Gewerbesteuer – Messzahl, Hebesatz und Freibetrag
Gewerbesteuer – Messzahl, Hebesatz und Freibetrag
Kurzantwort
Die Gewerbesteuer ist eine Gemeindesteuer auf den Gewerbeertrag (§ 1 GewStG). Sie berechnet sich aus Gewerbeertrag × Steuermesszahl (3,5 %) × Hebesatz der Gemeinde. Der Hebesatz beträgt mindestens 200 % (§ 16 Abs. 4 GewStG) und liegt im Bundesdurchschnitt 2026 bei ca. 400 % – Großstädte deutlich höher (München 490 %, Frankfurt 460 %, Berlin 410 %). Einzelunternehmer und Personengesellschaften erhalten einen Freibetrag von 24.500 € (§ 11 Abs. 1 Nr. 1 GewStG). Bei Personengesellschaften wird die Gewerbesteuer auf die Einkommensteuer angerechnet (§ 35 EStG).
Kernfakten
| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | Gewerbesteuergesetz (GewStG) [gesetze-im-internet.de, GewStG] |
| Steuermesszahl | 3,5 % [§ 11 Abs. 2 GewStG] |
| Mindesthebesatz | 200 % [§ 16 Abs. 4 GewStG] |
| Bundesdurchschnitt Hebesatz 2026 | ca. 400 % |
| Beispiel München Hebesatz | 490 % |
| Beispiel Frankfurt Hebesatz | 460 % |
| Beispiel Berlin Hebesatz | 410 % |
| Beispiel Hamburg Hebesatz | 470 % |
| Beispiel Köln Hebesatz | 475 % |
| Niedrige Hebesätze (Beispiel) | Norderfriedrichskoog 0 % (Sonderfall), Monheim am Rhein 250 % |
| Freibetrag Einzelunternehmer | 24.500 € [§ 11 Abs. 1 Nr. 1 GewStG] |
| Freibetrag Vereine | 5.000 € [§ 11 Abs. 1 Nr. 2 GewStG] |
| Kapitalgesellschaften | kein Freibetrag |
| Steuerschuldner | der Gewerbetreibende [§ 5 Abs. 1 GewStG] |
| Effektivbelastung Beispiel Hebesatz 400 % | 3,5 % × 400 % = 14 % des Gewerbeertrags |
| Anrechnung ESt (Personengesellschaft) | das 4,0-fache des Gewerbesteuermessbetrags pauschal anrechenbar [§ 35 Abs. 1 EStG] |
| Effekt § 35 EStG | Gewerbesteuer bis Hebesatz ~ 400 % weitgehend neutralisiert |
| Abzugsfähigkeit als Betriebsausgabe | seit 2008 nicht mehr [§ 4 Abs. 5b EStG] |
| Hinzurechnungen | u.a. 25 % Schuldzinsen, 5 % Mieten Immobilien, 20 % Mieten beweglich [§ 8 GewStG] |
| Kürzungen | u.a. 1,2 % vom Einheitswert Grundbesitz [§ 9 Nr. 1 GewStG] |
| Steuererklärung | jährlich, Frist 31.07. Folgejahr (mit Berater 28./29.02. übernächst. Jahr) |
| Vorauszahlungen | quartalsweise 15.02., 15.05., 15.08., 15.11. [§ 19 GewStG] |
| Aufkommen 2025 | ca. 80 Mrd. € (kommunale Hauptsteuer) |
Häufige Fehler
- „Bis 24.500 € Gewinn keine Gewerbesteuer." Stimmt nur für Einzelunternehmer/Personengesellschaften. GmbH zahlt ab dem 1. €.
- „Gewerbesteuer kann als Betriebsausgabe abgezogen werden." Seit 2008 nicht mehr (§ 4 Abs. 5b EStG).
- „Hebesatz ist egal, weil § 35 EStG anrechnet." Anrechnung greift nur bei Personengesellschaften und nur bis zum 4,0-fachen Messbetrag.
Quellen
- Gewerbesteuergesetz (GewStG):: https://www.gesetze-im-internet.de/gewstg/index.html
- § 35 EStG – Steuerermäßigung Gewerbesteuer:: https://www.gesetze-im-internet.de/estg/__35.html
- Destatis – Realsteuervergleich (Hebesätze):: https://www.destatis.de/DE/Themen/Staat/Steuern/Steuereinnahmen/realsteuervergleich.html
Änderungsverlauf
- 2026-06-05: Erstveröffentlichung. Werte gegen GewStG und § 35 EStG (gesetze-im-internet.de) sowie Destatis-Realsteuervergleich geprüft. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"
Stand
- Stand: 2026-06-05
- Gültig ab: 2008-01-01 (Unternehmensteuerreform)
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (GewStG, EStG, Destatis)
- Lizenz: CC BY 4.0
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