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Erbschaft beim Finanzamt anzeigen (§ 30 ErbStG) und Erbschaftsteuererklärung (§ 31 ErbStG) – Fristen, Inhalt, Folgen

Inhaltlich verantwortet von Andreas Warkentin (warepoint-media GbR) · zuletzt geprüft am 2026-08-25 · Quellenautorität A (amtliche Primärquelle) Fehler melden ✉

Kurzantwort

Wer erbt, muss den Erwerb nach § 30 Abs. 1 ErbStG binnen drei Monaten nach erlangter Kenntnis von dem Anfall dem für die Erbschaftsteuer zuständigen Finanzamt schriftlich anzeigen – und zwar unabhängig davon, ob am Ende überhaupt Steuer anfällt. Die Frist läuft ab der Kenntnis des Erwerbers, nicht ab dem Todestag. Eine Ausnahme enthält § 30 Abs. 3 S. 1 ErbStG: Beruht der Erwerb auf einer von einem deutschen Gericht, Notar oder Konsul eröffneten Verfügung von Todes wegen und ergibt sich daraus das Verhältnis zum Erblasser unzweifelhaft, entfällt die Anzeige – das gilt aber nicht, wenn zum Erwerb Grundbesitz, Betriebsvermögen, Anteile an Kapitalgesellschaften (soweit nicht schon nach § 33 ErbStG anzuzeigen) oder Auslandsvermögen gehört. Genau diese Rückausnahme wird in der Praxis am häufigsten übersehen: Wer eine Immobilie erbt, muss trotz eröffnetem notariellem Testament anzeigen.

Die Erbschaftsteuererklärung ist etwas anderes als die Anzeige. Sie ist nicht automatisch abzugeben: Nach § 31 Abs. 1 ErbStG kann das Finanzamt von jedem am Erbfall Beteiligten – „ohne Rücksicht darauf, ob er selbst steuerpflichtig ist" – die Abgabe einer Erklärung innerhalb einer von ihm zu bestimmenden Frist verlangen; diese Frist muss mindestens einen Monat betragen (§ 31 Abs. 1 S. 2 ErbStG). Erst diese Aufforderung löst die Erklärungspflicht aus. Mehrere Erben dürfen gemeinsam erklären (§ 31 Abs. 4 ErbStG); ist ein Testamentsvollstrecker oder Nachlassverwalter vorhanden, ist die Erklärung von diesem abzugeben (§ 31 Abs. 5 ErbStG), bei bestelltem Nachlasspfleger von diesem (§ 31 Abs. 6 ErbStG).

Zusätzlich melden Banken und Vermögensverwalter (§ 33 ErbStG) sowie Gerichte, Behörden und Notare (§ 34 ErbStG) von sich aus an das Finanzamt. Das Finanzamt erfährt vom Erbfall also in aller Regel ohnehin. Wer die Anzeige unterlässt, riskiert die Durchsetzung per Zwangsgeld (§§ 328 ff. AO) und – bei Vorsatz – den Vorwurf der Steuerhinterziehung durch Unterlassen (§ 370 Abs. 1 Nr. 2 AO) samt Hinterziehungszinsen (§ 235 AO) und verlängerter Festsetzungsfrist von zehn Jahren (§ 169 Abs. 2 S. 2 AO). Ein Verspätungszuschlag nach § 152 AO kommt dagegen nur für eine verspätete Steuererklärung in Betracht, nicht für die verspätete Anzeige – § 152 Abs. 1 AO setzt die Verletzung der Pflicht zur Abgabe einer Steuererklärung voraus, und die Anzeige nach § 30 ErbStG ist keine Steuererklärung.

