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Forderungsabtretung an ein Inkassounternehmen (§§ 398 ff. BGB)

Inhaltlich verantwortet von Andreas Warkentin (warepoint-media GbR) · zuletzt geprüft am 2026-08-09 · Quellenautorität A (amtliche Primärquelle) Fehler melden ✉
Prozess- & Vollstreckungsrecht Inkasso Forderungsabtretung Zession § 398 BGB § 404 BGB Deutschland Status: in Kraft
Kurzantwort Bei der Abtretung (Zession) überträgt der bisherige Gläubiger eine Forderung durch Vertrag auf einen neuen Gläubiger; mit Vertragsschluss tritt der neue Gläubiger an die Stelle des alten (§ 398 BGB). Inkassounternehmen werden auf zwei Wegen tätig: Entweder ziehen sie die Forderung im Namen des Gläubigers ein (Einziehungsauftrag/Inkassovollmacht) oder sie kaufen die Forderung auf und lassen sie sich abtreten (Forderungskauf). Für Schuldnerinnen und Schuldner ist entscheidend: Die Abtretung ändert nichts am Inhalt der Forderung. Alle Einwendungen und Einreden, die zur Zeit der Abtretung gegen den alten Gläubiger bestanden – etwa Erfüllung, Mängel, ein Widerruf oder die Verjährung –, bleiben auch gegenüber dem neuen Gläubiger erhalten (§ 404 BGB). Solange der Schuldner die Abtretung nicht kennt, wirkt eine Zahlung an den bisherigen Gläubiger weiterhin schuldbefreiend (§ 407 BGB). Wer nur eine Abtretungsanzeige ohne Nachweis erhält, kann bei Abtretung durch privatschriftliche Urkunde die Leistung verweigern, bis ihm die Abtretungsurkunde vorgelegt wird (§ 410 BGB). Die Abtretung selbst braucht keine besondere Form und ist auch ohne Zustimmung des Schuldners wirksam.

Kernfakten

PunktWert
Abtretung (§ 398 BGB)Übertragung einer Forderung vom bisherigen auf einen neuen Gläubiger durch Vertrag; der neue Gläubiger tritt an die Stelle des alten
Zustimmung des SchuldnersNicht erforderlich; die Abtretung wirkt auch ohne Mitwirkung des Schuldners
FormGrundsätzlich formfrei (keine Schrift-/Textform vorgeschrieben, soweit nicht ausnahmsweise gesetzlich/vertraglich angeordnet)
Abtretungsverbot (§ 399 BGB)Ausgeschlossen bei Inhaltsänderung oder bei vereinbartem Abtretungsverbot – im Handelsverkehr aber § 354a HGB beachten
Nebenrechte (§ 401 BGB)Bürgschaft, Pfandrecht, Hypothek und Vorzugsrechte gehen mit der Forderung auf den neuen Gläubiger über
Einwendungen bleiben (§ 404 BGB)Der Schuldner kann dem neuen Gläubiger alle Einwendungen entgegensetzen, die zur Zeit der Abtretung gegen den bisherigen bestanden
Aufrechnung (§ 406 BGB)Eine Gegenforderung gegen den alten Gläubiger kann unter den Voraussetzungen des § 406 auch gegenüber dem neuen aufgerechnet werden
Zahlung an Altgläubiger (§ 407 BGB)Solange der Schuldner die Abtretung nicht kennt, wirken Leistung und Rechtsgeschäfte gegenüber dem bisherigen Gläubiger gegen den neuen
Abtretungsanzeige (§ 409 BGB)Zeigt der alte Gläubiger die Abtretung an, muss er sie gegen sich gelten lassen – auch wenn sie nicht erfolgt oder unwirksam ist
Urkundenvorlage (§ 410 BGB)Bei Abtretung ohne öffentlich beglaubigte Anzeige kann der Schuldner die Leistung verweigern, bis ihm die Abtretungsurkunde vorgelegt wird
VerjährungDie Abtretung setzt die Verjährung nicht neu in Gang; die Regelverjährung (3 Jahre, §§ 195, 199 BGB) läuft unverändert weiter

Zwei Rollen des Inkassos: Bevollmächtigter oder neuer Gläubiger

Ein Inkassounternehmen kann in zwei rechtlich sehr unterschiedlichen Rollen auftreten. Im Einziehungsauftrag bleibt der ursprüngliche Gläubiger Inhaber der Forderung; das Inkasso zieht das Geld nur in dessen Namen ein und handelt aufgrund einer Inkassovollmacht. Beim Forderungskauf hingegen wird die Forderung nach § 398 BGB an das Inkassounternehmen (oder einen Forderungskäufer) abgetreten – es wird damit selbst neuer Gläubiger und macht die Forderung im eigenen Namen geltend.

