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title: BGH I ZR 34/23 und I ZR 35/23 — Kabelweiterleitung von Rundfunkprogrammen im Seniorenwohnheim ist keine öffentliche Wiedergabe
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news_type: rechtsprechung
topic: gesundheitsrecht
event_date: 2026-09-03
published: 2026-09-04
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related_topics: [vollstationaere-pflege-43-sgb-xi]
factcheck_status: ok
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# BGH I ZR 34/23 und I ZR 35/23 — Kabelweiterleitung von Rundfunkprogrammen im Seniorenwohnheim ist keine öffentliche Wiedergabe

## Kurzmeldung

Der **I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs** hat am **3. September 2026** in zwei Parallelverfahren (**I ZR 34/23** und **I ZR 35/23**) entschieden: Leitet die Betreiberin eines Seniorenwohnheims über eine eigene Satellitenempfangsanlage empfangene Rundfunkprogramme zeitgleich, unverändert und vollständig durch ihr Kabelnetz an die Zimmer der Heimbewohner weiter, nimmt sie **keine öffentliche Wiedergabe** vor. Sie schuldet dafür weder Urhebern noch Sendeunternehmen eine Vergütung. Die Revisionen der klagenden Verwertungsgesellschaften blieben in beiden Verfahren ohne Erfolg.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Datum | 2026-09-03 (Urteile und Pressemitteilung Nr. 161/2026) |
| Gericht/Institution | Bundesgerichtshof, I. Zivilsenat (Urheberrecht) |
| Aktenzeichen | I ZR 34/23 und I ZR 35/23 (Urteile vom 03.09.2026) |
| Vorinstanzen | LG Frankenthal, Urteile vom 13.07.2022 – 6 O 272/21 und 6 O 318/21; OLG Zweibrücken, Urteile vom 16.03.2023 – 4 U 101/22 und 4 U 102/22 |
| Rechtsgrundlage | § 15 Abs. 2 und 3, §§ 20, 20b Abs. 1 Satz 1, § 87 Abs. 1 Nr. 1 UrhG; Art. 3 Abs. 1 RL 2001/29/EG |
| Vorabentscheidung | EuGH, Urteil vom 30.04.2026 – C-127/24 (VHC 2 Seniorenresidenz), GRUR 2026, 796 |
| Wirkung | Revisionen zurückgewiesen; keine Lizenzpflicht, keine Vergütungspflicht |

## Was das bedeutet

Betroffen ist eine Konstellation, die in Pflege- und Senioreneinrichtungen bundesweit Standard ist: eine hauseigene SAT-Anlage, deren Signal über ein internes Kabelnetz auf die Zimmeranschlüsse verteilt wird. Verwertungsgesellschaften hatten daraus eine lizenzpflichtige Kabelweitersendung abgeleitet. Der BGH verneint das an **beiden Tatbestandsmerkmalen** der öffentlichen Wiedergabe.

Erstens fehlt es an einem **spezifischen technischen Verfahren**: Nach dem EuGH-Urteil C-127/24 handelt es sich bei der zeitgleichen, unveränderten und vollständigen Weiterleitung über das hauseigene Kabelnetz nicht um ein Verfahren, das sich vom bisher verwendeten unterscheidet. Zweitens fehlt es am **„neuen Publikum"**: Die Heimbewohner empfangen die Sendungen als Besitzer von Empfangsgeräten im privaten Kreis und gehören damit zu dem Publikum, das die Rechteinhaber bereits mit ihrer Erlaubnis zur ursprünglichen Rundfunksendung adressiert haben.

Zwei Abgrenzungen sind für die Praxis besonders nützlich. Zum einen ändert sich am Ergebnis nichts, wenn die Einrichtung neben dauerhaften Wohnplätzen **auch Zimmer für Kurzzeit- und Verhinderungspflege** vorhält: Maßgeblich ist eine typisierende Betrachtung, und der Schwerpunkt der Einrichtung lag hier auf dem dauerhaften Wohnen. Zum anderen begründet die Weiterleitung **in Speise- und Gemeinschaftsräume** kein neues Publikum, weil diese Räume lediglich eine Erweiterung der Privatsphäre der Bewohner darstellen.

Der Senat behandelt dabei das nicht unionsrechtlich geregelte Weitersenderecht der **Sendeunternehmen** (§ 87 Abs. 1 Nr. 1 UrhG) parallel zum Urheberrecht: Wegen des Gebots einheitlicher Auslegung des nationalen Rechts gilt derselbe Begriff der öffentlichen Wiedergabe. Für Betreiber von Pflege- und Senioreneinrichtungen entfällt damit ein wiederkehrender Lizenzkostenblock. Die Entscheidung ist auf die beschriebene Konstellation zugeschnitten — Hotels und ähnliche Beherbergungsbetriebe, bei denen es an einem dauerhaften Wohnen fehlt, sind davon nicht erfasst.

## Für vertiefte Information

- [Vollstationäre Pflege im Pflegeheim (§ 43 SGB XI) – Leistungsbeträge, einrichtungseinheitlicher Eigenanteil und Leistungszuschlag nach § 43c 2026](/fakten/vollstationaere-pflege-43-sgb-xi.html)

## Quelle

- Bundesgerichtshof, Pressemitteilung Nr. 161/2026 vom 03.09.2026: https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2026/2026161.html
- Bundesgerichtshof, Urteil vom 03.09.2026 – I ZR 34/23 (PDF): https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/I_ZS/2023/I_ZR__34-23.pdf?__blob=publicationFile&v=2
- Bundesgerichtshof, Urteil vom 03.09.2026 – I ZR 35/23 (PDF): https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/I_ZS/2023/I_ZR__35-23.pdf?__blob=publicationFile&v=2

## Stand

- News-Publikation: 2026-09-04
- Ereignis-Datum: 2026-09-03
- Rechtsbereich: Gesundheits- und Patientenrecht
- Autorität: A
- Lizenz: CC BY 4.0