Kernfakten

PunktWert
Rechtsgrundlage Anzeige§ 30 ErbStG – Anzeige des Erwerbs [gesetze-im-internet.de]
Anzeigefristdrei Monate nach erlangter Kenntnis von dem Anfall (§ 30 Abs. 1 ErbStG)
FristbeginnKenntnis des Erwerbers, nicht der Todestag
Formschriftlich an das für die Erbschaftsteuer zuständige Finanzamt (§ 30 Abs. 1 ErbStG); ein amtlicher Vordruck ist gesetzlich nicht vorgeschrieben
Anzeigepflichtigder Erwerber; bei Zweckzuwendung der Beschwerte (§ 30 Abs. 1 ErbStG); bei Schenkung zusätzlich der Schenker (§ 30 Abs. 2 ErbStG)
Anzeige entbehrlichErwerb beruht auf gerichtlich/notariell/konsularisch eröffneter Verfügung von Todes wegen und Verhältnis zum Erblasser ergibt sich unzweifelhaft (§ 30 Abs. 3 S. 1 Hs. 1 ErbStG)
Rückausnahme (Anzeige doch nötig)Grundbesitz, Betriebsvermögen, Anteile an Kapitalgesellschaften (nicht schon nach § 33 anzuzeigen) oder Auslandsvermögen im Erwerb (§ 30 Abs. 3 S. 1 Hs. 2 ErbStG)
Notariell beurkundete Schenkungkeine Anzeige nötig (§ 30 Abs. 3 S. 2 ErbStG)
Inhalt der AnzeigeName, Identifikationsnummer (§ 139b AO), Beruf, Wohnung von Erblasser/Schenker und Erwerber; Todestag/Sterbeort; Gegenstand und Wert des Erwerbs; Rechtsgrund; persönliches Verhältnis; frühere Zuwendungen nach Art, Wert, Zeitpunkt (§ 30 Abs. 4 Nr. 1–6 ErbStG)
Stiftung/Verein (§ 1 Abs. 1 Nr. 4)Anzeige binnen drei Monaten nach erstem Vermögensübergang (§ 30 Abs. 5 ErbStG)
Rechtsgrundlage Erklärung§ 31 ErbStG – Steuererklärung
Erklärungspflichtnur auf Aufforderung des Finanzamts (§ 31 Abs. 1 S. 1 ErbStG)
Mindestfrist Erklärungmindestens ein Monat (§ 31 Abs. 1 S. 2 ErbStG)
Inhalt der ErklärungVerzeichnis der Nachlassgegenstände und sonstige für Gegenstand und Wert des Erwerbs erforderliche Angaben (§ 31 Abs. 2 ErbStG)
Mehrere Erbenberechtigt, gemeinsam zu erklären; dann von allen Beteiligten zu unterschreiben (§ 31 Abs. 4 S. 1, 2 ErbStG)
Testamentsvollstrecker/NachlassverwalterErklärung ist von diesem abzugeben (§ 31 Abs. 5 S. 1 ErbStG)
Nachlasspflegerzur Abgabe verpflichtet (§ 31 Abs. 6 ErbStG)
SelbstberechnungFinanzamt kann Vordruck mit Selbstberechnung verlangen; Zahlung binnen eines Monats nach Abgabe (§ 31 Abs. 7 ErbStG)
Banken/VersichererAnzeige in der Regel binnen eines Monats ab Kenntnis vom Todesfall (§ 33 Abs. 1 S. 2 Nr. 1 ErbStG); Versicherer vor Auszahlung (§ 33 Abs. 3 ErbStG)
Verstoß durch BankenSteuerordnungswidrigkeit mit Geldbuße (§ 33 Abs. 4 ErbStG)
Gerichte/NotareAnzeige u. a. über Erbscheine, Europäische Nachlasszeugnisse, Testamentsvollstreckerzeugnisse, eröffnete Verfügungen von Todes wegen, beurkundete Schenkungen (§ 34 ErbStG)
Steuerschuldnerder Erwerber (§ 20 Abs. 1 ErbStG); der Nachlass haftet bis zur Auseinandersetzung (§ 20 Abs. 3 ErbStG)
Entstehung der Steuermit dem Tod des Erblassers (§ 9 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG); Sonderfälle: Pflichtteil erst mit Geltendmachung (Buchst. b), Nacherbfall (Buchst. h). Der Entstehungszeitpunkt ist zugleich Bewertungsstichtag (§ 11 ErbStG)
Zuständiges Finanzamtbei inländischem Erblasser: Finanzamt nach sinngemäßer Anwendung von § 19 Abs. 1, § 20 AO – im Regelfall am letzten Wohnsitz des Erblassers (§ 35 Abs. 1 ErbStG)
Festsetzungsfristvier Jahre (§ 169 Abs. 2 S. 1 Nr. 2 AO); fünf Jahre bei leichtfertiger Steuerverkürzung, zehn Jahre bei Steuerhinterziehung (§ 169 Abs. 2 S. 2 AO)
AnlaufhemmungFrist beginnt nicht vor Ablauf des Jahres, in dem der Erwerber Kenntnis vom Erwerb erlangt hat (§ 170 Abs. 5 Nr. 1 AO)
Stundung Wohnimmobilieauf Antrag bis zu zehn Jahre, bei Erwerb von Todes wegen zinslos (§ 28 Abs. 3 ErbStG)
Freibeträge 2026Ehegatte/eingetragener Lebenspartner 500.000 €, Kind 400.000 €, Enkel 200.000 € (§ 16 Abs. 1 ErbStG)

