Digital Markets Act (DMA, VO 2022/1925) – Gatekeeper-Pflichten und Nutzerrechte 2026 In Kraft
Kurzantwort
Der **Digital Markets Act (DMA, Verordnung (EU) 2022/1925)** ist seit **01.11.2022** in Kraft und seit **02.05.2023** anwendbar; die benannten Gatekeeper mussten die Pflichten spätestens sechs Monate nach ihrer Benennung erfüllen (für die ersten Benennungen vom 06.09.2023 also bis **07.03.2024**). Er reguliert **große Torwächter-Plattformen** („Gatekeeper") mit strukturell wettbewerbsverzerrender Marktmacht. Die EU-Kommission hat aktuell **sieben Gatekeeper** mit insgesamt **23 Kernplattformdiensten** benannt: **Alphabet (Google), Amazon, Apple, ByteDance (TikTok), Meta (Facebook/Instagram/WhatsApp), Microsoft, Booking.com**. Für jeden Gatekeeper werden bestimmte **Core Platform Services (CPS)** designiert (App Stores, Messaging, Suchmaschinen, soziale Netze, Video-Sharing etc.). Gatekeeper unterliegen den **Geboten und Verboten der Art. 5, 6 und 7**: **Interoperabilität** (Messaging, Payment), **Verbot der Selbstpräferenzierung**, **Verbot der Datenkombination** aus verschiedenen Diensten ohne Einwilligung, **freie App-Store-Wahl**, **freie Standard-Browser-Wahl**, **Entkopplung von Diensten**. **Sanktionen**: bis **10 % des weltweiten Jahresumsatzes** (Art. 30), **20 % bei Wiederholung**. **Strukturelle Maßnahmen** (Aufspaltung) bei systematischen Verstößen möglich (Art. 18).
Kernfakten
| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | Verordnung (EU) 2022/1925 vom 14.09.2022 |
| Inkrafttreten | 01.11.2022 [Kommission, DMA-Portal] |
| Anwendbar seit | 02.05.2023 [Kommission, DMA-Portal] |
| Compliance-Frist der ersten Gatekeeper | 07.03.2024 (sechs Monate nach Benennung) |
| Anzahl Gatekeeper aktuell | 7 mit 23 Kernplattformdiensten (Alphabet, Amazon, Apple, ByteDance, Meta, Microsoft, Booking.com) [Kommission, Gatekeeper-Liste] |
| Erste Benennung | 06.09.2023 [Kommission, Gatekeeper-Liste] |
| Quantitative Schwelle Umsatz | Jahresumsatz ≥ 7,5 Mrd € in EU (letzte 3 Jahre) [Art. 3 Abs. 2 Buchst. a] |
| Quantitative Schwelle Nutzer | ≥ 45 Mio monatlich aktive EU-Nutzer + ≥ 10.000 EU-Geschäftskunden/Jahr |
| Überprüfung der Benennung | mindestens alle 3 Jahre durch die Kommission [Art. 4 Abs. 2] |
| Core Platform Services (CPS) | Suchmaschinen, Onlinevermittlungsdienste, soziale Netze, Videosharing, Messaging, Betriebssysteme, App-Stores, Browser, virtuelle Assistenten, Werbedienste, Cloud-Dienste |
| Sanktion Standard | Bis 10 % Weltjahresumsatz [Art. 30 Abs. 1] |
| Sanktion Wiederholung | Bis 20 % Weltjahresumsatz [Art. 30 Abs. 2] |
| Zwangsgeld | Bis 5 % Tagesumsatz [Art. 31] |
| Strukturelle Trennungsanordnung | Bei systematischen Verstößen möglich [Art. 18] |
| Zuständig für Vollzug | EU-Kommission (nicht nationale Behörden) |
| Umsetzungsfrist Gatekeeper | 6 Monate ab Benennung |
Geltungsbereich
Der DMA gilt nur für benannte Gatekeeper — Unternehmen, die bestimmte quantitative Schwellen erreichen und eine gefestigte, dauerhafte Position auf dem Binnenmarkt haben (Art. 3 Abs. 1). Die Kommission benennt in einem formalisierten Verfahren; die Unternehmen müssen sich selbst anzeigen, wenn sie die Schwellen erreichen (Art. 3 Abs. 3).
