Nexvyra

GModG § 22 und Anlage 4 – Primärenergiefaktoren 2026 und die Umstellung zum 01.01.2027 (Strom 1,8 → 1,5, Holz 0,2 → 0,7, Fernwärme nach Carnot) In Kraft

Inhaltlich verantwortlich: Andreas Warkentin (warepoint-media GbR) · letzte Änderung: 2026-09-01 · letzte Prüfung: 2026-09-01 · Quellen-Autorität A Fehler melden ✉
Kurzantwort Der **Primärenergiefaktor (PEF)** übersetzt die Endenergie, die ein Gebäude verbraucht, in Primärenergie – er entscheidet damit darüber, ob ein Neubau die Anforderungen an das Niedrigstenergiegebäude erfüllt und welche Effizienzhaus-Stufe erreicht wird. Rechtsgrundlage ist **§ 22 GModG** (bis 28.07.2026: § 22 GEG) in Verbindung mit **Anlage 4 GModG**. Für den **Zeitraum 29.07.2026 bis 31.12.2026** gilt die Tabelle der Anlage 4 **unverändert weiter**. Das Gebäudemodernisierungsgesetz hat mit seiner ersten Stufe (Artikel 1, in Kraft seit 29.07.2026) zwar das Heizungsrecht komplett umgebaut, die Primärenergiefaktoren aber **nicht angefasst**. Es gelten also weiterhin: fossile Brennstoffe **1,1** (Braunkohle 1,2), Holz **0,2**, netzbezogener Strom **1,8**, gebäudenah erzeugter PV- oder Windstrom **0,0**. **Zum 1. Januar 2027** ändert sich das grundlegend. Mit **Artikel 2 des Änderungsgesetzes** (BGBl. 2026 I Nr. 226 vom 28.07.2026) wird die Anforderungssystematik auf Vorgabe der **EPBD-Neufassung (EU) 2024/1275** vom **nicht erneuerbaren** Primärenergiefaktor (f<sub>p,ne</sub>) auf die **Gesamt-Primärenergie einschließlich des erneuerbaren Anteils** (f<sub>p,tot</sub>) umgestellt. Nach der amtlichen Darstellung des BBSR ändern sich dabei die Primärenergiefaktoren selbst sowie das Berechnungsverfahren für Fernwärme. Nach der übereinstimmenden Auswertung der Fachöffentlichkeit heißt das konkret: **Strom 1,8 → 1,5**, **biogene Brennstoffe einheitlich 0,7** (Holz damit von 0,2 auf 0,7), **Fernwärme Standardwert 0,7** mit einem EE-/Abwärmebonus von **−0,002 je Prozentpunkt** (Untergrenze 0,5), und die individuelle Berechnung ist nur noch nach der **Carnot-Methode** zulässig – die **Stromgutschriftmethode entfällt**. > **Vorbehalt:** Die Zahlenwerte der ab 01.01.2027 geltenden Anlage 4 konnten > zum Redaktionszeitpunkt **nicht gegen den amtlichen Volltext** gegengeprüft > werden. Die Lesefassung auf gesetze-im-internet.de bildet bislang nur den > Rechtsstand 29.07.2026–31.12.2026 ab; das BGBl.-PDF war nicht maschinenlesbar > abrufbar. Die 2027er-Werte stützen sich daher auf die amtliche > BBSR-Beschreibung (qualitativ) und drei unabhängige Fachquellen (numerisch). > Diese Seite wird deshalb mit `factcheck_status: review_needed` geführt – > siehe Abschnitt „Offene Punkte".

