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CSRD (RL 2022/2464) – Nachhaltigkeitsbericht 2026, ESRS-Standards, Schwellenwerte In Kraft

Inhaltlich verantwortlich: Andreas Warkentin (warepoint-media GbR) · letzte Änderung: 2026-10-10 · letzte Prüfung: 2026-10-10 · Quellen-Autorität A Fehler melden ✉
Kurzantwort Die **Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD, Richtlinie (EU) 2022/2464)** verpflichtet Unternehmen zur **standardisierten Nachhaltigkeitsberichterstattung** nach den **European Sustainability Reporting Standards (ESRS)**. Durch das **Omnibus-I-Paket** wurde der Anwendungsbereich stark verkleinert: Die **Richtlinie (EU) 2026/470 vom 24.02.2026** (in Kraft seit **18.03.2026**) hebt die Schwellen für Unternehmen und Konzernmuttergesellschaften auf **mehr als 1.000 Beschäftigte und mehr als 450 Mio. € Nettoumsatz** an; für Drittstaatskonzerne gilt künftig **450 Mio. € Konzernumsatz in der EU** (Tochter/Zweigniederlassung: 200 Mio. € Umsatz). Die Pflicht der großen, bisher nicht erfassten Unternehmen wurde durch die „Stop-the-clock“-Richtlinie (EU) 2025/794 auf spätere Geschäftsjahre (ab **2027**) verschoben. Die Pflicht zu *reasonable assurance* wurde gestrichen; die Kommission soll Standards für *limited assurance* bis spätestens **01.07.2027** per delegiertem Rechtsakt erlassen. **Deutschland:** Die nationale Umsetzung (CSRD-Umsetzungsgesetz, BT-Drs. 21/1857) war nach den belegbaren Quellen zuletzt im Bundestag in Beratung (Änderungsantrag der Koalition vom 31.03.2026, Anhörung am 13.04.2026); ob und wann es verkündet wurde, ist hier nicht belegt. Bis zum Inkrafttreten gilt für große Unternehmen von öffentlichem Interesse mit mehr als 500 Beschäftigten weiter die **nichtfinanzielle Erklärung** nach dem HGB (frühere NFRD-Regeln).

Kernfakten

PunktWert
RechtsgrundlageRichtlinie (EU) 2022/2464 vom 14.12.2022
UmsetzungsstandardsEuropean Sustainability Reporting Standards (ESRS)
ESRS-Anzahl aktuell12 sektorenübergreifende Standards (2 Cross-Cutting + 10 Themen)
Cross-CuttingESRS 1 (Allgemeine Anforderungen), ESRS 2 (Allgemeine Angaben)
Themen-StandardsE1-E5 (Environment), S1-S4 (Social), G1 (Governance)
WesentlichkeitsprinzipDouble Materiality (finanziell + Impact)
Schwellenwerte CSRD-Pflicht (seit RL 2026/470)> 1.000 Beschäftigte und > 450 Mio. € Nettoumsatz [Art. 19a, 29a RL 2013/34/EU i. d. F. RL 2026/470] (früher: 250 MA / 50 Mio. € / 25 Mio. €)
Welle 1 (GJ 2024–2026)Große Unternehmen von öffentlichem Interesse > 500 MA (früher NFRD); nach Art. 5 Abs. 2 UAbs. 1 Buchst. a CSRD i. d. F. RL 2026/470 nur für GJ mit Beginn 01.01.2024–31.12.2026, ab GJ 2027 nur noch bei > 1.000 MA und > 450 Mio. €; Mitgliedstaaten dürfen sie für GJ 2025/2026 befreien. In Deutschland mangels Umsetzungsgesetz weiterhin nichtfinanzielle Erklärung [EUR-Lex RL 2026/470; ETL, Stand 12/2025]
Weitere große UnternehmenVerschoben auf Geschäftsjahre ab 2027 (RL (EU) 2025/794 „Stop-the-clock“)
Omnibus-VereinfachungRichtlinie (EU) 2026/470 vom 24.02.2026, in Kraft seit 18.03.2026; Umsetzungsfrist der Mitgliedstaaten 19.03.2027 (Art. 5 Abs. 1) [EUR-Lex]
Börsennotierte KMUNicht mehr in der Pflicht; freiwillige Berichterstattung z. B. nach VSME-Standard [Omnibus I]
Drittstaat-Konzerne> 450 Mio. € EU-Nettoumsatz auf Gruppenebene in den beiden letzten aufeinanderfolgenden Geschäftsjahren (früher 150 Mio. €); Tochter/Zweigniederlassung > 200 Mio. € Umsatz [Art. 40a RL 2013/34/EU i. d. F. RL 2026/470]; Erstanwendung für Geschäftsjahre ab 01.01.2028 [Art. 5 Abs. 2 UAbs. 2 RL 2022/2464, unverändert durch RL 2025/794 und 2026/470]
Bericht als Teil des LageberichtsJa – ESEF-Format; XBRL-Auszeichnung erst verpflichtend, sobald die Taxonomie in der ESEF-VO erlassen ist [Art. 29d RL 2013/34/EU n. F.]
Prüfung durch WPLimited Assurance; Reasonable-Assurance-Pflicht gestrichen; Limited-Assurance-Standards der Kommission bis 01.07.2027 [RL 2026/470]
DE-UmsetzungCSRD-Umsetzungsgesetz: Referentenentwurf 10.07.2025, Kabinett 03.09.2025, BT-Drs. 21/1857; Anhörung 13.04.2026; Verabschiedung/Verkündung bis 07.10.2026 nicht belegt (DIP-Stand zuletzt „Überwiesen“) [DRSC, Bundestag]
Sanktion bei Nicht-BerichtNach nationalem Recht (Deutschland: Bußgeldvorschriften des HGB nach Inkrafttreten des Umsetzungsgesetzes); konkrete Höchstbeträge hier nicht belegt
EFRAGEuropean Financial Reporting Advisory Group (entwickelt ESRS)

