eIDAS 2.0 (VO 2024/1183) – EU Digital Identity Wallet, EUDI-Wallet 2026 In Kraft
Kernfakten
| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | Verordnung (EU) 2024/1183 vom 11.04.2024 |
| Vorgänger | Verordnung (EU) 910/2014 (eIDAS 1.0) |
| In Kraft | 20.05.2024 |
| Wallet-Bereitstellung durch MS | Innerhalb von 24 Monaten nach Inkrafttreten der Durchführungsrechtsakte nach Art. 5a Abs. 23 und Art. 5c Abs. 6 [Art. 5a Abs. 1] – DVO (EU) 2024/2977 ff. (ABl. 04.12.2024) in Kraft 24.12.2024 → bis 24.12.2026 |
| Durchführungsrechtsakte | Erste fünf DVO vom 28.11.2024 (u. a. 2024/2977, 2024/2979, 2024/2981, 2024/2982); weitere u. a. DVO (EU) 2025/848 (Registrierung vertrauender Beteiligter); Änderungen 2026 (u. a. 2026/1731) ohne Friständerung |
| Nutzung kostenfrei | Ausstellung, Verwendung und Widerruf für natürliche Personen kostenlos [Art. 5a Abs. 13]; qualifizierte e-Signatur kostenlos (MS dürfen auf nichtgewerbliche Zwecke beschränken) [Art. 5a Abs. 5 Buchst. g] |
| Freiwilligkeit für Bürger | Ja, keine Wallet-Pflicht; andere Identifizierungsmittel bleiben möglich [Art. 5a Abs. 15] |
| Selektive Datenoffenlegung | Ja [Art. 5a Abs. 4 Buchst. a] |
| Akzeptanz-Pflicht öffentliche Stellen | Wo für Online-Dienste elektronische Identifizierung verlangt wird [Art. 5f Abs. 1] |
| Akzeptanz-Pflicht private Anbieter mit starker Nutzerauthentifizierung | U. a. Banken/Finanzdienste, Verkehr, Energie, Gesundheit, Telekommunikation (ohne Kleinst-/Kleinunternehmen), auf Verlangen des Nutzers, spätestens 36 Monate nach Inkrafttreten der DRA → 24.12.2027 [Art. 5f Abs. 2] |
| Akzeptanz-Pflicht sehr große Online-Plattformen (DSA) | Wenn Nutzerauthentifizierung verlangt wird: Wallet akzeptieren, nur auf Verlangen des Nutzers und nur mit Mindestdaten [Art. 5f Abs. 3] |
| Attribute-based Credentials | Ja (z. B. Altersnachweis ohne Geburtsdatum) |
| Interoperabilität EU-weit | Ja, Wallets aller MS sind von öffentlichen Stellen zu akzeptieren [Art. 5f Abs. 1] |
| Zertifizierung Wallet | Verpflichtend [Art. 5c; DVO (EU) 2024/2981] |
| Aufsicht DE | Nach Regierungsentwurf DIdG: Bundesnetzagentur (Aufsicht Wallet-Rahmen, Art. 46a), BSI (Zertifizierung, Sicherheit) |
| Verhältnis zu Personalausweis | Personalausweis bleibt weiter offiziell; Wallet ist ergänzendes digitales Instrument |
| Deutsche Durchführung | Regierungsentwurf „Digitale Identitätengesetz – DIdG" als Gesetzentwurf der Bundesregierung eingebracht (BT-Drs. 21/7408 vom 29.07.2026) |
Was ändert sich gegenüber eIDAS 1.0?
Die alte eIDAS-Verordnung von 2014 regelte hauptsächlich elektronische Vertrauensdienste (elektronische Signatur, Siegel, Zeitstempel) und grenzüberschreitende Anerkennung nationaler eID-Systeme (z. B. deutscher nPA, italienische SPID). eIDAS 2.0 ergänzt das um ein konkretes einheitliches Instrument — die EUDI-Wallet — und macht deren Nutzung für zentrale Dienste (Plattformen, Banken) verpflichtend zur Akzeptanz. Zusätzlich werden neue Vertrauensdienste eingeführt (u. a. elektronische Archivierung, elektronische Attributsbescheinigungen, elektronische Vorgangsregister). Die alten Regelungen zu Signatur, Siegel etc. bleiben grundsätzlich bestehen.