Kernfakten

PunktWert
Rechtsgrundlage§ 22 GModG i. V. m. Anlage 4 GModG (bis 28.07.2026: § 22 GEG)
AnwendungsbereichErmittlung des Jahres-Primärenergiebedarfs nach § 20 Abs. 1/2 und § 21 Abs. 1/2 GModG
Aktuell zu verwendender Anteilnicht erneuerbarer Anteil (f<sub>p,ne</sub>)
Fassung dieser SeiteRechtsstand 29.07.2026 bis 31.12.2026
Strom netzbezogen (bis 31.12.2026)1,8
Strom gebäudenah (PV/Wind, bis 31.12.2026)0,0
Holz (bis 31.12.2026)0,2
Fossile Brennstoffe (bis 31.12.2026)1,1 – Braunkohle 1,2
Fernwärme-Untergrenze (bis 31.12.2026)0,3 (§ 22 Abs. 3 GModG), absenkbar um 0,001 je Prozentpunkt EE/Abwärme
Großwärmepumpe ≥ 500 kW im WärmenetzStrom-PEF 1,2 statt 1,8 (§ 22 Abs. 2 Satz 3 GModG)
Umstellung01.01.2027 – Artikel 2 des Änderungsgesetzes (BGBl. 2026 I Nr. 226 vom 28.07.2026)
Umstellung aufGesamt-Primärenergie f<sub>p,tot</sub> inkl. EE-Anteil (EPBD-Vorgabe)
Referenzgebäude ab 01.01.2027technologieneutraler Referenzwärmeerzeuger mit f<sub>p,tot</sub> = 0,75 (bis 31.12.2029), 0,70 ab 01.01.2030
Normbezug ab 01.01.2027DIN/TS 18599:2025-10

Anlage 4 GModG – Tabelle im Wortlaut (Rechtsstand bis 31.12.2026)

Verwendet wird jeweils der nicht erneuerbare Anteil.

| Nr. | Kategorie | Energieträger | PEF (nicht erneuerbarer Anteil) | |---|---|---|---| | 1 | Fossile Brennstoffe | Heizöl | 1,1 | | 2 | | Erdgas | 1,1 | | 3 | | Flüssiggas | 1,1 | | 4 | | Steinkohle | 1,1 | | 5 | | Braunkohle | 1,2 | | 6 | Biogene Brennstoffe | Biogas | 1,1 | | 7 | | Bioöl | 1,1 | | 8 | | Holz | 0,2 | | 9 | Strom | netzbezogen | 1,8 | | 10 | | gebäudenah erzeugt (Photovoltaik oder Windkraft) | 0,0 | | 11 | | Verdrängungsstrommix für KWK | 2,8 | | 12 | Wärme, Kälte | Erdwärme, Geothermie, Solarthermie, Umgebungswärme | 0,0 | | 13 | | Erdkälte, Umgebungskälte | 0,0 | | 14 | | Abwärme | 0,0 | | 15 | | Wärme aus KWK, gebäudeintegriert oder gebäudenah | nach Verfahren B gemäß DIN V 18599-9:2018-09 Abschnitt 5.2.5 bzw. 5.3.5.1 | | 16 | Siedlungsabfälle | | 0,0 |

Quelle: Anlage 4 (zu § 22 Absatz 1) GModG, nichtamtliche Lesefassung (gesetze-im-internet.de/geg/anlage_4.html, Archivfassung tabellarisch: lxgesetze.de/geg/AL-4).

Abweichende Faktoren nach § 22 GModG (Sonderregelungen)

§ 22 Abs. 1 Satz 2 und Abs. 2 bis 4 GModG erlauben in klar umgrenzten Fällen andere Werte als die der Anlage 4:

