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EU-Zollreform Kleinsendungen (VO 2026/382) – 150-€-Zollfreigrenze abgeschafft, 3 € Pauschalzoll je Warenposition seit 01.07.2026 In Kraft

Inhaltlich verantwortlich: Andreas Warkentin (warepoint-media GbR) · letzte Änderung: 2026-10-09 · letzte Prüfung: 2026-10-09 · Quellen-Autorität A Fehler melden ✉
Kurzantwort Seit dem **1. Juli 2026** gibt es die **Zollbefreiung für Sendungen bis 150 Euro** in der EU nicht mehr. Die **Verordnung (EU) 2026/382** des Rates vom 11.02.2026 hat die bisherige Wertgrenze-Befreiung (Kapitel V von Titel II der Verordnung (EG) Nr. 1186/2009) gestrichen. Übergangsweise gilt bis zum **1. Juli 2028** ein **Pauschalzoll von 3 Euro je Warenposition** ("item") für Sendungen mit einem Sachwert bis insgesamt 150 Euro ([EUR-Lex, VO 2026/382](https://eur-lex.europa.eu/legal-content/EN/TXT/HTML/?uri=OJ:L_202600382)). Die Zählweise ist wichtig: Der Zoll fällt **nicht pro Stück**, sondern pro **Warenposition nach Zolltarif**. Fünf T-Shirts gleicher Tarifierung kosten 3 Euro, ein T-Shirt plus eine Uhr kosten 6 Euro ([EU-Kommission](https://commission.europa.eu/news-and-media/news/ensuring-fairness-and-safety-eur3-customs-duty-low-value-parcels-2026-06-29_en)). Als **EU-Verordnung** gilt sie in Deutschland unmittelbar. Ein nationales Umsetzungsgesetz ist nicht nötig. Schuldner ist in der Regel nicht der Verbraucher, sondern der **Verkäufer, die Plattform oder der Spediteur/Vertreter**, der die Zollanmeldung abgibt. Verbraucher haften nur in Restfällen.

Kernfakten

PunktWert
RechtsaktVerordnung (EU) 2026/382 des Rates vom 11.02.2026 zur Änderung der VO (EG) Nr. 1186/2009 ("Abschaffung der wertgrenzenbasierten Zollbefreiung"), veröffentlicht im ABl. L am 18.02.2026
Art. 1Kapitel V von Titel II der VO (EG) Nr. 1186/2009 wird gestrichen (Wegfall der 150-€-Zollbefreiung)
Art. 23 EUR je Position in einer Sendung mit Sachwert von insgesamt max. 150 EUR, vom 01.07.2026 bis 01.07.2028
Voraussetzung (alternativ)(a) Einfuhr ist nach Art. 143 Abs. 1 Buchst. ca MwSt-Richtlinie 2006/112/EG mehrwertsteuerbefreit (IOSS), oder (b) Ware in Postsendung i. S. v. Art. 1 Nr. 24 der VO (EU) 2015/2446
Definition "Position"Waren mit gleicher Tarifierung und Beschreibung (ggf. gleichem Ursprung); gleiche Position auf getrennten Anmeldezeilen zählt mehrfach (Delegierte VO (EU) 2026/1022)
Ergänzende RechtsakteDelegierte VO (EU) 2026/1022 (ändert UZK-DA 2015/2446); Durchführungsverordnung (EU) 2026/1200 (UZK-DVO) vom 05.06.2026, ABl. L 2026/1200 vom 08.06.2026, gilt ab 01.07.2026
Anwendungab 01.07.2026 (Art. 4)
Ende01.07.2028 (Verlängerung möglich, wenn der EU-Zolldatenhub dann nicht betriebsbereit ist)
ÜberwachungKommission berichtet bis zum 01.10.2026 und danach monatlich über Handelsumlenkungen (Art. 3 Abs. 1) und kann Ausweitung auf alle Waren bis 150 € vorschlagen; Bericht zur IT-Infrastruktur bis 01.12.2027 (Art. 3 Abs. 2)
Produktkennungen (PID)freiwillig ab 01.07.2026, verpflichtend ab 01.11.2026 (je Position)
Handling Feenicht Teil dieser VO; Rechtsgrundlage im neuen Zollkodex (Art. 20 Abs. 2 VO (EU) 2026/2108 vom 16.09.2026, ABl. 19.09.2026); Höhe noch nicht im Amtsblatt festgesetzt (Kommissionsentwurf C(2026) 6694 vom 21.09.2026: 2 € je Warenposition, liegt Rat und Parlament zur Prüfung vor)
Hintergrund-Zahlen4,6 Mrd. Kleinsendungen in die EU im Jahr 2024, 91 % aus China (Rat der EU)
Zuständigkeit DEZollverwaltung (GZD); Erhebung über ATLAS (neue Codes u. a. F53, Präferenzcode 5)

