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title: "Zurückverweisung durch das Berufungsgericht – wann der Rechtsstreit zurück an die erste Instanz geht (§ 538 ZPO)"
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# Zurückverweisung durch das Berufungsgericht – wann der Rechtsstreit zurück an die erste Instanz geht (§ 538 ZPO)

## Kurzantwort

Nach **§ 538 Abs. 1 ZPO** hat das Berufungsgericht **die notwendigen Beweise selbst zu erheben und in der Sache selbst zu entscheiden**. Die **Zurückverweisung** an das Gericht des ersten Rechtszuges ist die **Ausnahme**: Sie ist nach **§ 538 Abs. 2 ZPO** nur in **sieben abschließend aufgezählten Fällen** zulässig – etwa bei einem **wesentlichen Verfahrensmangel**, der eine **umfangreiche oder aufwändige Beweisaufnahme** notwendig macht (Nr. 1), oder wenn das angefochtene Urteil ein **Versäumnisurteil** ist (Nr. 6). In den Fällen Nr. 1 bis 6 muss **eine Partei die Zurückverweisung beantragen**; nur beim **unzulässigen Teilurteil** (Nr. 7) bedarf es **keines Antrags**. Im arbeitsgerichtlichen Verfahren ist die Zurückverweisung **wegen eines Verfahrensmangels** des Arbeitsgerichts **unzulässig** (§ 68 ArbGG).

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Norm | § 538 ZPO (Zurückverweisung im Berufungsverfahren) |
| Grundsatz | Berufungsgericht erhebt die notwendigen Beweise und entscheidet in der Sache selbst (§ 538 Abs. 1 ZPO) |
| Rechtsfolge der Zurückverweisung | Aufhebung des Urteils und des Verfahrens und Zurückverweisung an das Gericht des ersten Rechtszuges, soweit die weitere Verhandlung erforderlich ist (§ 538 Abs. 2 Satz 1 ZPO) |
| Nr. 1 | wesentlicher Mangel des erstinstanzlichen Verfahrens und deshalb umfangreiche oder aufwändige Beweisaufnahme notwendig |
| Nr. 2 | durch das angefochtene Urteil ist ein Einspruch als unzulässig verworfen |
| Nr. 3 | das angefochtene Urteil entscheidet nur über die Zulässigkeit der Klage (Prozessurteil) |
| Nr. 4 | bei einem nach Grund und Betrag streitigen Anspruch wurde über den Grund vorab entschieden oder die Klage abgewiesen – es sei denn, der Streit über den Betrag ist zur Entscheidung reif |
| Nr. 5 | Vorbehaltsurteil im Urkunden- oder Wechselprozess |
| Nr. 6 | das angefochtene Urteil ist ein Versäumnisurteil |
| Nr. 7 | Teilurteil, das entgegen den Voraussetzungen des § 301 ZPO erlassen wurde |
| Antrag | Nr. 1–6: Antrag einer Partei erforderlich; Nr. 7: kein Antrag nötig (§ 538 Abs. 2 Satz 3 ZPO) |
| Besonderheit Nr. 3 | Berufungsgericht hat sämtliche Rügen zu erledigen (§ 538 Abs. 2 Satz 2 ZPO) |
| Revisionsinstanz | Aufhebung → Zurückverweisung an das Berufungsgericht (auch an anderen Spruchkörper); Bindung an die Rechtsauffassung des Revisionsgerichts; eigene Sachentscheidung bei Entscheidungsreife (§ 563 ZPO) |
| Sprungrevision | Zurückverweisung an das erstinstanzliche Gericht (§ 566 Abs. 8 ZPO) |
| Arbeitsgerichtsverfahren | Zurückverweisung wegen eines Mangels im Verfahren des Arbeitsgerichts unzulässig (§ 68 ArbGG) |

## Grundsatz: Das Berufungsgericht entscheidet selbst

**§ 538 Abs. 1 ZPO** verpflichtet das Berufungsgericht deshalb, fehlende Beweise **selbst zu erheben** und den Rechtsstreit **selbst zu entscheiden**. Das dient der **Verfahrensbeschleunigung**: Ein Hin- und Herschieben des Rechtsstreits zwischen den Instanzen soll vermieden werden.