| Fall | Faktor | Voraussetzung (§ 22 GModG) | |---|---|---| | Flüssige/gasförmige Biomasse, gebäudenah erzeugt | 0,3 | Erzeugung im unmittelbaren räumlichen Zusammenhang mit dem Gebäude und unmittelbare Versorgung ohne zwischengeschaltetes öffentliches Netz (Abs. 1 Satz 2 Nr. 1) | | Biomethan aus dem Erdgasnetz, Neubau | 0,7 | Nutzung im Brennwertkessel + EEG-2014-Effizienzkriterien + Massenbilanzsystem (Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 lit. a) | | Biomethan aus dem Erdgasnetz, Neubau | 0,5 | Nutzung in hocheffizienter KWK-Anlage (§ 2 Nr. 8a KWKG) + gleiche Nachweise (Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 lit. b) | | Biogenes Flüssiggas, Neubau | 0,7 / 0,5 | Brennwertkessel bzw. hocheffiziente KWK, jeweils mit Massenbilanzsystem (Abs. 1 Satz 2 Nr. 3) | | Erdgas-/Flüssiggas-KWK im Neubau mit Mitversorgung von Bestandsgebäuden | 0,6 | dauerhafte Mitversorgung räumlich zusammenhängender Bestandsgebäude und Stilllegung deren fossiler Heizkessel (Abs. 1 Satz 2 Nr. 4) | | Netzbezogener Strom für Großwärmepumpe ≥ 500 kW im Wärmenetz | 1,2 | abweichend von Anlage 4 Nr. 9 (Abs. 2 Satz 3) | | Fernwärme, vom Versorger ermittelt und veröffentlicht | Versorgerwert | Gewichtung der eingesetzten Brennstoffe/Hilfsenergien mit den PEF der Anlage 4, Methodenangabe in der Veröffentlichung (Abs. 2) | | Fernwärme, Untergrenze | 0,3 | absenkbar um 0,001 je Prozentpunkt EE- oder Abwärmeanteil, wenn veröffentlicht (Abs. 3) | | Fernwärme, kein veröffentlichter Wert | Pauschalwert | Wert aus dem Berechnungsverfahren (DIN V 18599-1), Abs. 4 |

Bei Gemischen aus Erdgas und gasförmiger Biomasse bzw. Flüssiggas und biogenem Flüssiggas gelten die günstigeren Werte **nur für den energetischen Anteil der Biomasse** (§ 22 Abs. 1 Satz 4 und 5 GModG).

Was sich zum 1. Januar 2027 ändert

Das BBSR beschreibt die Änderung amtlich als „**geänderte Primärenergiefaktoren (bzw. Anforderungssystematik) durch die Einbeziehung des Anteils erneuerbarer Energien zur Berechnung der Gesamtprimärenergie sowie bei Fernwärme durch geändertes Berechnungsverfahren (§ 22 i. V. m. Anlage 4 GModG)".

Numerisch bedeutet das nach übereinstimmender Fachauswertung:

| Punkt | bis 31.12.2026 | ab 01.01.2027 | |---|---|---| | Bezugsgröße | nicht erneuerbare Primärenergie f<sub>p,ne</sub> | Gesamt-Primärenergie f<sub>p,tot</sub> inkl. EE-Anteil | | Fossile Brennstoffe | 1,1 (Braunkohle 1,2) | 1,1 – unverändert | | Biogene Brennstoffe | Biogas/Bioöl 1,1, Holz 0,2 | einheitlich 0,7 | | Strom netzbezogen | 1,8 | 1,5 | | CO₂-Faktor Strom | 560 g/kWh | 100 g/kWh | | Fernwärme, Standardwert | kein Pauschalwert; Untergrenze 0,3 | 0,7, Untergrenze 0,3 entfällt | | Fernwärme, EE-Bonus | −0,001 je Prozentpunkt | −0,002 je Prozentpunkt, Minimum 0,5 bei 100 % EE | | Fernwärme, individuelle Berechnung | Stromgutschriftmethode (FW 309-1) zulässig | nur noch Carnot-Methode (FW 309-6, DIN EN 15316-4-5) | | Großwärmepumpe ≥ 500 kW | Sonderfaktor 1,2 | entfällt – es gilt der allgemeine Stromfaktor 1,5 | | Referenzgebäude | systemspezifisch (Gas-Brennwert + Solarthermie) | technologieneutral, f<sub>p,tot</sub> 0,75 bis 31.12.2029, 0,70 ab 01.01.2030 | | Normbezug | DIN V 18599:2018-09 | DIN/TS 18599:2025-10 |

