CSRD (RL 2022/2464) – Nachhaltigkeitsbericht 2026, ESRS-Standards, Schwellenwerte
CSRD (RL 2022/2464) – Nachhaltigkeitsbericht 2026, ESRS-Standards, Schwellenwerte
Kurzantwort
Die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD, Richtlinie (EU) 2022/2464) verpflichtet Unternehmen zur standardisierten Nachhaltigkeitsberichterstattung nach den European Sustainability Reporting Standards (ESRS). Sie erweitert die alte NFRD (Non-Financial Reporting Directive) massiv: Statt ~11.700 werden künftig ~50.000 EU-Unternehmen berichtspflichtig. Zeitplan: Kapitalmarktorientierte Unternehmen berichten für Geschäftsjahr 2024 (Veröffentlichung 2025); große Unternehmen (250+ MA + Umsatz > 50 Mio € oder Bilanz > 25 Mio €) für 2025 (2026); kapitalmarktorientierte KMU für 2026 (2027) mit Opt-out bis 2028; Nicht-EU-Konzerne mit ≥ 150 Mio € EU-Umsatz für 2028 (2029). Die CSRD wurde durch das Omnibus-Paket der EU-Kommission (Februar 2025) teilweise verschoben und vereinfacht — endgültige Fassung 2026 im Trilog. DE-Umsetzung: Referentenentwurf CSRD-Umsetzungsgesetz Juli 2024, Verabschiedung noch ausstehend (Stand Juli 2026). Prüfungspflicht: Wirtschaftsprüfer (limited assurance zunächst, ab 2028 reasonable assurance geplant).
Kernfakten
| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | Richtlinie (EU) 2022/2464 vom 14.12.2022 |
| Umsetzungsstandards | European Sustainability Reporting Standards (ESRS) |
| ESRS-Anzahl aktuell | 12 sektorenübergreifende Standards (2 Cross-Cutting + 10 Themen) |
| Cross-Cutting | ESRS 1 (Allgemeine Anforderungen), ESRS 2 (Allgemeine Angaben) |
| Themen-Standards | E1-E5 (Environment), S1-S4 (Social), G1 (Governance) |
| Wesentlichkeitsprinzip | Double Materiality (finanziell + Impact) |
| Schwellenwerte "großes Unternehmen" | 2 von 3: 250+ MA, > 50 Mio € Umsatz, > 25 Mio € Bilanzsumme |
| Kapitalmarktorientiert seit 2024 (Berichtsjahr) | Alle börsennotierten EU-Unternehmen |
| Große Unternehmen seit 2025 (Berichtsjahr) | – (im Omnibus-Paket Februar 2025 verschoben) |
| Omnibus-Vereinfachung | Reduzierung auf ~20 % der Ursprungspflicht |
| KMU (kapitalmarktorientiert) ab 2026 (Berichtsjahr) | Opt-out bis 2028 möglich |
| Drittstaat-Konzerne ab 2028 | ≥ 150 Mio € EU-Nettoumsatz + EU-Tochter oder Zweigniederlassung |
| Bericht als Teil des Lageberichts | Ja – ESEF-Format (XBRL-getaggt) |
| Prüfung durch WP | Limited Assurance (zunächst), Reasonable Assurance ab 2028 (geplant) |
| DE-Umsetzung | CSRD-Umsetzungsgesetz (Referentenentwurf 07/2024, offen) |
| Sanktion bei Nicht-Bericht | Bußgeld nach § 334 HGB / nationalen Recht (bis zu 10 Mio € o.ä.) |
| EFRAG | European Financial Reporting Advisory Group (entwickelt ESRS) |
Geltungsbereich
Die CSRD gilt gestuft für vier Unternehmensgruppen:
- Kapitalmarktorientierte Unternehmen (börsennotiert, Bond-Emittenten) — Berichtsjahr 2024, Veröffentlichung 2025
- Große Unternehmen (250+ MA + 50 Mio € Umsatz oder 25 Mio € Bilanz) — Berichtsjahr 2025, Veröffentlichung 2026 — im Omnibus verschoben auf 2027
- Kapitalmarktorientierte KMU — Berichtsjahr 2026, Veröffentlichung 2027, mit Opt-out bis 2028
- Nicht-EU-Konzerne mit ≥ 150 Mio € EU-Nettoumsatz und EU-Tochter/Zweigniederlassung — Berichtsjahr 2028, Veröffentlichung 2029
Omnibus-Paket 02/2025 hat die Berichtspflicht für Gruppe 2 (große Unternehmen) auf 2027 verschoben und den Umfang deutlich reduziert. Details werden im Trilog 2026 finalisiert.
