Widerrufsrecht im Fernabsatz § 355 BGB – 14-Tage-Frist
Widerrufsrecht im Fernabsatz § 355 BGB – 14-Tage-Frist
Kurzantwort
Verbraucher können bei Verträgen im Fernabsatz (Online, Telefon, Katalog) und außerhalb von Geschäftsräumen geschlossenen Verträgen den Vertrag binnen 14 Tagen ohne Angabe von Gründen widerrufen (§ 355 Abs. 2 BGB). Die Frist beginnt mit Zugang der Ware bzw. bei Dienstleistungen mit Vertragsschluss (§ 356 Abs. 2 BGB). Wird die Widerrufsbelehrung nicht ordnungsgemäß erteilt, verlängert sich die Frist auf maximal 12 Monate und 14 Tage (§ 356 Abs. 3 BGB). Die Rücksendekosten trägt der Verbraucher nur, wenn der Unternehmer ihn darüber informiert hat (§ 357 Abs. 6 BGB).
Kernfakten
| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | §§ 355–361 BGB i.V.m. §§ 312g, 312j BGB [gesetze-im-internet.de, § 355 BGB] |
| Widerrufsfrist | 14 Tage ab Zugang der Ware [§ 355 Abs. 2 BGB] |
| Frist bei Dienstleistungen | 14 Tage ab Vertragsschluss [§ 356 Abs. 2 Nr. 2 BGB] |
| Frist bei Teilsendungen | ab Zugang der letzten Teilsendung [§ 356 Abs. 2 Nr. 1 lit. b BGB] |
| Verlängerung bei fehlender Belehrung | maximal 12 Monate + 14 Tage [§ 356 Abs. 3 S. 2 BGB] |
| Form Widerruf | jede eindeutige Erklärung (E-Mail, Brief, Online-Formular) [§ 355 Abs. 1 BGB] |
| Muster-Widerrufsformular | Anlage 2 zu Art. 246a § 1 Abs. 2 S. 1 Nr. 1 EGBGB |
| Pflicht zur Belehrung | Unternehmer muss schriftlich/Textform belehren [§ 312d Abs. 1, Art. 246a EGBGB] |
| Rückzahlungsfrist Unternehmer | 14 Tage nach Zugang des Widerrufs [§ 357 Abs. 1 BGB] |
| Rückgabefrist Verbraucher | 14 Tage nach Widerrufserklärung [§ 357 Abs. 4 BGB] |
| Rücksendekosten | trägt Verbraucher, sofern Unternehmer ihn vorher belehrt hat [§ 357 Abs. 6 BGB] |
| Wertersatz für Nutzung | nur bei über die Prüfung hinausgehender Nutzung [§ 357 Abs. 7 BGB] |
| Ausnahmen Widerruf | individualisierte Ware, Hygieneartikel nach Öffnung, Software mit gebrochener Versiegelung, leicht verderbliche Ware [§ 312g Abs. 2 BGB] |
| Kein Widerruf bei B2B | gilt nur bei Verbraucher × Unternehmer (B2C) [§ 312 Abs. 1 BGB] |
| Schaltflächen-Pflicht („Bestellbutton") | „zahlungspflichtig bestellen" o.ä. eindeutige Formulierung [§ 312j Abs. 3 BGB] |
| Rechtsfolge fehlender Bestellbutton | Vertrag kommt nicht wirksam zustande [§ 312j Abs. 4 BGB] |
Häufige Fehler
- „Kein Widerrufsrecht bei Sonderangeboten." Falsch – das Widerrufsrecht ist von Preisaktionen unabhängig.
- „Ich muss begründen, warum ich widerrufe." Nein – Widerruf bedarf keiner Begründung.
- „Versiegelte Ware ist immer ausgeschlossen." Nur bei Hygiene/Software/Datenträger relevant; allgemeine „Folienverpackung" allein reicht nicht.
Quellen
- § 355 BGB – Widerrufsrecht bei Verbraucherverträgen:: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__355.html
- § 356 BGB – Widerrufsrecht bei außerhalb von Geschäftsräumen geschlossenen Verträgen:: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__356.html
- § 357 BGB – Rechtsfolgen des Widerrufs:: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__357.html
- § 312j BGB – Besondere Pflichten im elektronischen Geschäftsverkehr:: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__312j.html
- Art. 246a EGBGB – Informationspflichten:: https://www.gesetze-im-internet.de/bgbeg/art_246a__1.html
Änderungsverlauf
- 2026-06-05: Erstveröffentlichung. Werte gegen §§ 355–361, 312g, 312j BGB und Art. 246a EGBGB (gesetze-im-internet.de) geprüft. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"
Stand
- Stand: 2026-06-05
- Gültig ab: 2014-06-13 (Verbraucherrechte-Richtlinie umgesetzt)
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (BGB, EGBGB)
- Lizenz: CC BY 4.0
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