Trennungsjahr und Scheidung § 1565 BGB – Voraussetzungen und Verfahren In Kraft
Kurzantwort
Eine Ehe kann nur **geschieden** werden, wenn sie **gescheitert** ist (§ 1565 Abs. 1 BGB). Gesetzliche Vermutung: nach **einjährigem Getrenntleben** und Zustimmung beider, oder nach **dreijährigem Getrenntleben** auch ohne Zustimmung des anderen (§ 1566 BGB). „Getrennt leben" bedeutet **keine häusliche Gemeinschaft** mehr – auch innerhalb der ehelichen Wohnung möglich, wenn „Tisch und Bett" getrennt sind (§ 1567 BGB). Der **Scheidungsantrag** muss durch einen **Rechtsanwalt** beim **Familiengericht** gestellt werden (§ 114 FamFG). **Versorgungsausgleich** wird in der Regel **von Amts wegen** durchgeführt (§ 1587 BGB).
Kernfakten
| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | § 1565 BGB – Voraussetzungen der Scheidung [gesetze-im-internet.de, § 1565 BGB] |
| Scheiterungsprinzip | Ehe ist gescheitert, wenn Lebensgemeinschaft nicht wiederherstellbar [§ 1565 Abs. 1 S. 2 BGB] |
| Trennungsjahr Pflicht | grundsätzlich mind. 1 Jahr vor Scheidungsantrag [§ 1565 Abs. 2 BGB] |
| Vermutung Scheitern bei 1 Jahr | beide stellen oder stimmen zu [§ 1566 Abs. 1 BGB] |
| Vermutung Scheitern bei 3 Jahren | unwiderlegliche Vermutung, auch einseitig [§ 1566 Abs. 2 BGB] |
| Härtefall-Scheidung | vor Ablauf 1 Jahr nur bei unzumutbarer Härte (Gewalt, schwere Pflichtverletzung) [§ 1565 Abs. 2 BGB] |
| Definition Getrenntleben | keine häusliche Gemeinschaft, keine Versorgungsleistungen [§ 1567 Abs. 1 BGB] |
| Trennung innerhalb der Wohnung | möglich bei „Tisch und Bett"-Trennung [§ 1567 Abs. 1 S. 2 BGB] |
| Versöhnungsversuch | Zusammenleben „über kürzere Zeit" zur Versöhnung unterbricht die Fristen nicht [§ 1567 Abs. 2 BGB]; Rechtsprechungs-Faustregel: bis etwa 3 Monate |
| Anwaltspflicht | Antragsteller braucht Rechtsanwalt; Antragsgegner kann zustimmen ohne Anwalt [§ 114 FamFG] |
| Zuständigkeit Gericht | Familiengericht am letzten gemeinsamen Wohnsitz oder Wohnsitz des Antragsgegners [§ 122 FamFG] |
| Verfahrenswert | i.d.R. 3-Monats-Netto-Einkommen beider + ggf. Vermögen [§ 43 FamGKG] |
| Gerichtskosten Mindest-Verfahrenswert | bei 3.000 € = 283 € Gerichtskosten (2,0 Gebühren, Stand seit 01.06.2025 nach dem KostRÄG 2025) + Anwalt |
| Anwaltskosten typisch | je nach Verfahrenswert 800-2.000 € pro Partei |
| Versorgungsausgleich | von Amts wegen, Aufteilung Rentenanrechte [§ 1587 BGB, § 1 VersAusglG] |
| Ausnahme VA-Verzicht | ehevertraglich oder bei Ehe < 3 Jahren [§ 3 VersAusglG] |
| Folgesachen Verbund | Unterhalt, VA, Zugewinn, Hausrat, elterliche Sorge können verbunden werden [§ 137 FamFG] |
| Online-Scheidung | gesetzliche Anwesenheit i.d.R. nicht zwingend; Vertretung durch Anwalt zulässig |
| Wartepflicht Antragsgegner | keine Wartepflicht, der Antrag des einen genügt |
| Erbrecht im Trennungsjahr | bleibt zunächst bestehen; ausgeschlossen schon vor Rechtskraft, sobald die Scheidungsvoraussetzungen vorlagen und der Erblasser die Scheidung beantragt oder ihr zugestimmt hatte [§ 1933 S. 1 BGB] |
| Steuerklassen-Wechsel | ab dem 1. Januar des auf die Trennung folgenden Kalenderjahres gelten die Ehegatten als dauernd getrennt lebend – Wechsel in Steuerklasse I bzw. II [§ 38b EStG, § 26 Abs. 1 EStG] |
| Lebensversicherung Trennung | kein automatischer Erlöschungsgrund |
| Zugewinnausgleich | bei Endvermögen vs Anfangsvermögen [§ 1378 BGB] |
Häufige Fehler
- „Nach 6 Monaten kann ich mich scheiden lassen." Falsch – Mindesttrennungsjahr ist gesetzliche Voraussetzung, außer bei Härtefall.
- „Wir müssen ausziehen, damit das Trennungsjahr läuft." Nein – Trennung innerhalb der Wohnung möglich, wenn Wirtschafts- und Schlafgemeinschaft aufgehoben.
- „Ohne Zustimmung des anderen geht nichts." Nach 3 Jahren Trennung unwiderlegliche Vermutung des Scheiterns, auch einseitig (§ 1566 Abs. 2 BGB).
Änderungsverlauf
- 2026-09-05: Faktencheck gegen die Normtexte (lxgesetze.de/bgb/1565, /1567, /1933): §§ 1565–1567 BGB und Verfahrensangaben (§ 114, § 122, § 137 FamFG; § 43 FamGKG) bestätigt. Korrigiert/präzisiert: Gerichtskosten beim Mindestverfahrenswert 3.000 € betragen seit dem 01.06.2025 (KostRÄG 2025) 283 € statt „ca. 270 €"; Versöhnungsklausel entspricht dem Gesetzeswortlaut „über kürzere Zeit" (3-Monats-Grenze ist Rechtsprechungs-Faustregel); Ehegattenerbrecht kann nach § 1933 S. 1 BGB schon vor Rechtskraft der Scheidung entfallen (nicht erst mit ihr); Steuerklassenwechsel an das Kalenderjahresprinzip des dauernden Getrenntlebens angepasst. | change_type=factcheck field="kernfakten" old="270 € Gerichtskosten; Erbrecht bis Rechtskraft; 3-Monats-Regel als Gesetzesinhalt" new="283 € seit 01.06.2025; § 1933-Ausschluss präzisiert; Wortlaut § 1567 Abs. 2" reviewed_by="Nexvyra Faktencheck-Agent"
- 2026-06-06: Erstveröffentlichung. Werte gegen §§ 1565-1567, 1587 BGB und FamFG (gesetze-im-internet.de) geprüft. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"
Stand
- Stand: 2026-09-05
- Gültig ab: 1977-07-01 (1. EheRG)
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (BGB, FamFG)
- Lizenz: CC BY 4.0
Quellen
- § 1565 BGB – Scheitern der Ehe: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1565.html
- § 1566 BGB – Vermutung Scheitern: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1566.html
- § 1567 BGB – Getrenntleben: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1567.html
- § 1587 BGB – Versorgungsausgleich Grundsatz: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1587.html
- FamFG – Familienverfahrensgesetz: https://www.gesetze-im-internet.de/famfg/index.html
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