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Voraus des Ehegatten (§ 1932 BGB) – großer und kleiner Voraus, Haushaltsgegenstände, Hochzeitsgeschenke In Kraft

Inhaltlich verantwortlich: Andreas Warkentin (warepoint-media GbR) · letzte Änderung: 2026-09-12 · letzte Prüfung: 2026-09-12 · Quellen-Autorität A Fehler melden ✉
Kurzantwort Der **überlebende Ehegatte** erhält bei **gesetzlicher Erbfolge** zusätzlich zu seinem Erbteil die **zum ehelichen Haushalt gehörenden Gegenstände** und die **Hochzeitsgeschenke** — den sogenannten **Voraus** (§ 1932 Abs. 1 BGB). Der Umfang hängt davon ab, **wer miterbt**: Neben **Verwandten der zweiten Ordnung** (Eltern, Geschwister, Neffen/Nichten) oder neben **Großeltern** bekommt der Ehegatte den **vollen Hausrat** — der sogenannte **große Voraus** (§ 1932 Abs. 1 Satz 1 BGB). Erbt er dagegen **neben Verwandten der ersten Ordnung** (Kindern, Enkeln), stehen ihm die Gegenstände nur zu, **soweit er sie zur Führung eines angemessenen Haushalts benötigt** — der **kleine Voraus** (§ 1932 Abs. 1 Satz 2 BGB). **Zubehör eines Grundstücks** (§ 97 BGB) ist ausdrücklich ausgenommen. Rechtstechnisch ist der Voraus ein **gesetzliches Vermächtnis**: Nach § 1932 Abs. 2 BGB gelten die Vorschriften über Vermächtnisse, der Ehegatte hat also einen **schuldrechtlichen Anspruch gegen den Nachlass** auf Übereignung. Bei der Berechnung des **Pflichtteils eines Abkömmlings oder der Eltern** bleibt der Voraus nach **§ 2311 Abs. 1 Satz 2 BGB außer Ansatz** — er mindert deren Pflichtteil also. Für **eingetragene Lebenspartner** gilt die Regelung wortgleich über § 10 Abs. 1 Sätze 3 bis 5 LPartG.

Kernfakten

PunktWert
Rechtsgrundlage§ 1932 BGB [gesetze-im-internet.de]
VoraussetzungÜberlebender Ehegatte ist gesetzlicher Erbe [§ 1932 Abs. 1 BGB]
Großer VorausNeben Verwandten der zweiten Ordnung oder neben Großeltern: alle Haushaltsgegenstände + Hochzeitsgeschenke [§ 1932 Abs. 1 Satz 1 BGB]
Kleiner VorausNeben Verwandten der ersten Ordnung: nur, soweit zur Führung eines angemessenen Haushalts benötigt [§ 1932 Abs. 1 Satz 2 BGB]
Erfasste GegenständeZum ehelichen Haushalt gehörende Gegenstände und Hochzeitsgeschenke [§ 1932 Abs. 1 Satz 1 BGB]
AusgenommenGegenstände, die Zubehör eines Grundstücks sind [§ 1932 Abs. 1 Satz 1 BGB i. V. m. § 97 BGB]
RechtsnaturGesetzliches Vermächtnis; Vermächtnisrecht anwendbar [§ 1932 Abs. 2 BGB]
Zusätzlich zum ErbteilJa — der Voraus wird nicht auf den Erbteil angerechnet [§ 1932 Abs. 1 Satz 1 BGB: „außer dem Erbteil“]
Erbquote Ehegatte neben 1. Ordnung1/4 [§ 1931 Abs. 1 Satz 1 BGB], zzgl. 1/4 bei Zugewinngemeinschaft [§ 1371 Abs. 1 BGB]
Erbquote Ehegatte neben 2. Ordnung/Großeltern1/2 [§ 1931 Abs. 1 Satz 1 BGB]
Wirkung auf PflichtteilBei Abkömmlingen und Eltern bleibt der Voraus außer Ansatz [§ 2311 Abs. 1 Satz 2 BGB]
AusschlussKein Voraus, wenn das Ehegattenerbrecht ausgeschlossen ist [§ 1933 Satz 1 BGB — nennt den Voraus ausdrücklich]
LebenspartnerGleichlaufende Regelung [§ 10 Abs. 1 Sätze 3–5 LPartG]
Erbschaftsteuer Hausrat (Steuerklasse I)Steuerfrei bis 41.000 € [§ 13 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a ErbStG]
Erbschaftsteuer andere bewegliche Sachen (Steuerklasse I)Steuerfrei bis 12.000 € [§ 13 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. b ErbStG]
Abzugrenzen vonDreißigster [§ 1969 BGB] — 30 Tage Unterhalt und Wohnungs-/Hausratsnutzung für Hausstandsangehörige

