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Testamentsvollstreckung (§§ 2197–2228 BGB) – Aufgaben, Vergütung, Testamentsvollstreckerzeugnis In Kraft

Inhaltlich verantwortlich: Andreas Warkentin (warepoint-media GbR) · letzte Änderung: 2026-10-01 · letzte Prüfung: 2026-10-01 · Quellen-Autorität A Fehler melden ✉
Kurzantwort Mit der **Testamentsvollstreckung** ordnet der Erblasser an, dass eine von ihm bestimmte Person – der **Testamentsvollstrecker** – seinen letzten Willen ausführt und den Nachlass verwaltet. Der Erblasser ernennt den Testamentsvollstrecker durch **Testament** (**§ 2197 Abs. 1 BGB**). Das Amt beginnt erst mit der **Annahme** durch Erklärung gegenüber dem **Nachlassgericht** (§ 2202 BGB). Kernaufgabe ist es, die letztwilligen Verfügungen **zur Ausführung zu bringen** (§ 2203 BGB), bei mehreren Erben die **Auseinandersetzung** zu bewirken (§ 2204 BGB) und den Nachlass zu **verwalten** (§ 2205 BGB). Der Testamentsvollstrecker kann über Nachlassgegenstände **verfügen**; der Erbe ist insoweit in seiner Verfügungsmacht **beschränkt** (§ 2211 BGB). Für seine Tätigkeit steht ihm eine **angemessene Vergütung** zu, sofern der Erblasser nichts anderes bestimmt (§ 2221 BGB). Als Nachweis seiner Stellung erhält er auf Antrag ein **Testamentsvollstreckerzeugnis** vom Nachlassgericht (§ 2368 BGB).

Kernfakten

PunktWert
Rechtsgrundlage Ernennung§ 2197 BGB [gesetze-im-internet.de]
Ernennung durch Dritten / Nachlassgericht§§ 2198, 2200 BGB
AmtsbeginnMit Annahme durch Erklärung gegenüber dem Nachlassgericht [§ 2202 BGB]
KernaufgabeLetztwillige Verfügungen zur Ausführung bringen [§ 2203 BGB]
Auseinandersetzung unter Miterben§ 2204 BGB
Verwaltungs- und Verfügungsrecht§ 2205 BGB (unentgeltliche Verfügungen grds. unwirksam)
Verfügungsbeschränkung des Erben§ 2211 BGB
Prozessführung über verwalteten NachlassNur durch Testamentsvollstrecker [§ 2212 BGB]
Nachlassverzeichnis für den Erben§ 2215 BGB (unverzüglich mitzuteilen)
Ordnungsmäßige Verwaltung§ 2216 BGB
RechnungslegungBei länger dauernder Verwaltung auf Verlangen des Erben jährlich [§ 2218 Abs. 2 BGB]; Auskunft und Rechenschaft nach § 2218 Abs. 1 iVm § 666 BGB
Haftung bei Pflichtverletzung§ 2219 BGB
Zwingendes Recht (nicht abbedingbar)§§ 2215, 2216, 2218, 2219 [§ 2220 BGB]
VergütungAngemessene Vergütung, falls Erblasser nichts anderes bestimmt [§ 2221 BGB]
Dauervollstreckung§ 2209 BGB
Höchstdauer Dauervollstreckung30 Jahre ab Erbfall (mit Ausnahmen) [§ 2210 BGB]
Mehrere TestamentsvollstreckerGemeinschaftliche Amtsführung [§ 2224 BGB]
Erlöschen des AmtesTod (§ 2225), Kündigung (§ 2226), Entlassung durch Nachlassgericht (§ 2227)
Nachweis der StellungTestamentsvollstreckerzeugnis [§ 2368 BGB]
Verfahren des Zeugnisses§ 354 FamFG (Erbschein-Vorschriften entsprechend)
Geschäftswert Zeugnis20 % des Nachlasswerts im Todeszeitpunkt (ohne Abzug von Verbindlichkeiten) [§ 40 Abs. 5 GNotKG]
Gebühr ZeugnisVolle Gebühr, KV 12210 GNotKG

Geltungsbereich

Die §§ 2197 ff. BGB gelten, wenn deutsches Erbrecht anwendbar ist. Die Ernennung setzt nach § 2197 Abs. 1 BGB ein wirksames Testament voraus. Zum Testamentsvollstrecker kann grundsätzlich jede geschäftsfähige natürliche Person, aber auch eine juristische Person (z. B. eine Bank) berufen werden; unwirksam ist die Ernennung, wenn die Person zur Zeit des Amtsantritts geschäftsunfähig oder in der Geschäftsfähigkeit beschränkt ist oder nach § 1814 BGB zur Besorgung ihrer Vermögensangelegenheiten einen Betreuer erhalten hat (§ 2201 BGB). Der Ernannte ist zur Übernahme nicht verpflichtet: Das Amt beginnt erst mit der Annahme, die – wie die Ablehnung – durch Erklärung gegenüber dem Nachlassgericht erfolgt und erst nach dem Erbfall abgegeben werden kann (§ 2202 Abs. 2 BGB). Eine Annahme- oder Ablehnungserklärung unter einer Bedingung oder Zeitbestimmung ist unwirksam (§ 2202 Abs. 2 Satz 2 BGB).

