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DSGVO-Angemessenheitsbeschlüsse (VO 2016/679, Art. 45) – Länderliste 2026, Brasilien, UK-Verlängerung & Prüfzyklus In Kraft

Inhaltlich verantwortlich: Andreas Warkentin (warepoint-media GbR) · letzte Änderung: 2026-10-10 · letzte Prüfung: 2026-10-10 · Quellen-Autorität A Fehler melden ✉
Kurzantwort Nach **Art. 45 der Verordnung (EU) 2016/679 (DSGVO)** kann die **EU-Kommission** per Durchführungsrechtsakt feststellen, dass ein Drittland, ein Gebiet, ein Sektor oder eine internationale Organisation ein **angemessenes Datenschutzniveau** bietet. Liegt ein solcher **Angemessenheitsbeschluss** vor, dürfen personenbezogene Daten aus der EU (und aus Norwegen, Liechtenstein und Island) dorthin übermittelt werden, **ohne dass weitere Garantien** (Standardvertragsklauseln, BCR) oder eine **Genehmigung** nötig sind – die Übermittlung wird wie ein Datenfluss innerhalb der EU behandelt ([EU-Kommission](https://commission.europa.eu/law/law-topic/data-protection/international-dimension-data-protection/adequacy-decisions_en)). **Stand Oktober 2026 bestehen Angemessenheitsbeschlüsse für 17 Empfänger:** Andorra, Argentinien, **Brasilien (neu, 26.01.2026)**, Färöer, Guernsey, Isle of Man, Israel, Japan, Jersey, Kanada (nur kommerzielle Organisationen), Neuseeland, Republik Korea, Schweiz, Uruguay, Vereinigtes Königreich (DSGVO und JI-Richtlinie, **verlängert am 19.12.2025 bis 27.12.2031**), USA (nur Unternehmen, die nach dem **EU-US Data Privacy Framework** zertifiziert sind) sowie die **Europäische Patentorganisation** (15.07.2025). Als EU-Verordnung gilt die DSGVO **unmittelbar in Deutschland**; ein Umsetzungsgesetz ist nicht nötig. Wer Daten ohne gültiges Instrument nach Kapitel V übermittelt, riskiert ein Bußgeld von **bis zu 20 Mio. EUR oder 4 % des weltweiten Jahresumsatzes** (Art. 83 Abs. 5 lit. c DSGVO).

Kernfakten

PunktWert
RechtsgrundlageArt. 45 Verordnung (EU) 2016/679 (DSGVO) – „Datenübermittlung auf der Grundlage eines Angemessenheitsbeschlusses" (EUR-Lex, CELEX:32016R0679)
RechtsnaturEU-Verordnung – unmittelbar in DE anwendbar; Beschlüsse sind Durchführungsrechtsakte der Kommission
Geltung DSGVOseit 25.05.2018 (Art. 99 Abs. 2 DSGVO)
RechtsfolgeÜbermittlung ohne besondere Genehmigung und ohne zusätzliche Garantien zulässig (Art. 45 Abs. 1)
PrüfkriterienRechtsstaatlichkeit, Grundrechte, Zugriff von Behörden (Sicherheit, Strafverfolgung), unabhängige Aufsichtsbehörde, internationale Verpflichtungen (Art. 45 Abs. 2 lit. a–c)
VerfahrenKommissionsvorschlag → Stellungnahme EDSA → Zustimmung der Mitgliedstaaten (Komitologie, Art. 93 Abs. 2) → Annahme durch Kommission (EU-Kommission)
Überprüfungszyklusmindestens alle 4 Jahre periodische Überprüfung (Art. 45 Abs. 3)
Widerruf / AussetzungKommission kann Beschluss aufheben, ändern oder aussetzen – ohne Rückwirkung (Art. 45 Abs. 5)
AltbeschlüsseBeschlüsse nach Art. 25 Abs. 6 RL 95/46/EG gelten fort, bis sie geändert, ersetzt oder aufgehoben werden (Art. 45 Abs. 9)
Anzahl Empfänger (10/2026)17 (16 Staaten/Gebiete + Europäische Patentorganisation) (EU-Kommission)
Neuester BeschlussBrasilien – 26.01.2026, gegenseitige Angemessenheit (Brasilien erkennt EU ebenfalls an) (EU-Kommission, IP/26/229)
UKVerlängert am 19.12.2025, Sunset-Klausel 6 Jahre bis 27.12.2031, Überprüfung nach 4 Jahren (EU-Kommission, IP/25/3059)
KoreaErste periodische Überprüfung abgeschlossen am 23.07.2026 – Angemessenheit bestätigt (EU-Kommission)
USANur DPF-zertifizierte Unternehmen, Durchführungsbeschluss (EU) 2023/1795 vom 10.07.2023 (EUR-Lex)
StrafverfolgungssektorBeschlüsse gelten – außer für UK – nicht für Datenaustausch nach der JI-Richtlinie (RL (EU) 2016/680, Art. 36)
Sanktion bei Verstoß gegen Kapitel Vbis 20 Mio. EUR oder 4 % des weltweiten Vorjahresumsatzes (Art. 83 Abs. 5 lit. c DSGVO)

