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title: Qualifizierter Zeitmietvertrag (§ 575 BGB) – Befristungsgründe, Schriftform, Folgen einer unzulässigen Befristung
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# Qualifizierter Zeitmietvertrag (§ 575 BGB) – Befristungsgründe, Schriftform, Folgen einer unzulässigen Befristung

## Kurzantwort

Ein Wohnraummietvertrag darf im Anwendungsbereich des § 575 BGB nur dann auf bestimmte Zeit geschlossen werden, wenn **einer der drei dort aufgezählten Befristungsgründe** vorliegt und der Vermieter dem Mieter **den Grund der Befristung bei Vertragsschluss schriftlich mitteilt** (§ 575 Absatz 1 Satz 1 BGB); ausgenommen sind die Mietverhältnisse des § 549 Absatz 2 und 3 BGB, und § 578 Absatz 3 Satz 2 BGB stellt für bestimmte Träger einen weiteren Befristungsgrund bereit. Fehlt der Grund oder die schriftliche Mitteilung, gilt das Mietverhältnis nach § 575 Absatz 1 Satz 2 BGB **als auf unbestimmte Zeit abgeschlossen** – es ist dann nach den Fristen des § 573c BGB ordentlich kündbar, für den Vermieter allerdings nur bei berechtigtem Interesse (§ 573 BGB). Der Mieter kann **frühestens vier Monate vor Ablauf der Befristung** verlangen, dass der Vermieter ihm **binnen eines Monats** mitteilt, ob der Befristungsgrund noch besteht (§ 575 Absatz 2 Satz 1 BGB); bei verspäteter Mitteilung kann er Verlängerung um den Zeitraum der Verspätung verlangen. Entfällt der Grund, kann der Mieter Verlängerung **auf unbestimmte Zeit** verlangen (§ 575 Absatz 3 Satz 2 BGB). Nach **BGH, Urteil vom 10.07.2013 – VIII ZR 388/12** kann an die Stelle einer unwirksamen Befristung im Wege der ergänzenden Vertragsauslegung ein **beiderseitiger Kündigungsverzicht** für die Dauer der vorgesehenen Befristung treten.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | § 575 BGB („Zeitmietvertrag"), ergänzt durch § 575a BGB [gesetze-im-internet.de] |
| Anwendungsbereich | Mietverhältnisse über **Wohnraum** – § 575 BGB steht im Untertitel 2 „Mietverhältnisse über Wohnraum"; für Grundstücke und Geschäftsräume zählt § 578 Absatz 1 und 2 BGB den § 575 BGB **nicht** unter den entsprechend anwendbaren Vorschriften auf |
| Zulässige Befristungsgründe | **drei**, aufgezählt in § 575 Absatz 1 Satz 1 Nummer 1–3 BGB – Eigennutzung, Beseitigung/wesentliche Veränderung/Instandsetzung, Vermietung an einen zur Dienstleistung Verpflichteten; ein vierter Grund nur über § 578 Absatz 3 Satz 2 BGB |
| Nummer 1 – Eigennutzung | Vermieter will „die Räume als Wohnung für sich, seine Familienangehörigen oder Angehörige seines Haushalts nutzen" (§ 575 Absatz 1 Satz 1 Nummer 1 BGB) |
| Nummer 2 – Bauabsicht | Vermieter will „in zulässiger Weise die Räume beseitigen oder so wesentlich verändern oder instand setzen, dass die Maßnahmen durch eine Fortsetzung des Mietverhältnisses **erheblich erschwert** würden" (§ 575 Absatz 1 Satz 1 Nummer 2 BGB) |
| Nummer 3 – Werkswohnung | Vermieter will „die Räume an einen zur Dienstleistung Verpflichteten vermieten" (§ 575 Absatz 1 Satz 1 Nummer 3 BGB) |
| Form der Begründung | **schriftliche Mitteilung des Grundes bei Vertragsschluss** (§ 575 Absatz 1 Satz 1 Halbsatz 2 BGB); Schriftform nach § 126 BGB |
| Folge bei Verstoß | Mietverhältnis gilt **als auf unbestimmte Zeit abgeschlossen** (§ 575 Absatz 1 Satz 2 BGB) |
| Auskunftsanspruch des Mieters | **frühestens 4 Monate** vor Ablauf der Befristung; Vermieter muss **binnen 1 Monat** antworten (§ 575 Absatz 2 Satz 1 BGB) |
| Folge verspäteter Auskunft | Verlängerung **um den Zeitraum der Verspätung** (§ 575 Absatz 2 Satz 2 BGB) |
| Späterer Eintritt des Grundes | Verlängerung **um einen entsprechenden Zeitraum** (§ 575 Absatz 3 Satz 1 BGB) |
| Wegfall des Grundes | Verlängerung **auf unbestimmte Zeit** (§ 575 Absatz 3 Satz 2 BGB) |
| Beweislast | Vermieter trägt die Beweislast für **Eintritt des Befristungsgrundes und Dauer der Verzögerung** (§ 575 Absatz 3 Satz 3 BGB) |
| Abdingbarkeit | „Eine zum Nachteil des Mieters abweichende Vereinbarung ist unwirksam" (§ 575 Absatz 4 BGB) |
| Ende bei wirksamer Befristung | Mietverhältnis endet **mit Ablauf der Zeit** ohne Kündigung (§ 542 Absatz 2 BGB) |
| Außerordentliche Kündigung mit gesetzlicher Frist | § 575a BGB **setzt ein anderweitig begründetes** Recht zur außerordentlichen Kündigung mit gesetzlicher Frist voraus („Kann ein Mietverhältnis … gekündigt werden, so gelten …"); Frist dann: **spätestens am dritten Werktag** eines Kalendermonats zum Ablauf des **übernächsten** Monats (§ 575a Absatz 3 Satz 1 BGB) |
| Schriftform des Vertrags | Bei Laufzeit über ein Jahr ohne Schriftform gilt der Vertrag für unbestimmte Zeit; die Kündigung ist dann „frühestens zum Ablauf eines Jahres nach Überlassung des Wohnraums zulässig" (§ 550 BGB) |
| Ausnahmen vom Anwendungsbereich | §§ 575, 575a Absatz 1 BGB gelten nicht für die Mietverhältnisse des § 549 Absatz 2 BGB (u. a. Wohnraum zum vorübergehenden Gebrauch) und nicht für Wohnraum in einem **Studenten- oder Jugendwohnheim** (§ 549 Absatz 3 BGB) |
| Leitentscheidung Rechtsfolge | **BGH 10.07.2013 – VIII ZR 388/12** (ergänzende Vertragsauslegung: beiderseitiger Kündigungsverzicht statt unwirksamer Befristung) |
| Leitentscheidung Unabdingbarkeit | **BGH 29.11.2023 – VIII ZR 7/23**, ECLI:DE:BGH:2023:291123UVIIIZR7.23.0 (§ 575 Absatz 1 BGB ist wegen § 575 Absatz 4 BGB zwingend und setzt sich bei einem Binnensachverhalt auch gegen eine Wahl ausländischen Rechts durch) |
| Geltung seit | 01.09.2001 (Mietrechtsreformgesetz vom 19.06.2001, BGBl. I S. 1149) |

