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title: Zugewinnausgleich bei Scheidung (§§ 1372 ff. BGB) – Anfangsvermögen, Endvermögen, Ausgleichsforderung
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# Zugewinnausgleich bei Scheidung (§§ 1372 ff. BGB) – Anfangsvermögen, Endvermögen, Ausgleichsforderung

## Kurzantwort

Lebten die Ehegatten im gesetzlichen Güterstand der **Zugewinngemeinschaft** und wird die Ehe **geschieden** (oder der Güterstand sonst zu Lebzeiten beendet), findet der **Zugewinnausgleich** nach den §§ 1373 bis 1390 BGB statt (§ 1372 BGB). **Zugewinn** ist der Betrag, um den das **Endvermögen** eines Ehegatten sein **Anfangsvermögen** übersteigt (§ 1373 BGB). Hat ein Ehegatte während der Ehe einen **höheren Zugewinn** erzielt als der andere, steht dem anderen die **Hälfte des Überschusses** als **Ausgleichsforderung** in Geld zu (§ 1378 Abs. 1 BGB). Bei der Scheidung tritt für die Berechnung des Zugewinns **der Zeitpunkt der Rechtshängigkeit des Scheidungsantrags** an die Stelle der Beendigung des Güterstands (§ 1384 BGB) – Vermögensverschiebungen danach zählen nicht mehr. Die Ausgleichsforderung ist ein reiner **Geldanspruch**; einzelne Gegenstände (Haus, Auto, Konten) werden dadurch **nicht** automatisch geteilt. Wer keinen Ausgleich zahlen will oder Auskunft verweigert, kann über § 1379 BGB (Auskunft), § 1385 f. BGB (vorzeitiger Ausgleich) und § 1390 BGB (Ansprüche gegen Dritte) belangt werden.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | §§ 1372–1390 BGB [gesetze-im-internet.de / dejure.org] |
| Anwendungsvoraussetzung | Gesetzlicher Güterstand der Zugewinngemeinschaft (§ 1363 BGB), Beendigung **nicht** durch Tod [§ 1372 BGB] |
| Definition Zugewinn | Betrag, um den das Endvermögen das Anfangsvermögen übersteigt [§ 1373 BGB] |
| Anfangsvermögen | Vermögen nach Abzug der Verbindlichkeiten bei Eintritt des Güterstands [§ 1374 Abs. 1 BGB] |
| Privilegierter Erwerb | Erbschaft, Schenkung, Ausstattung werden dem Anfangsvermögen hinzugerechnet [§ 1374 Abs. 2 BGB] |
| Negatives Anfangs-/Endvermögen | Seit Reform 2009 möglich – Verbindlichkeiten über Vermögenshöhe hinaus abziehbar [§ 1374 Abs. 3, § 1375 Abs. 1 S. 2 BGB] |
| Endvermögen | Vermögen nach Abzug der Verbindlichkeiten bei Beendigung des Güterstands [§ 1375 Abs. 1 BGB] |
| Stichtag bei Scheidung | Rechtshängigkeit (Zustellung) des Scheidungsantrags [§ 1384 BGB] |
| Ausgleichsforderung | **Hälfte** des Überschusses des höheren Zugewinns [§ 1378 Abs. 1 BGB] |
| Kappungsgrenze | Höhe begrenzt durch das bei Beendigung vorhandene Vermögen (nach Verbindlichkeiten) [§ 1378 Abs. 2 BGB] |
| Entstehung des Anspruchs | Mit Beendigung des Güterstands; ab dann vererblich und übertragbar [§ 1378 Abs. 3 BGB] |
| Illoyale Vermögensminderung | Verschwendung, Benachteiligungsabsicht, unbenannte Schenkung werden dem Endvermögen hinzugerechnet [§ 1375 Abs. 2 BGB] |
| Auskunftsanspruch | Zu Anfangs-, Trennungs- und Endvermögen, auf Verlangen mit Belegen [§ 1379 BGB] |
| Vorzeitiger Ausgleich | Bei Getrenntleben ≥ 3 Jahre oder Gefährdung u. a. [§ 1385, § 1386 BGB] |
| Härteklausel | Leistungsverweigerung bei grober Unbilligkeit [§ 1381 BGB] |
| Stundung | Gericht kann Ausgleichsforderung stunden [§ 1382 BGB] |
| Verjährung | Regelverjährung 3 Jahre ab Kenntnis (§§ 195, 199 BGB) |
| Abweichung möglich | Ehevertrag (Gütertrennung, modifizierte Zugewinngemeinschaft), notariell [§ 1408 BGB] |

