätung (MÜ)",
            "valeur": "Vermutetes Verschulden mit Entlastungsmöglichkeit [Art. 19 MÜ]",
            "autorite": "A"
        },
        {
            "point": "Haftungshöchstbetrag Personenverspätung",
            "valeur": "6.303 SZR je Reisenden [Art. 22 Abs. 1 MÜ, ICAO-Revision zum 28.12.2024; Vertragstext 1999: 4.150 SZR]",
            "autorite": "A"
        },
        {
            "point": "Strafschadensersatz",
            "valeur": "Ausgeschlossen [Art. 29 Satz 2 MÜ]",
            "autorite": "A"
        },
        {
            "point": "Ausschließlichkeit des MÜ",
            "valeur": "Ansprüche nur unter den Voraussetzungen und Beschränkungen des MÜ [Art. 29 Satz 1 MÜ]",
            "autorite": "A"
        },
        {
            "point": "Regress der Airline",
            "valeur": "Unberührt – auch gegen Reiseunternehmen und Dritte [Art. 13]",
            "autorite": "A"
        },
        {
            "point": "Verbot der Rechtsbeschränkung",
            "valeur": "Pflichten dürfen vertraglich nicht eingeschränkt werden [Art. 15 Abs. 1]",
            "autorite": "A"
        },
        {
            "point": "Anrechnung bei Pauschalreise",
            "valeur": "Zwingend – „muss sich der Reisende anrechnen lassen\u0022 [§ 651p Abs. 3 Satz 1 Nr. 1 BGB]",
            "autorite": "A"
        },
        {
            "point": "Ausschlussfrist MÜ-Ansprüche",
            "valeur": "2 Jahre [Art. 35 MÜ]",
            "autorite": "A"
        },
        {
            "point": "Verjährung nationaler Ansprüche",
            "valeur": "Regelmäßig 3 Jahre [§ 195 BGB]",
            "autorite": "A"
        },
        {
            "point": "Nationale Durchsetzungsstelle",
            "valeur": "Luftfahrt-Bundesamt (LBA) [Art. 16 Abs. 1]",
            "autorite": "A"
        }
    ],
    "sources": [
        {
            "titre": "ICAO – 2024 Revised Limits of Liability under the Montreal Convention 1999 (28.12.2024)",
            "url": "https://www.icao.int/sites/default/files/secretariat/legal/LEB%20Treaty%20Collection%20Documents/2024_Revised_Limits_of_Liability_Under_the_Montreal_Convention_of_1999_en.pdf",
            "autorite": "A"
        }
    ],
    "faq": [
        {
            "question": "Was regelt Weiter gehender Schadensersatz neben der Ausgleichszahlung (Art. 12 VO (EG) Nr. 261/2004) – Anrechnung, immaterieller Schaden, Grenzen?",
            "reponse": "Die pauschale Ausgleichszahlung von 250, 400 oder 600 Euro nach Art. 7 der Fluggastrechte-Verordnung ist nicht die Obergrenze dessen, was ein Fluggast verlangen kann. Art. 12 Abs. 1 Satz 1 VO (EG) Nr. 261/2004 stellt ausdrücklich klar: Die Verordnung gilt „unbeschadet eines weiter gehenden Schadensersatzanspruchs des Fluggastes\u0022."
        }
    ],
    "wikidata": [
        "Q1378014"
    ],
    "valid_from": "2005-02-17",
    "valid_to": null,
    "derniere_revision": "2026-09-22",
    "derniere_verification": "2026-09-22",
    "statut_factcheck": "ok",
    "url": "https://nexvyra.de/fakten/weiter-gehender-schadensersatz-261-2004"
}