## Geltungsbereich

§ 575 BGB steht im Untertitel 2 „Mietverhältnisse über Wohnraum" und gilt daher für **Wohnraummietverhältnisse**. Für Mietverhältnisse über **Grundstücke** und über **Räume, die keine Wohnräume sind** (Gewerberaum), zählt § 578 Absatz 1 und 2 BGB den § 575 BGB **nicht** unter den entsprechend anwendbaren Vorschriften auf – dort ist eine Befristung ohne Begründung möglich.

Ausgenommen sind die in **§ 549 Absatz 2 BGB** genannten Mietverhältnisse. Die Vorschrift nimmt einen ganzen Block von Schutznormen aus – neben den §§ 574 bis 575 und § 575a Absatz 1 BGB auch die §§ 556d bis 556g, 557 bis 561, § 568 Absatz 2, §§ 573, 573a, 573d Absatz 1, §§ 577 und 577a BGB – und zwar für Mietverhältnisse über

1. Wohnraum, der **nur zum vorübergehenden Gebrauch** vermietet ist,
2. möblierten Wohnraum in der vom Vermieter selbst bewohnten Wohnung unter den in Nummer 2 genannten Voraussetzungen,
3. Wohnraum, den eine juristische Person des öffentlichen Rechts oder ein anerkannter privater Träger der Wohlfahrtspflege für Personen mit dringendem Wohnungsbedarf angemietet hat, „wenn sie den Mieter bei Vertragsschluss auf die Zweckbestimmung des Wohnraums **und die Ausnahme von den genannten Vorschriften** hingewiesen hat".