Aktuell benannt:
- Alphabet (Google): Google Search, Google Ads, Google Maps, Google Play, Google Shopping, Chrome, YouTube, Android
- Amazon: Amazon Marketplace, Amazon Ads
- Apple: App Store, iOS, Safari, iPadOS (iPadOS seit 29.04.2024)
- ByteDance: TikTok
- Meta: Facebook, Instagram, WhatsApp, Messenger, Meta Ads (Facebook Marketplace wurde am 23.04.2025 aus der Benennung genommen)
- Microsoft: Windows, LinkedIn (Ads nicht designiert)
- Booking.com: Onlinevermittlungsdienst Reisen (benannt am 13.05.2024)
Zentrale Gatekeeper-Pflichten (Art. 5, 6, 7)
Was Gatekeeper MÜSSEN (Art. 6 und 7):
- Interoperabilität ihrer Number-Independent Interpersonal Communications Services (Art. 7) — Messaging-Apps müssen auf Anfrage Nachrichten von anderen Anbietern empfangen und senden können
- Zugang zu Unternehmensdaten für gewerbliche Nutzer, die die Gatekeeper-Plattform verwenden
- Faire und diskriminierungsfreie App-Store-Konditionen
- Alternative Payment-Systeme in App-Stores zulassen (Apple-Reaktion: Änderung der App-Store-Richtlinien Anfang 2024)
- Deinstallation vorinstallierter Apps ermöglichen (Betriebssysteme)
- Bereitstellung von Werbe-Performance-Daten an Ad-Käufer
Was Gatekeeper NICHT DÜRFEN (Art. 5 und 6):
- Datenkombination ihrer Kern-Dienste ohne separate Nutzer-Einwilligung
- Selbstpräferenzierung bei Ranking eigener Angebote (Google Shopping oben, andere unten – verboten)
- Nutzung von Nutzerdaten des Dienstes für konkurrierende eigene Angebote
- Anti-Steering — Gewerbliche Nutzer dürfen Kunden auf günstigere Kanäle außerhalb der Plattform hinweisen
- Verhinderung des Datenexports durch Business-Nutzer
- Kopplung von Kern-Diensten (z. B. iOS zwingt zu Safari – DMA-Widerspruch)
Nutzerrechte durch DMA – konkret 2026
Für Verbraucher:
- Bei WhatsApp: Interoperabilität mit Drittanbieter-Messengern ist nach Art. 7 vorgeschrieben (konkreter Rollout-Stand hier nicht geprüft)
- Bei iOS: Alternative App-Stores installierbar (in EU seit iOS 17.4), Standardbrowser wählen
- Bei Android: Deinstallation von Google Apps möglich, alternative App-Stores
- Bei Google Search: Fair Ranking, keine Selbstpräferenzierung Google Shopping
- Bei Chrome/Safari: Standardbrowser-Wahl-Dialog bei Erst-Setup
Für gewerbliche Nutzer (SMBs):
- Preisvergleich — Kunden auf günstigere Alternativkanäle hinweisen erlaubt
- Datenexport — eigene Kunden-/Umsatzdaten vom Gatekeeper mitnehmen
- Payment-Freiheit — eigenes Zahlungssystem in App / auf Marketplace nutzen
- Beschwerden bei EU-Kommission (nicht nationale Behörden)
Aktuelle DMA-Entscheidungen
Die EU-Kommission hat die ersten Nichtbefolgungsentscheidungen erlassen:
- April 2025: Geldbußen gegen Apple (500 Mio. €) wegen Anti-Steering-Beschränkungen im App Store und gegen Meta (200 Mio. €) wegen des „Pay-or-Consent“-Modells.
- 23.07.2026: Geldbuße von 890 Mio. € gegen Alphabet (460 Mio. € Google Search wegen Selbstpräferenzierung nach Art. 6 Abs. 5; 430 Mio. € Google Play wegen Anti-Steering nach Art. 5 Abs. 4). Google hat Änderungen vorgelegt; bei unzureichender Umsetzung drohen Zwangsgelder von bis zu 5 % des durchschnittlichen Tagesumsatzes (Angaben nach Berichten von techpolicy.press und gHacks; Pressemitteilung der Kommission in diesem Lauf nicht abgerufen).
Weitere Verfahren und aktuelle Fälle listet das DMA-Portal der Kommission.
Häufige Fehler
- „DMA gilt automatisch für alle großen Plattformen." Falsch — nur für förmlich benannte Gatekeeper. Benennungen prüft die Kommission mindestens alle drei Jahre (Art. 4 Abs. 2).