## Geltungsbereich

Der Zugewinnausgleich nach §§ 1372 ff. BGB greift **nur** im gesetzlichen Güterstand der **Zugewinngemeinschaft** (§ 1363 BGB). Dieser gilt automatisch, wenn die Ehegatten **keinen Ehevertrag** geschlossen haben, der etwas anderes bestimmt. Haben sie durch notariellen Ehevertrag **Gütertrennung** vereinbart (§ 1414 BGB), findet **kein** Zugewinnausgleich statt; bei **Gütergemeinschaft** (§§ 1415 ff. BGB) gelten eigene Auseinandersetzungsregeln. Über § 6 LPartG gelten die Vorschriften entsprechend für **eingetragene Lebenspartnerschaften** (Bestandspartnerschaften).

Wichtig zur Abgrenzung: § 1372 BGB regelt den Ausgleich, wenn der Güterstand **zu Lebzeiten** endet – vor allem durch **Scheidung**, aber auch durch Aufhebung der Ehe, ehevertragliche Beendigung oder vorzeitigen Ausgleich. Endet der Güterstand durch **Tod** eines Ehegatten, gilt stattdessen die pauschale erbrechtliche Lösung des § 1371 BGB (siehe [Zugewinnausgleich im Todesfall](https://nexvyra.de/fakten/zugewinnausgleich-todesfall-1371-bgb.md)). In grenzüberschreitenden Ehen entscheidet die **EU-Güterrechtsverordnung (VO 2016/1103)** bzw. das internationale Privatrecht darüber, ob überhaupt deutsches Güterrecht anwendbar ist.

## So wird der Zugewinn berechnet

Der Zugewinnausgleich ist eine **Rechenoperation** in drei Schritten – für **jeden** Ehegatten getrennt.

**1. Anfangsvermögen (§ 1374 BGB).** Das ist das Vermögen, das einem Ehegatten **nach Abzug der Verbindlichkeiten beim Eintritt des Güterstands** – in der Regel am Tag der Eheschließung – gehörte (§ 1374 Abs. 1 BGB). Vermögen, das ein Ehegatte **während** der Ehe von Todes wegen, mit Rücksicht auf ein künftiges Erbrecht, durch **Schenkung** oder als **Ausstattung** erwirbt, wird dem Anfangsvermögen **hinzugerechnet** (§ 1374 Abs. 2 BGB) – solche Zuflüsse sind also **kein** ausgleichspflichtiger Zugewinn. Seit der Reform 2009 sind **Verbindlichkeiten über die Höhe des Vermögens hinaus** abzuziehen (§ 1374 Abs. 3 BGB); damit ist ein **negatives Anfangsvermögen** möglich – wer mit Schulden in die Ehe geht und diese abbaut, hat einen entsprechend höheren Zugewinn.

**2. Endvermögen (§ 1375 BGB).** Das ist das Vermögen nach Abzug der Verbindlichkeiten **bei Beendigung des Güterstands** (§ 1375 Abs. 1 S. 1 BGB); auch hier sind Verbindlichkeiten über die Vermögenshöhe hinaus abzuziehen (S. 2). Bei der Scheidung ist der maßgebliche Stichtag jedoch **vorverlegt** (siehe unten, § 1384 BGB).

**3. Ausgleichsforderung (§ 1378 BGB).** Für jeden Ehegatten gilt: **Zugewinn = Endvermögen − Anfangsvermögen** (§ 1373 BGB; ein negativer Zugewinn wird als 0 behandelt). Übersteigt der Zugewinn des einen den des anderen, steht dem anderen die **Hälfte des Überschusses** als Ausgleichsforderung **in Geld** zu (§ 1378 Abs. 1 BGB). Die Forderung ist der Höhe nach **begrenzt** durch den Wert des Vermögens, das nach Abzug der Verbindlichkeiten bei Beendigung vorhanden ist (Kappungsgrenze, § 1378 Abs. 2 BGB); in den Fällen illoyaler Vermögensminderung erhöht sich diese Grenze um den hinzugerechneten Betrag.