Ebenfalls ausgenommen ist **Wohnraum in einem Studenten- oder Jugendwohnheim**: Für ihn gelten nach § 549 Absatz 3 BGB unter anderem „die §§ 575, 575a Abs. 1 … nicht".

Eine **Sonderregelung** enthält § 578 Absatz 3 BGB für Verträge, mit denen eine juristische Person des öffentlichen Rechts oder ein anerkannter privater Träger der Wohlfahrtspflege Räume anmietet, um sie Personen mit dringendem Wohnungsbedarf zu überlassen: Solche Verträge können „zusätzlich zu den in § 575 Absatz 1 Satz 1 genannten Gründen auch dann auf bestimmte Zeit geschlossen werden, wenn der Vermieter die Räume nach Ablauf der Mietzeit für ihm obliegende oder ihm übertragene **öffentliche Aufgaben** nutzen will" (§ 578 Absatz 3 Satz 2 BGB). Diese Regelung ist **zeitlich begrenzt anwendbar**: Nach **Art. 229 § 49 Absatz 3 EGBGB** ist § 578 Absatz 3 BGB „auf ein bis einschließlich 31. Dezember 2018 entstandenes Mietverhältnis … nicht anzuwenden".

Für Mietverhältnisse auf bestimmte Zeit, die am **1. September 2001 bereits bestanden**, ordnet **Art. 229 § 3 Absatz 3 EGBGB** die Fortgeltung einzelner alter Vorschriften an: „§ 564c in Verbindung mit § 564b sowie die §§ 556a bis 556c, 565a Abs. 1 und § 570 des Bürgerlichen Gesetzbuchs in der bis zu diesem Zeitpunkt geltenden Fassung". Altrecht gilt also nicht pauschal, sondern nur für die dort aufgezählten Normen – darunter § 564c BGB a. F., die Vorgängerregelung zum Zeitmietvertrag. Für **neu abgeschlossene** Wohnraummietverträge ist seit dem 01.09.2001 § 575 BGB maßgeblich.

## Die drei zulässigen Befristungsgründe (§ 575 Absatz 1 Satz 1 BGB)

§ 575 Absatz 1 Satz 1 BGB zählt die Gründe auf, ohne sie mit „insbesondere" zu öffnen – anders als etwa § 573 Absatz 2 BGB für das berechtigte Interesse des Vermieters. Ein zusätzlicher Grund findet sich nur in § 578 Absatz 3 Satz 2 BGB für die dort genannten Träger.

1. **Eigennutzung (Nummer 1).** Der Vermieter will die Räume nach Ablauf der Mietzeit „als Wohnung für sich, seine Familienangehörigen oder Angehörige seines Haushalts nutzen". Denselben Personenkreis nennt § 573 Absatz 2 Nummer 2 BGB für den Eigenbedarf („für sich, seine Familienangehörigen oder Angehörige seines Haushalts"). Unterschied im Normaufbau: § 575 Absatz 1 Satz 1 BGB verlangt die Mitteilung des Grundes **bei Vertragsschluss**, § 573 Absatz 3 BGB die Angabe der Gründe im **Kündigungsschreiben**.
2. **Beseitigung, wesentliche Veränderung oder Instandsetzung (Nummer 2).** Der Wortlaut verlangt zweierlei: Die Maßnahme muss „in zulässiger Weise" beabsichtigt sein, und sie muss durch eine Fortsetzung des Mietverhältnisses „**erheblich erschwert**" würden. Maßstab ist damit nicht die Eingriffstiefe der Maßnahme als solche, sondern der Grad, in dem ein Fortbestand des Mietverhältnisses sie erschweren würde.
3. **Vermietung an einen zur Dienstleistung Verpflichteten (Nummer 3).** Der Fall der Werk- oder Dienstwohnung: Der Vermieter will die Räume nach Ablauf der Mietzeit an eine Person vermieten, die ihm gegenüber zur Dienstleistung verpflichtet ist.