Die Zurückverweisung ist daher **kein Regelfall**, sondern nur unter den Voraussetzungen des Abs. 2 zulässig. Auch wenn ein Fall des Abs. 2 vorliegt, **„darf"** das Berufungsgericht zurückverweisen – es muss es nach dem Wortlaut nicht.

## Die sieben Fälle des § 538 Abs. 2 ZPO

**Nr. 1 – Wesentlicher Verfahrensmangel.** Erforderlich sind **zwei Voraussetzungen kumulativ**: Das erstinstanzliche Verfahren leidet an einem **wesentlichen Mangel**, und **auf Grund dieses Mangels** ist eine **umfangreiche oder aufwändige Beweisaufnahme** notwendig. Ein bloßer Verfahrensfehler genügt also nicht; muss nur ein einzelner Zeuge nachvernommen werden, entscheidet in der Regel das Berufungsgericht selbst.

**Nr. 2 – Verworfener Einspruch.** Hat das erstinstanzliche Gericht einen **Einspruch** (etwa gegen ein Versäumnisurteil oder einen Vollstreckungsbescheid) **als unzulässig verworfen**, hat es zur Sache selbst noch nicht verhandelt.

**Nr. 3 – Prozessurteil.** Hat das Gericht **nur über die Zulässigkeit der Klage** entschieden, fehlt eine Sachprüfung in erster Instanz. Hier hat das Berufungsgericht nach **§ 538 Abs. 2 Satz 2 ZPO sämtliche Rügen zu erledigen**, bevor es zurückverweist.

**Nr. 4 – Grundurteil / Abweisung bei Streit über Grund und Betrag.** Ist über den **Grund vorab** entschieden oder die Klage abgewiesen, kann über die **Höhe** zurückverwiesen werden – **nicht** aber, wenn der Betragsstreit bereits **entscheidungsreif** ist.

**Nr. 5 – Vorbehaltsurteil im Urkunden- oder Wechselprozess.** Das Nachverfahren kann in erster Instanz durchgeführt werden.

**Nr. 6 – Versäumnisurteil.** Ist das angefochtene Urteil ein **Versäumnisurteil**, kann der Rechtsstreit zur streitigen Verhandlung zurückgehen.

**Nr. 7 – Unzulässiges Teilurteil.** Wurde ein **Teilurteil entgegen § 301 ZPO** erlassen (insbesondere bei Gefahr widersprechender Entscheidungen), kann zurückverwiesen werden – und zwar **ohne Antrag** (§ 538 Abs. 2 Satz 3 ZPO).

## Antragserfordernis

In den Fällen **Nr. 1 bis 6** setzt die Zurückverweisung voraus, dass **eine Partei sie beantragt** (§ 538 Abs. 2 Satz 1 a. E. ZPO). Ohne Antrag muss das Berufungsgericht selbst entscheiden. Nur im Fall der **Nr. 7** bedarf es **keines Antrags**. Wer eine Zurückverweisung will (oder gerade vermeiden möchte), sollte das daher **ausdrücklich** in der Berufungsbegründung bzw. -erwiderung erklären.

## Zurückverweisung in der Revision (§§ 563, 566 Abs. 8 ZPO)

Hebt das **Revisionsgericht** ein Urteil auf, ist die Sache zur neuen Verhandlung und Entscheidung an das **Berufungsgericht** zurückzuverweisen; das kann auch ein **anderer Spruchkörper** sein (**§ 563 Abs. 1 ZPO**). Das Berufungsgericht ist an die **rechtliche Beurteilung** gebunden, die der Aufhebung zugrunde liegt (**§ 563 Abs. 2 ZPO**). Beruht die Aufhebung nur auf einer **Rechtsverletzung bei Anwendung des Gesetzes auf den festgestellten Sachverhalt** und ist die Sache **zur Endentscheidung reif**, entscheidet das Revisionsgericht **selbst** (**§ 563 Abs. 3 ZPO**). Bei der **Sprungrevision** erfolgt die Zurückverweisung an das **erstinstanzliche Gericht** (**§ 566 Abs. 8 ZPO**).

## Arbeitsgerichtliches Verfahren (§ 68 ArbGG)

Im Berufungsverfahren vor dem Landesarbeitsgericht gilt eine strengere Regel: **„Wegen eines Mangels im Verfahren des Arbeitsgerichts ist die Zurückverweisung unzulässig."** (§ 68 ArbGG). Ein Verfahrensfehler des Arbeitsgerichts führt dort also nicht zur Zurückverweisung; das Landesarbeitsgericht muss den Fehler selbst beheben.

