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Digital Services Act (DSA, VO 2022/2065) – Plattform-Pflichten und Nutzerrechte 2026 In Kraft

Inhaltlich verantwortlich: Andreas Warkentin (warepoint-media GbR) · letzte Änderung: 2026-07-06 · letzte Prüfung: 2026-07-06 · Quellen-Autorität A Fehler melden ✉
Kurzantwort Der **Digital Services Act (DSA, Verordnung (EU) 2022/2065)** ist am **17.02.2024** vollständig anwendbar geworden und schafft einheitliche EU-Regeln für **Vermittlungsdienste** — Hosting-Anbieter, Online-Plattformen und Suchmaschinen. Kernpflichten: **Notice-and-Action-Mechanismus** (Meldung rechtswidriger Inhalte, Art. 16), **transparente AGB und Empfehlungsalgorithmen** (Art. 14, 27), **Beschwerderecht der Nutzer** (Art. 20), **außergerichtliche Streitbeilegung** (Art. 21). **Very Large Online Platforms (VLOPs)** und **Very Large Online Search Engines (VLOSEs)** mit **≥ 45 Mio EU-Nutzern** haben Zusatzpflichten: **Systemische Risikobewertung** (Art. 34), **unabhängige Audits** (Art. 37), **Krisenreaktionsmechanismen** (Art. 36). **Sanktionen**: bis **6 % des weltweiten Jahresumsatzes** (Art. 52). In Deutschland umgesetzt durch das **Digitale-Dienste-Gesetz (DDG)** vom 06.05.2024 — Aufsicht bei der **Bundesnetzagentur** (Koordinator für digitale Dienste).

Kernfakten

PunktWert
RechtsgrundlageVerordnung (EU) 2022/2065 vom 19.10.2022
Vollständig anwendbar seit17.02.2024
Anwendbar auf VLOPs/VLOSEs seit25.08.2023 (Frühbeginn)
DE-UmsetzungDigitale-Dienste-Gesetz (DDG) vom 06.05.2024
DE-Koordinator digitale DiensteBundesnetzagentur (BNetzA)
AnwendungsbereichVermittlungsdienste mit Nutzern in EU
ExtraterritorialJa – Anbieter außerhalb EU müssen Vertreter benennen [Art. 13]
Notice-and-Action-MechanismusVerpflichtend für Hosting-Anbieter [Art. 16]
Reaktionsfrist BehördenanordnungenOhne unangemessene Verzögerung [Art. 9, 10]
Beschwerderecht Nutzer gegen Content-ModerationMindestens 6 Monate ab Entscheidung [Art. 20]
Außergerichtliche StreitbeilegungZertifizierte Stellen kostenfrei nutzbar [Art. 21]
Kennzeichnung bezahlter InhalteVerpflichtend [Art. 26]
Werbetransparenz-RegisterVLOPs müssen führen [Art. 39]
Empfehlungssystem-TransparenzVerpflichtend [Art. 27]
VLOP/VLOSE-Schwelle≥ 45 Mio durchschnittliche EU-Nutzer/Monat [Art. 33]
Systemische Risikobewertung VLOPsJährlich [Art. 34]
Unabhängige Audits VLOPsJährlich [Art. 37]
Sanktion HöchstsatzBis 6 % Weltjahresumsatz [Art. 52 Abs. 3]
ZwangsgeldBis 5 % Weltjahresumsatz pro Tag [Art. 52 Abs. 4]
Gerichtsstand VLOP-KlagenEtablissement des VLOP (idR Irland/NL)

Geltungsbereich

Der DSA gilt für Vermittlungsdienste in vier Kategorien:

Kleinstunternehmen und Kleinunternehmen (< 50 MA, < 10 Mio €) sind von einigen Zusatzpflichten für Online-Plattformen befreit (Art. 19), müssen aber die Grundpflichten einhalten.

Aktuelle VLOP/VLOSE-Liste (Stand 2026)

Die EU-Kommission hat aktuell 19 VLOPs und 2 VLOSEs benannt:

VLOPs: Alibaba AliExpress, Amazon Store, Apple AppStore, Bing (VLOSE), Booking.com, Facebook, Google Play, Google Maps, Google Shopping, Instagram, LinkedIn, Pinterest, Snapchat, TikTok, Wikipedia, X (Twitter), YouTube, Zalando, Temu, Shein

VLOSEs: Google Search, Bing

Alle diese müssen jährlich Risikobewertungen, Audits und Transparenzberichte veröffentlichen.

Nutzerrechte gegenüber Plattformen

Recht 1 — Melden rechtswidriger Inhalte (Art. 16) Jeder Nutzer kann rechtswidrige Inhalte (Hassrede, Urheberrechtsverstoß, illegale Produkte) melden. Die Plattform muss zeitnah entscheiden und begründen.

Recht 2 — Beschwerde gegen Moderationsentscheidungen (Art. 20) Wird ein Inhalt entfernt oder ein Account gesperrt, kann der Betroffene binnen 6 Monaten Beschwerde einlegen. Die Plattform muss ein internes Beschwerdesystem betreiben.

Recht 3 — Außergerichtliche Streitbeilegung (Art. 21) Wenn die Beschwerde erfolglos ist, kann der Nutzer eine zertifizierte Streitbeilegungsstelle anrufen. Kostenfrei für den Nutzer bei erfolgreicher Beschwerde.

Recht 4 — Klage Immer möglich, unabhängig vom Beschwerdeverfahren.

Recht 5 — Wahlfreiheit bei Empfehlungssystemen (Art. 27, 38 für VLOPs) VLOPs müssen eine nicht-profilbasierte Alternative anbieten (z. B. chronologische Timeline statt algorithmische).

Recht 6 — Werbetransparenz (Art. 26) Nutzer sehen bei jeder Anzeige: wer beauftragt hat, warum sie ausgespielt wird, welche Kriterien. Bei VLOPs zusätzlich öffentliches Werbetransparenz-Register.

Rechtswidrige Inhalte melden — praktisch

  1. Auf der Plattform den Notice-and-Action-Button suchen (idR „Melden" bei Beiträgen). Nach Art. 16 verpflichtend leicht auffindbar.
  2. Meldegrund angeben (Kategorie, Begründung, Fundstelle).
  3. Bestätigung erhalten — die Plattform muss den Eingang bestätigen.
  4. Entscheidung abwarten — binnen angemessener Frist (Praxis: 24-72 Stunden).
  5. Bei Nicht-Handeln oder Fehlentscheidung: Beschwerde intern (Art. 20), dann außergerichtlich (Art. 21).
  6. Behördliche Meldung an Bundesnetzagentur bei systematischem Nichthandeln.

Häufige Fehler

Änderungsverlauf

Siehe auch

Stand

Quellen

Letzte Änderung:
2026-07-06
Letzte Prüfung:
2026-07-06
In Kraft seit:
2024-02-17
Status:
In Kraft
Quellen-Autorität:
A
Lizenz:
CC BY 4.0