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title: BGH I ZR 74/22 (Metall auf Metall VI) — Tonträger-Sampling kann als „Pastiche" nach § 51a UrhG zulässig sein
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type: news
news_type: rechtsprechung
topic: allgemein
event_date: 2026-09-03
published: 2026-09-04
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related_topics: [eu-urheberrechtsrichtlinie-dsm-2019-790]
factcheck_status: ok
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# BGH I ZR 74/22 (Metall auf Metall VI) — Tonträger-Sampling kann als „Pastiche" nach § 51a UrhG zulässig sein

## Kurzmeldung

Der **I. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs** hat am **3. September 2026** im Verfahren **I ZR 74/22** entschieden, unter welchen Bedingungen die Übernahme einer Tonsequenz im Wege des Tonträger-Samplings als **„Pastiche" nach § 51a Satz 1 UrhG** zulässig ist. Er hat die Revision der Kläger — Mitglieder der Musikgruppe „Kraftwerk" bzw. deren Rechtsnachfolgerin — zurückgewiesen und das Berufungsurteil bestätigt. Damit endet nach über 25 Jahren der Rechtsstreit „Metall auf Metall" für den Zeitraum ab dem 7. Juni 2021. Grundlage ist die Antwort des EuGH auf die Vorlage des Senats (EuGH, Urteil vom 14. April 2026 – C-590/23 – Pelham [Begriff „Pastiche"]).

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Datum | 2026-09-03 (Urteil und Pressemitteilung Nr. 162/2026) |
| Gericht/Institution | Bundesgerichtshof, I. Zivilsenat (Urheberrecht) |
| Aktenzeichen | I ZR 74/22 (Urteil vom 03.09.2026) |
| Vorinstanzen | LG Hamburg, Urteil vom 08.10.2004 – 308 O 90/99; OLG Hamburg, Urteil vom 28.04.2022 – 5 U 48/05 |
| Rechtsgrundlage | § 51a Satz 1 UrhG (Fassung ab 07.06.2021); Art. 5 Abs. 3 Buchst. k, Abs. 4 und 5 RL 2001/29/EG |
| Vorabentscheidung | EuGH, Urteil vom 14.04.2026 – C-590/23 (Pelham, Begriff „Pastiche") |
| Wirkung | Revision zurückgewiesen; Ansprüche ab 07.06.2021 verneint |

## Was das bedeutet

Der Senat stellt zunächst klar, dass die Übernahme der zwei Sekunden langen Rhythmussequenz **sehr wohl in die Vervielfältigungsrechte** der Kläger als Tonträgerhersteller und ausübende Künstler sowie in die Vervielfältigungs- und Verbreitungsrechte des Klägers zu 1 als Urheber eingreift. Der Eingriff ist aber durch die Schrankenregelung des § 51a Satz 1 UrhG gedeckt, die Art. 5 Abs. 3 Buchst. k und Abs. 4 der Richtlinie 2001/29/EG umsetzt und deshalb richtlinienkonform auszulegen ist.

Inhaltlich ist die zentrale Aussage: Die **Pastiche-Ausnahme ist kein Auffangtatbestand**. Sie erfasst Schöpfungen, die an ein oder mehrere bestehende Werke erinnern, gleichzeitig aber wahrnehmbare Unterschiede zu ihnen aufweisen, und die — ausdrücklich auch im Wege des Sampling — einige ihrer urheberrechtlich geschützten Elemente nutzen, um mit diesen Werken einen **als solchen erkennbaren künstlerischen oder kreativen Dialog** zu führen. Dieser Dialog kann verschiedene Formen annehmen: offene Nachahmung des Stils, Hommage oder humoristische bzw. kritische Auseinandersetzung.

Praktisch entscheidend ist die niedrige Erkennbarkeitsschwelle, die der Senat formuliert: Für eine Nutzung „zum Zweck" des Pastiches genügt, dass der Pastiche-Charakter **für denjenigen erkennbar ist, dem das Ursprungswerk bekannt ist**, dem die Elemente entnommen sind. Es ist also kein Nachweis erforderlich, dass ein Durchschnittspublikum die Referenz erkennt.

Für Musikproduktion, Remix-Kultur und generell für die Weiterverwendung geschützter Ausschnitte schafft das Rechtssicherheit in eine Richtung — aber keinen Freibrief: Wer nur kopiert, ohne einen erkennbaren Dialog mit dem Ursprungswerk zu führen, bleibt außerhalb der Schranke. Ebenso bleibt der Dreistufentest nach Art. 5 Abs. 5 RL 2001/29/EG anwendbar. Zu beachten ist außerdem der zeitliche Zuschnitt: § 51a UrhG gilt erst **ab dem 7. Juni 2021**; für frühere Nutzungen ist die Entscheidung nicht einschlägig.

## Für vertiefte Information

- [EU-Urheberrechtsrichtlinie (DSM-RL 2019/790) – Uploadfilter, Presse-Leistungsschutzrecht und KI-Training (Text und Data Mining)](/fakten/eu-urheberrechtsrichtlinie-dsm-2019-790.html)

## Quelle

- Bundesgerichtshof, Pressemitteilung Nr. 162/2026 vom 03.09.2026: https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2026/2026162.html
- Bundesgerichtshof, Urteil vom 03.09.2026 – I ZR 74/22 (PDF): https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/Zivilsenate/I_ZS/2022/I_ZR__74-22.pdf?__blob=publicationFile&v=2

## Stand

- News-Publikation: 2026-09-04
- Ereignis-Datum: 2026-09-03
- Rechtsbereich: Allgemein
- Autorität: A
- Lizenz: CC BY 4.0
