EU-Entwaldungsverordnung (VO 2023/1115) – Entwaldungsfreie Lieferketten, Fristen 2026/2027, Sorgfaltspflichten In Kraft
Kernfakten
| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | Verordnung (EU) 2023/1115 über entwaldungsfreie Produkte (EUDR) [eur-lex.europa.eu, CELEX:32023R1115] |
| Rechtsnatur | EU-Verordnung – unmittelbar in DE anwendbar, kein materielles Umsetzungsgesetz nötig |
| Inkrafttreten | 29. Juni 2023 (20 Tage nach Veröffentlichung im Amtsblatt vom 9. Juni 2023) [Art. 38 VO (EU) 2023/1115] |
| Ersetzt | EU-Holzhandelsverordnung (EUTR) VO (EU) Nr. 995/2010 [Art. 37 VO (EU) 2023/1115] |
| Betroffene Rohstoffe | Rinder, Kakao, Kaffee, Ölpalme, Kautschuk, Soja, Holz + Folgeprodukte (Schokolade, Reifen, Möbel, Papier u. a.) [Anhang I; ec.europa.eu] |
| Änderung Anhang I | Delegierte VO (EU) 2026/2102 vom 13.07.2026 (ABl. 17.09.2026, in Kraft 18.09.2026): Rindshäute und Rindsleder (HS 4101, 4104, 4107) aus Anhang I gestrichen; löslicher Kaffee, gefrorene Rinderzungen und bestimmte Palmöl-Derivate neu aufgenommen, gelten ab 30.12.2027 [eur-lex.europa.eu, CELEX:32026R2102; ec.europa.eu] |
| Stichtag Entwaldungsfreiheit | Erzeugung auf Flächen, die nach dem 31.12.2020 nicht gerodet/degradiert wurden [Art. 2 VO (EU) 2023/1115] |
| Anwendung große + mittlere Unternehmen | 30. Dezember 2026 (verschoben) [VO (EU) 2025/2650; ec.europa.eu] |
| Anwendung Kleinst- + Kleinunternehmen | 30. Juni 2027 (verschoben) [VO (EU) 2025/2650; ec.europa.eu] |
| Kleinst-/Kleinunternehmen bereits unter EUTR | 30. Dezember 2026 [ec.europa.eu] |
| 1. Verschiebung | VO (EU) 2024/3234 (Dez. 2024): auf 30.12.2025 / 30.06.2026 |
| 2. Verschiebung + Vereinfachung | VO (EU) 2025/2650 vom 19.12.2025 (Amtsblatt 23.12.2025): auf 30.12.2026 / 30.06.2027 [eur-lex.europa.eu, CELEX:32025R2650] |
| Kernpflicht | Sorgfaltserklärung (Due-Diligence-Statement) mit Geolokalisierungsdaten der Erzeugungsflächen [Art. 4, 9, 33 VO (EU) 2023/1115] |
| Sorgfaltspflicht-Schritte | Informationssammlung + Risikobewertung + Risikominderung [Art. 8–11 VO (EU) 2023/1115] |
| Länder-Benchmarking | Einstufung niedriges / normales / hohes Risiko (Durchführungsverordnung) [Art. 29 VO (EU) 2023/1115] |
| EU-Informationssystem | live seit 4. Dezember 2024 [Art. 33; ec.europa.eu] |
| Sanktion Geldbuße | Höchstbetrag mindestens 4 % des unionsweiten Jahresumsatzes (juristische Personen, Vorjahr der Entscheidung) [Art. 25 Abs. 2 Buchst. a VO (EU) 2023/1115] |
| Weitere Sanktionen | Einziehung der Waren + Erlöse, Ausschluss von öffentlichen Aufträgen/Förderung (bis 12 Monate), vorübergehendes Vertriebs-/Export-Verbot [Art. 25 VO (EU) 2023/1115] |
| Zuständige Behörde DE | Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE); Primärproduktion Land-/Forstwirtschaft: Landesbehörden [ble.de] |