## Stichtag bei der Scheidung (§ 1384 BGB)

Bei der Scheidung ist der Berechnungszeitpunkt **nicht** die Rechtskraft der Scheidung, sondern nach § 1384 BGB der **Zeitpunkt der Rechtshängigkeit des Scheidungsantrags** – also der **Zustellung** des Antrags an den anderen Ehegatten. Zu diesem Stichtag werden **Endvermögen** und **Höhe der Ausgleichsforderung** ermittelt. Praktische Folge: Wer nach Zustellung des Scheidungsantrags noch etwas dazuverdient, erbt oder verliert, verändert damit die Ausgleichsforderung **nicht mehr**. Für die Berechnung entkoppelt § 1384 BGB damit den güterrechtlichen Stichtag vom oft viel späteren Ende des Verfahrens.

## Schutz vor Vermögensverschiebung (§ 1375 Abs. 2 BGB)

Damit ein Ehegatte den Ausgleich nicht durch heimliches „Kleinrechnen" seines Endvermögens unterläuft, ordnet § 1375 Abs. 2 BGB eine **Hinzurechnung** an: Dem Endvermögen wird der Betrag zugerechnet, um den es dadurch vermindert ist, dass ein Ehegatte nach Eintritt des Güterstands

1. **unentgeltliche Zuwendungen** gemacht hat, die keiner sittlichen Pflicht oder dem Anstand entsprachen,
2. **Vermögen verschwendet** hat oder
3. Handlungen **in Benachteiligungsabsicht** vorgenommen hat.

Ist das Endvermögen geringer als das in der **Trennungsauskunft** angegebene Vermögen, trifft den betreffenden Ehegatten eine **Beweislastumkehr**: Er muss darlegen und beweisen, dass die Minderung **nicht** auf solchen Handlungen beruht (§ 1375 Abs. 2 S. 2 BGB; bestätigt durch BGH, Beschluss vom 13.11.2024 – XII ZB 558/23). Die Hinzurechnung entfällt, wenn die Minderung **mindestens zehn Jahre** vor Beendigung eingetreten ist oder der andere Ehegatte einverstanden war (§ 1375 Abs. 3 BGB).

## Auskunft, Sicherung und Durchsetzung

**Auskunft (§ 1379 BGB).** Jeder Ehegatte kann vom anderen **Auskunft** über das Vermögen zum Zeitpunkt der **Trennung** sowie über das **Anfangs- und Endvermögen** verlangen, auf Verlangen mit **Vorlage von Belegen**. Der Auskunftsanspruch wird meist im **Stufenantrag** (Auskunft – ggf. eidesstattliche Versicherung – Zahlung) vor dem Familiengericht durchgesetzt.

**Vorzeitiger Zugewinnausgleich (§§ 1385, 1386 BGB).** Der ausgleichsberechtigte Ehegatte kann **vorzeitigen** Ausgleich verlangen – insbesondere bei **Getrenntleben von mindestens drei Jahren** oder wenn zu befürchten ist, dass die Ausgleichsforderung durch das Verhalten des anderen gefährdet wird (§ 1385 BGB). Mit der vorzeitigen Aufhebung tritt **Gütertrennung** ein (§ 1388 BGB).

**Ansprüche gegen Dritte (§ 1390 BGB).** Hat ein Ehegatte Vermögen unentgeltlich an Dritte verschoben, um den Ausgleich zu vereiteln, kann der Berechtigte unter den Voraussetzungen des § 1390 BGB **Wertersatz vom Dritten** verlangen.

**Grenzen – Billigkeit und Stundung.** Die Leistung kann bei **grober Unbilligkeit** verweigert werden (§ 1381 BGB); das Gericht kann die Forderung auf Antrag **stunden**, wenn die sofortige Zahlung zur Unzeit käme (§ 1382 BGB).

## Rechenbeispiel

Ehegatten leben in Zugewinngemeinschaft; der Scheidungsantrag wird zugestellt (Stichtag § 1384 BGB).

- **Ehefrau:** Anfangsvermögen 10.000 €, Endvermögen 110.000 € → **Zugewinn 100.000 €**
- **Ehemann:** Anfangsvermögen 0 €, Endvermögen 40.000 € → **Zugewinn 40.000 €**

Der Zugewinn der Frau übersteigt den des Mannes um **60.000 €**. Der Mann erhält die **Hälfte** dieses Überschusses = **30.000 €** als Ausgleichsforderung in Geld (§ 1378 Abs. 1 BGB). Erhielte die Frau während der Ehe zusätzlich eine **Erbschaft von 50.000 €**, würde diese ihrem **Anfangsvermögen** hinzugerechnet (§ 1374 Abs. 2 BGB) und minderte ihren Zugewinn entsprechend – die Erbschaft ist also **nicht** auszugleichen. Die Zahlen dienen nur der Veranschaulichung des Rechenwegs.