Die 12 ESRS-Standards
Cross-Cutting (allgemein):
- ESRS 1 – Allgemeine Anforderungen (Grundlagen, Wesentlichkeitsanalyse)
- ESRS 2 – Allgemeine Angaben (Governance, Strategie, Impact-, Risiko- und Chancenmanagement)
Environment (Umwelt):
- ESRS E1 – Klimawandel (CO2-Reduktionsziele, TCFD-Struktur, Transitionsplan)
- ESRS E2 – Umweltverschmutzung (Luft, Wasser, Boden, Schadstoffe)
- ESRS E3 – Wasser und Meeresressourcen
- ESRS E4 – Biodiversität und Ökosysteme
- ESRS E5 – Kreislaufwirtschaft, Ressourcennutzung, Abfall
Social (Soziales):
- ESRS S1 – Eigene Belegschaft (Arbeitsbedingungen, Diversität, Gehälter, Menschenrechte)
- ESRS S2 – Wertschöpfungsketten-Beschäftigte (Zulieferer-Arbeitsbedingungen)
- ESRS S3 – Betroffene Gemeinschaften (lokale Auswirkungen)
- ESRS S4 – Verbraucher und Endnutzer
Governance:
- ESRS G1 – Geschäftsverhalten (Anti-Korruption, Whistleblowing, Beziehungen zu Lieferanten)
Wesentlichkeitsanalyse — das Herzstück
Die CSRD schreibt doppelte Wesentlichkeit (Double Materiality) vor:
- Impact-Materialität – Welche Auswirkungen hat das Unternehmen auf Umwelt/Gesellschaft?
- Finanzielle Materialität – Welche Nachhaltigkeitsthemen sind finanziell relevant für das Unternehmen?
Ein Thema muss aus einer der beiden Perspektiven wesentlich sein, um berichtspflichtig zu sein. Nicht-wesentliche Themen dürfen ausgelassen werden („Comply or Explain") — mit ausführlicher Begründung.
Was du als Unternehmen tun musst — Praxis
Schritt 1 — Betroffenheit prüfen. Schwellenwerte + Zeitplan checken. Bin ich in Gruppe 1, 2, 3 oder 4?
Schritt 2 — Wesentlichkeitsanalyse durchführen. Alle 12 ESRS-Themen durchprüfen, Stakeholder einbeziehen (Kunden, Mitarbeiter, NGOs, Investoren, Lieferanten). Dokumentation ist Pflicht.
Schritt 3 — Datenerhebung aufsetzen. ESG-Daten strukturiert erfassen (Emissionen, Wasserverbrauch, Diversität, Zulieferer-Compliance). Häufig: neues Reporting-Tool nötig.
Schritt 4 — Bericht schreiben. Nach ESRS-Struktur, im ESEF-Format (XBRL-getaggt) als Teil des Lageberichts.
Schritt 5 — Wirtschaftsprüfer beauftragen für Limited Assurance-Prüfung.
Schritt 6 — Veröffentlichung im Bundesanzeiger + eigener Website (Lagebericht).
Häufige Fehler
- „CSRD gilt erst 2027 für uns." Prüfe Gruppe 1-4 sorgfältig — kapitalmarktorientiert = seit 2024 pflichtig.
- „Wir sind KMU, also nicht betroffen." Falsch, wenn ihr kapitalmarktorientiert seid (auch Bond-Emissionen zählen). Dann pflichtig ab 2026 mit Opt-out bis 2028.
- „Wir berichten schon nach GRI, das reicht." Nein — GRI und ESRS haben Überlappungen, aber ESRS ist zwingender und detaillierter. GRI-Bericht ist nicht CSRD-konform.
- „Wesentlichkeitsanalyse ist optional." Falsch — sie ist die Basis-Anforderung. Ohne Wesentlichkeitsanalyse kein CSRD-konformer Bericht.
- „Wir können nicht-wesentliche Themen einfach weglassen." Differenziert — „Comply or Explain" verlangt eine ausführliche Begründung, warum das Thema nicht wesentlich ist. Silence ist keine Option.
- „Drittstaat-Konzerne sind fein raus." Falsch — mit ≥ 150 Mio € EU-Umsatz und EU-Tochter ab 2028 pflichtig (Gruppe 4).
Quellen
- Richtlinie (EU) 2022/2464 (CSRD) – Volltext EUR-Lex: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32022L2464
- ESRS – Delegierte Verordnung 2023/2772: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32023R2772
- EFRAG – ESRS-Portal: https://www.efrag.org/en/sustainability-reporting
- EU-Kommission – Omnibus-Vereinfachung 02/2025: https://finance.ec.europa.eu/publications/commission-simplifies-rules-sustainability-and-eu-investments_en
- DRSC – Deutsches Rechnungslegungs-Standards-Committee (Nachhaltigkeit): https://www.drsc.de/
- BMJ – CSRD-Umsetzungsgesetz Referentenentwurf: https://www.bmj.de/SharedDocs/Gesetzgebungsverfahren/
Änderungsverlauf
- 2026-07-02: Erstveröffentlichung als EU-Welle-Topic. 12 ESRS-Standards dokumentiert. Zeitplan mit Omnibus-Verschiebung von Gruppe 2 auf 2027. Double-Materiality-Prinzip. DE-Umsetzung offen (Referentenentwurf 07/2024). | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"
Siehe auch
Stand
- Stand: 2026-07-02
- Gültig ab: 2024-01-01 (erstes Berichtsjahr Gruppe 1)
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (EUR-Lex, EFRAG, EU-Kommission)
- Lizenz: CC BY 4.0