Geltungsbereich

Nach dem Omnibus-I-Paket gilt die CSRD gestuft für folgende Gruppen:

  1. Große Unternehmen von öffentlichem Interesse (> 500 MA) – Berichtsjahr 2024, Veröffentlichung 2025 (bisher NFRD-Unternehmen). In Deutschland wurde die Pflicht mangels Umsetzungsgesetz nicht wirksam; es gilt weiter die nichtfinanzielle Erklärung.
  2. Unternehmen und Konzerne mit > 1.000 Beschäftigten und > 450 Mio. € Nettoumsatz – Berichtsjahr ab 2027, Veröffentlichung ab 2028 (Stop-the-clock, RL (EU) 2025/794; Schwellen nach RL (EU) 2026/470).
  3. Börsennotierte KMU – nicht mehr berichtspflichtig; freiwillig möglich (VSME).
  4. Nicht-EU-Konzerne mit > 450 Mio. € EU-Nettoumsatz (Tochter/Zweigniederlassung > 200 Mio. € Umsatz) – Erstanwendung für Geschäftsjahre ab 01.01.2028 (Art. 5 Abs. 2 UAbs. 2 CSRD).

Die vereinfachten ESRS (Delegierte VO (EU) 2026/1563, ABl. vom 21.09.2026) ersetzen Set 1 (Delegierte VO (EU) 2023/2772) für Geschäftsjahre ab 01.01.2027 (Wahlrecht für GJ 2026); sie umfassen weiterhin 12 Standards (ESRS 1, 2, E1–E5, S1–S4, G1). Den freiwilligen Standard (VS) regelt die Delegierte VO (EU) 2026/1560.

Die 12 ESRS-Standards

Cross-Cutting (allgemein):

Environment (Umwelt):

Social (Soziales):

Governance:

Wesentlichkeitsanalyse — das Herzstück

Die CSRD schreibt doppelte Wesentlichkeit (Double Materiality) vor:

Ein Thema muss aus einer der beiden Perspektiven wesentlich sein, um berichtspflichtig zu sein. Nicht-wesentliche Themen dürfen ausgelassen werden („Comply or Explain"). Ausführlich begründet werden muss nur, wenn der Klimawandel (ESRS E1) als nicht wesentlich eingestuft wird; für andere Themen genügt eine kurze Erläuterung.

Was du als Unternehmen tun musst — Praxis

Schritt 1 — Betroffenheit prüfen. Schwellenwerte (> 1.000 MA und > 450 Mio. € Umsatz) und Zeitplan checken. Bin ich in Gruppe 1, 2 oder 4?

Schritt 2 — Wesentlichkeitsanalyse durchführen. Alle 10 themenbezogenen ESRS (E1–E5, S1–S4, G1) durchprüfen, Stakeholder einbeziehen (Kunden, Mitarbeiter, NGOs, Investoren, Lieferanten). Dokumentation ist Pflicht.

Schritt 3 — Datenerhebung aufsetzen. ESG-Daten strukturiert erfassen (Emissionen, Wasserverbrauch, Diversität, Zulieferer-Compliance). Häufig: neues Reporting-Tool nötig.

Schritt 4 — Bericht schreiben. Nach ESRS-Struktur, im ESEF-Format als Teil des Lageberichts (XBRL-Auszeichnung erst nach Erlass der Taxonomie, Art. 29d n. F.).

Schritt 5 — Wirtschaftsprüfer beauftragen für Limited Assurance-Prüfung.

Schritt 6 — Offenlegung über das Unternehmensregister (§ 325 HGB) + eigene Website (Lagebericht).

Häufige Fehler

Änderungsverlauf

Siehe auch

Stand

Quellen

Letzte Änderung:
2026-10-10
Letzte Prüfung:
2026-10-10
In Kraft seit:
2024-01-01
Status:
In Kraft
Quellen-Autorität:
A
Lizenz:
CC BY 4.0