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EU-Einwegkunststoffrichtlinie (RL 2019/904) – Plastikverbote, Kennzeichnung, Einwegkunststofffonds & Feuerwerk-Abgabe 2027 In Kraft

Inhaltlich verantwortlich: Andreas Warkentin (warepoint-media GbR) · letzte Änderung: 2026-10-12 · letzte Prüfung: 2026-10-12 · Quellen-Autorität A Fehler melden ✉
Kurzantwort Die **Richtlinie (EU) 2019/904** vom **5. Juni 2019** („Single-Use-Plastics-Richtlinie“, SUP-RL) soll die Umweltfolgen bestimmter Kunststoffprodukte verringern, vor allem die Vermüllung von Meeren und Landschaft. Sie wurde im **ABl. L 155 vom 12.06.2019, S. 1** veröffentlicht und ist am **2. Juli 2019** in Kraft getreten ([EUR-Lex, CELEX:32019L0904](https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/ALL/?uri=CELEX%3A32019L0904)). Sie arbeitet mit fünf Instrumenten: **Verbote** (z. B. Plastikbesteck, -teller, -trinkhalme, Styropor-Essensboxen, oxo-abbaubare Kunststoffe – seit **3. Juli 2021**), **Kennzeichnung** (z. B. Feuchttücher, Tampons, Zigarettenfilter, Getränkebecher – seit **3. Juli 2021**), **Produktanforderungen** (fest verbundene Deckel seit **3. Juli 2024**, Rezyklatanteil in PET-Flaschen **25 % ab 2025**, **30 % ab 2030**), **getrennte Sammlung** von Getränkeflaschen (**77 % bis 2025**, **90 % bis 2029**) und **erweiterte Herstellerverantwortung** (Hersteller zahlen für Reinigung und Entsorgung). Als **Richtlinie** gilt sie nicht unmittelbar. Deutschland hat sie über mehrere Verordnungen und Gesetze umgesetzt. Am stärksten spürbar ist heute die **Einwegkunststoffabgabe** nach dem **Einwegkunststofffondsgesetz (EWKFondsG)**: Hersteller zahlen jährlich pro Kilogramm, z. B. **8,972 €/kg** für Zigarettenfilter und **1,236 €/kg** für Getränkebecher ([§ 2 EWKFondsV](https://www.gesetze-im-internet.de/ewkfondsv/__2.html)). Ab **2027** kommen **Feuerwerkskörper mit Kunststoffteilen** hinzu. Der Referentenentwurf sieht **0,691 €/kg** vor (Anhörung bis 16.10.2026, noch nicht verkündet). Außerdem steigt ab **01.01.2027** die Schwelle für die Prüfpflicht der Jahresmeldung von **100 kg auf 10.000 kg**.

Kernfakten

PunktWert
EU-RechtsaktRichtlinie (EU) 2019/904 über die Verringerung der Auswirkungen bestimmter Kunststoffprodukte auf die Umwelt CELEX:32019L0904, [EUR-Lex]
Datum / Veröffentlichung05.06.2019, ABl. L 155 vom 12.06.2019, S. 1
Inkrafttreten02.07.2019 (20. Tag nach Veröffentlichung, Art. 18)
RechtsnaturRichtlinie → nationale Umsetzung nötig
Umsetzungsfrist03.07.2021 (Art. 17 Abs. 1)
Verbote (Art. 5, Anhang Teil B)anwendbar seit 03.07.2021
Kennzeichnung (Art. 7)anwendbar seit 03.07.2021
Fest verbundene Deckel (Art. 6 Abs. 1)Getränkebehälter bis 3 l, anwendbar seit 03.07.2024
Rezyklatanteil (Art. 6 Abs. 5)PET-Getränkeflaschen ≥ 25 % ab 2025; alle Getränkeflaschen ≥ 30 % ab 2030 (Durchschnitt je Mitgliedstaat)
Getrennte Sammlung (Art. 9)Getränkeflaschen bis 3 l: 77 % bis 2025, 90 % bis 2029
Verbrauchsminderung (Art. 4)Becher und To-go-Lebensmittelbehälter: messbare Minderung bis 2026 gegenüber 2022
Herstellerverantwortung (Art. 8)spätestens ab 31.12.2024; für Tabakfilter (Anhang Teil E Abschn. III) und ältere Systeme ab 05.01.2023
Sanktionen (Art. 14)legen die Mitgliedstaaten fest („wirksam, verhältnismäßig, abschreckend“)
EU-Bewertung (Art. 15)Kommission bis 03.07.2027, ggf. mit Gesetzgebungsvorschlag
DE: VerboteEWKVerbotsV, Bußgeld bis 100.000 €
DE: KennzeichnungEWKKennzV
DE: AbgabeEWKFondsG vom 11.05.2023 (BGBl. 2023 I Nr. 124) + EWKFondsV vom 11.10.2023 (BGBl. 2023 I Nr. 274)
DE: Meldefristjährlich 15. Mai für das Vorjahr, über die UBA-Plattform DIVID
DE: Bußgeld EWKFondsGbis 100.000 € (z. B. fehlende Registrierung, Anbieten von Produkten unregistrierter Hersteller), sonst bis 10.000 € (§ 26 Abs. 2 EWKFondsG)
DE: Änderung 2026Gesetz vom 13.07.2026 (BGBl. 2026 I Nr. 207, PPWR-Anpassungsgesetz) ändert EWKFondsG, EWKVerbotsV u. a.; Teile in Kraft am 12.08.2026 und 01.01.2027