| Nationale Durchführung DE | Regierungsentwurf Entwaldungsfreie-Produkte-VO-Durchführungsgesetz, BT-Drs. 21/8278 vom 30.09.2026, noch nicht in Kraft (vorgesehenes Inkrafttreten 30.12.2026) – regelt Zuständigkeiten, Befugnisse, Straf-/Bußgeldvorschriften |
Geltungsbereich
Die EUDR erfasst Marktteilnehmer (Operators) und Händler (Traders), die relevante Rohstoffe oder daraus hergestellte Erzeugnisse auf dem EU-Markt in Verkehr bringen, bereitstellen oder aus der EU ausführen. Erfasst sind sieben Rohstoffe – Rinder, Kakao, Kaffee, Ölpalme, Kautschuk, Soja und Holz – sowie eine in Anhang I abschließend aufgeführte Liste von Folgeprodukten (u. a. Rindfleisch, Schokolade, Kaffee, Palmöl-Derivate, Reifen aus Naturkautschuk, Sojaschrot, Möbel, Papier und Zellstoff; Rindsleder wurde durch die Delegierte VO (EU) 2026/2102 gestrichen).
Da es sich um eine EU-Verordnung handelt, gilt sie unmittelbar in allen Mitgliedstaaten und damit auch in Deutschland – anders als eine Richtlinie braucht sie kein nationales Umsetzungsgesetz für die inhaltlichen Pflichten. Das in Deutschland geplante Durchführungsgesetz legt die zuständigen Behörden, Kontrollbefugnisse sowie Straf- und Bußgeldtatbestände fest; der Regierungsentwurf (BT-Drs. 21/8278 vom 30.09.2026) befindet sich im Gesetzgebungsverfahren und ist noch nicht in Kraft.
Details
Entwaldungsfreiheit und Stichtag 31.12.2020
Ein Produkt gilt nach Art. 2 VO (EU) 2023/1115 nur dann als „entwaldungsfrei", wenn die betroffenen Rohstoffe auf Flächen erzeugt wurden, die nach dem 31. Dezember 2020 nicht entwaldet wurden, und – im Fall von Holz – der Wald nicht nach diesem Stichtag degradiert wurde. Der Stichtag gilt unabhängig davon, ob die Rodung im jeweiligen Erzeugerland legal war. Zusätzlich müssen die Erzeugnisse im Einklang mit den Rechtsvorschriften des Erzeugerlandes produziert worden sein (Legalitätsanforderung).
Sorgfaltspflicht und Sorgfaltserklärung
Marktteilnehmer müssen vor dem Inverkehrbringen eine Sorgfaltspflicht (Due Diligence) in drei Schritten durchlaufen (Art. 8–11): (1) Informationssammlung einschließlich der Geolokalisierungskoordinaten aller Grundstücke, auf denen die Rohstoffe erzeugt wurden; (2) Risikobewertung; (3) Risikominderung. Anschließend ist über das EU-Informationssystem (seit 4. Dezember 2024 verfügbar) eine Sorgfaltserklärung mit Referenznummer abzugeben (Art. 33). Ohne gültige Sorgfaltserklärung dürfen die Produkte nicht in Verkehr gebracht werden.
Länder-Benchmarking (niedriges / normales / hohes Risiko)
Über eine Durchführungsverordnung stuft die Kommission Erzeugerländer bzw. Regionen in die Risikoklassen niedrig, normal und hoch ein (Art. 29). Bei Rohstoffen aus Ländern mit niedrigem Risiko gelten vereinfachte Sorgfaltspflichten; bei hohem Risiko sind verstärkte Kontrollen durch die Behörden vorgesehen.
