Digital Markets Act (DMA, VO 2022/1925) – Gatekeeper-Pflichten und Nutzerrechte 2026
Digital Markets Act (DMA, VO 2022/1925) – Gatekeeper-Pflichten und Nutzerrechte 2026
Kurzantwort
Der Digital Markets Act (DMA, Verordnung (EU) 2022/1925) ist seit 02.05.2023 in Kraft und seit 06.03.2024 vollständig anwendbar. Er reguliert große Torwächter-Plattformen („Gatekeeper") mit strukturell wettbewerbsverzerrender Marktmacht. Die EU-Kommission hat aktuell sieben Gatekeeper benannt: Alphabet (Google), Amazon, Apple, ByteDance (TikTok), Meta (Facebook/Instagram/WhatsApp), Microsoft, Booking.com. Für jeden Gatekeeper werden bestimmte Core Platform Services (CPS) designiert (App Stores, Messaging, Suchmaschinen, soziale Netze, Video-Sharing etc.). Gatekeeper unterliegen 21 Do's-and-Don'ts (Art. 5-7): Interoperabilität (Messaging, Payment), Verbot der Selbstpräferenzierung, Verbot der Datenkombination aus verschiedenen Diensten ohne Einwilligung, freie App-Store-Wahl, freie Standard-Browser-Wahl, Entkopplung von Diensten. Sanktionen: bis 10 % des weltweiten Jahresumsatzes (Art. 30), 20 % bei Wiederholung. Strukturelle Maßnahmen (Aufspaltung) bei systematischen Verstößen möglich (Art. 18).
Kernfakten
| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | Verordnung (EU) 2022/1925 vom 14.09.2022 |
| Inkrafttreten | 02.05.2023 |
| Vollständig anwendbar seit | 06.03.2024 |
| Anzahl Gatekeeper aktuell | 7 (Alphabet, Amazon, Apple, ByteDance, Meta, Microsoft, Booking.com) |
| Erste Benennung | 05.09.2023 |
| Quantitative Schwelle Umsatz | Jahresumsatz ≥ 7,5 Mrd € in EU (letzte 3 Jahre) [Art. 3 Abs. 2 Buchst. a] |
| Quantitative Schwelle Nutzer | ≥ 45 Mio monatlich aktive EU-Nutzer + ≥ 10.000 EU-Geschäftskunden/Jahr |
| Anwendungsdauer Benennung | 5 Jahre (wiederholte Prüfung) |
| Core Platform Services (CPS) | Suchmaschinen, Onlinevermittlungsdienste, soziale Netze, Videosharing, Messaging, Betriebssysteme, App-Stores, Browser, virtuelle Assistenten, Werbedienste, Cloud-Dienste |
| Sanktion Standard | Bis 10 % Weltjahresumsatz [Art. 30 Abs. 1] |
| Sanktion Wiederholung | Bis 20 % Weltjahresumsatz [Art. 30 Abs. 2] |
| Zwangsgeld | Bis 5 % Tagesumsatz [Art. 31] |
| Strukturelle Trennungsanordnung | Bei systematischen Verstößen möglich [Art. 18] |
| Zuständig für Vollzug | EU-Kommission (nicht nationale Behörden) |
| Umsetzungsfrist Gatekeeper | 6 Monate ab Benennung |
Geltungsbereich
Der DMA gilt nur für benannte Gatekeeper — Unternehmen, die bestimmte quantitative Schwellen erreichen und eine gefestigte, dauerhafte Position auf dem Binnenmarkt haben (Art. 3 Abs. 1). Die Kommission benennt in einem formalisierten Verfahren; die Unternehmen müssen sich selbst anzeigen, wenn sie die Schwellen erreichen (Art. 3 Abs. 3).