Geltungsbereich

Die Richtlinie erfasst Einwegkunststoffartikel, also Produkte, die ganz oder teilweise aus Kunststoff bestehen und nicht für mehrfache Verwendung konzipiert sind. Dazu kommen Artikel aus oxo-abbaubarem Kunststoff und Fanggeräte, die Kunststoff enthalten (Art. 2). Welche Pflicht für welches Produkt gilt, regelt der Anhang in den Teilen A bis G.

Verpflichtete in Deutschland sind vor allem Hersteller im Sinne des § 3 Nr. 3 EWKFondsG: Wer im Inland niedergelassen ist und als Produzent, Befüller, Verkäufer oder Importeur gewerbsmäßig Einwegkunststoffprodukte erstmals auf dem deutschen Markt bereitstellt. Hersteller ist auch, wer im Ausland sitzt und per Fernabsatz direkt an Verbraucher oder andere Nutzer in Deutschland verkauft (BMUKN-FAQ). Betroffen sind damit Lebensmittel- und Getränkehersteller, Gastronomie- und To-go-Anbieter, die Verpackungen selbst befüllen, Importeure, Online-Händler sowie Betreiber von Marktplätzen und Fulfillment-Dienstleister.

Verbraucher sind nicht abgabepflichtig. Sie spüren die Richtlinie über verbotene Produkte, Hinweise auf Verpackungen, fest verbundene Deckel und Mehrwegangebote.

Detail: Was verboten ist (Art. 5 RL, § 3 EWKVerbotsV)

Seit dem 3. Juli 2021 dürfen folgende Produkte nicht mehr erstmals in Verkehr gebracht werden (§ 3 EWKVerbotsV):

  1. Wattestäbchen (außer Medizinprodukte),
  2. Besteck (Gabeln, Messer, Löffel, Essstäbchen),
  3. Teller,
  4. Trinkhalme (außer Medizinprodukte),
  5. Rührstäbchen,
  6. Luftballonstäbe (außer für industrielle oder gewerbliche Zwecke ohne Abgabe an Verbraucher),
  7. Lebensmittelbehälter aus expandiertem Polystyrol (Styropor) für den Sofortverzehr oder To-go,
  8. Getränkebehälter und Getränkebecher aus expandiertem Polystyrol, einschließlich Deckeln,
  9. alle Produkte aus oxo-abbaubarem Kunststoff.

Verboten ist das erstmalige Bereitstellen auf dem Markt. Ware, die vor dem Stichtag schon an Händler geliefert war, durfte abverkauft werden. Das gilt heute praktisch nicht mehr.

Detail: Kennzeichnung und Deckel (Art. 6, 7 RL)

Kennzeichnung (EWKKennzV, seit 03.07.2021): Hygieneeinlagen und Tampons (inkl. Applikatoren), Feuchttücher, Tabakprodukte mit Filtern und Getränkebecher tragen ein EU-einheitliches Piktogramm. Es weist darauf hin, dass das Produkt Kunststoff enthält, und warnt vor der Umweltschädigung durch Wegwerfen (EWKKennzV).

Fest verbundene Deckel (seit 03.07.2024): Einweg-Getränkebehälter aus Kunststoff bis 3 Liter dürfen nur noch in Verkehr gebracht werden, wenn Verschluss und Deckel während der Nutzung am Behälter befestigt bleiben (Art. 6 Abs. 1). Deckel aus Metall oder Glas mit Kunststoffdichtung zählen nicht als Kunststoffdeckel (Art. 6 Abs. 2).