Aufgaben und Befugnisse

Der gesetzliche Regelfall der Abwicklungsvollstreckung verpflichtet den Testamentsvollstrecker, den Nachlass abzuwickeln: letztwillige Anordnungen ausführen, Vermächtnisse und Auflagen erfüllen, bei mehreren Erben die Auseinandersetzung herbeiführen (§§ 2203, 2204 BGB). Dazu hat er den Nachlass in Besitz zu nehmen und ist berechtigt, über die Nachlassgegenstände zu verfügen (§ 2205 BGB). Unentgeltliche Verfügungen sind grundsätzlich unwirksam, es sei denn, sie entsprechen einer sittlichen Pflicht oder dem Anstand.

Solange die Verwaltung dauert, kann der Erbe über einen der Verwaltung unterliegenden Nachlassgegenstand nicht verfügen (§ 2211 BGB), und Ansprüche, die zum verwalteten Nachlass gehören, kann nur der Testamentsvollstrecker gerichtlich geltend machen (§ 2212 BGB). Zugleich schützt § 2214 BGB den Nachlass davor, dass Eigengläubiger des Erben auf die der Verwaltung unterliegenden Gegenstände zugreifen.

Zum Schutz des Erben treffen den Testamentsvollstrecker mehrere Pflichten: Er muss dem Erben unverzüglich nach der Annahme des Amts ein Verzeichnis der seiner Verwaltung unterliegenden Nachlassgegenstände und der bekannten Nachlassverbindlichkeiten mitteilen (§ 2215 Abs. 1 BGB), für eine ordnungsmäßige Verwaltung sorgen (§ 2216 BGB) und ist zur Auskunft und Rechenschaft verpflichtet, bei länger dauernder Verwaltung auf Verlangen zur jährlichen Rechnungslegung (§ 2218 Abs. 2 BGB, Auskunft/Rechenschaft über § 2218 Abs. 1 iVm § 666 BGB). Bei schuldhafter Pflichtverletzung haftet er dem Erben und den Vermächtnisnehmern auf Schadensersatz (§ 2219 BGB). Diese Kernpflichten (§§ 2215, 2216, 2218, 2219 BGB) kann der Erblasser nicht abbedingen (§ 2220 BGB).

Dauervollstreckung und ihre zeitliche Grenze

Neben der Abwicklungsvollstreckung erlaubt § 2209 BGB die Dauer(verwaltungs)vollstreckung: Der Erblasser kann anordnen, dass der Testamentsvollstrecker den Nachlass verwaltet, ohne dass es zur Auseinandersetzung kommt – etwa um minderjährige oder unerfahrene Erben zu schützen oder ein Unternehmen fortzuführen. Für diese Anordnung gilt eine Höchstdauer: Sie wird nach § 2210 BGB unwirksam, wenn seit dem Erbfall dreißig Jahre verstrichen sind. Der Erblasser kann jedoch anordnen, dass die Verwaltung bis zum Tod des Erben oder des Testamentsvollstreckers oder bis zum Eintritt eines anderen Ereignisses in der Person des einen oder des anderen fortdauert – dann greift die 30-Jahres-Grenze nicht.

Vergütung des Testamentsvollstreckers

Nach § 2221 BGB kann der Testamentsvollstrecker für die Führung seines Amtes eine angemessene Vergütung verlangen, sofern der Erblasser nichts anderes bestimmt hat. Das Gesetz nennt keine feste Höhe. Zur Bestimmung der Angemessenheit haben sich in der Praxis Vergütungstabellen etabliert, die jedoch keine Rechtsnormen, sondern bloße Orientierungshilfen sind – am bekanntesten die Vergütungsempfehlungen des Deutschen Notarvereins (Fassung 2025, zur Anwendung empfohlen für Erbfälle ab dem 1.1.2025; Vorgänger war die seit dem Jahr 2000 verbreitete „Neue Rheinische Tabelle"). Sie sehen nach dem Nachlasswert gestaffelte Grundvergütungen sowie Zu- und Abschläge nach der Komplexität vor, mit Sonderregeln für Dauervollstreckung und Unternehmensverwaltung. Der Erblasser kann die Vergütung im Testament abweichend regeln, erhöhen, senken oder ganz ausschließen.

Das Testamentsvollstreckerzeugnis (§ 2368 BGB)

Zum Nachweis seiner Amtsstellung erhält der Testamentsvollstrecker auf Antrag ein Testamentsvollstreckerzeugnis vom Nachlassgericht (§ 2368 BGB). Auf das Verfahren finden nach § 354 FamFG die Vorschriften über den Erbschein entsprechende Anwendung. Nach § 2368 Satz 2 BGB finden die Vorschriften über den Erbschein auf das Zeugnis entsprechende Anwendung. Beschränkungen des Testamentsvollstreckers sind im Zeugnis anzugeben (§ 354 Abs. 2 FamFG). Es wird kraftlos, sobald das Amt endet.

Die Kosten richten sich nach dem GNotKG: Der Geschäftswert beträgt nach § 40 Abs. 5 GNotKG 20 Prozent des Nachlasswerts im Zeitpunkt des Erbfalls, wobei Nachlassverbindlichkeiten nicht abgezogen werden. Für die Erteilung des ersten Zeugnisses fällt eine volle Gebühr nach Nr. 12210 KV GNotKG an; ist zusätzlich eine eidesstattliche Versicherung aufzunehmen, entsteht dafür eine weitere Gebühr.

Häufige Fehler

Änderungsverlauf

Stand

Quellen

Letzte Änderung:
2026-10-01
Letzte Prüfung:
2026-10-01
In Kraft seit:
1900-01-01
Status:
In Kraft
Quellen-Autorität:
A
Lizenz:
CC BY 4.0