## Schriftform der Begründung – und was passiert, wenn sie fehlt

§ 575 Absatz 1 Satz 1 Halbsatz 2 BGB verlangt, dass der Vermieter „dem Mieter den Grund der Befristung **bei Vertragsschluss schriftlich mitteilt**". Zwei Anforderungen stehen nebeneinander:

- **Zeitpunkt:** „bei Vertragsschluss". Der Wortlaut knüpft die Mitteilung an diesen Zeitpunkt; eine später erklärte Begründung ist keine Mitteilung „bei Vertragsschluss".
- **Form:** schriftlich. Für die gesetzlich vorgeschriebene schriftliche Form gilt § 126 BGB – die Urkunde muss vom Aussteller eigenhändig unterzeichnet werden (§ 126 Absatz 1 BGB), bei einem Vertrag auf derselben Urkunde (§ 126 Absatz 2 BGB).

Fehlt es an einem der beiden Punkte, ordnet § 575 Absatz 1 Satz 2 BGB die Rechtsfolge an: „Anderenfalls gilt das Mietverhältnis als auf unbestimmte Zeit abgeschlossen." Der Vertrag ist also **nicht insgesamt unwirksam** – unwirksam ist nur die Befristung.

Der BGH hat diese Rechtsfolge in **BGH, Urteil vom 29.11.2023 – VIII ZR 7/23** angewandt: Dort fehlte „jedenfalls an einer schriftlichen Mitteilung des Befristungsgrunds bei Vertragsschluss im Sinne von § 575 Abs. 1 Satz 1 Halbs. 2 BGB", „so dass das streitgegenständliche Mietverhältnis gemäß § 575 Abs. 1 Satz 2 BGB als auf unbestimmte Zeit geschlossen gilt" (Randnummer 47 der Entscheidungsgründe). Die Entscheidung stellt zugleich klar, dass Art. 3 Absatz 3 Rom-I-VO die Anwendung derjenigen deutschen Bestimmungen nicht berührt, „von denen nicht durch Vereinbarung abgewichen werden kann. **Hierzu zählt auch die Vorschrift des § 575 Abs. 1 BGB**, da eine zum Nachteil des Mieters hiervon abweichende Vereinbarung nach § 575 Abs. 4 BGB unwirksam ist" (Randnummer 46) – bei einem reinen Inlandssachverhalt setzt sich die Norm daher auch gegen die Wahl ausländischen Rechts durch.

## Kündigungsverzicht statt Befristung: BGH VIII ZR 388/12

Die gesetzliche Folge „gilt als auf unbestimmte Zeit abgeschlossen" ist nach der Rechtsprechung des BGH **nicht abschließend**. Amtlicher Leitsatz von **BGH, Urteil vom 10.07.2013 – VIII ZR 388/12**: „Zur ergänzenden Vertragsauslegung im Falle der Unwirksamkeit einer Befristung des Mietvertrags." (Titelzeile: „Wohnraummiete: Ergänzende Vertragsauslegung bei Unwirksamkeit einer Befristung".)

Aus den Entscheidungsgründen:

- „Durch die Unwirksamkeit der vereinbarten Befristung ist im vertraglichen Regelungsgefüge eine Lücke eingetreten, weil die bezweckte langfristige Bindung beider Parteien entfallen ist. Das dispositive Recht, nach dem das Mietverhältnis als auf unbestimmte Zeit abgeschlossen gilt (§ 575 Abs. 1 Satz 2 BGB) und somit innerhalb der Fristen des § 573c BGB ordentlich gekündigt werden kann, wird dem Willen der Parteien nicht gerecht."
- „Entgegen der Auffassung der Revisionserwiderung enthält § 575 Abs. 1 Satz 2 BGB **keine abschließende, eine ergänzende Vertragsauslegung verbietende** gesetzliche Regelung der Folgen einer unwirksamen Befristung."
- „Diese Lücke ist durch eine ergänzende Vertragsauslegung dahin zu schließen, dass anstelle der unwirksamen Befristung für deren Dauer ein **beiderseitiger Kündigungsverzicht** tritt. Die während der Dauer dieses Kündigungsausschlusses ausgesprochene Kündigung der Klägerin ist daher unwirksam."