Anzeige und Erklärung sind zwei verschiedene Pflichten

Der häufigste Denkfehler im Erbfall: Anzeige und Steuererklärung werden verwechselt. Es sind zwei getrennte Schritte mit unterschiedlichen Auslösern und Fristen.

Schritt 1 – die Anzeige (§ 30 ErbStG). Sie ist eine Bringschuld des Erben. Niemand fordert dazu auf; die Frist von drei Monaten läuft von selbst. Die Anzeige ist bewusst formlos gehalten – ein schriftliches Schreiben genügt, ein amtlicher Vordruck ist im Gesetz nicht vorgeschrieben (viele Landesfinanzverwaltungen stellen dennoch Formulare bereit). Ihr Zweck ist allein, das Finanzamt in die Lage zu versetzen, den Fall zu prüfen.

Schritt 2 – die Steuererklärung (§ 31 ErbStG). Sie ist eine Holschuld des Finanzamts. Erst wenn das Finanzamt nach Auswertung der Anzeige (und der Kontrollmitteilungen nach §§ 33, 34 ErbStG) einen steuerpflichtigen Vorgang vermutet, fordert es zur Abgabe auf und setzt dafür eine Frist von mindestens einem Monat. Ohne diese Aufforderung besteht keine Pflicht zur Erbschaftsteuererklärung.

Praktisch heißt das: In der überwiegenden Zahl der Erbfälle – etwa wenn Kinder deutlich unter dem Freibetrag von 400.000 € erben – bleibt es bei der Anzeige. Eine Steuererklärung wird nie angefordert, und es ergeht auch kein Steuerbescheid.

Die Drei-Monats-Frist: ab wann läuft sie?

§ 30 Abs. 1 ErbStG knüpft an die „erlangte Kenntnis von dem Anfall" an – nicht an den Todestag. Das ist mehr als eine Formalie:

Diese Kenntnis-Anknüpfung findet sich spiegelbildlich in der Anlaufhemmung des § 170 Abs. 5 Nr. 1 AO: Die vierjährige Festsetzungsfrist (§ 169 Abs. 2 S. 1 Nr. 2 AO) beginnt bei einem Erwerb von Todes wegen nicht vor Ablauf des Kalenderjahres, in dem der Erwerber Kenntnis von dem Erwerb erlangt hat. Auf die Kenntnis der Finanzbehörde kommt es dabei nicht an. Ist die Kenntnis einmal eingetreten, ist die Wirkung der Anlaufhemmung „verbraucht" – sie kann sich nicht durch spätere Ereignisse erneut verlängern.

Wann die Anzeige entfällt – und wann eben doch nicht (§ 30 Abs. 3 ErbStG)

§ 30 Abs. 3 S. 1 ErbStG befreit von der Anzeige, wenn zwei Voraussetzungen zusammenkommen:

  1. Der Erwerb beruht auf einer von einem deutschen Gericht, deutschen Notar oder deutschen Konsul eröffneten Verfügung von Todes wegen (Testament oder Erbvertrag), und
  2. aus dieser Verfügung ergibt sich das Verhältnis des Erwerbers zum Erblasser unzweifelhaft.

Der Grund ist einleuchtend: Das Nachlassgericht bzw. der Notar meldet die Eröffnung ohnehin nach § 34 ErbStG an das Finanzamt. Eine zweite Meldung durch den Erben wäre überflüssig.