Für die Verteidigung gegen eine Inkassoforderung ist diese Unterscheidung wichtig: Wer im eigenen Namen fordert, muss auf Verlangen die Aktivlegitimation – also die wirksame Abtretung – darlegen. Bei bloßem Einzug im fremden Namen richtet sich die Forderung weiter nach dem Verhältnis zum ursprünglichen Gläubiger. In beiden Fällen gilt: Die Berechtigung dem Grunde und der Höhe nach (Hauptforderung, Zinsen, Kosten) sollte geprüft werden, bevor gezahlt oder etwas unterschrieben wird.

Die Abtretung ändert den Inhalt der Forderung nicht (§ 404 BGB)

Der zentrale Schutz des Schuldners steht in § 404 BGB: Er kann dem neuen Gläubiger die Einwendungen entgegensetzen, die zur Zeit der Abtretung gegen den bisherigen Gläubiger begründet waren. Die Forderung wandert also „mit allen Fehlern" zum neuen Gläubiger. Dazu zählen insbesondere der Einwand, die Forderung sei bereits erfüllt (bezahlt), sie bestehe wegen Mängeln oder eines Widerrufs gar nicht, es sei ein Vergleich geschlossen worden – und vor allem die Einrede der Verjährung. Ein Forderungskäufer kann sich also nicht auf einen „gutgläubigen Erwerb" einer nicht bestehenden Forderung berufen; einen solchen kennt das deutsche Zessionsrecht grundsätzlich nicht.

Auch die Aufrechnung bleibt geschützt: Nach § 406 BGB kann der Schuldner eine ihm gegen den alten Gläubiger zustehende Gegenforderung unter bestimmten Voraussetzungen auch gegenüber dem neuen Gläubiger aufrechnen. Ausgeschlossen ist das nur, wenn er die Gegenforderung erst nach Kenntnis der Abtretung erworben hat oder sie später fällig wurde als die abgetretene Forderung.

Zahlung an den alten Gläubiger und Schutz des Nichtwissenden (§§ 407, 409, 410 BGB)

Erfährt der Schuldner nichts von der Abtretung, darf er weiter an den bisherigen Gläubiger leisten. Nach § 407 BGB muss der neue Gläubiger eine solche Zahlung – und ebenso Rechtsgeschäfte wie Stundung oder Erlass zwischen Schuldner und Altgläubiger – gegen sich gelten lassen, sofern der Schuldner die Abtretung bei Leistung nicht kannte. Der gutgläubige Schuldner wird dadurch vor doppelter Inanspruchnahme geschützt.

Umgekehrt bindet eine Abtretungsanzeige den anzeigenden Gläubiger: Teilt der bisherige Gläubiger dem Schuldner mit, er habe die Forderung abgetreten, muss er die angezeigte Abtretung gegen sich gelten lassen, selbst wenn sie in Wirklichkeit nicht oder nicht wirksam erfolgt ist (§ 409 BGB). Und bei einer Abtretung, die nur durch privatschriftliche Urkunde nachgewiesen wird, kann der Schuldner die Leistung an den neuen Gläubiger verweigern, bis ihm dieser die vom bisherigen Gläubiger ausgestellte Abtretungsurkunde vorlegt (§ 410 BGB). Ein bloßes Anschreiben „Wir haben die Forderung erworben" ohne Nachweis reicht dafür nicht aus.

Was mitübergeht – und was die Verjährung macht

Mit der Forderung gehen nach § 401 BGB auch die abhängigen Sicherungs- und Vorzugsrechte über: eine Bürgschaft, ein Pfandrecht oder eine Hypothek. Der neue Gläubiger erwirbt die Forderung also einschließlich ihrer Sicherheiten. Der bisherige Gläubiger ist nach § 402 BGB verpflichtet, die nötige Auskunft zu erteilen und die zum Beweis dienenden Urkunden auszuliefern.

Auf die Verjährung hat der bloße Gläubigerwechsel keinen Einfluss: Die Abtretung ist kein Anerkenntnis des Schuldners und setzt die Frist daher nicht neu in Gang. Es läuft weiterhin die für Alltagsforderungen übliche dreijährige Regelverjährung (§§ 195, 199 Abs. 1 BGB), gerechnet ab dem Schluss des Jahres, in dem der Anspruch entstanden ist und der Gläubiger von den Umständen Kenntnis erlangt hat. Eine bereits verjährte Forderung wird durch die Abtretung nicht „wieder frisch". Vorsicht ist aber bei der eigenen Reaktion geboten: Eine Teilzahlung oder eine unterschriebene Ratenzahlung an das Inkasso kann als Anerkenntnis nach § 212 Abs. 1 Nr. 1 BGB die Verjährung neu beginnen lassen.

Häufige Fehler

Quellen

Stand:
2026-08-09
Status:
aktuell (geltendes Recht)
Quellenautorität:
A
Lizenz:
CC BY 4.0