Zwei Verschiebungen und Vereinfachungen 2024/2025
Ursprünglich sollte die EUDR ab 30. Dezember 2024 (bzw. 30. Juni 2025 für Kleinunternehmen) gelten. Mit der Verordnung (EU) 2024/3234 (Dezember 2024) wurde der Beginn um ein Jahr verschoben. Mit der Verordnung (EU) 2025/2650 vom 19. Dezember 2025 (Amtsblatt 23. Dezember 2025) folgte eine zweite Verschiebung um ein weiteres Jahr samt Vereinfachungen: große und mittlere Unternehmen ab 30. Dezember 2026, Kleinst- und Kleinunternehmen ab 30. Juni 2027. Kleinst-/Kleinunternehmen, die bereits unter die alte EUTR fielen, starten am 30. Dezember 2026. Zu den Erleichterungen zählen u. a., dass nachgelagerte Marktteilnehmer (downstream operators) nur die Referenznummern ihrer Lieferanten einsammeln müssen (keine eigene Sorgfaltserklärung), und dass Kleinst-/Kleinprimärerzeuger eine einmalige vereinfachte Erklärung abgeben können.
Sanktionen (Art. 25)
Die Mitgliedstaaten müssen wirksame, verhältnismäßige und abschreckende Sanktionen festlegen. Die Höchstgeldbuße muss bei juristischen Personen mindestens 4 % des unionsweiten Gesamtjahresumsatzes des Marktteilnehmers, nachgelagerten Marktteilnehmers oder Händlers im Geschäftsjahr vor der Entscheidung betragen. Hinzu kommen die Einziehung der betroffenen Produkte und der daraus erzielten Erlöse, der Ausschluss von öffentlichen Vergabeverfahren und öffentlicher Förderung (bis zu zwölf Monate) sowie ein vorübergehendes Verbot, EUDR-relevante Waren in Verkehr zu bringen oder auszuführen.
Häufige Fehler
- „Die EUDR gilt schon seit Ende 2024/2025." Nein – der Anwendungsbeginn wurde zweimal verschoben. Für große/mittlere Unternehmen greift sie erst ab 30. Dezember 2026, für Kleinunternehmen ab 30. Juni 2027.
- „Als EU-Verordnung braucht sie ein deutsches Umsetzungsgesetz, um zu gelten." Nein – die Verordnung gilt unmittelbar. Das nationale Durchführungsgesetz regelt nur Zuständigkeiten und Bußgelder und ist noch nicht in Kraft.
- „Betroffen ist nur Holz." Erfasst sind sieben Rohstoffe (Rinder, Kakao, Kaffee, Ölpalme, Kautschuk, Soja, Holz) plus zahlreiche Folgeprodukte wie Schokolade, Reifen, Möbel und Papier.
- „Legale Rodung ist unproblematisch." Maßgeblich ist der Stichtag 31.12.2020 – Flächen, die danach gerodet wurden, disqualifizieren das Produkt unabhängig von der Legalität der Rodung.
- „Kleine Händler in der Lieferkette müssen eine eigene Sorgfaltserklärung abgeben." Nachgelagerte Marktteilnehmer müssen nach der Vereinfachung von 2025 grundsätzlich nur die Referenznummern ihrer Lieferanten sammeln und weitergeben.