Die Rückausnahme in Halbsatz 2 hebt die Befreiung aber wieder auf, sobald zum Erwerb gehört:

Hier braucht das Finanzamt zusätzliche Angaben zur Bewertung, die aus dem Testament nicht hervorgehen. Wer also ein Haus erbt, muss anzeigen – selbst wenn ein notarielles Testament ordnungsgemäß eröffnet wurde.

§ 30 Abs. 3 S. 2 ErbStG stellt daneben klar: Ist eine Schenkung unter Lebenden oder eine Zweckzuwendung gerichtlich oder notariell beurkundet, entfällt die Anzeige ebenfalls – hier ohne Rückausnahme, weil der Notar nach § 34 ErbStG die Urkunde vollständig übermittelt.

Wichtig zur Abgrenzung: § 30 Abs. 3 S. 1 ErbStG knüpft an die Eröffnung der Verfügung an, nicht an die notarielle Form. Auch ein eigenhändiges Testament, das vom Nachlassgericht eröffnet wurde und aus dem sich das Verhältnis zum Erblasser unzweifelhaft ergibt, fällt unter die Befreiung. Beruht der Erwerb dagegen auf gesetzlicher Erbfolge – also ohne jede Verfügung von Todes wegen – oder lässt die eröffnete Verfügung das Verhältnis zum Erblasser nicht zweifelsfrei erkennen, bleibt es stets bei der Anzeigepflicht.

Was in die Anzeige gehört (§ 30 Abs. 4 ErbStG)

Das Gesetz formuliert als Soll-Vorschrift sechs Angaben:

  1. Vorname und Familienname, Identifikationsnummer (§ 139b AO), Beruf, Wohnung des Erblassers oder Schenkers und des Erwerbers;
  2. Todestag und Sterbeort des Erblassers bzw. Zeitpunkt der Ausführung der Schenkung;
  3. Gegenstand und Wert des Erwerbs;
  4. Rechtsgrund des Erwerbs – etwa gesetzliche Erbfolge, Vermächtnis, Ausstattung;
  5. persönliches Verhältnis des Erwerbers zum Erblasser oder Schenker – Verwandtschaft, Schwägerschaft, Dienstverhältnis;
  6. frühere Zuwendungen des Erblassers oder Schenkers an den Erwerber nach Art, Wert und Zeitpunkt der einzelnen Zuwendung.

Nummer 6 ist der Punkt, an dem die meisten Anzeigen unvollständig bleiben. Sie ist der Anknüpfungspunkt für § 14 ErbStG: Erwerbe derselben Person innerhalb von zehn Jahren werden zusammengerechnet, der persönliche Freibetrag steht insgesamt nur einmal je Zehnjahreszeitraum zur Verfügung. Wer eine Vorschenkung verschweigt, riskiert den Vorwurf einer unrichtigen Angabe über steuerlich erhebliche Tatsachen.

Da es sich um eine Soll-Vorschrift handelt, macht eine unvollständige Anzeige die Fristwahrung nicht per se unwirksam; das Finanzamt fragt dann nach. Fehlen jedoch die Angaben, die dem Finanzamt die Identifikation des steuerbaren Vorgangs überhaupt erst ermöglichen, kann die Anzeige ihre Wirkung verfehlen.

Wer die Erklärung abgibt (§ 31 Abs. 3–7 ErbStG)

Die Zuständigkeit für die Steuererklärung folgt der Nachlassorganisation:

Wichtig: Auch wenn ein Testamentsvollstrecker erklärt, bleibt Steuerschuldner der Erwerber (§ 20 Abs. 1 ErbStG). Der Nachlass haftet bis zur Auseinandersetzung für die Steuer der am Erbfall Beteiligten (§ 20 Abs. 3 ErbStG).