Aktuell benannt:
- Alphabet (Google): Google Search, Google Ads, Google Maps, Google Play, Google Shopping, Chrome, YouTube, Android
- Amazon: Amazon Marketplace, Amazon Ads
- Apple: App Store, iOS, Safari, iPadOS
- ByteDance: TikTok
- Meta: Facebook, Instagram, WhatsApp, Messenger, Meta Marketplace, Meta Ads
- Microsoft: Windows, LinkedIn (Ads nicht designiert)
- Booking.com: Onlinevermittlungsdienst Reisen (seit Mai 2024)
Zentrale Gatekeeper-Pflichten (Art. 5, 6, 7)
Was Gatekeeper MÜSSEN (Art. 6):
- Interoperabilität ihrer Number-Independent Interpersonal Communications Services — Messaging-Apps müssen Nachrichten von anderen Anbietern empfangen und senden können (Meta hat WhatsApp bereits für Third-Party-Messaging geöffnet)
- Zugang zu Unternehmensdaten für gewerbliche Nutzer, die die Gatekeeper-Plattform verwenden
- Faire und diskriminierungsfreie App-Store-Konditionen
- Alternative Payment-Systeme in App-Stores zulassen (Apple-Reaktion: Änderung der App-Store-Richtlinien Anfang 2024)
- Deinstallation vorinstallierter Apps ermöglichen (Betriebssysteme)
- Bereitstellung von Werbe-Performance-Daten an Ad-Käufer
Was Gatekeeper NICHT DÜRFEN (Art. 5):
- Datenkombination ihrer Kern-Dienste ohne separate Nutzer-Einwilligung
- Selbstpräferenzierung bei Ranking eigener Angebote (Google Shopping oben, andere unten – verboten)
- Nutzung von Nutzerdaten des Dienstes für konkurrierende eigene Angebote
- Anti-Steering — Gewerbliche Nutzer dürfen Kunden auf günstigere Kanäle außerhalb der Plattform hinweisen
- Verhinderung des Datenexports durch Business-Nutzer
- Kopplung von Kern-Diensten (z. B. iOS zwingt zu Safari – DMA-Widerspruch)
Nutzerrechte durch DMA – konkret 2026
Für Verbraucher:
- Bei WhatsApp: Third-Party-Messaging möglich (aktuell Signal-Interop noch in Rollout)
- Bei iOS: Alternative App-Stores installierbar (in EU seit iOS 17.4), Standardbrowser wählen
- Bei Android: Deinstallation von Google Apps möglich, alternative App-Stores
- Bei Google Search: Fair Ranking, keine Selbstpräferenzierung Google Shopping
- Bei Chrome/Safari: Standardbrowser-Wahl-Dialog bei Erst-Setup
Für gewerbliche Nutzer (SMBs):
- Preisvergleich — Kunden auf günstigere Alternativkanäle hinweisen erlaubt
- Datenexport — eigene Kunden-/Umsatzdaten vom Gatekeeper mitnehmen
- Payment-Freiheit — eigenes Zahlungssystem in App / auf Marketplace nutzen
- Beschwerden bei EU-Kommission (nicht nationale Behörden)
Aktuelle DMA-Verfahren 2026
Die EU-Kommission führt aktuell mehrere Nichtkonformitäts-Verfahren:
- Apple (App Store) — Vorwurf: Steering-Beschränkungen für App-Entwickler
- Google Search — Vorwurf: Selbstpräferenzierung Google Shopping
- Meta (Pay-or-Consent-Modell) — Vorwurf: Zwang zur Datenkombination-Zustimmung
Bußgelder in Milliarden-Höhe wurden bereits verhängt (Apple 500 Mio €, Meta 200 Mio € – jeweils 2025).
Häufige Fehler
- „DMA gilt automatisch für alle großen Plattformen." Falsch — nur für förmlich benannte Gatekeeper. Neubenennungen prüft die Kommission jährlich.
- „Gatekeeper zahlen bei Verstoß nur 10 %." Nicht ganz — 10 % bei Erstverstoß, 20 % bei Wiederholung (Art. 30 Abs. 2). Zusätzlich Zwangsgeld bis 5 %/Tag.
- „Nationale Wettbewerbsbehörden entscheiden." Falsch — ausschließlich die EU-Kommission ist zuständig. Nationale Behörden (Bundeskartellamt) können unterstützen, aber nicht direkt sanktionieren.
- „Interoperabilität WhatsApp ↔ Signal ist bereits verfügbar." Differenziert — Meta hat die API bereitgestellt, aber Signal/Threema sind noch in Prüfung wegen Ende-zu-Ende-Verschlüsselungs-Fragen.
- „Der DMA verbietet Werbung." Falsch — er verbietet nur Datenkombination ohne Einwilligung und Selbstpräferenzierung in Werbung.
- „Booking.com ist keine Plattform, sondern Reisevermittler." Ist DMA-technisch dennoch als Gatekeeper benannt (seit Mai 2024) — DMA gilt für Onlinevermittlungsdienste unabhängig vom Branchenlabel.
Quellen
- Verordnung (EU) 2022/1925 (DMA) – Volltext EUR-Lex: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32022R1925
- EU-Kommission – DMA-Portal: https://digital-markets-act.ec.europa.eu/index_en
- Liste der Gatekeeper: https://digital-markets-act.ec.europa.eu/gatekeepers_en
- Wettbewerbs-Untersuchungen aktuell: https://digital-markets-act-cases.ec.europa.eu/
- Bundeskartellamt – Digitalmärkte: https://www.bundeskartellamt.de/DE/DigitalWirtschaft/digitalewirtschaft_node.html
Änderungsverlauf
- 2026-07-02: Erstveröffentlichung als EU-Welle-Topic. Aktuell 7 Gatekeeper (nach Booking.com-Benennung 05/2024). Sanktionen 10 % / 20 % Weltjahresumsatz. Interoperabilitätspflichten Messaging + App-Stores dokumentiert. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"
Siehe auch
Stand
- Stand: 2026-07-02
- Gültig ab: 2023-05-02 (Inkrafttreten), volle Anwendung 2024-03-06
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (EUR-Lex, EU-Kommission)
- Lizenz: CC BY 4.0