Was die Wallet können muss
Die EUDI-Wallet muss laut Verordnung insbesondere:
- Persönliche Identitätsdaten (Name, Vorname, Geburtsdatum, Geburtsort) sicher speichern
- Elektronische Attributsbescheinigungen (z. B. Studienabschluss, Führerscheinstatus, Meldedaten) integrieren
- Qualifizierte elektronische Signaturen erzeugen können (rechtlich gleichwertig zur handschriftlichen Unterschrift)
- Zero-Knowledge-Proofs bzw. selektive Offenlegung unterstützen (Altersverifikation ohne Geburtsdatum)
- Interoperabel mit Wallets anderer EU-Staaten sein
- Verschlüsselte lokale Speicherung auf dem Gerät (keine zentrale EU-Datenbank aller Bürger)
- Zertifizierung nach hohem Sicherheitsniveau (Cybersecurity Act)
Was das für Nutzer bedeutet
- Beim Autokauf online: Personalausweis-Foto in die Wallet, Alter + Wohnsitz an den Händler senden
- Beim Vertragsabschluss: qualifizierte elektronische Signatur direkt aus der Wallet
- Beim Boarding am Flughafen: Führerschein-Nachweis ohne physische Karte
- Bei Online-Bank-Kontoeröffnung: EUDI-Wallet-Identifizierung statt VideoIdent
- Bei Alterskontrolle (z. B. Alkohol-Bestellung, Erwachseneninhalte): „Ich bin über 18" ohne Geburtsdatum
- Bei grenzüberschreitenden Online-Diensten: Identifizierung bei Behörden anderer EU-Staaten mit der eigenen Wallet (Grenzkontrollen und Reisedokumente regelt die eIDAS-VO nicht)
Was das für Unternehmen bedeutet
Sehr große Online-Plattformen (VLOPs nach DSA — z. B. Amazon, Google, Meta): müssen, soweit sie eine Nutzerauthentifizierung verlangen, die EUDI-Wallet auf Verlangen des Nutzers als eine Authentifizierungsmethode akzeptieren und dürfen dabei nur die Mindestdaten anfordern (Art. 5f Abs. 3).
Private Anbieter mit Pflicht zur starken Nutzerauthentifizierung (gesetzlich oder vertraglich, u. a. Banken und Finanzdienste, Verkehr, Energie, Gesundheit, Post, Telekommunikation, Bildung): müssen die Wallet spätestens ab 24.12.2027 auf Verlangen des Nutzers akzeptieren (Art. 5f Abs. 2). Kleinst- und kleine Unternehmen sind ausgenommen.
Öffentliche Stellen in allen EU-Staaten: müssen die Wallet für Online-Dienste akzeptieren, wo elektronische Identifizierung verlangt wird (Art. 5f Abs. 1).
Alle anderen (z. B. Mittelständler ohne SCA-Pflicht, Vereine): dürfen die Wallet nutzen, sind aber nicht akzeptanzpflichtig.
Häufige Fehler
- „Die Wallet wird verpflichtend." Falsch — für Bürger freiwillig (Art. 5a Abs. 15). Wer will, nutzt weiter Personalausweis.
- „Ein zentraler EU-Server speichert alle meine Daten." Falsch — die Wallet läuft dezentral auf dem Smartphone. Der Staat sieht nicht, welche Daten der Nutzer an wen weitergibt.
- „Nach 2026 ist der Personalausweis abgeschafft." Falsch — Personalausweis bleibt weiter offizielles Ausweisdokument. Die Wallet ist ein zusätzliches Instrument.
- „Jede Firma muss die Wallet akzeptieren." Falsch — akzeptanzpflichtig sind Behörden, VLOPs (bei Nutzerauthentifizierung) und private Anbieter mit Pflicht zur starken Nutzerauthentifizierung (ab 24.12.2027; ohne Kleinst-/Kleinunternehmen). Andere Unternehmen können weiter klassische Methoden nutzen.
- „Die Wallet kann alles ersetzen — auch Reisepass und Führerschein-Plastik." Differenziert — die Wallet enthält digitale Nachweise. Physische Dokumente bleiben bestehen; ob ein digitaler Nachweis im Einzelfall die Vorlage des Originals ersetzt, richtet sich nach dem jeweiligen Fachrecht.
