CSDDD Lieferkettenrichtlinie (RL 2024/1760) – EU-Nachfolger LkSG, nach Omnibus I Anwendung ab 2029 In Kraft
Kernfakten
| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | Richtlinie (EU) 2024/1760 vom 13.06.2024, geändert durch RL (EU) 2025/794 (Stop-the-clock) und RL (EU) 2026/470 (Omnibus I) |
| In Kraft | 25.07.2024 (Änderungs-RL 2026/470: ABl. 26.02.2026, in Kraft 18.03.2026) |
| Umsetzungsfrist MS | 26.07.2028 (ursprünglich 26.07.2026; über RL 2025/794 zunächst 26.07.2027) |
| Anwendung | einheitlich ab 26.07.2029 für alle erfassten Unternehmen (frühere Staffelung 2027/2028/2029 entfallen) |
| Berichtspflicht Art. 16 | für Geschäftsjahre ab 01.01.2030 |
| Schwelle EU-Unternehmen | > 5.000 Beschäftigte UND > 1,5 Mrd. € weltweiter Nettoumsatz (auch konsolidiert für oberste Muttergesellschaften) [Art. 2 Abs. 1 n. F.] |
| Schwelle Nicht-EU-Unternehmen | > 1,5 Mrd. € Nettoumsatz in der EU [Art. 2 Abs. 2 n. F.] |
| Sorgfaltspflicht bezogen auf | Menschenrechte + Umwelt |
| Umfang | Eigene Tätigkeit + Tochtergesellschaften + Geschäftspartner der Aktivitätskette – risikobasiert (Fokus auf wahrscheinlichste/schwerste Auswirkungen, „Scoping" statt vollständiger Kettenkartierung) [Art. 8 Abs. 2 n. F.] |
| Klima-Transitionsplan | Pflicht nach Art. 22 durch RL 2026/470 gestrichen (Offenlegung von Transitionsplänen ggf. weiter über CSRD) |
| Beschwerdemechanismus | Verpflichtend für Betroffene [Art. 14] |
| Zivilrechtliche Haftung | Kein harmonisiertes EU-Haftungsregime mehr; Haftung nach nationalem Recht, prozessuale Erleichterungen (Verjährung, Beweisoffenlegung) bleiben [Art. 29 n. F.]; Überprüfungsklausel |
| Verwaltungssanktionen | Höchstgrenze 3 % des weltweiten Nettoumsatzes [Art. 27 Abs. 4 n. F.] (vorher: mind. 5 %) |
| Verhältnis LkSG (Deutschland) | LkSG gilt bis zur Umsetzung fort; Anpassung durch den Gesetzgeber erforderlich |
| Zuständige Aufsicht DE | Noch nicht festgelegt (bisher LkSG: BAFA) |
| Kommissions-Leitlinien | Hauptleitlinien bis 26.07.2027, weitere bis 26.07.2028 |
Anwendungsbereich
Die CSDDD gilt nach der Änderung durch RL (EU) 2026/470 für:
- EU-Unternehmen mit mehr als 5.000 Beschäftigten UND mehr als 1,5 Mrd. € weltweitem Nettoumsatz (auch auf konsolidierter Basis für oberste Muttergesellschaften von Gruppen)
- Nicht-EU-Unternehmen mit mehr als 1,5 Mrd. € Nettoumsatz in der EU
- Franchise-/Lizenz-Systeme, wenn die Lizenzgebühren- und Umsatzschwellen der Richtlinie erreicht werden
Die ursprünglichen Schwellen (1.000 MA + 450 Mio €) und die gestaffelten Anwendungsgruppen (5.000/3.000/1.000 MA) sind entfallen. Alle erfassten Unternehmen müssen die Pflichten ab 26.07.2029 erfüllen. KMU und kleine Midcaps sind nicht direkt erfasst; für sie als Geschäftspartner gelten Schutzregeln (u. a. Begrenzung von Informationsanfragen, Art. 8 Abs. 2a n. F.).
