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Gesamtrechtsnachfolge (§ 1922 BGB) – was beim Erbfall automatisch auf die Erben übergeht In Kraft

Inhaltlich verantwortlich: Andreas Warkentin (warepoint-media GbR) · letzte Änderung: 2026-10-27 · letzte Prüfung: 2026-10-27 · Quellen-Autorität A Fehler melden ✉
Kurzantwort Nach **§ 1922 Abs. 1 BGB** geht mit dem Tod eines Menschen (**Erbfall**) dessen gesamtes Vermögen (**Erbschaft**) **als Ganzes** auf den oder die **Erben** über. Das nennt man **Gesamtrechtsnachfolge** oder **Universalsukzession**. Der Übergang geschieht **automatisch im Todeszeitpunkt**. Es braucht keine Übertragung, keine Eintragung und keinen Erbschein. Übergehen die **Aktiva** (Eigentum, Konten, Forderungen, Verträge) genauso wie die **Passiva**: Die Erben haften für die Nachlassverbindlichkeiten (**§ 1967 BGB**). Auch der **Besitz** geht über (**§ 857 BGB**). **Höchstpersönliche Rechte** und Rechte, die das Gesetz ausdrücklich an die Person bindet, gehen dagegen nicht über, zum Beispiel Nießbrauch, Wohnungsrecht, Vereinsmitgliedschaft oder laufende Unterhaltsansprüche. Wer die Erbschaft nicht will, kann sie innerhalb von sechs Wochen **ausschlagen** (§§ 1942, 1944 BGB). Dann gilt der Anfall als nicht erfolgt (§ 1953 BGB). Bei mehreren Erben gelten die Regeln über die Erbschaft auch für jeden einzelnen **Erbteil** (§ 1922 Abs. 2 BGB).

Kernfakten

PunktWert
Rechtsgrundlage§ 1922 BGB – Gesamtrechtsnachfolge
ErbfallTod einer Person (§ 1922 Abs. 1 BGB)
ErbschaftDas Vermögen des Erblassers als Ganzes (§ 1922 Abs. 1 BGB)
ErbteilAnteil eines Miterben; Regeln zur Erbschaft gelten entsprechend (§ 1922 Abs. 2 BGB)
Zeitpunkt des ÜbergangsIm Todeszeitpunkt, kraft Gesetzes („Vonselbsterwerb“, § 1942 Abs. 1 BGB)
BesitzGeht auf den Erben über (§ 857 BGB)
SchuldenGehen mit über; Erbe haftet für Nachlassverbindlichkeiten (§ 1967 BGB)
Ausschlagungsfrist6 Wochen ab Kenntnis, bei Auslandsbezug 6 Monate (§ 1944 BGB)
Wirkung der AusschlagungAnfall gilt als nicht erfolgt (§ 1953 Abs. 1 BGB)
ErbfähigkeitWer zur Zeit des Erbfalls lebt oder bereits gezeugt war (§ 1923 BGB)
Mehrere ErbenNachlass wird gemeinschaftliches Vermögen der Erbengemeinschaft (§ 2032 BGB)
SteuerrechtErbe tritt in die Steuerschulden des Erblassers ein (§ 45 AO)
ErbschaftsteuerErwerb durch Erbanfall (§ 1922 BGB) ist steuerpflichtig (§ 3 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG)
Digitaler NachlassNutzerkonten bei sozialen Netzwerken sind vererblich (BGH, 12.07.2018 – III ZR 183/17)

Was geht über? – Der Grundsatz

Der Erbe tritt vollständig in die Rechtsstellung des Erblassers ein. Er wird ohne weitere Handlung Eigentümer der Sachen, Inhaber der Bankguthaben und Forderungen und Vertragspartner der laufenden Verträge. Typische Beispiele sind:

Was geht nicht (oder nur besonders) über?

| Recht / Position | Rechtslage | |---|---| | Nießbrauch | Erlischt mit dem Tod des Nießbrauchers (§ 1061 BGB) | | Wohnungsrecht / beschränkte persönliche Dienstbarkeit | Nicht vererblich (§ 1090 Abs. 2 i. V. m. § 1061 BGB, § 1093 BGB) | | Vereinsmitgliedschaft | Nicht vererblich, wenn die Satzung nichts anderes bestimmt (§§ 38, 40 BGB) | | Unterhaltsanspruch Verwandter (für die Zukunft) | Erlischt mit dem Tod des Berechtigten oder Verpflichteten (§ 1615 Abs. 1 BGB) | | Arbeitspflicht des Arbeitnehmers | Höchstpersönlich, im Zweifel nicht übertragbar (§ 613 BGB) | | Wohnraummietvertrag | Vorrangig Eintritt von Ehegatten, Lebenspartnern, Kindern oder Haushaltsangehörigen (§ 563 BGB); erst danach Fortsetzung mit den Erben (§ 564 BGB) | | Laufende Sozialleistungen | Vorrang der Sonderrechtsnachfolge (§ 56 SGB I); nur im Übrigen Vererbung (§ 58 SGB I) | | Lebensversicherung mit Bezugsrecht | Leistung fällt am Nachlass vorbei direkt an den Bezugsberechtigten (§ 331 BGB) | | GbR-Anteil (seit 01.01.2024) | Tod führt grundsätzlich zum Ausscheiden des Gesellschafters (§ 723 Abs. 1 Nr. 1 BGB), sofern der Gesellschaftsvertrag nichts anderes vorsieht; Nachfolgeklauseln sind möglich |

Vonselbsterwerb und Ausschlagung

Die Erbschaft fällt dem Erben ohne sein Zutun an. Er muss sie nicht annehmen, um Erbe zu werden (§ 1942 Abs. 1 BGB). Bis zum Ablauf der Ausschlagungsfrist von sechs Wochen ist der Erbe aber nur vorläufiger Erbe. Er kann ausschlagen, solange er nicht angenommen hat (§ 1943 BGB). Nach Ablauf der Frist gilt die Erbschaft als angenommen. Schlägt er wirksam aus, gilt der Anfall an ihn als nicht erfolgt, und die Erbschaft fällt demjenigen an, der berufen wäre, wenn der Ausschlagende den Erbfall nicht erlebt hätte (§ 1953 BGB). Das Ausschlagungsrecht selbst ist vererblich (§ 1952 Abs. 1 BGB).

Mehrere Erben: Erbengemeinschaft

Gibt es mehrere Erben, wird der Nachlass gemeinschaftliches Vermögen (Gesamthand) der Erbengemeinschaft (§ 2032 BGB). Kein Miterbe kann allein über einzelne Nachlassgegenstände verfügen (§ 2040 BGB). Er kann aber über seinen Erbteil als Ganzes verfügen, wofür eine notarielle Beurkundung nötig ist (§ 2033 BGB). Den übrigen Miterben steht dann ein Vorkaufsrecht zu (§ 2034 BGB). § 1922 Abs. 2 BGB stellt klar, dass die Vorschriften über die Erbschaft auch auf den Erbteil anzuwenden sind, etwa bei Ausschlagung oder Erbschaftsteuer.

Häufige Fehler

Änderungsverlauf

Quellen

Letzte Änderung:
2026-10-27
Letzte Prüfung:
2026-10-27
In Kraft seit:
1900-01-01
Status:
In Kraft
Quellen-Autorität:
A
Lizenz:
CC BY 4.0