CBAM (VO 2023/956) – CO2-Grenzausgleich EU 2026, Sektoren, Zertifikate
CBAM (VO 2023/956) – CO2-Grenzausgleich EU 2026, Sektoren, Zertifikate
Kurzantwort
Der Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM, Verordnung (EU) 2023/956) ist der CO2-Grenzausgleich der EU: Importeure bestimmter emissionsintensiver Waren müssen künftig CBAM-Zertifikate kaufen, deren Preis dem EU-Emissionshandelspreis (EU-ETS) entspricht — abzüglich einer im Herkunftsland bereits gezahlten CO2-Bepreisung. Die Übergangsphase (nur quartalsweise Berichtspflicht, keine Zertifikatspflicht) läuft seit 01.10.2023 und endet am 31.12.2025. Die definitive Phase startet am 01.01.2026 — ab dann müssen Importeure für jede importierte Tonne CO2-Emission Zertifikate erwerben. Betroffene Sektoren: Eisen und Stahl, Zement, Aluminium, Düngemittel, Elektrizität, Wasserstoff. Ausdehnung auf weitere Sektoren (Polymere, organische Chemikalien) für 2030 angekündigt. Anmelder ist der zugelassene CBAM-Anmelder (früher: EORI-Halter, jetzt zwingend akkreditiert). Sanktionen bei Nicht-Abgabe: 100 €/nicht-abgegebenes Zertifikat (analog EU-ETS).
Kernfakten
| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | Verordnung (EU) 2023/956 vom 10.05.2023 |
| Übergangsphase | 01.10.2023 – 31.12.2025 (Berichte, keine Zertifikate) |
| Definitive Phase | Seit 01.01.2026 – volle Zertifikatspflicht |
| Betroffene Sektoren aktuell | Eisen/Stahl, Zement, Aluminium, Düngemittel, Elektrizität, Wasserstoff |
| Ausdehnung geplant für 2030 | Polymere, organische Chemikalien, ggf. Downstream-Produkte |
| Anmelder | Zugelassener CBAM-Anmelder (Akkreditierung durch nationale zuständige Behörde) |
| DE zuständige Behörde | Deutsche Emissionshandelsstelle (DEHSt) im Umweltbundesamt |
| CBAM-Zertifikatspreis | Wöchentlicher Durchschnittspreis EU-ETS-Auktionen [Art. 21] |
| Anrechnung ausländischer CO2-Preis | Ja – tatsächlich gezahlter CO2-Preis wird abgezogen [Art. 9] |
| Meldeintervall Übergangsphase | Quartalsweise, spätestens Monatsende + 1 Monat nach Quartalsende |
| Melde-/Abgabeintervall definitive Phase | Jährliche CBAM-Erklärung bis 31.05. für Vorjahr [Art. 6] |
| Freimenge Erleichterungen | 50 t CO2/Jahr pro Anmelder (unter Prüfung) |
| Kostenlose ETS-Zuteilung | Wird für CBAM-Sektoren stufenweise abgebaut (bis 2034 vollständig weg) |
| Sanktion Nicht-Abgabe Zertifikat | 100 €/t CO2 (analog EU-ETS Art. 16 EHS-RL) |
| Sanktion falsche/verspätete Erklärung | Bis 50 €/t nicht-gemeldete Emission (nationalgesetzlich) |
| Transit-Ware | Nicht CBAM-pflichtig |
| Kleinsendungen (< 150 € Zollwert) | Ausgenommen [Art. 2 Abs. 3] |
Geltungsbereich
Der CBAM erfasst den Import in die EU ausgewählter Waren aus Drittstaaten (außer Island, Liechtenstein, Norwegen, Schweiz — wegen ETS-Kopplung). Die Zolltarifnummern (KN-Codes) sind in Anhang I der VO aufgeführt. Betroffen sind:
- Zement (KN 2523) – Zementklinker, Portlandzement
- Eisen und Stahl (KN 72xx, 73xx – ausgewählte Positionen) – Roheisen, Stahlrohre, Bewehrungsstahl, verschiedene Halbzeuge
- Aluminium (KN 76xx) – unlegiert und legiert, Rohre, Stangen, Bleche
- Düngemittel (KN 2808, 3102, 3105) – Salpetersäure, Ammoniak, Harnstoff, andere N-Dünger
- Elektrizität (KN 2716) – Stromimport
- Wasserstoff (KN 2804 1000) – Wasserstoffgas, unabhängig vom Herstellungsverfahren
Übergangs- vs. definitive Phase
Übergangsphase (01.10.2023 – 31.12.2025): Importeure müssen quartalsweise CBAM-Berichte einreichen — mit eingebetteten Emissionen je importierter Ware, angewandter Herstellungsmethode und ggf. gezahltem ausländischen CO2-Preis. Keine finanzielle Belastung, nur Reporting-Pflicht. Berichte gehen über das CBAM-Übergangsregister der EU-Kommission.