## Beispiel

*Fiktives Beispiel:* Das Amtsgericht weist eine Werklohnklage über 4.000 € ab, weil es die Klage für unzulässig hält. Das Landgericht als Berufungsgericht hält die Klage für zulässig. Da das Amtsgericht **nur über die Zulässigkeit** entschieden hat (**§ 538 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 ZPO**), kann das Landgericht – **auf Antrag** einer Partei und nach Erledigung **sämtlicher Zulässigkeitsrügen** – das Urteil aufheben und die Sache an das Amtsgericht zurückverweisen. Stellt keine Partei einen Antrag, muss das Landgericht **selbst zur Sache** verhandeln und entscheiden.

## Häufige Fehler

- **Zurückverweisung als Regelfall annehmen.** Grundsatz ist die **eigene Sachentscheidung** des Berufungsgerichts (§ 538 Abs. 1 ZPO).
- **Jeden Verfahrensfehler für ausreichend halten.** Nr. 1 verlangt zusätzlich eine **umfangreiche oder aufwändige Beweisaufnahme**.
- **Antrag vergessen.** In den Fällen Nr. 1–6 ist ein **Parteiantrag** Voraussetzung.
- **Betragsstreit übersehen.** Bei Nr. 4 scheidet die Zurückverweisung aus, wenn der Streit über die Höhe **entscheidungsreif** ist.
- **ZPO-Regel auf das Arbeitsgericht übertragen.** Dort ist die Zurückverweisung wegen Verfahrensmängeln **ausgeschlossen** (§ 68 ArbGG).

## Geltungsbereich

§ 538 ZPO gilt für das **Berufungsverfahren im Zivilprozess** nach der ZPO. Für Revision und Sprungrevision gelten §§ 563, 566 Abs. 8 ZPO, für das arbeitsgerichtliche Berufungsverfahren ergänzend § 68 ArbGG; andere Verfahrensordnungen haben eigene Regelungen. Dies ist eine allgemeine Information und keine Rechtsberatung.

## Siehe auch

- [Berufung und Revision im Zivilprozess](https://nexvyra.de/fakten/berufung-revision-zivilprozess.html)
- [Berufungsfrist und Berufungsbegründung (§§ 517–520 ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/berufungsfrist-berufungsbegruendung-517-520-zpo.html)
- [Zurückweisungsbeschluss in der Berufung (§ 522 ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/berufung-zurueckweisungsbeschluss-522-zpo.html)
- [Teilurteil und Grundurteil (§§ 301–304 ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/teilurteil-grundurteil-301-304-zpo.html)
- [Versäumnisurteil (§ 330 ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/versaeumnisurteil-330-zpo.html)
- [Vorbehaltsurteil (§§ 302, 599 ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/vorbehaltsurteil-302-599-zpo.html)
- [Sprungrevision (§ 566 ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/sprungrevision-566-zpo.html)
- [Verspätetes Vorbringen und Präklusion (§ 296 ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/verspaetetes-vorbringen-praeklusion-296-zpo.html)
- [Rügeverzicht bei Verfahrensmängeln (§ 295 ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/ruegeverzicht-verfahrensmaengel-295-zpo.html)

## Änderungsverlauf

- 2026-11-06: Erstveröffentlichung (Prozess- & Vollstreckungsrecht-Agent, 14:15-Lauf, zweite Ausführung). Bestandslücke: § 538 ZPO bisher nur mit Nr. 4 und Nr. 7 in teilurteil-grundurteil-301-304-zpo.

## Quellen

- § 538 ZPO – Zurückverweisung:
  https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__538.html
- § 563 ZPO – Zurückverweisung; eigene Sachentscheidung (Revision):
  https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__563.html
- § 566 ZPO – Sprungrevision (Abs. 8: Zurückverweisung an das erstinstanzliche Gericht):
  https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__566.html
- § 68 ArbGG – Zurückverweisung:
  https://www.gesetze-im-internet.de/arbgg/__68.html

## Stand

- Letzte Änderung: 2026-11-06
- Letzte Prüfung: 2026-11-06
- In Kraft seit: 2026-11-06
- Status: In Kraft
- Quellen-Autorität: A
- Lizenz: CC BY 4.0