Änderungsverlauf
- 2026-07-15: Tote Quellen-URL ersetzt (automatischer Faktencheck, HTTP 200 mit Browser-UA verifiziert). | change_type=source_url_fix field="sources" old="https://www.bsi.bund.de/DE/Themen/Oeffentliche-Verwaltung/eIDAS/eIDAS_node.html" new="https://www.bsi.bund.de/DE/Themen/Oeffentliche-Verwaltung/Elektronische-Identitaeten/elektronische-identitaeten_node.html" reviewed_by="Nexvyra Faktencheck-Bot"
- 2026-07-14: Tote Quellen-URL ersetzt (automatischer Faktencheck, HTTP 200 verifiziert). | change_type=source_url_fix field="sources" old="https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Fachthemen/ElektronischeVertrauensdienste/start.html" new="https://www.bundesnetzagentur.de/EVD/DE/Home/start.html" reviewed_by="Nexvyra Faktencheck-Bot"
- 2026-07-13: Erstveröffentlichung durch EU-Recht-Bot. Wallet-Bereitstellung Herbst 2026 dokumentiert, VLOP/Bank-Akzeptanzpflicht klargestellt, Verhältnis zu Personalausweis erläutert. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Nexvyra EU-Recht-Bot"
- 2026-10-14: Faktencheck (Status war stale). Geprüft gegen Wortlaut Art. 5a und 5f eIDAS-VO i. d. F. 2024/1183 (gesetze.legal-Spiegel des Amtstexts), ABl.-Daten der DVO (EU) 2024/2977 (ABl. 04.12.2024, umwelt-online-Fundstellennachweis), Garrigues (30.09.2026) zu Fristen und Folge-DVO 2026, BT-Drs. 21/7408 (DIdG). Korrekturen: Wallet-Frist „Herbst 2026" -> 24.12.2026 (24 Monate nach Inkrafttreten DRA am 24.12.2024); kostenfrei Art. 5a Abs. 1 -> Abs. 13; Freiwilligkeit Abs. 3 -> Abs. 15; selektive Offenlegung Abs. 4 Buchst. d -> Buchst. a; VLOP-/Bank-Akzeptanz Art. 5b -> Art. 5f Abs. 3 bzw. Abs. 2 (Banken: nicht „AMLD", sondern Pflicht zur starken Nutzerauthentifizierung, Frist 24.12.2027, ohne Kleinst-/Kleinunternehmen; VLOP nur bei verlangter Authentifizierung, auf Nutzerwunsch); Interoperabilität Art. 5c -> Art. 5f Abs. 1; Zertifizierung „Anhang V" -> Art. 5c/DVO 2024/2981; „BSI-Projekt EUDI-Wallet Deutschland" -> Regierungsentwurf DIdG (BNetzA Aufsicht, BSI Zertifizierung); Grenzübertritts- und PDF/QR-Aussagen entschärft; neue Vertrauensdienste „Elektronische-Konto-Attribute-Bescheinigungen" -> elektronische Attributsbescheinigungen/elektronische Vorgangsregister. | change_type=factcheck field="factcheck_status" old="stale" new="ok" reviewed_by="Claude (Freigabe-Aufholer 14.10.2026)"
Siehe auch
- [DSGVO Art. 15 – Auskunftsrecht](/fakten/dsgvo-auskunftsrecht-art-15.html)
- [EU DSA – Digital Services Act](/fakten/dsa-verordnung-plattform-nutzerrechte.html)
- [EU Data Act (2023/2854)](/fakten/eu-data-act-2023-2854.html)
Stand
- Stand: 2026-10-14
- Gültig ab: 2024-05-20 (Inkrafttreten VO)
- Wallet-Bereitstellung: bis 24.12.2026; Akzeptanzpflicht private Anbieter mit SCA-Pflicht: bis 24.12.2027
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (VO 2024/1183, EU-Kommission, BSI, BNetzA)
- Lizenz: CC BY 4.0
Quellen
- Verordnung (EU) 2024/1183 – Volltext EUR-Lex: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32024R1183
- Verordnung (EU) 910/2014 (eIDAS 1.0) – Volltext EUR-Lex: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32014R0910
- EU-Kommission – EU Digital Identity Wallet: https://commission.europa.eu/strategy-and-policy/priorities-2019-2024/europe-fit-digital-age/european-digital-identity_de
- BSI – EUDI-Wallet Deutschland: https://www.bsi.bund.de/DE/Themen/Oeffentliche-Verwaltung/Elektronische-Identitaeten/elektronische-identitaeten_node.html
- Bundesnetzagentur – Vertrauensdienste eIDAS: https://www.bundesnetzagentur.de/EVD/DE/Home/start.html
- Gesetzentwurf der Bundesregierung „Digitale Identitätengesetz – DIdG", BT-Drs. 21/7408 vom 29.07.2026: https://dserver.bundestag.de/btd/21/074/2107408.pdf