Das Finanzamt erfährt es ohnehin: Kontrollmitteilungen nach §§ 33, 34 ErbStG

§ 33 ErbStG – Banken, Vermögensverwalter, Versicherer. Wer sich geschäftsmäßig mit der Verwahrung oder Verwaltung fremden Vermögens befasst, hat die beim Tod des Erblassers zu dessen Vermögen gehörenden Gegenstände und Forderungen dem Erbschaftsteuerfinanzamt schriftlich anzuzeigen – „in der Regel: innerhalb eines Monats, seitdem der Todesfall dem Verwahrer oder Verwalter bekannt geworden ist" (§ 33 Abs. 1 S. 2 Nr. 1 ErbStG). Versicherungsunternehmen müssen anzeigen, bevor sie Versicherungssummen oder Leibrenten an einen anderen als den Versicherungsnehmer auszahlen (§ 33 Abs. 3 ErbStG). Zuwiderhandlungen sind Steuerordnungswidrigkeit und werden mit Geldbuße geahndet (§ 33 Abs. 4 ErbStG). Nach § 1 Abs. 4 ErbStDV darf die Anzeige unterbleiben, wenn der Wert der anzuzeigenden Wirtschaftsgüter 5.000 € nicht übersteigt.

§ 34 ErbStG – Gerichte, Behörden, Beamte, Notare. Sie haben über Beurkundungen, Zeugnisse und Anordnungen anzuzeigen, die für die Festsetzung der Erbschaftsteuer von Bedeutung sein können – namentlich die Erteilung von Erbscheinen, Europäischen Nachlasszeugnissen und Testamentsvollstreckerzeugnissen, Beschlüsse über Todeserklärungen, die Anordnung von Nachlasspflegschaften und Nachlassverwaltungen sowie die eröffneten Verfügungen von Todes wegen, abgewickelten Erbauseinandersetzungen und beurkundeten Schenkungen.

Die Vorstellung, ein Erbfall bleibe unbemerkt, wenn man selbst schweigt, ist damit unrealistisch. Bereits die Auflösung eines Bankkontos oder die Erteilung eines Erbscheins erzeugt eine Kontrollmitteilung.

Folgen der Fristversäumnis

SachverhaltFolge
Anzeige (§ 30 ErbStG) verspätet, ohne VorsatzZwangsgeld zur Durchsetzung (§§ 328 ff. AO) – setzt eine konkretisierende Aufforderung des Finanzamts voraus. Kein Verspätungszuschlag: § 152 Abs. 1 AO erfasst nur die Verletzung der Pflicht zur Abgabe einer Steuererklärung
Steuererklärung (§ 31 ErbStG) nach Aufforderung nicht abgegebenVerspätungszuschlag (§ 152 AO), Schätzung der Besteuerungsgrundlagen (§ 162 AO), Zwangsgeld
Nachträgliche Erkenntnis der UnrichtigkeitBerichtigungspflicht unverzüglich (§ 153 Abs. 1 AO)
Vorsätzliches VerschweigenSteuerhinterziehung durch Unterlassen (§ 370 Abs. 1 Nr. 2 AO); Hinterziehungszinsen 0,5 % je Monat (§§ 235, 238 AO)
Leichtfertiges Verschweigenleichtfertige Steuerverkürzung, Geldbuße (§ 378 AO)
Festsetzungsfriststatt vier Jahren fünf Jahre bei leichtfertiger Steuerverkürzung, zehn Jahre bei Steuerhinterziehung (§ 169 Abs. 2 S. 2 AO)
Rechtzeitige, vollständige NachmeldungSelbstanzeige mit strafbefreiender Wirkung möglich (§ 371 AO) – Sperrgründe beachten

Der Bundesfinanzhof hat zum Zinslauf bei einer durch Unterlassen der Anzeige begangenen Hinterziehung von Schenkungsteuer entschieden (BFH, Urteile vom 28.08.2019 – II R 7/17 und II R 8/17). Zur Anlaufhemmung nach Anzeigeerstattung liegt die Entscheidung BFH, Urteil vom 27.08.2025 – II R 1/23 vor.