Praktische Konsequenz: Die Unwirksamkeit der Befristung wirkt nicht zwangsläufig zugunsten des Vermieters. Statt eines frei kündbaren unbefristeten Vertrags kann ein Vertrag entstehen, den **er selbst** für die Dauer der ursprünglich vorgesehenen Befristung nicht ordentlich kündigen kann. Ob eine solche ergänzende Vertragsauslegung greift, hängt nach der Entscheidung davon ab, ob sie dem **hypothetischen Parteiwillen bei Vertragsschluss** entspricht und eine planwidrige Vertragslücke schließt.

## Auskunftsanspruch des Mieters (§ 575 Absatz 2 BGB)

Der Mieter muss vor Ablauf der Befristung nicht abwarten, ob der Grund noch trägt:

- Er kann **frühestens vier Monate vor Ablauf der Befristung** vom Vermieter verlangen mitzuteilen, ob der Befristungsgrund noch besteht (§ 575 Absatz 2 Satz 1 BGB).
- Der Vermieter muss **binnen eines Monats** antworten (§ 575 Absatz 2 Satz 1 BGB).
- „Erfolgt die Mitteilung später, so kann der Mieter eine Verlängerung des Mietverhältnisses **um den Zeitraum der Verspätung** verlangen" (§ 575 Absatz 2 Satz 2 BGB).

Verschiebt sich der Grund oder fällt er weg, greift § 575 Absatz 3 BGB:

- **Späterer Eintritt:** Verlängerung „um einen entsprechenden Zeitraum" (Satz 1).
- **Wegfall:** Verlängerung „auf unbestimmte Zeit" (Satz 2).
- **Beweislast:** „Die Beweislast für den Eintritt des Befristungsgrundes und die Dauer der Verzögerung trifft den **Vermieter**" (Satz 3).

Zu unterscheiden sind damit zwei Anspruchstypen: § 575 Absatz 2 Satz 1 BGB gibt dem Mieter einen **Mitteilungsanspruch** (Auskunft über den Fortbestand des Befristungsgrundes), während § 575 Absatz 2 Satz 2 und § 575 Absatz 3 Satz 1 und 2 BGB **Verlängerungsansprüche** enthalten. Beide entstehen nicht automatisch, sondern müssen vom Mieter geltend gemacht werden – das Gesetz formuliert durchgehend „kann … verlangen".

## Kündigung während der Laufzeit (§§ 542, 575a BGB)

Ein wirksam befristetes Mietverhältnis **endet mit Ablauf der Zeit** und muss nicht gekündigt werden (§ 542 Absatz 2 BGB). Eine **ordentliche** Kündigung ist während der Laufzeit ausgeschlossen; § 542 Absatz 2 Nummer 1 BGB lässt nur die außerordentliche Kündigung „in den gesetzlich zugelassenen Fällen" zu.

§ 575a BGB regelt die außerordentliche Kündigung **mit gesetzlicher Frist**:

- Für sie gelten „mit Ausnahme der Kündigung gegenüber Erben des Mieters nach § 564 die §§ 573 und 573a entsprechend" (§ 575a Absatz 1 BGB) – der Vermieter braucht also grundsätzlich ein **berechtigtes Interesse**.
- Der Mieter kann nach den §§ 574 bis 574c BGB **widersprechen**, allerdings „mit der Maßgabe, dass die Fortsetzung des Mietverhältnisses höchstens bis zum vertraglich bestimmten Zeitpunkt der Beendigung verlangt werden kann" (§ 575a Absatz 2 BGB).
- Die **gesetzliche Frist**: „spätestens am dritten Werktag eines Kalendermonats zum Ablauf des übernächsten Monats"; bei Wohnraum nach § 549 Absatz 2 Nummer 2 BGB „spätestens am 15. eines Monats zum Ablauf dieses Monats" (§ 575a Absatz 3 Satz 1 BGB). § 573a Absatz 1 Satz 2 BGB (Verlängerung um drei Monate) findet **keine** Anwendung (§ 575a Absatz 3 Satz 2 BGB).
- Auch § 575a BGB ist zugunsten des Mieters zwingend (Absatz 4).

Die **fristlose** Kündigung aus wichtigem Grund – etwa wegen Zahlungsverzugs nach § 543 Absatz 2 Satz 1 Nummer 3 BGB – bleibt vom Zeitmietvertrag unberührt.