Geltungsbereich

§ 1932 BGB greift ausschließlich bei gesetzlicher Erbfolge. Der Wortlaut verlangt, dass der überlebende Ehegatte „gesetzlicher Erbe“ ist. Wer durch Testament oder Erbvertrag zum Erben eingesetzt wird, hat keinen Anspruch auf den Voraus — der Erblasser kann dem Ehegatten den Hausrat dann aber durch ein ausdrückliches Vorausvermächtnis (§ 2150 BGB) zuwenden. Das ist bei einem Berliner Testament (§ 2269 BGB) regelmäßig ohnehin entbehrlich, weil der Ehegatte dort Alleinerbe wird.

Ohne praktische Bedeutung ist der Voraus außerdem, wenn der Ehegatte Alleinerbe kraft Gesetzes wird (§ 1931 Abs. 2 BGB: keine Verwandten der ersten oder zweiten Ordnung und keine Großeltern vorhanden). Dann fällt ihm ohnehin der gesamte Nachlass zu; ein Anspruch gegen sich selbst geht ins Leere.

Zu beachten ist die Sonderkonstellation der Gütertrennung: Sind neben dem Ehegatten ein oder zwei Kinder berufen, erben alle zu gleichen Teilen (§ 1931 Abs. 4 BGB). Der Ehegatte erbt dort neben Verwandten der ersten Ordnung — es gilt also der kleine Voraus, obwohl die Erbquote höher liegt als das gewöhnliche Viertel.

Ist das Erbrecht des Ehegatten nach § 1933 BGB ausgeschlossen — weil zum Todeszeitpunkt die Scheidungsvoraussetzungen vorlagen und der Erblasser die Scheidung beantragt oder ihr zugestimmt hatte —, entfällt der Voraus mit. § 1933 Satz 1 BGB nennt „das Recht auf den Voraus“ ausdrücklich neben dem Erbrecht.

Großer und kleiner Voraus — der Unterschied in der Praxis

Der Gesetzgeber unterscheidet danach, wie schutzbedürftig die Miterben sind:

Großer Voraus (§ 1932 Abs. 1 Satz 1 BGB). Erbt der Ehegatte neben Verwandten der zweiten Ordnung (Eltern des Erblassers und deren Abkömmlinge, also Geschwister, Neffen, Nichten) oder neben Großeltern, erhält er den gesamten ehelichen Hausrat sowie sämtliche Hochzeitsgeschenke — unabhängig davon, ob er sie braucht. Hintergrund: Diese Verwandten haben den Haushalt typischerweise nie mitgenutzt.

Kleiner Voraus (§ 1932 Abs. 1 Satz 2 BGB). Erbt der Ehegatte neben Verwandten der ersten Ordnung (Kinder, Enkel), ist der Anspruch bedarfsbegrenzt: Er umfasst die Gegenstände nur, „soweit er sie zur Führung eines angemessenen Haushalts benötigt“. Maßstab ist ein Haushalt, der den bisherigen Lebensverhältnissen entspricht. Was darüber hinausgeht — etwa die zweite Küchenausstattung, Sammlerstücke oder die Einrichtung eines nicht mehr genutzten Gästehauses —, bleibt im Nachlass und wird unter allen Miterben geteilt.