Geltungsbereich

Betroffen sind alle Verantwortlichen und Auftragsverarbeiter, die personenbezogene Daten an Empfänger außerhalb des EWR übermitteln oder dort verarbeiten lassen – z. B. Cloud- und SaaS-Nutzung, Konzern-Datenflüsse, Support-Dienstleister, HR-Systeme, Marketing-Tools. Dazu gehören Unternehmen jeder Größe, Vereine, Freiberufler und öffentliche Stellen.

Räumlich erfasst ein Angemessenheitsbeschluss nur das genannte Land/Gebiet und ggf. nur einen Sektor (Kanada: nur Organisationen unter dem PIPEDA; USA: nur DPF-zertifizierte Organisationen). Die Beschlüsse gelten auch für Übermittlungen aus Norwegen, Liechtenstein und Island (EWR).

Nicht erfasst ist die allgemeine Rechtmäßigkeit der Verarbeitung: Auch bei Übermittlung in ein „sicheres" Land braucht es zusätzlich eine Rechtsgrundlage nach Art. 6 (ggf. Art. 9) und – bei Dienstleistern – einen AV-Vertrag nach Art. 28 (sog. Zwei-Stufen-Prüfung).

Die Länderliste im Detail (Stand 10/2026)

| Empfänger | Rechtsakt | Besonderheit | |---|---|---| | Schweiz | Entscheidung 2000/518/EG (EUR-Lex) | Altbeschluss nach RL 95/46/EG; überprüft 2024 | | Kanada | Entscheidung 2002/2/EG (EUR-Lex) | nur kommerzielle Organisationen (PIPEDA) | | Argentinien | Entscheidung 2003/490/EG (EUR-Lex) | Altbeschluss | | Guernsey | Entscheidung 2003/821/EG (EUR-Lex) | Kronbesitz | | Isle of Man | Entscheidung 2004/411/EG (EUR-Lex) | Kronbesitz | | Jersey | Entscheidung 2008/393/EG (EUR-Lex) | Kronbesitz | | Färöer | Beschluss 2010/146/EU (EUR-Lex) | — | | Andorra | Beschluss 2010/625/EU (EUR-Lex) | — | | Israel | Beschluss 2011/61/EU (EUR-Lex) | — | | Uruguay | Durchführungsbeschluss 2012/484/EU (EUR-Lex) | — | | Neuseeland | Durchführungsbeschluss 2013/65/EU (EUR-Lex) | — | | Japan | Durchführungsbeschluss (EU) 2019/419 (EUR-Lex) | erster Beschluss nach DSGVO; gegenseitig; überprüft 04.04.2023 | | Republik Korea | Durchführungsbeschluss (EU) 2022/254 (EUR-Lex) | angenommen 17.12.2021; überprüft und bestätigt 23.07.2026 | | Vereinigtes Königreich | Durchführungsbeschlüsse (EU) 2021/1772 (DSGVO) und 2021/1773 (JI-RL), verlängert durch (EU) 2025/2574 und (EU) 2025/2571 vom 19.12.2025 | bis 27.12.2031; einziger Beschluss auch für Strafverfolgungssektor | | USA | Durchführungsbeschluss (EU) 2023/1795 (EUR-Lex) | nur DPF-zertifizierte Unternehmen | | Europäische Patentorganisation | Durchführungsbeschluss (EU) 2025/1382 vom 15.07.2025 (EUR-Lex; EU-Kommission) | erster Beschluss für eine internationale Organisation | | Brasilien | Durchführungsbeschluss (EU) 2026/179 vom 26.01.2026 (EUR-Lex; EU-Kommission, IP/26/229) | gegenseitig; Brasilien erkennt EU per ANPD-Entscheidung an |