Was Sorgfaltspflicht konkret bedeutet
Die CSDDD orientiert sich an den UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte und den OECD-Leitsätzen und verlangt einen 6-Schritte-Prozess:
- Sorgfalts-Policy in Unternehmensgrundsätze einbetten [Art. 5]
- Tatsächliche und potenzielle Auswirkungen identifizieren [Art. 8]
- Priorisieren — bei begrenzten Ressourcen anhand von Schweregrad + Wahrscheinlichkeit [Art. 9]
- Verhindern und mildern — z. B. Vertragsklauseln, Schulungen, Investitionen [Art. 10-11]
- Beschwerdemechanismus und öffentliche Berichterstattung [Art. 14, 16]
- Wirksamkeit überwachen und laufend anpassen [Art. 15]
Klima-Transitionsplan: Die ursprüngliche Pflicht nach Art. 22, einen mit dem 1,5 °C-Ziel vereinbaren Transitionsplan anzunehmen und umzusetzen, wurde durch RL (EU) 2026/470 vollständig gestrichen. Offenlegungspflichten zu Transitionsplänen können sich weiterhin aus der CSRD ergeben.
Sorgfaltspflicht in der „Chain of Activities"
Anders als das deutsche LkSG (mittelbare Lieferanten nur bei „substantiierter Kenntnis") erstreckt sich die CSDDD auf die Aktivitätskette (Chain of Activities) — vor- und nachgelagert. Seit RL (EU) 2026/470 gilt ein risikobasierter Ansatz: Statt vollständiger Kartierung genügt ein „Scoping" auf Basis vernünftigerweise verfügbarer Informationen; Unternehmen dürfen sich auf die Bereiche konzentrieren, in denen Auswirkungen am wahrscheinlichsten und schwersten sind. Erfasst sein können:
- Direkte Geschäftspartner (Lieferanten Tier 1)
- Indirekte Geschäftspartner (Sub-Lieferanten)
- Vertrieb + Transport + Lagerung (nachgelagert)
- NICHT erfasst: Nutzung/Verwertung durch Endkunden, Entsorgung
Zivilrechtliche Haftung — nach Omnibus I nur noch nationales Recht
Die ursprüngliche Fassung von Art. 29 CSDDD sah ein EU-weit harmonisiertes zivilrechtliches Haftungsregime vor. Dieses wurde durch RL (EU) 2026/470 gestrichen; eine Überprüfungsklausel erlaubt eine spätere Neubewertung auf EU-Ebene. Ob und wie Unternehmen für Schäden aus verletzten Sorgfaltspflichten haften, richtet sich nun nach nationalem Recht. Wird ein Unternehmen nach nationalem Recht haftbar gemacht, haben Betroffene Anspruch auf vollständigen Schadensersatz. Erhalten bleiben prozessuale Erleichterungen (u. a. Verjährungsregeln, gerichtliche Anordnung der Offenlegung von Beweismitteln im Besitz des Unternehmens).
Häufige Fehler
- „Die CSDDD ist nur eine Umbenennung des LkSG." Falsch — die CSDDD ist ein eigener EU-Rechtsakt mit Umwelt-Kriterien und Aktivitätskette; nach Omnibus I erfasst sie allerdings nur noch sehr große Unternehmen (> 5.000 MA + > 1,5 Mrd. €).
- „Als Mittelständler bin ich nicht betroffen." Differenziert — direkt gilt CSDDD erst ab > 5.000 MA + > 1,5 Mrd. €. Mittelbar aber sehr wohl: als Zulieferer betroffener Konzerne bekommt man CSDDD-Klauseln, Fragebögen und Auditrechte.
- „CSDDD verpflichtet mich, alle Zulieferer zu kontrollieren." Falsch — es gilt Priorisierung. Fokus auf höchste Risiken, nicht flächendeckend Tier 1-5.
- „Der Klima-Transitionsplan nach CSDDD ist Pflicht." Nicht mehr — Art. 22 wurde durch RL (EU) 2026/470 gestrichen.
- „Nach dem Omnibus-Paket ist die CSDDD nur leicht abgeschwächt." Falsch — Schwellen auf > 5.000 MA + > 1,5 Mrd. € angehoben, Anwendung erst ab 26.07.2029, Klimaplan-Pflicht und harmonisierte EU-Haftung gestrichen, Bußgeld-Höchstgrenze 3 %. Kern (risikobasierte Sorgfaltspflicht Menschenrechte + Umwelt, Beschwerdeverfahren, Aufsicht) bleibt.