Praktische Folge: Wärmenetze mit KWK-Anlagen und mit Großwärmepumpen verschlechtern sich rechnerisch, obwohl sich an der physikalischen Effizienz nichts ändert. Für eine Großwärmepumpe mit Jahresarbeitszahl 2,5 steigt der rechnerische Wärme-PEF von 0,48 auf 0,60. Holz verliert seinen bisherigen Bonus fast vollständig. Übergangsfristen für bereits ausgestellte PEF-Bescheinigungen sind im Gesetz nicht vorgesehen.

Geltungsbereich

Neubau (§§ 15 ff.), Bestandsanforderungen (§§ 34 ff. GModG), Bedarfsausweise nach § 80 GModG.

KfW-Effizienzhaus-Stufen, QNG. Ob und wie diese Programme die neue f<sub>p,tot</sub>-Systematik ab 2027 übernehmen, ist derzeit offen.

CO₂-Kosten nach CO2KostAufG – dort gelten eigene Emissionsfaktoren.

Häufige Fehler

  1. „Der PEF für Strom ist 1,8" – ohne Datumsangabe. Der Wert gilt nur bis

zum 31.12.2026. Wer 2026 für ein Vorhaben mit Fertigstellung 2027+ rechnet, sollte beide Fassungen durchrechnen.

  1. Fernwärme-PEF aus einer alten Bescheinigung übernehmen. Ab 2027 ist die

Stromgutschriftmethode unzulässig. Bescheinigungen, die auf FW 309-1 beruhen, sind für Nachweise nach neuem Recht nicht mehr belastbar.

  1. Den 0,3er-Wert für gebäudenahe Biomasse ohne Netzausschluss ansetzen.

§ 22 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 GModG verlangt die unmittelbare Versorgung – ein zwischengeschaltetes öffentliches Netz schließt den Wert aus.

  1. Den Großwärmepumpen-Faktor 1,2 für 2027er-Planungen weiterverwenden. Die

Sonderregelung entfällt nach der Reform ersatzlos.

  1. f<sub>p,ne</sub> und f<sub>p,tot</sub> vermischen. Ab 2027 sind die Werte

der Anlage 4 Gesamt-Primärenergiefaktoren; ein direkter Vergleich mit den alten Zahlen ohne Umrechnung führt in die Irre.

  1. Biomethan-Sonderfaktoren im Bestand ansetzen. Die Werte 0,7 und 0,5

gelten ausdrücklich nur für zu errichtende Gebäude.

Offene Punkte (Grund für factcheck_status = review_needed)

Folgende Werte konnten nicht gegen den amtlichen Volltext verifiziert werden und stammen aus Fachquellen der Stufe C:

Minimum 0,5, Wegfall der 0,3er-Untergrenze

Grund: gesetze-im-internet.de führt bislang nur die Fassung 29.07.2026–31.12.2026; die Anlage-4-Seite lieferte bei der Abfrage am 01.09.2026 eine leere Antwort, und das BGBl.-PDF (BGBl. 2026 I Nr. 226) war nicht maschinenlesbar auswertbar. Ebenfalls zu prüfen: Das BBSR nennt als Inkrafttretensdatum für Artikel 2 den 01.01.2027; einzelne Fachquellen gehen von „sechs Monate nach Verkündung" – also Ende Januar 2027 – aus. Diese Seite folgt der amtlichen BBSR-Angabe.

Nachprüfung geplant, sobald die konsolidierte Lesefassung mit Rechtsstand ab 01.01.2027 vorliegt.

Änderungsverlauf

Stand

Quellen

Letzte Änderung:
2026-09-01
Letzte Prüfung:
2026-09-01
In Kraft seit:
2026-07-29
Status:
In Kraft
Quellen-Autorität:
A
Lizenz:
CC BY 4.0