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Bewerberdatenschutz 2026 – DSGVO & § 26 BDSG im Bewerbungsverfahren In Kraft

Inhaltlich verantwortlich: Andreas Warkentin (warepoint-media GbR) · letzte Änderung: 2026-07-27 · letzte Prüfung: 2026-07-27 · Quellen-Autorität A Fehler melden ✉
Kurzantwort Wer sich bewirbt, überlässt dem Unternehmen sensible personenbezogene Daten – Lebenslauf, Zeugnisse, Foto, Kontaktdaten. Für deren Verarbeitung gelten die **DSGVO** und das **Bundesdatenschutzgesetz (BDSG)**. **Bewerberinnen und Bewerber gelten ausdrücklich als „Beschäftigte"** im Sinne von **§ 26 Abs. 8 Satz 2 BDSG** und genießen damit den vollen Beschäftigtendatenschutz. Der Arbeitgeber darf nur Daten erheben, die für die **Auswahlentscheidung erforderlich** sind (Grundsatz der **Datenminimierung**, Art. 5 Abs. 1 Buchst. c DSGVO). Nach einer Absage müssen die Unterlagen **gelöscht** werden (Art. 17 DSGVO) – üblich ist eine Aufbewahrung von **bis zu 6 Monaten**, um sich gegen mögliche **AGG-Klagen** verteidigen zu können. Bewerber haben ein **Auskunftsrecht** (Art. 15 DSGVO) und ein **Löschrecht** (Art. 17 DSGVO). Eine Speicherung im **Talentpool** ist nur mit **ausdrücklicher Einwilligung** zulässig. **Wichtig:** Seit dem EuGH-Urteil vom 30.03.2023 (C-34/21) ist die Reichweite von § 26 Abs. 1 BDSG umstritten – die Verarbeitung wird ergänzend auf Art. 6 Abs. 1 Buchst. b DSGVO (vorvertragliche Maßnahmen) gestützt.

Kernfakten

PunktWert
Bewerber = BeschäftigteJa, § 26 Abs. 8 Satz 2 BDSG
Rechtsgrundlage Bewerbungsverfahren§ 26 Abs. 1 BDSG + Art. 6 Abs. 1 Buchst. b DSGVO (vorvertragliche Maßnahmen)
GrundsatzDatenminimierung, Art. 5 Abs. 1 Buchst. c DSGVO
Zulässige DatenNur was für die Auswahlentscheidung erforderlich ist
Auskunftsrecht BewerberArt. 15 DSGVO
Recht auf LöschungArt. 17 DSGVO
Recht auf BerichtigungArt. 16 DSGVO
Regel-Aufbewahrung nach Absagebis zu 6 Monate (Verteidigung gegen AGG-Ansprüche)
AGG-Geltendmachungsfrist2 Monate, § 15 Abs. 4 AGG
AGG-Klagefrist3 Monate ab Geltendmachung, § 61b Abs. 1 ArbGG
Talentpool / längere SpeicherungNur mit ausdrücklicher Einwilligung (Art. 6 Abs. 1 Buchst. a DSGVO)
Besondere Datenkategorien (z. B. Gesundheit)Verbot mit Erlaubnisvorbehalt, Art. 9 DSGVO / § 26 Abs. 3 BDSG
Informationspflicht ArbeitgeberArt. 13 DSGVO (Datenschutzhinweise bei Erhebung)
Aufsichtsbehörde / BeschwerderechtArt. 77 DSGVO (zuständige Landesdatenschutzbehörde)
EuGH-RechtsprechungC-34/21 vom 30.03.2023 – nationale Generalklausel muss Art. 88 DSGVO genügen
Geplante ReformBeschäftigtendatengesetz (BeschDG) angekündigt 2024, Stand 07/2026 nicht in Kraft

Geltungsbereich

Der Bewerberdatenschutz greift, sobald eine Person personenbezogene Daten im Rahmen einer Bewerbung übermittelt – unabhängig davon, ob die Bewerbung erfolgreich ist. Rechtlich einschlägig sind:

Ein geplantes Beschäftigtendatengesetz (BeschDG) soll den Bereich neu und rechtssicher regeln, wurde aber (Stand Juli 2026) noch nicht verabschiedet.

Welche Daten darf der Arbeitgeber verlangen – und welche nicht?

Erforderlich und zulässig sind in der Regel: Name, Kontaktdaten, Angaben zu Ausbildung und Berufserfahrung, Qualifikationen und Zeugnisse, die für die konkrete Stelle relevant sind.

Nicht erforderlich – und damit grundsätzlich unzulässig zu verlangen sind Angaben, die nur eine Diskriminierung ermöglichen: Foto, Familienstand, Religionszugehörigkeit, Schwangerschaft, Partei- oder Gewerkschaftszugehörigkeit, Gesundheitsdaten ohne stellenbezogenen Grund. Solche besonderen Kategorien personenbezogener Daten (Art. 9 DSGVO, § 26 Abs. 3 BDSG) dürfen nur unter engen Voraussetzungen verarbeitet werden.

Gibt der Bewerber solche Daten freiwillig an (z. B. ein Foto im Lebenslauf), darf der Arbeitgeber sie im Rahmen des Verfahrens verarbeiten – verlangen darf er sie aber nicht.

Auskunft, Berichtigung und Löschung

Bewerberinnen und Bewerber haben dieselben Betroffenenrechte wie alle anderen: das Auskunftsrecht nach Art. 15 DSGVO (welche Daten werden zu welchem Zweck gespeichert?), das Recht auf Berichtigung nach Art. 16 DSGVO und das Recht auf Löschung nach Art. 17 DSGVO. Zusätzlich besteht ein Beschwerderecht bei der Aufsichtsbehörde (Art. 77 DSGVO) – zuständig ist die Datenschutzbehörde des jeweiligen Bundeslandes.

Der Arbeitgeber muss bereits bei Erhebung der Daten über Zweck, Rechtsgrundlage und Speicherdauer informieren (Informationspflicht nach Art. 13 DSGVO).

Löschung und Aufbewahrung nach Absage

DSGVO und BDSG nennen keine feste Löschfrist. Die in der Praxis anerkannte 6-Monats-Regel leitet sich aus dem AGG ab:

Wird in dieser Zeit keine Klage erhoben, sind die Unterlagen nach Art. 17 DSGVO zu löschen. Eine längere Speicherung – etwa im Talentpool für künftige Stellen – ist nur mit ausdrücklicher, freiwilliger Einwilligung der betroffenen Person zulässig (Art. 6 Abs. 1 Buchst. a DSGVO); die Einwilligung ist jederzeit widerrufbar.

Häufige Fehler

Änderungsverlauf

Stand

Quellen

Letzte Änderung:
2026-07-27
Letzte Prüfung:
2026-07-27
In Kraft seit:
2018-05-25
Status:
In Kraft
Quellen-Autorität:
A
Lizenz:
CC BY 4.0