Wichtig – kein Angemessenheitsbeschluss besteht u. a. für Indien, China, Russland, Türkei, Australien, Singapur, die Vereinigten Arabischen Emirate und die Philippinen. Übermittlungen dorthin brauchen SCC (Durchführungsbeschluss (EU) 2021/914), BCR (Art. 47) oder – nur ausnahmsweise – Art. 49.

Prüfungsmaßstab und Verfahren

Seit Schrems I (EuGH, Urteil vom 06.10.2015, C-362/14) muss das Schutzniveau im Drittland dem der EU „der Sache nach gleichwertig" sein – nicht identisch. Entscheidend ist nach Art. 45 Abs. 2 insbesondere, wie Behörden auf Daten zugreifen (Massenüberwachung, Rechtsschutz für EU-Bürger). An diesem Punkt scheiterten Safe Harbor (Schrems I) und der Privacy Shield (Schrems II, EuGH, Urteil vom 16.07.2020, C-311/18).

Das Verfahren dauert typischerweise Jahre: Kommissionsentwurf, nicht bindende Stellungnahme des EDSA, Zustimmung des Ausschusses der Mitgliedstaaten nach Art. 93 Abs. 2 DSGVO (Prüfverfahren), Annahme durch die Kommission. Europäisches Parlament und Rat können jederzeit verlangen, dass die Kommission einen Beschluss beibehält, ändert oder aufhebt.

Überwachung, Aussetzung und Rechtsschutz

Nachweispflichten für Anwender (Beweislast)

Der Verantwortliche trägt nach Art. 5 Abs. 2 DSGVO (Rechenschaftspflicht) die Beweislast für die Rechtmäßigkeit der Übermittlung. In der Praxis heißt das:

  1. Empfängerland dokumentieren – im Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten (Art. 30 Abs. 1 lit. e) und ggf. lit. d DSGVO).
  2. Übermittlungsinstrument benennen – z. B. „Angemessenheitsbeschluss Schweiz" oder „DPF-Zertifizierung, geprüft am …".
  3. Betroffene informieren – Art. 13 Abs. 1 lit. f / Art. 14 Abs. 1 lit. f: Hinweis auf das Vorhandensein oder Fehlen eines Angemessenheitsbeschlusses.
  4. USA: DPF-Zertifizierung des konkreten Empfängers in der offiziellen Liste (dataprivacyframework.gov) prüfen und Datum festhalten; Zertifizierungen können auslaufen.
  5. Notfallplan: Für wichtige Drittland-Dienstleister vorsorglich SCC vereinbaren, falls ein Beschluss wegfällt.

Sanktionen: Verstöße gegen Art. 44–49 fallen in die obere Bußgeldstufe (Art. 83 Abs. 5 lit. c). Die bisher höchste DSGVO-Geldbuße – 1,2 Mrd. EUR gegen Meta Platforms Ireland (irische DPC, Mai 2023) – betraf unzulässige US-Übermittlungen. Hinzu kommen Schadensersatzansprüche nach Art. 82 und Anordnungen zur Aussetzung von Datenflüssen (Art. 58 Abs. 2 lit. j).

Häufige Fehler

Änderungsverlauf

Stand

Quellen

Letzte Änderung:
2026-10-10
Letzte Prüfung:
2026-10-10
In Kraft seit:
2018-05-25
Status:
In Kraft
Quellen-Autorität:
A
Lizenz:
CC BY 4.0