Nexvyra

Scheinselbständigkeit – Kriterien § 7 SGB IV und DRV-Statusfeststellung In Kraft

Inhaltlich verantwortlich: Andreas Warkentin (warepoint-media GbR) · letzte Änderung: 2026-09-04 · letzte Prüfung: 2026-09-04 · Quellen-Autorität A Fehler melden ✉
Kurzantwort **Scheinselbständigkeit** liegt vor, wenn jemand formell als Selbständiger auftritt, **tatsächlich aber abhängig beschäftigt** ist (§ 7 Abs. 1 SGB IV). Wer im Wesentlichen **nur für einen Auftraggeber** tätig ist, **persönlich weisungsgebunden** arbeitet und in dessen Arbeitsorganisation **eingegliedert** ist, gilt als abhängig Beschäftigter – auch wenn ein „Freelancer-Vertrag" existiert. Konsequenz: **Sozialversicherungspflicht rückwirkend bis 4 Jahre** (§ 25 SGB IV), nachzuzahlende **Arbeitgeber- + Arbeitnehmer-Beiträge**. Klärung über **freiwilliges Statusfeststellungsverfahren** bei der Clearingstelle der **Deutschen Rentenversicherung Bund** (§ 7a SGB IV).

Kernfakten

PunktWert
Rechtsgrundlage Beschäftigungs-Begriff§ 7 Abs. 1 SGB IV [gesetze-im-internet.de, § 7 SGB IV]
Rechtsgrundlage Statusverfahren§ 7a SGB IV [gesetze-im-internet.de, § 7a SGB IV]
Hauptkriterien BeschäftigungWeisungsgebundenheit + Eingliederung + unternehmerisches Risiko fehlt [§ 7 Abs. 1 SGB IV, BSG-Rechtsprechung]
WeisungsgebundenheitAuftraggeber bestimmt Zeit, Ort, Inhalt, Art der Ausführung
Eingliederungfeste Arbeitsstelle, Mitarbeiter-Ausweis, E-Mail-Adresse, gemeinsame Tools
Fehlendes unternehmerisches Risikokeine eigene Akquise, keine Investitionen, kein Kapitaleinsatz
Indiz „nur ein Auftraggeber"starkes Indiz für Scheinselbständigkeit, kein zwingendes Kriterium [BSG B 12 R 7/08 R]
5/6-Kriterium („im Wesentlichen ein Auftraggeber")betrifft die Rentenversicherungspflicht echter Selbständiger (arbeitnehmerähnliche Selbständige), Schwelle nach Praxis: mind. 5/6 der Einkünfte von einem Auftraggeber [§ 2 Satz 1 Nr. 9 SGB VI]
Statusfeststellung – Antragstellerdie Beteiligten (Auftraggeber und/oder Auftragnehmer); seit 01.04.2022 auch Prognoseentscheidung vor Tätigkeitsaufnahme möglich [§ 7a Abs. 1, Abs. 4a SGB IV]
Statusfeststellung – FristAntrag binnen 1 Monat ab Aufnahme der Tätigkeit für den späteren Versicherungsbeginn [§ 7a Abs. 5 SGB IV]
Späterer Beginn SV-PflichtTag der Bekanntgabe der Entscheidung gilt als Eintritt ins Beschäftigungsverhältnis, wenn der Beschäftigte zustimmt und zwischenzeitlich gegen Krankheit und fürs Alter abgesichert war [§ 7a Abs. 5 S. 1 SGB IV]
Verfahrensdauer DRVi.d.R. 3 Monate ab Antrag
Rechtsfolge bei ScheinselbständigkeitNachzahlung SV-Beiträge rückwirkend bis 4 Jahre [§ 25 SGB IV]
Verjährungsfrist30 Jahre bei Vorsatz [§ 25 Abs. 1 S. 2 SGB IV]
Strafbarkeit Auftraggeberbei Vorsatz: § 266a StGB – Vorenthalten Arbeitsentgelt, Freiheitsstrafe bis 5 Jahre
Nachzahlung Arbeitnehmer-AnteilAuftraggeber kann nur 3 Monate rückwirkend abziehen [§ 28g S. 3 SGB IV]
Lohnsteuerauch Lohnsteuer + Soli + KiSt nachzuziehen [§ 41a EStG]
Maßstab der EntscheidungGesamtwürdigung aller Umstände des Einzelfalls; seit 01.04.2022 stellt die DRV nur noch den Erwerbsstatus fest (Elementenfeststellung) [§ 7a Abs. 2 S. 1 SGB IV]
Konsequenz Auftragnehmerrückwirkende AN-Beiträge teilweise begrenzt, aber rückwirkend Status Arbeitnehmer
Schutzschirm Künstler/PublizistenKSK (Künstlersozialkasse), eigenes Verfahren
BSG-Leitentscheidungenu.a. BSG, 04.06.2019 – B 12 R 11/18 R (Honorarärzte); BSG, 28.06.2022 – B 12 R 3/20 R („Herrenberg", Musikschullehrkraft)

Häufige Fehler

Änderungsverlauf

Stand

Quellen

Letzte Änderung:
2026-09-04
Letzte Prüfung:
2026-09-04
In Kraft seit:
2017-04-01
Status:
In Kraft
Quellen-Autorität:
A
Lizenz:
CC BY 4.0