## Häufige Fehler und Missverständnisse

- **„Befristet heißt einfach befristet."** Für Wohnraum im Anwendungsbereich des § 575 BGB nicht: Ohne einen der drei Gründe des § 575 Absatz 1 Satz 1 BGB **und** ohne schriftliche Mitteilung bei Vertragsschluss läuft der Vertrag unbefristet weiter.
- **Nachträgliche Begründung.** § 575 Absatz 1 Satz 1 Halbsatz 2 BGB verlangt die Mitteilung „bei Vertragsschluss". Eine erst später erklärte Begründung erfüllt diesen Wortlaut nicht.
- **„Der Vermieter profitiert von der Unwirksamkeit."** Nicht zwingend: Nach BGH VIII ZR 388/12 kann an die Stelle der unwirksamen Befristung ein **beiderseitiger** Kündigungsverzicht treten, der auch den Vermieter bindet.
- **Verwechslung mit dem Kündigungsverzicht.** Ein vereinbarter Kündigungsausschluss ist kein Zeitmietvertrag: Der Vertrag läuft unbefristet, nur die ordentliche Kündigung ist zeitweise ausgeschlossen. § 575 BGB gilt dafür nicht.
- **Verwechslung mit § 550 BGB.** § 550 BGB betrifft die **Schriftform des gesamten Mietvertrags** bei einer Laufzeit von mehr als einem Jahr; § 575 Absatz 1 BGB betrifft die schriftliche **Begründung der Befristung**. Beide Vorschriften können nebeneinander verletzt sein.
- **Gewerberaum.** Für Geschäftsräume gilt § 575 BGB nicht; dort ist die Befristung ohne Begründung zulässig. Zu beachten ist aber § 550 BGB, der über § 578 Absatz 1 und 2 BGB entsprechend gilt – dort allerdings „mit der Maßgabe, dass ein Mietvertrag, der für längere Zeit als ein Jahr nicht in **Textform** geschlossen wird, für unbestimmte Zeit gilt" (§ 578 Absatz 1 Satz 2 BGB).
- **Auskunft zu früh verlangt.** Der Anspruch aus § 575 Absatz 2 Satz 1 BGB besteht **frühestens vier Monate** vor Ablauf der Befristung.
- **Studentenwohnheim übersehen.** Für Wohnraum in einem Studenten- oder Jugendwohnheim gelten §§ 575, 575a Absatz 1 BGB nach § 549 Absatz 3 BGB nicht.

## Beispiel

Ein Vermieter schließt am 01.03.2026 einen Wohnraummietvertrag mit fester Laufzeit bis zum 28.02.2029. Im Vertrag steht nur „Das Mietverhältnis ist befristet bis zum 28.02.2029", ein Grund wird nicht genannt.

- Die Befristung ist unwirksam, weil die schriftliche Mitteilung des Befristungsgrundes bei Vertragsschluss fehlt (§ 575 Absatz 1 Satz 1 Halbsatz 2 BGB).
- Nach dem Gesetzeswortlaut gilt das Mietverhältnis als **auf unbestimmte Zeit** abgeschlossen (§ 575 Absatz 1 Satz 2 BGB).
- Möchte der Vermieter im Jahr 2027 wegen Eigenbedarfs kündigen, kommt es nach **BGH VIII ZR 388/12** darauf an, ob die Vertragslücke durch ergänzende Vertragsauslegung mit einem **beiderseitigen Kündigungsverzicht bis zum 28.02.2029** zu schließen ist. Trifft das zu, ist die Kündigung unwirksam.
- Wäre dagegen im Vertrag mitgeteilt worden, dass der Vermieter die Wohnung ab März 2029 für seine Tochter nutzen will (§ 575 Absatz 1 Satz 1 Nummer 1 BGB), könnte der Mieter ab dem **28.10.2028** – vier Monate vor dem Ablauf der Befristung am 28.02.2029 – Auskunft über den Fortbestand des Grundes verlangen; der Vermieter müsste binnen eines Monats antworten (§ 575 Absatz 2 Satz 1 BGB).











