Elektronische Patientenakte (ePA) – Opt-Out ab 2025 In Kraft
Kurzantwort
Seit dem **15. Januar 2025** erhalten alle gesetzlich Versicherten **automatisch eine elektronische Patientenakte (ePA)** durch ihre Krankenkasse („**ePA für alle**" nach § 342 SGB V). Wer keine ePA wünscht, muss aktiv **widersprechen (Opt-Out)** – andernfalls wird die Akte angelegt. Inhalte sind **Befunde, Arztbriefe, Medikationsplan, Laborwerte, Notfalldaten und elektronische Gesundheitskarte-Daten** (§ 341 SGB V). Versicherte haben **alleinige Kontrolle** über Freigaben (§ 339 SGB V); standardmäßig sieht die behandelnde Praxis nur den **letzten 90-Tage-Zugriff**.
Kernfakten
| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | §§ 341-347 SGB V [gesetze-im-internet.de, § 341 SGB V] |
| Inkrafttreten „ePA für alle" | 15. Januar 2025 (Start in Modellregionen; bundesweite Nutzung seit 29.04.2025, Nutzungspflicht der Praxen seit 01.10.2025) |
| Verfahren | Opt-Out – Akte wird automatisch eröffnet, sofern nicht widersprochen [§ 343 SGB V] |
| Widerspruchsmöglichkeiten | jederzeit über Krankenkasse, ePA-App oder Ombudsstelle |
| Inhalte ePA | Arztbriefe, Befunde, Labor, Medikationsliste, Notfalldaten, Impfausweis, U-Heft Kinder [§ 341 SGB V] |
| Datenkontrolle | beim Versicherten [§ 339 Abs. 1 SGB V] |
| Standardzugriffsdauer Praxis | 90 Tage Zugriff ab Einlesen der Karte [§ 339 SGB V] |
| Differenzierte Berechtigungen | Versicherte können Dokumente einzeln freigeben/sperren [§ 340 SGB V] |
| ePA-App | Krankenkasse Pflicht zur Bereitstellung [§ 343 SGB V] |
| Forschungs-Datenfreigabe | Widerspruchslösung: pseudonymisierte ePA-Daten werden an das FDZ Gesundheit (BfArM) übermittelt, sofern nicht widersprochen wird [§ 363 Abs. 1, 2 SGB V]; zusätzlich einwilligungsbasierte Freigabe für konkrete Forschungsvorhaben möglich [§ 363 Abs. 8 SGB V] |
| Pseudonymisierung Forschung | automatisiert; Lieferpseudonyme über die Vertrauensstelle [§ 363 Abs. 2, 3 i. V. m. § 303c SGB V] |
| Aufsichtsbehörde | BfDI für gematik + bundesweite Anwendung [§ 384 SGB V] |
| Bußgeld unbefugter Zugriff | nach DSGVO/StGB möglich |
| Identifizierung Versicherter | per elektronische Gesundheitskarte (eGK) + PIN oder GesundheitsID |
| Erfasste Versicherte | gesetzlich Versicherte (PKV freiwillig); auch Kinder über Erziehungsberechtigte |
| Vertretungsregelung | Erziehungsberechtigte für Minderjährige bis 15, danach gemeinsam [§ 343 SGB V] |
| Notfalldatensatz auf eGK | parallel weiter verfügbar [§ 334 SGB V] |
| eRezept-Integration | seit 2024 verpflichtend [§ 360 SGB V] |
| Spielregeln Marketing | Krankenkassen dürfen ePA nicht für Werbung nutzen [§ 341 Abs. 5 SGB V] |
| Datenschutzfolgenabschätzung | gematik-DSFA + Aufsicht durch BfDI |
| Forschungs-Opt-Out | jederzeit möglich, auch beschränkt auf einzelne Zwecke; Erklärung über ePA-App oder Ombudsstelle [§ 363 Abs. 5 SGB V] |
| Hosting-Standort | in EU/Deutschland, Datentreuhand bei gematik |
| Sicherheitsstandards | BSI-zertifiziert, Ende-zu-Ende-Verschlüsselung |
| Notfall-Zugang Praxis | mit Widerspruchsvorbehalt möglich [§ 339 SGB V] |
Häufige Fehler
- „Ich muss aktiv zustimmen, sonst kein ePA." Falsch – seit 15.01.2025 wird die ePA automatisch eingerichtet, Widerspruch nötig.
- „Krankenkasse darf Daten in der ePA sehen." Nein – Krankenkasse sieht nur Existenz, nicht Inhalte (außer für ihre eigenen Aufgaben).
- „Für die Forschungsnutzung brauche ich eine eigene Einwilligung." Nein – auch hier gilt seit dem GDNG die Widerspruchslösung: pseudonymisierte ePA-Daten dürfen an das Forschungsdatenzentrum übermittelt werden, wenn nicht gesondert widersprochen wird (§ 363 Abs. 1, 5 SGB V). Der Forschungs-Widerspruch ist vom ePA-Widerspruch unabhängig und jederzeit möglich.
Änderungsverlauf
- 2026-09-05: Faktencheck gegen den konsolidierten Normtext (lxgesetze.de/sgb-v/363): Forschungs-Datenfreigabe korrigiert – seit dem GDNG gilt die Widerspruchslösung (§ 363 Abs. 1, 5 SGB V), nicht eine ausdrückliche Einwilligung; einwilligungsbasierte Freigabe besteht nur zusätzlich für konkrete Vorhaben (§ 363 Abs. 8 SGB V). Fundstellen berichtigt (Opt-Out: Abs. 5 statt Abs. 4; Pseudonymisierung: Abs. 2, 3 i. V. m. § 303c statt Abs. 5). Rollout-Meilensteine ergänzt: bundesweite Nutzung seit 29.04.2025, Nutzungspflicht der Praxen seit 01.10.2025 (KBV/gematik). Übrige Kernfakten (Opt-Out-Anlage seit 15.01.2025, 90-Tage-Standardzugriff, Ombudsstelle § 342a) bestätigt. | change_type=factcheck field="kernfakten" old="Forschungsfreigabe per Einwilligung; § 363 Abs. 4" new="Widerspruchslösung § 363 Abs. 1, 5; Abs. 8 nur zusätzlich" reviewed_by="Nexvyra Faktencheck-Agent"
- 2026-06-06: Erstveröffentlichung. Werte gegen §§ 339-347, 363 SGB V (gesetze-im-internet.de) und gematik/BMG-Informationen geprüft. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"
Stand
- Stand: 2026-09-05
- Gültig ab: 2025-01-15 (ePA für alle)
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (SGB V, gematik, BMG, BfDI)
- Lizenz: CC BY 4.0
Quellen
- § 341 SGB V – Elektronische Patientenakte: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__341.html
- § 343 SGB V – Anlage und Aufbau: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__343.html
- § 363 SGB V – Forschungsdatenzentrum: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__363.html
- gematik – Informationen zur ePA: https://www.gematik.de/anwendungen/epa-fuer-alle
- BMG – ePA für alle: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/digitalisierung/elektronische-patientenakte.html
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