Pflegegrade und Pflegegeld 2026 (SGB XI) – Höhe, Voraussetzungen, Antrag
Pflegegrade und Pflegegeld 2026 (SGB XI) – Höhe, Voraussetzungen, Antrag
Kurzantwort
Die Pflegeversicherung nach SGB XI kennt seit dem Pflegestärkungsgesetz II (01.01.2017) fünf Pflegegrade (1-5). Der Grad wird per Begutachtung durch den Medizinischen Dienst (MD) ermittelt — anhand des Neuen Begutachtungsassessments (NBA) in sechs Modulen (Mobilität, kognitive Fähigkeiten, Verhalten, Selbstversorgung, Umgang mit Krankheitsanforderungen, Alltag). Zum 01.01.2026 wurden die Geldleistungen an die Pflegestärkungsgesetz-Novelle 2024 angepasst: Pflegegeld bei häuslicher Pflege durch Angehörige liegt je nach Grad zwischen 347 € (PG 2) und 990 € (PG 5) monatlich. Pflegesachleistungen (ambulanter Pflegedienst) zwischen 796 € (PG 2) und 2.299 € (PG 5). Vollstationäre Pflege wird mit 125 € (PG 1) bis 2.096 € (PG 5) übernommen. Der Antrag wird bei der Pflegekasse gestellt (angebunden an die Krankenkasse) — der MD begutachtet innerhalb von 25 Arbeitstagen (bei Krankenhausaufenthalt: 1 Woche).
Kernfakten
| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | Elftes Buch Sozialgesetzbuch (SGB XI) |
| Reform-Basis | Pflegestärkungsgesetz II (PSG II) vom 21.12.2015, gilt seit 01.01.2017 |
| Aktuelle Anpassung | Pflegestärkungsgesetz-Novelle 2024, Leistungserhöhung 5 % zum 01.01.2025 und 4,5 % zum 01.01.2028 (geplant) |
| Anzahl Pflegegrade | 5 |
| Begutachtungsverfahren | Neues Begutachtungsassessment (NBA), 6 Module [§ 15 SGB XI] |
| Pflegegrad 1 – Selbstständigkeit gering beeinträchtigt | 12,5 bis < 27 NBA-Punkte |
| Pflegegrad 2 – erheblich beeinträchtigt | 27 bis < 47,5 NBA-Punkte |
| Pflegegrad 3 – schwer beeinträchtigt | 47,5 bis < 70 NBA-Punkte |
| Pflegegrad 4 – schwerste Beeinträchtigung | 70 bis < 90 NBA-Punkte |
| Pflegegrad 5 – schwerste + besondere Anforderungen | ≥ 90 NBA-Punkte oder besonderer Bedarf |
| Pflegegeld PG 1 | 0 € (Entlastungsbetrag statt Pflegegeld) |
| Pflegegeld PG 2 | 347 €/Monat |
| Pflegegeld PG 3 | 599 €/Monat |
| Pflegegeld PG 4 | 800 €/Monat |
| Pflegegeld PG 5 | 990 €/Monat |
| Pflegesachleistung PG 2 | 796 €/Monat |
| Pflegesachleistung PG 3 | 1.497 €/Monat |
| Pflegesachleistung PG 4 | 1.859 €/Monat |
| Pflegesachleistung PG 5 | 2.299 €/Monat |
| Vollstationäre Pflege PG 1 | 125 €/Monat (Zuschuss) |
| Vollstationäre Pflege PG 2 | 805 €/Monat |
| Vollstationäre Pflege PG 3 | 1.319 €/Monat |
| Vollstationäre Pflege PG 4 | 1.855 €/Monat |
| Vollstationäre Pflege PG 5 | 2.096 €/Monat |
| Entlastungsbetrag (alle PG 1-5) | 131 €/Monat, zweckgebunden |
| Verhinderungspflege | Bis 1.685 €/Jahr für bis zu 8 Wochen [§ 39 SGB XI] |
| Kurzzeitpflege | Bis 1.854 €/Jahr für bis zu 8 Wochen [§ 42 SGB XI] |
| Kombinationsleistung (Geld + Sach) | Prozentual möglich [§ 38 SGB XI] |
| Frist Begutachtung | 25 Arbeitstage (regulär), 1 Woche im Krankenhaus [§ 18 SGB XI] |
| Bei Fristversäumnis Pflegekasse | 70 €/Woche Verzugspauschale an Antragsteller |
Geltungsbereich
Die Pflegeversicherung nach SGB XI ist eine Pflichtversicherung für alle gesetzlich Krankenversicherten (§ 20 SGB XI) sowie für privat Versicherte in einer entsprechenden Pflegepflichtversicherung. Anspruch auf Leistungen hat, wer mindestens 2 Jahre in den letzten 10 Jahren vor dem Antrag Beiträge gezahlt hat (Vorversicherungszeit, § 33 SGB XI) — bei Kindern gilt die Vorversicherungszeit eines Elternteils. Für im EU-Ausland lebende Deutsche gelten die Regeln der VO (EG) 883/2004 zur sozialen Sicherheit (Koordinierung).