Änderungsverlauf
- 2026-07-09: Erstveröffentlichung. Kernfristen (Inkrafttreten 29.06.2023; zweifache Verschiebung des Anwendungsbeginns auf 30.12.2026 für große/mittlere und 30.06.2027 für Kleinst-/Kleinunternehmen) gegen EU-Kommission (environment.ec.europa.eu, konsolidierte Fassung 02023R1115-20251226) und EUR-Lex (CELEX:32023R1115, CELEX:32025R2650) geprüft. Rohstoffliste, Stichtag 31.12.2020, Sorgfaltspflicht-Systematik und Sanktionsrahmen (Art. 25, mind. 4 % EU-Jahresumsatz) gegen EUR-Lex und EU-Kommission verifiziert. Zuständigkeit BLE gegen ble.de geprüft. factcheck_status=review_needed, da (a) das deutsche EUDR-Durchführungsgesetz noch im Gesetzgebungsverfahren ist und konkrete nationale Bußgeldtatbestände noch nicht final feststehen und (b) die endgültige konsolidierte Fassung der VO (EU) 2025/2650 im Detail (Definition „downstream operators", Umfang der vereinfachten Erklärung) noch der Einzelprüfung bedarf. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"
- 2026-10-02: Prüfung gegen VO (EU) 2023/1115 i. d. F. VO (EU) 2025/2650 (EUR-Lex, Art. 25, 37, 38) und Delegierte VO (EU) 2026/2102 (ABl. 17.09.2026): Rindsleder (HS 4101/4104/4107) aus Anhang I gestrichen, Leder-Nennungen entfernt, Anhang-I-Änderung ergänzt | change_type=factcheck reviewed_by="Claude (Freigabe-Aufholer)" field="topic_text" old="Leder im Anwendungsbereich" new="Leder gestrichen (VO 2026/2102)"
- 2026-10-02: Art. 25 Abs. 2 Buchst. a: 4 % ist Mindest-Höchstbetrag der Geldbuße bezogen auf den unionsweiten (nicht mitgliedstaatlichen) Jahresumsatz; Text korrigiert | change_type=factcheck reviewed_by="Claude (Freigabe-Aufholer)" field="sanktion_geldbusse" old="mindestens 4 % des EU-Jahresumsatzes im betreffenden Mitgliedstaat" new="Höchstbetrag mindestens 4 % des unionsweiten Jahresumsatzes"
- 2026-10-02: Stand deutsches Durchführungsgesetz aktualisiert: Regierungsentwurf BT-Drs. 21/8278 vom 30.09.2026 (Inkrafttreten vorgesehen 30.12.2026), noch nicht in Kraft; Anwendungsdaten 30.12.2026 / 30.06.2027 gegen Art. 38 i. d. F. VO (EU) 2025/2650 und Kommissionsseite bestätigt | change_type=factcheck reviewed_by="Claude (Freigabe-Aufholer)" field="stand_de_durchfuehrung" old="noch in Abstimmung (Stand 07/2026)" new="Regierungsentwurf im Bundestag (BT-Drs. 21/8278)"
- 2026-10-02: Faktencheck abgeschlossen (Primärquellen siehe Zeilen oben bzw. Quellenliste) | change_type=factcheck reviewed_by="Claude (Freigabe-Aufholer)" field="factcheck_status" old="review_needed" new="ok"
Stand
- Stand: 2026-10-02
- Gültig ab: 2023-06-29 (Inkrafttreten)
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (EUR-Lex CELEX:32023R1115 / CELEX:32025R2650, EU-Kommission, BLE)
- Lizenz: CC BY 4.0
Quellen
- Verordnung (EU) 2023/1115 über entwaldungsfreie Produkte (EUDR, Volltext DE): https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32023R1115
- Verordnung (EU) 2023/1115 – konsolidierte Fassung (Stand 26.12.2025): https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:02023R1115-20251226
- Verordnung (EU) 2025/2650 (2. Verschiebung + Vereinfachung, 19.12.2025): https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2025/2650/oj
- Verordnung (EU) 2024/3234 (1. Verschiebung, Dez. 2024): https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2024/3234/oj
- EU-Kommission – Regulation on Deforestation-free Products (Fristen, Rohstoffliste): https://environment.ec.europa.eu/topics/forests/deforestation/regulation-deforestation-free-products_en
- BLE – Was ist die EUDR? (zuständige Behörde Deutschland): https://www.ble.de/DE/Themen/Wald-Holz/Entwaldungsfreie-Produkte/Was-ist-die-EUDR/EUDR-Info_node.html
- BMLEH – EU-weit einheitliche Regelung für entwaldungsfreie Lieferketten: https://www.bmleh.de/DE/themen/wald/waelder-weltweit/entwaldungsfreie-Lieferketten-eu-vo.html