- „Gatekeeper zahlen bei Verstoß nur 10 %." Nicht ganz — 10 % bei Erstverstoß, 20 % bei Wiederholung (Art. 30 Abs. 2). Zusätzlich Zwangsgeld bis 5 %/Tag.
- „Nationale Wettbewerbsbehörden entscheiden." Falsch — ausschließlich die EU-Kommission ist zuständig. Nationale Behörden (Bundeskartellamt) können unterstützen, aber nicht direkt sanktionieren.
- „Interoperabilität ist automatisch für jeden Messenger da." Nein — Art. 7 verpflichtet den Gatekeeper, auf Anfrage Interoperabilität herzustellen; der Rollout-Stand je Anbieter ist hier nicht geprüft.
- „Der DMA verbietet Werbung." Falsch — er verbietet nur Datenkombination ohne Einwilligung und Selbstpräferenzierung in Werbung.
- „Booking.com ist keine Plattform, sondern Reisevermittler." Ist DMA-technisch dennoch als Gatekeeper benannt (benannt am 13.05.2024) — DMA gilt für Onlinevermittlungsdienste unabhängig vom Branchenlabel.
Änderungsverlauf
- 2026-10-06: Faktencheck – korrigiert und freigegeben. Gegen DMA-Portal der Kommission (Gatekeeper-Liste, About-DMA) geprüft. Korrigiert: Inkrafttreten 02.05.2023 → 01.11.2022 (anwendbar seit 02.05.2023); „vollständig anwendbar 06.03.2024“ → Compliance-Frist 07.03.2024; erste Benennung 05.09. → 06.09.2023; Benennungsdauer „5 Jahre“ → Überprüfung mindestens alle 3 Jahre (Art. 4 Abs. 2); 23 Kernplattformdienste ergänzt; Facebook Marketplace seit 23.04.2025 nicht mehr benannt; Booking.com 13.05.2024, iPadOS 29.04.2024; unbelegte „21 Do’s-and-Don’ts“ entfernt; Abschnitt „Aktuelle Verfahren 2026“ ersetzt (Bußgelder Apple 500 Mio. €/Meta 200 Mio. € 04/2025, Alphabet 890 Mio. € am 23.07.2026 – letzteres nach Sekundärquellen). Bestätigt: 10 %/20 %/5 % Sanktionsrahmen, Vollzug durch Kommission. | change_type=factcheck field="fact" reviewed_by="Nexvyra Freigabe-Aufholer"
- 2026-07-02: Erstveröffentlichung als EU-Welle-Topic. Aktuell 7 Gatekeeper (nach Booking.com-Benennung 05/2024). Sanktionen 10 % / 20 % Weltjahresumsatz. Interoperabilitätspflichten Messaging + App-Stores dokumentiert. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"
Siehe auch
- [Digital Services Act (DSA)](/fakten/dsa-verordnung-plattform-nutzerrechte.html)
- [DSGVO-Löschungsrecht (Art. 17)](/fakten/dsgvo-loeschungsrecht-art-17.html)
- [EU-KI-Verordnung (AI Act)](/fakten/eu-ki-verordnung-2024-1689-hochrisiko.html)
Stand
- Stand: 2026-10-06
- Gültig ab: 2023-05-02 (Anwendbarkeit; Inkrafttreten 2022-11-01), Compliance-Frist erste Gatekeeper 2024-03-07
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (EUR-Lex, EU-Kommission)
- Lizenz: CC BY 4.0
Quellen
- Verordnung (EU) 2022/1925 (DMA) – Volltext EUR-Lex: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32022R1925
- EU-Kommission – DMA-Portal: https://digital-markets-act.ec.europa.eu/index_en
- Liste der Gatekeeper: https://digital-markets-act.ec.europa.eu/gatekeepers_en
- Techpolicy.press – The High Stakes Behind the EU’s €890M Google DMA Fine: https://www.techpolicy.press/the-high-stakes-behind-the-eus-890m-google-dma-fine/
- Kommission – About the DMA (Inkrafttreten/Anwendbarkeit, Sanktionen): https://digital-markets-act.ec.europa.eu/about-dma_en
- Wettbewerbs-Untersuchungen aktuell: https://digital-markets-act-cases.ec.europa.eu/
- Bundeskartellamt – Digitalmärkte: https://www.bundeskartellamt.de/DE/DigitalWirtschaft/digitalewirtschaft_node.html
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