Geltungsbereich

Erfasst sind Fernverkäufe aus Drittländern an Privatkunden mit einem Sachwert der Sendung bis 150 Euro. Dazu zählen Bestellungen bei Online-Marktplätzen und Shops außerhalb der EU. Maßgeblich ist die neu gefasste Definition „Waren in Postsendungen“ (Art. 1 Nr. 24 Delegierte VO 2015/2446 i. d. F. der Delegierten VO 2026/1022): Sie umfasst alle Fernverkaufswaren bis 150 Euro – unabhängig vom Zusteller und vom Mehrwertsteuerverfahren.

Nicht erfasst bzw. anders behandelt:

Detail: So rechnet sich der Zoll

  1. Die Sendung wird nach Tarifnummern aufgeteilt. Jede unterschiedliche Position erhält 3 Euro.
  2. Beispiel Rat der EU: 1 Seidenbluse + 2 Wollblusen = zwei Positionen = 6 Euro.
  3. Beispiel Kommission: 5 T-Shirts = 3 Euro; 3 T-Shirts + 1 Uhr = 6 Euro.
  4. Die vereinfachte Zollwertermittlung ist bei Pauschalverzollung nicht anwendbar.
  5. Der Zoll wird vom Anmelder geschuldet: IOSS-Nutzer, Plattform, Verkäufer, Spediteur oder indirekter Vertreter. Die Delegierte VO 2026/1022 stellt die Verantwortung für H1/H6/H7-Anmeldungen darauf ab. Verbraucher kommen nur als nachrangige Option in Betracht.
  6. Ob der Händler den Zoll an Sie weiterreicht (Preisaufschlag), ist eine Preisgestaltungsfrage. Gesetzlich ist der Verbraucher im Regelfall nicht Zollschuldner.

Für Verkäufer, Plattformen und Spediteure: Nachweis- und Compliance-Pflichten

Häufige Fehler

  1. "3 Euro pro Paket." – Falsch. Es sind 3 Euro je Warenposition (Tarifnummer).
  2. "3 Euro pro Stück." – Falsch. Fünf gleiche T-Shirts sind eine Position.
  3. "Der Verbraucher zahlt beim Zusteller." – Nur in Restfällen. Regelfall ist der Verkäufer/Plattform als Anmelder.
  4. "Dann entfällt die Mehrwertsteuer-Pflicht." – Nein, USt/IOSS bleibt zusätzlich.
  5. "Ab 2026 gilt die Handling Fee von 2 Euro." – Noch nicht in Kraft. Die Rechtsgrundlage steht seit September 2026 im neuen Zollkodex (Art. 20 Abs. 2 VO (EU) 2026/2108); der Betrag von 2 Euro je Warenposition ist bisher nur ein Kommissionsentwurf (C(2026) 6694), der noch von Rat und Parlament geprüft wird.
  6. "Gilt dauerhaft." – Nein, bis 01.07.2028; danach soll der EU-Zolldatenhub greifen, es sei denn, die Frist wird verlängert.
  7. "Gilt auch für Käufe im EU-Ausland." – Nein, nur für Einfuhren aus Drittländern.

Ausblick 2026–2028

Änderungsverlauf

Stand

Quellen

Letzte Änderung:
2026-10-09
Letzte Prüfung:
2026-10-09
In Kraft seit:
2026-07-01
Status:
In Kraft
Quellen-Autorität:
A
Lizenz:
CC BY 4.0