Häufige Fehler

Geltungsbereich

Die Vorschriften gelten für alle nach § 1 ErbStG steuerbaren Vorgänge: Erwerbe von Todes wegen, Schenkungen unter Lebenden, Zweckzuwendungen und das Vermögen von Familienstiftungen/-vereinen. Bei unbeschränkter Steuerpflicht (§ 2 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG – Erblasser oder Erwerber ist Inländer) erfasst die Anzeige das Weltvermögen, bei beschränkter Steuerpflicht nur das Inlandsvermögen (§ 2 Abs. 1 Nr. 3 ErbStG). Örtlich zuständig ist nach § 35 Abs. 1 ErbStG – wenn der Erblasser zur Zeit seines Todes bzw. der Schenker zur Zeit der Zuwendung Inländer war – das Finanzamt, das sich bei sinngemäßer Anwendung von § 19 Abs. 1 und § 20 AO ergibt; das ist im Regelfall das Erbschaftsteuerfinanzamt am letzten Wohnsitz des Erblassers. Das Wohnsitzfinanzamt des Erben ist regelmäßig nicht zuständig; die Erbschaftsteuerfinanzämter sind in vielen Bundesländern zentralisiert. War der Erblasser kein Inländer und sind mehrere inländische Erwerber in verschiedenen Finanzamtsbezirken beteiligt, ist nach § 35 Abs. 2 Nr. 2 S. 2 ErbStG das Finanzamt zuständig, das zuerst mit der Sache befasst wird. Für Familienstiftungen und -vereine (§ 1 Abs. 1 Nr. 4 ErbStG) verweist § 30 Abs. 5 ErbStG auf das nach § 35 Abs. 4 ErbStG zuständige Finanzamt. Die Erbschaftsteuerfinanzämter sind in vielen Bundesländern zentralisiert; das Wohnsitzfinanzamt des Erben ist regelmäßig nicht zuständig.

Ausnahmen

Beispiel

Der Erblasser stirbt am 10. März 2026 in Köln. Er hinterlässt seiner Tochter ein Einfamilienhaus (Verkehrswert 520.000 €) und ein Bankdepot (80.000 €). Es existiert ein notarielles Testament, das das Nachlassgericht am 28. April 2026 eröffnet und der Tochter am 4. Mai 2026 zustellt.

Anzeige. Weil zum Erwerb Grundbesitz gehört, greift die Befreiung des § 30 Abs. 3 S. 1 ErbStG nicht. Die Tochter muss anzeigen. Die Drei-Monats-Frist läuft ab Kenntnis vom Anfall, also ab dem 4. Mai 2026 – Fristende 4. August 2026. Ein formloses Schreiben an das zuständige Erbschaftsteuerfinanzamt mit den Angaben nach § 30 Abs. 4 ErbStG genügt. Die Tochter gibt darin auch die Schenkung von 100.000 € an, die sie 2021 vom Vater erhalten hat (§ 30 Abs. 4 Nr. 6 ErbStG).

Kontrollmitteilungen. Die depotführende Bank meldet das Depot nach § 33 Abs. 1 ErbStG binnen eines Monats nach Kenntnis vom Todesfall; das Nachlassgericht meldet die Testamentseröffnung nach § 34 ErbStG.

Erklärung. Das Finanzamt wertet die Meldungen aus und fordert die Tochter im September 2026 zur Abgabe einer Erbschaftsteuererklärung mit einer Frist von zwei Monaten auf (§ 31 Abs. 1 ErbStG – zulässig, weil mindestens ein Monat). Erst jetzt entsteht die Erklärungspflicht.

Steuer. Die Rechenreihenfolge ist zu beachten: Zunächst wird die Bereicherung aus dem Erbfall 2026 ermittelt – Erwerb 600.000 € abzüglich der Erbfallkostenpauschale von 15.000 € (§ 10 Abs. 5 Nr. 3 S. 2 ErbStG, angehoben von 10.300 € durch das JStG 2024 für Erwerbe ab 01.01.2025) = 585.000 €. Erst dieser Betrag wird nach § 14 ErbStG mit der Vorschenkung von 2021 (mit ihrem damaligen Wert von 100.000 €) zusammengerechnet = 685.000 €. Auf diese Summe wird der Freibetrag von 400.000 € (§ 16 Abs. 1 Nr. 2 ErbStG) einmal angewandt. Bewertungsstichtag für den Erbfall ist der Todestag (§§ 9 Abs. 1 Nr. 1, 11 ErbStG), nicht der Tag der Erbauseinandersetzung. Kann die Tochter die Steuer nur durch Verkauf des selbstgenutzten oder vermieteten Wohnhauses aufbringen, kommt eine zinslose Stundung bis zu zehn Jahren nach § 28 Abs. 3 ErbStG in Betracht.

Quellen

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