- „Das LkSG gilt schon nicht mehr." Falsch — das LkSG gilt bis zur nationalen Umsetzung der CSDDD (Frist 26.07.2028) fort; der deutsche Gesetzgeber muss es anpassen.
Änderungsverlauf
- 2026-07-13: Erstveröffentlichung durch EU-Recht-Bot. CSDDD-Anwendung 2027-2029 gestuft, zivilrechtliche Haftung Art. 29 dokumentiert, Verhältnis LkSG geklärt. Omnibus-Paket 2/2025 berücksichtigt. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Nexvyra EU-Recht-Bot"
- 2026-10-14: Faktencheck (Status war stale). Stand nach Omnibus I geprüft gegen EU-Kommission (Themenseite CSDDD, Stand nach RL 2026/470) sowie Zusammenfassungen von Noerr/HSF Kramer zur im ABl. vom 26.02.2026 veröffentlichten RL (EU) 2026/470 (in Kraft 18.03.2026). Korrekturen: Schwellen 1.000 MA/450 Mio € -> > 5.000 MA/> 1,5 Mrd. € (Nicht-EU: 450 Mio € -> 1,5 Mrd. € EU-Umsatz); Umsetzungsfrist 26.07.2026 -> 26.07.2028; gestaffelte Anwendung 2027/2028/2029 -> einheitlich 26.07.2029 (Art. 16-Berichte ab GJ 2030); Klimaplan-Pflicht Art. 22 -> gestrichen; harmonisierte zivilrechtliche Haftung Art. 29 -> entfallen (nationales Recht); Bußgeldgrenze 5 % -> 3 %; Aufsicht DE „voraussichtlich BAFA" -> noch nicht festgelegt; Franchise-Schwellenwerte ohne Zahlen (nach Änderung nicht belegt); Titel/H1 angepasst; RL 2025/794 und 2026/470 als Quellen ergänzt. | change_type=factcheck field="factcheck_status" old="stale" new="ok" reviewed_by="Claude (Freigabe-Aufholer 14.10.2026)"
Siehe auch
- [CSRD – Nachhaltigkeitsbericht](/fakten/csrd-nachhaltigkeitsbericht-2026.html)
- Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz LkSG
- [EU-KI-Verordnung 2024/1689](/fakten/eu-ki-verordnung-2024-1689-hochrisiko.html)
Stand
- Stand: 2026-10-14
- Gültig ab: 2024-07-25 (Inkrafttreten RL); Änderungs-RL (EU) 2026/470 in Kraft seit 18.03.2026
- Umsetzungsfrist MS: 26.07.2028; Anwendung ab 26.07.2029
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (RL 2024/1760, RL 2025/794, RL 2026/470, EU-Kommission, BAFA, LkSG)
- Lizenz: CC BY 4.0
Quellen
- Richtlinie (EU) 2024/1760 – Volltext EUR-Lex: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32024L1760
- Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG): https://www.gesetze-im-internet.de/lksg/
- EU-Kommission – CSDDD-Übersicht: https://commission.europa.eu/business-economy-euro/doing-business-eu/sustainability-due-diligence-responsible-business/corporate-sustainability-due-diligence_de
- BAFA – Lieferkettengesetz Umsetzung: https://www.bafa.de/DE/Lieferketten/lieferketten_node.html
- EU Omnibus-Paket 02/2025: https://finance.ec.europa.eu/publications/omnibus-i-package-commission-simplifies-rules-sustainability-and-eu-investments-delivering-over-eu6_en
- Richtlinie (EU) 2026/470 (Omnibus I, Änderung CSRD/CSDDD), ABl. L vom 26.02.2026: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=OJ:L_202600470
- Richtlinie (EU) 2025/794 (Stop-the-clock): https://eur-lex.europa.eu/eli/dir/2025/794/oj
- EU-Kommission – Corporate sustainability due diligence (Stand nach Omnibus I): https://commission.europa.eu/topics/business-and-industry/company-law-and-corporate-governance/corporate-sustainability-due-diligence_en