Was zum ehelichen Haushalt gehört. Erfasst sind bewegliche Sachen, die der gemeinsamen Lebensführung dienten: Möbel, Teppiche, Geschirr, Wäsche, Haushaltsgeräte, Unterhaltungselektronik, Bücher. Nicht erfasst sind Gegenstände, die nur der Berufsausübung oder dem persönlichen Hobby eines Ehegatten dienten, sowie alles, was Zubehör eines Grundstücks im Sinne des § 97 BGB ist — etwa die fest installierte Heizungsanlage oder Maschinen eines Betriebs. Ob der Erblasser oder der überlebende Ehegatte Eigentümer war, ist unerheblich: Der Voraus erfasst nur Gegenstände, die zum Nachlass gehören; was dem Überlebenden bereits selbst gehörte, braucht er ohnehin nicht zu beanspruchen.

Durchsetzung: Der Voraus ist ein Vermächtnis

Nach § 1932 Abs. 2 BGB sind auf den Voraus die Vorschriften über Vermächtnisse (§§ 2147 ff. BGB) anzuwenden. Daraus folgt für die Praxis:

Wirkung auf den Pflichtteil

§ 2311 Abs. 1 Satz 2 BGB regelt den Zusammenhang ausdrücklich: Bei der Berechnung des Pflichtteils eines Abkömmlings und der Eltern des Erblassers bleibt der dem überlebenden Ehegatten gebührende Voraus außer Ansatz.

Das bedeutet: Der Wert des Voraus wird vom Nachlasswert abgezogen, bevor der Pflichtteil eines enterbten Kindes oder eines Elternteils berechnet wird. Der Voraus mindert deren Pflichtteil also — anders als gewöhnliche Vermächtnisse, die den Pflichtteil unberührt lassen. Für den Pflichtteil anderer Pflichtteilsberechtigter, insbesondere des überlebenden Ehegatten selbst, gilt diese Sonderregel nicht.

Abgrenzung: Voraus, Dreißigster, Hausrat-Steuerbefreiung

Dreißigster (§ 1969 BGB). Ein eigenständiges Recht mit anderem Adressatenkreis: Der Erbe muss Familienangehörigen des Erblassers, die zur Zeit des Todes zu dessen Hausstand gehörten und von ihm Unterhalt bezogen haben, in den ersten 30 Tagen nach dem Erbfall in demselben Umfang Unterhalt gewähren wie der Erblasser und die Benutzung von Wohnung und Haushaltsgegenständen gestatten (§ 1969 Abs. 1 Satz 1 BGB). Der Erblasser kann davon durch letztwillige Verfügung abweichen (§ 1969 Abs. 1 Satz 2 BGB). Auch hier gilt Vermächtnisrecht entsprechend (§ 1969 Abs. 2 BGB). Der Dreißigste setzt keine Erbenstellung voraus und erfasst auch Kinder oder Hausangestellte — er verschafft aber nur ein befristetes Nutzungs- und Unterhaltsrecht, kein Eigentum.

Erbschaftsteuer. Der Voraus ist steuerpflichtiger Erwerb, greift aber regelmäßig in die Hausrat-Befreiung des § 13 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG: Für Erwerber der Steuerklasse I — dazu gehört der Ehegatte — bleibt Hausrat einschließlich Wäsche und Kleidungsstücken bis 41.000 € steuerfrei (Buchst. a); andere bewegliche körperliche Gegenstände bis 12.000 € (Buchst. b). Für die Steuerklassen II und III gilt ein gemeinsamer Betrag von 12.000 € (Buchst. c). Nicht befreit sind Zahlungsmittel, Wertpapiere, Münzen, Edelmetalle, Edelsteine und Perlen sowie Gegenstände des land- und forstwirtschaftlichen Vermögens, des Grundvermögens und des Betriebsvermögens. Der Erwerb nach § 1969 BGB (Dreißigster) ist vollständig steuerfrei (§ 13 Abs. 1 Nr. 4 ErbStG).

Häufige Fehler

Änderungsverlauf

Stand

Quellen

Letzte Änderung:
2026-09-12
Letzte Prüfung:
2026-09-12
In Kraft seit:
2002-01-01
Status:
In Kraft
Quellen-Autorität:
A
Lizenz:
CC BY 4.0