## Quellen

- gesetze-im-internet.de – § 575 BGB (Zeitmietvertrag: drei Befristungsgründe, schriftliche Mitteilung bei Vertragsschluss, Auskunftsanspruch, Verlängerungsansprüche, Unabdingbarkeit): https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__575.html
- gesetze-im-internet.de – § 575a BGB (außerordentliche Kündigung mit gesetzlicher Frist, Verweis auf §§ 573, 573a und 574–574c BGB): https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__575a.html
- gesetze-im-internet.de – § 126 BGB (gesetzliche Schriftform: eigenhändige Namensunterschrift, Unterzeichnung auf derselben Urkunde): https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__126.html
- gesetze-im-internet.de – § 542 BGB (Ende des Mietverhältnisses; Absatz 2: Zeitablauf): https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__542.html
- gesetze-im-internet.de – § 543 BGB (außerordentliche fristlose Kündigung aus wichtigem Grund; Absatz 2 Satz 1 Nummer 3: Zahlungsverzug): https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__543.html
- gesetze-im-internet.de – § 549 BGB (auf Wohnraummietverhältnisse anwendbare Vorschriften; Absatz 2 Ausnahmen von §§ 574–575, 575a Absatz 1 BGB): https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__549.html
- gesetze-im-internet.de – § 550 BGB (Form des Mietvertrags bei Laufzeit über ein Jahr): https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__550.html
- gesetze-im-internet.de – § 573 BGB (ordentliche Kündigung des Vermieters, berechtigtes Interesse): https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__573.html
- gesetze-im-internet.de – § 573a BGB (erleichterte Kündigung des Vermieters): https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__573a.html
- gesetze-im-internet.de – § 573c BGB (Fristen der ordentlichen Kündigung): https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__573c.html
- gesetze-im-internet.de – § 574 BGB (Widerspruch des Mieters gegen die Kündigung, Sozialklausel): https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__574.html
- gesetze-im-internet.de – § 578 BGB (Mietverhältnisse über Grundstücke und Räume; Absatz 3 Satz 2 zusätzlicher Befristungsgrund „öffentliche Aufgaben"): https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__578.html
- gesetze-im-internet.de – Art. 229 § 3 EGBGB (Übergangsvorschriften zum Mietrechtsreformgesetz; Absatz 3 zu am 01.09.2001 bestehenden Zeitmietverhältnissen): https://www.gesetze-im-internet.de/bgbeg/art_229__3.html
- gesetze-im-internet.de – Art. 229 § 49 EGBGB (Übergangsvorschriften zum Mietrechtsanpassungsgesetz; Absatz 3: § 578 Absatz 3 BGB gilt nicht für bis 31.12.2018 entstandene Mietverhältnisse): https://www.gesetze-im-internet.de/bgbeg/art_229__49.html
- rechtsprechung-im-internet.de (BMJ/BfJ) – BGH, Urteil vom 10.07.2013 – VIII ZR 388/12 (ergänzende Vertragsauslegung, beiderseitiger Kündigungsverzicht anstelle der unwirksamen Befristung): https://www.rechtsprechung-im-internet.de/jportal/?quelle=jlink&docid=KORE301222013&psml=bsjrsprod.psml&max=true
- rechtsprechung-im-internet.de (BMJ/BfJ) – BGH, Urteil vom 29.11.2023 – VIII ZR 7/23, ECLI:DE:BGH:2023:291123UVIIIZR7.23.0 (§ 575 Absatz 1 BGB zwingend nach § 575 Absatz 4 BGB; Fehlen der schriftlichen Mitteilung führt zu unbefristetem Mietverhältnis): https://www.rechtsprechung-im-internet.de/jportal/?quelle=jlink&docid=KORE310042024&psml=bsjrsprod.psml&max=true