Was ist neu 2026
- Leistungserhöhung 5 % wurde zum 01.01.2025 durchgeführt und wirkt in den 2026er Beträgen
- Digitaler Antrag über die Portale der Pflegekassen jetzt Standard; Bearbeitung beschleunigt
- Pflegeunterstützungsgeld bei kurzfristiger Arbeitsverhinderung: erhöht auf 90 % des Netto-Lohnausfalls (§ 44a SGB XI) für bis zu 10 Arbeitstage pro Kalenderjahr
- Gemeinsamer Pflegepool aus Verhinderungs- und Kurzzeitpflege: seit 01.07.2025 können beide Leistungen bis zu 3.539 €/Jahr flexibel kombiniert werden
Antragsverfahren – Schritt für Schritt
Schritt 1 — Antrag stellen (formlos, Textform reicht) an die Pflegekasse des Versicherten. Adresse: gleiche Nummer wie Krankenkasse. Antragsdatum ist wichtig — Leistungen laufen ab Antragsmonat, nicht ab Bewilligung.
Schritt 2 — MD-Begutachtung. Der Medizinische Dienst (früher: MDK) meldet sich innerhalb weniger Wochen für einen Hausbesuch. Anwesend sein sollten: pflegebedürftige Person, ein Angehöriger (der Alltag kennt), ggf. der Hausarzt. Pflegetagebuch führen vor dem Termin — dokumentiert konkrete Unterstützungssituationen (Anziehen, Essen, Toilette, Medikamente).
Schritt 3 — Bescheid. Innerhalb 25 Arbeitstagen nach Antragseingang (§ 18 SGB XI). Bei Fristversäumnis: 70 €/Woche Verzugspauschale an den Antragsteller. Bescheid enthält Pflegegrad + Leistungshöhe.
Schritt 4 — Widerspruch bei Ablehnung. 1 Monat Frist ab Bescheidzustellung. Widerspruch schriftlich, Begründung optional. Kostenlos. Bei erneuter Ablehnung: Klage vor dem Sozialgericht — auch dort kostenfrei.
Schritt 5 — Höherstufung beantragen wenn sich Pflegebedarf verschlechtert. Formlos, gleiches Verfahren.
Häufige Fehler
- „Pflegegeld muss ich versteuern." Falsch — Pflegegeld an Angehörige ist steuerfrei nach § 3 Nr. 36 EStG, wenn es aus sittlicher Pflicht geleistet wird.
- „Der Entlastungsbetrag kann bar ausgezahlt werden." Falsch — der 131-€-Entlastungsbetrag ist zweckgebunden (Alltagshilfen, Betreuungsgruppen, haushaltsnahe Dienstleistungen). Nachweise erforderlich.
- „Bei Krankenhausaufenthalt ruht die Pflege." Differenziert — bei ambulanter Versorgung läuft das Pflegegeld weiter; bei stationären Aufenthalten über 4 Wochen ruht der Anspruch grundsätzlich (§ 34 SGB XI). Bei Reha meist keine Kürzung.
- „Pflegegeld und Pflegesachleistung schließen sich aus." Falsch — sie können als Kombinationsleistung anteilig bezogen werden (§ 38 SGB XI): z. B. 60 % Sachleistung + 40 % Pflegegeld.
- „Pflegegrad 1 bringt kein Geld." Differenziert — PG 1 hat kein Pflegegeld, aber Anspruch auf Entlastungsbetrag 131 €/Monat, Wohnraumanpassung bis 4.180 € und Pflegehilfsmittel bis 42 €/Monat pauschal.
Quellen
- SGB XI – Soziale Pflegeversicherung: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/
- § 15 SGB XI – Ermittlung des Grades der Pflegebedürftigkeit: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/__15.html
- § 18 SGB XI – Verfahren zur Feststellung: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/__18.html
- § 37 SGB XI – Pflegegeld: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/__37.html
- § 36 SGB XI – Pflegesachleistung: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/__36.html
- § 43 SGB XI – Vollstationäre Pflege: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/__43.html
- BMG – Pflegeversicherung: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/pflege.html
- GKV-Spitzenverband – Pflegekasse: https://www.gkv-spitzenverband.de/pflegeversicherung/pflegeversicherung.jsp
- Medizinischer Dienst Bund: https://www.md-bund.de/
Änderungsverlauf
- 2026-07-02: Erstveröffentlichung durch Gesundheit-Bot. Werte 2026 aus Pflegestärkungsgesetz-Novelle 2024 (Erhöhung 5 % zum 01.01.2025). Pflegegeld PG 2-5 zwischen 347 € und 990 €. Vollstationäre Pflege bis 2.096 €. Gemeinsamer Pflegepool Verhinderungs-+Kurzzeitpflege 3.539 €/Jahr seit 01.07.2025. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Nexvyra Gesundheit-Bot"
Siehe auch
Stand
- Stand: 2026-07-02
- Gültig ab: 2026-01-01 (Werte nach Pflegestärkungsgesetz-Novelle 2024)
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (SGB XI, BMG, GKV-Spitzenverband, MD Bund)
- Lizenz: CC BY 4.0