Rezyklatquote: PET-Flaschen müssen ab 2025 im Landesdurchschnitt mindestens 25 % recycelten Kunststoff enthalten, ab 2030 alle Getränkeflaschen mindestens 30 % (Art. 6 Abs. 5). In Deutschland war das bisher im Verpackungsgesetz geregelt. Seit dem 12.08.2026 gelten für Verpackungen vorrangig die unmittelbar anwendbare PPWR (VO 2025/40) und das deutsche Verpackungsrecht-Durchführungsgesetz (VerpackDG). Die genaue Fundstelle der deutschen Rezyklat-, Deckel- und Mehrwegangebotsregeln nach dem Rechtswechsel ist hier noch nicht abschließend geprüft (siehe Stand).

Detail: Einwegkunststofffonds – die Abgabe (Art. 8 RL, EWKFondsG)

Deutschland setzt die Herstellerverantwortung nicht über private Systeme um, sondern über eine Sonderabgabe in einen staatlichen Fonds beim Umweltbundesamt (UBA). Aus dem Fonds erhalten Kommunen Geld für Straßenreinigung, Papierkörbe, Entsorgung und Sensibilisierung, verteilt nach einem Punktesystem (§ 3 EWKFondsV).

Ablauf für Hersteller:

  1. Registrierung auf der UBA-Plattform DIVID (ELSTER-Zertifikat nötig). Bestandshersteller mussten sich bis 31.12.2024 registrieren, neue Hersteller vor Aufnahme der Tätigkeit.
  2. Jährliche Meldung der im Vorjahr in Verkehr gebrachten Masse bis zum 15. Mai. 2025 hatte das UBA die Frist einmalig bis 15.06.2025 verlängert und auf die Prüfung verzichtet.
  3. Prüfung der Meldung durch Sachverständige, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater oder vereidigte Buchprüfer. Ab 01.01.2027 entfällt die Prüfpflicht grundsätzlich unter 10.000 kg pro Jahr (bisher 100 kg). Das UBA kann trotzdem eine Prüfung verlangen.
  4. Abgabebescheid des UBA: Masse × Abgabesatz.

Abgabesätze seit 01.01.2024 (§ 2 EWKFondsV, € je kg):

| Produktart | €/kg | |---|---| | Lebensmittelbehälter (To-go) | 0,177 | | Tüten und Folienverpackungen | 0,876 | | nicht bepfandete Getränkebehälter | 0,181 | | bepfandete Getränkebehälter | 0,001 | | Getränkebecher | 1,236 | | leichte Kunststofftragetaschen | 3,801 | | Feuchttücher | 0,061 | | Luftballons | 4,340 | | Tabakprodukte mit Filtern / Filter | 8,972 | | Feuerwerkskörper mit Kunststoffteilen (ab 2027, Entwurf) | 0,691 – noch nicht in Kraft |

Die Sätze sollen nach Angaben des BMUKN erstmals bis Ende 2026 überprüft werden.

Vertriebsverbot: Produkte von nicht registrierten Herstellern dürfen nicht angeboten werden. Seit 01.01.2025 gilt das auch für Online-Marktplätze und Fulfillment-Dienstleister (§ 9 EWKFondsG). Verstöße kosten bis zu 100.000 € Bußgeld (§ 26 EWKFondsG). Zusätzlich drohen wettbewerbsrechtliche Abmahnungen, weil § 1 Satz 2 EWKFondsG das Marktverhalten regelt.

Detail: Feuerwerk ab 2027

Seit 01.01.2026 fallen Feuerwerkskörper, die ganz oder teilweise aus Kunststoff bestehen, unter das EWKFondsG. Ein einziges Kunststoffteil reicht.

Verhältnis zur EU-Verpackungsverordnung (PPWR)

Die PPWR (VO 2025/40) gilt seit dem 12.08.2026 unmittelbar und regelt Verpackungen umfassend, unter anderem mit eigenen Einweg-Verboten ab 2030 und Rezyklatquoten. Die Einwegkunststoffrichtlinie bleibt daneben in Kraft. Sie erfasst auch Nicht-Verpackungen wie Feuchttücher, Luftballons, Zigarettenfilter, Besteck und Fanggeräte. Deutschland hat die nationalen Gesetze mit dem Gesetz vom 13.07.2026 an die PPWR angepasst. Bis zum 03.07.2027 muss die Kommission die Richtlinie bewerten (Art. 15). Dabei soll sie auch verbindliche EU-Ziele zur Verbrauchsminderung und eine Ausweitung der Produktliste prüfen. Mehr zur PPWR: PPWR EU-Verpackungsverordnung (VO 2025/40).

Häufige Fehler

Änderungsverlauf

Stand

Quellen

Letzte Änderung:
2026-10-12
Letzte Prüfung:
2026-10-12
In Kraft seit:
2019-07-02
Status:
In Kraft
Quellen-Autorität:
A
Lizenz:
CC BY 4.0