## Änderungsverlauf

- 2026-08-20: Interne Faktenprüfung noch am Tag der Erstveröffentlichung. (1) Die Aussage „Alle Ansprüche des Mieters aus § 575 Absatz 2 und 3 BGB sind Ansprüche auf Verlängerung" war unzutreffend – § 575 Absatz 2 Satz 1 BGB gewährt einen **Mitteilungsanspruch**, Verlängerungsansprüche stehen nur in Absatz 2 Satz 2 und Absatz 3 Satz 1 und 2; entsprechend getrennt. (2) Die Zuschreibung des „Nachschiebens" der Befristungsbegründung an BGH VIII ZR 7/23 entfernt – die Entscheidung befasst sich nur mit dem **Fehlen** der Mitteilung; die Aussage stützt sich jetzt allein auf den Normwortlaut. (3) Das Zitat aus Randnummer 46 von VIII ZR 7/23 auf den amtlichen Wortlaut umgestellt (der Zwischensatz „Hierzu zählt auch die Vorschrift des § 575 Abs. 1 BGB" war zuvor ohne Auslassungszeichen übergangen). (4) Die drei Zitate des § 575 Absatz 1 Satz 1 Nummer 1–3 BGB waren im Satzbau umgestellt und sind jetzt zeichengenau. (5) **§ 549 Absatz 3 BGB** (Studenten- und Jugendwohnheime) ergänzt und der Ausnahmekatalog des § 549 Absatz 2 BGB vollständig wiedergegeben. (6) Zu § 578 Absatz 3 BGB der Übergangsvorbehalt **Art. 229 § 49 Absatz 3 EGBGB** ergänzt (nicht anwendbar auf bis 31.12.2018 entstandene Mietverhältnisse). (7) Art. 229 § 3 Absatz 3 EGBGB vollständig zitiert – Altrecht gilt nur für die enumerierten Vorschriften, nicht pauschal. (8) Kernfakten korrigiert: Der Wohnraumbezug folgt aus der Stellung im Untertitel 2, nicht aus § 549 Absatz 1 BGB; § 575a BGB begründet kein Kündigungsrecht, sondern setzt ein anderweitig begründetes voraus; § 550 Satz 2 BGB ergänzt. (9) Für Gewerberaum die Maßgabe des § 578 Absatz 1 Satz 2 BGB (**Textform**, nicht Schriftform) klargestellt. (10) Im Beispiel das Datum des frühestmöglichen Auskunftsverlangens von 29.10.2028 auf **28.10.2028** korrigiert. (11) Fünf unbelegte Wertungen entschärft (Erheblichkeitsschwelle bei Modernisierung, „nicht nachholbar", „in der Praxis im Mietvertrag", „zur Falle werden", „Frage des Einzelfalls") und § 126 BGB im Wortlaut belegt. (12) §§ 126 und 543 BGB sowie Art. 229 § 49 EGBGB in die Quellenliste aufgenommen (alle curl HTTP 200). | change_type=fact_correction reviewed_by="Andreas Warkentin" field="content" new="corrected"
- 2026-08-20: Erstveröffentlichung. §§ 542, 549, 550, 573, 573a, 573c, 574, 575, 575a, 578 BGB und Art. 229 § 3 EGBGB im Wortlaut gegen gesetze-im-internet.de geprüft (alle URLs curl HTTP 200). BGH VIII ZR 388/12 und BGH VIII ZR 7/23 über die amtlichen Volltexte auf rechtsprechung-im-internet.de (BMJ/BfJ) belegt; Zitate aus Titelzeile, Leitsatz und Entscheidungsgründen im amtlichen Wortlaut übernommen. Wikidata-Subjects Q78464728 (Zeitmietvertrag), Q58081925 (Mietrecht), Q165728 (BGB), Q687323 (BGH) via wbgetentities/wbsearchentities verifiziert. | change_type=initial_publication reviewed_by="Andreas Warkentin" field="topic_lifecycle" new="published"

## Siehe auch

- [Kündigungsfristen bei Wohnraum § 573c BGB](/fakten/kuendigungsfristen-wohnraum-573c-bgb.html)
- [Eigenbedarfskündigung](/fakten/eigenbedarfskuendigung.html)
- [Pflichtangaben im Mietvertrag](/fakten/mietvertrag-pflichtangaben.html)
- [Kündigung wegen Zahlungsverzugs § 543 BGB](/fakten/kuendigung-zahlungsverzug-543-bgb.html)
- [Mietkaution § 551 BGB](/fakten/mietkaution-551-bgb.html)

## Stand

- Stand: 2026-08-20
- Gültig ab: 2001-09-01 – § 575 BGB in der heutigen Fassung durch das Gesetz zur Neugliederung, Vereinfachung und Reform des Mietrechts (Mietrechtsreformgesetz) vom 19.06.2001, BGBl. I S. 1149, in Kraft seit 01.09.2001. Für am 01.09.2001 bestehende Zeitmietverhältnisse gilt nach Art. 229 § 3 Absatz 3 EGBGB weiter § 564c BGB a. F.
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (gesetze-im-internet.de, rechtsprechung-im-internet.de/BGH)
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