## Häufige Fehler

- **„Beim Zugewinnausgleich wird das Haus geteilt."** Falsch – die Ausgleichsforderung ist ein reiner **Geldanspruch** (§ 1378 Abs. 1 BGB). Immobilien oder Konten werden dadurch nicht automatisch übertragen.
- **„Was ich geerbt habe, muss ich teilen."** Falsch – Erbschaften und Schenkungen zählen zum **Anfangsvermögen** (§ 1374 Abs. 2 BGB) und erhöhen den Zugewinn nicht. Nur die **Wertsteigerung** während der Ehe kann Zugewinn sein.
- **„Stichtag ist die Scheidung."** Falsch – für die Berechnung gilt die **Rechtshängigkeit des Scheidungsantrags** (§ 1384 BGB), nicht die spätere Rechtskraft.
- **„Der Zugewinnausgleich läuft automatisch wie der Versorgungsausgleich."** Falsch – anders als der [Versorgungsausgleich](https://nexvyra.de/fakten/versorgungsausgleich-vag.md) wird der Zugewinnausgleich **nicht von Amts wegen** durchgeführt, sondern muss **beantragt** werden.
- **„Wer Vermögen vor der Scheidung verschenkt, spart den Ausgleich."** Falsch – illoyale Minderungen werden nach § 1375 Abs. 2 BGB **hinzugerechnet**, mit Beweislastumkehr, und § 1390 BGB eröffnet Ansprüche gegen Dritte.
- **„Ich hafte auch über mein vorhandenes Vermögen hinaus."** Falsch – die Ausgleichsforderung ist durch das bei Beendigung vorhandene Vermögen **gedeckelt** (§ 1378 Abs. 2 BGB).
- **„Zugewinngemeinschaft heißt, alles gehört beiden gemeinsam."** Falsch – während der Ehe bleiben die Vermögen **getrennt** (§ 1363 Abs. 2 BGB); ausgeglichen wird erst bei Beendigung des Güterstands.



## Quellen

- § 1372 BGB – Zugewinnausgleich in anderen Fällen: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1372.html
- § 1372 BGB (dejure.org, mit Rechtsprechung): https://dejure.org/gesetze/BGB/1372.html
- § 1373 BGB – Zugewinn: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1373.html
- § 1373 BGB (dejure.org): https://dejure.org/gesetze/BGB/1373.html
- § 1374 BGB – Anfangsvermögen: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1374.html
- § 1374 BGB (dejure.org): https://dejure.org/gesetze/BGB/1374.html
- § 1375 BGB – Endvermögen: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1375.html
- § 1375 BGB (dejure.org): https://dejure.org/gesetze/BGB/1375.html
- § 1378 BGB – Ausgleichsforderung: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1378.html
- § 1378 BGB (dejure.org): https://dejure.org/gesetze/BGB/1378.html
- § 1379 BGB – Auskunftspflicht: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1379.html
- § 1384 BGB – Berechnungszeitpunkt bei Scheidung: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1384.html
- § 1384 BGB (dejure.org): https://dejure.org/gesetze/BGB/1384.html
- § 1385 BGB – Vorzeitiger Zugewinnausgleich: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1385.html
- § 1390 BGB – Ansprüche gegen Dritte: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1390.html
- § 1363 BGB – Zugewinngemeinschaft: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1363.html
- BGH, Beschluss vom 13.11.2024 – XII ZB 558/23 (Beweislast bei Vermögensminderung nach Trennung): https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=13.11.2024&Aktenzeichen=XII%20ZB%20558/23

## Änderungsverlauf

- 2026-07-14: Erstveröffentlichung. Wortlaut §§ 1372, 1373, 1374, 1375, 1378, 1384 BGB gegen dejure.org verifiziert (Fassungen nach Reform 06.07.2009, in Kraft 01.09.2009); Stichtagsregel § 1384 BGB, Kappungsgrenze § 1378 Abs. 2 BGB, illoyale Vermögensminderung § 1375 Abs. 2 BGB mit BGH XII ZB 558/23 (13.11.2024) geprüft; keine erfundenen Beträge, Rechenbeispiel als Veranschaulichung gekennzeichnet. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"

## Stand

- Stand: 2026-07-14
- Gültig ab: 1958-07-01 (Gleichberechtigungsgesetz; Zugewinngemeinschaft als gesetzlicher Güterstand), Berechnungsvorschriften i. d. F. der Reform vom 01.09.2009
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (BGB; BGH XII. Zivilsenat)
- Lizenz: CC BY 4.0