Definitive Phase (ab 01.01.2026):
- Importeure müssen sich als zugelassene CBAM-Anmelder akkreditieren (in DE bei DEHSt)
- CBAM-Zertifikate kaufen in Höhe der eingebetteten Emissionen
- Jährliche CBAM-Erklärung bis 31.05. des Folgejahres einreichen
- Zertifikate abgeben – Verrechnung erfolgt jährlich
Der ausländische CO2-Preis wird verrechnet: Hat der Exporteur im Herkunftsland (z. B. UK, Kanada, China-Provinz mit Pilot-ETS) bereits einen CO2-Preis gezahlt, wird dieser vom CBAM-Preis abgezogen. Nachweispflicht liegt beim Importeur.
Wer ist praktisch betroffen?
Direkte Importeure:
- Stahlhändler mit Import aus Türkei, China, Indien, Russland
- Baustoffhändler mit Zementimport aus Türkei, Marokko, Belarus
- Aluminium-Verarbeiter mit Import aus VAE, China, Russland
- Landwirtschaftliche Genossenschaften mit Düngerimport
- Grenzkraftwerksbetreiber mit Stromimport
- Wasserstoff-Käufer (steigend relevant durch H2-Ausbaupläne)
Indirekt betroffen:
- Bauunternehmen und Sanierer, die betroffene Stahl-/Zement-/Alu-Importe verbauen (Preiseffekt)
- Automotive-Zulieferer mit Stahl/Alu aus Nicht-EU
- Chemie-Industrie mit Düngemittel- und Wasserstoff-Bezug
Preiseffekt für Endkunden 2026
Der CBAM verteuert emissionsintensive Importe. Beispielhafte Berechnung Stahl:
- Chinesischer Bewehrungsstahl 500 kg
- Eingebettete Emissionen ~1 t CO2
- EU-ETS-Preis Q1 2026: ~85 €/t
- Abzug chinesischer Pilot-ETS-Preis: ~10 €/t
- CBAM-Zertifikat: 75 €
- Preisaufschlag: ~15 % gegenüber CBAM-freier Alternative
Das erhöht die Konkurrenzfähigkeit von EU-Stahl (ETS-belastet, aber mit noch kostenloser Restzuteilung) und EFTA-Stahl (Norwegen, Island — ohne CBAM).
Häufige Fehler
- „CBAM gilt nur für Großindustrie." Falsch — auch kleine Importeure sind pflichtig, wenn sie über 150 € Zollwert die geregelten Waren einführen.
- „Übergangsphase = keine Pflichten." Falsch — es besteht Berichtspflicht seit 01.10.2023. Sanktionen bei Nicht-Meldung während Übergangsphase: bis 50 €/t nicht-gemeldete Emissionen.
- „Chinesischer CO2-Preis reduziert CBAM auf null." Nur teilweise — der chinesische Pilot-ETS liegt bei ~10 €/t, EU-ETS bei ~85 €/t. Differenz ist zu zahlen.
- „Transit-Ware ist CBAM-frei." Richtig — reiner Transit ohne Import in EU-Freikreis ist ausgenommen (Art. 4). Zwischenlagerung und Wiederausfuhr im Zolllager fällt darunter.
- „Recycling-Stahl ist CBAM-pflichtig." Differenziert — CBAM basiert auf eingebetteten Emissionen. Elektrostahl aus Schrott hat deutlich niedrigere Emissionen als Hochofen-Roheisen und damit auch niedrigere CBAM-Kosten.
- „EU-Länder können CBAM abschwächen." Falsch — es ist EU-Verordnung, direkt anwendbar, keine nationalen Ausnahmen.
Quellen
- Verordnung (EU) 2023/956 (CBAM) – Volltext EUR-Lex: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32023R0956
- EU-Kommission – CBAM-Portal: https://taxation-customs.ec.europa.eu/carbon-border-adjustment-mechanism_en
- DEHSt – CBAM Deutschland: https://www.dehst.de/DE/Klimaschutzprojekte-und-neue-Marktmechanismen/CBAM/cbam_node.html
- CBAM-Übergangsregister EU-Kommission: https://taxation-customs.ec.europa.eu/carbon-border-adjustment-mechanism/cbam-transitional-registry_en
- BMWK – CBAM-FAQ: https://www.bmwk.de/Redaktion/DE/FAQ/CBAM/faq-cbam.html
- Umweltbundesamt – Emissionshandel: https://www.umweltbundesamt.de/themen/klima-energie/emissionshandel
Änderungsverlauf
- 2026-07-02: Erstveröffentlichung als EU-Welle-Topic. Übergangsphase (nur Berichte) bis 31.12.2025, definitive Phase seit 01.01.2026 (Zertifikatspflicht). Sektoren Eisen/Stahl/Zement/Alu/Düngemittel/Elektrizität/H2. DEHSt als DE-Behörde. Ausdehnung 2030 auf Polymere/Chemikalien angekündigt. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"
Siehe auch
Stand
- Stand: 2026-07-02
- Gültig ab: 2023-10-01 (Übergangsphase); volle Wirkung ab 2026-01-01
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (EUR-Lex, DEHSt, EU-Kommission)
- Lizenz: CC BY 4.0