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Arbeitszeugnis berichtigen – Änderungsverlangen, Frist & Zeugnisberichtigungsklage

Inhaltlich verantwortet von Andreas Warkentin (warepoint-media GbR) · zuletzt geprüft am 2026-07-25 · Quellenautorität A (amtliche Primärquelle) Fehler melden ✉

Kurzantwort

Wer mit seinem Arbeitszeugnis nicht einverstanden ist, hat einen Anspruch auf Berichtigung, wenn das Zeugnis unwahr, unvollständig oder nicht wohlwollend ist (§ 109 Abs. 2 GewO). Erster Schritt ist immer das außergerichtliche Änderungsverlangen: Der Arbeitnehmer fordert den Arbeitgeber schriftlich und mit konkreten Formulierungsvorschlägen unter Fristsetzung (üblich 1–3 Wochen) zur Korrektur auf. Bleibt das erfolglos, folgt die Zeugnisberichtigungsklage beim Arbeitsgericht. Die Beweislast ist gestaffelt: Bis zur Note „befriedigend" (Note 3) muss der Arbeitnehmer eine bessere Bewertung beweisen, für eine schlechtere Note als 3 trägt der Arbeitgeber die Beweislast (BAG, 18.11.2014 – 9 AZR 584/13). Der Anspruch verjährt regulär in drei Jahren (§ 195 BGB), doch arbeits- oder tarifvertragliche Ausschlussfristen (oft nur 1–3 Monate) und die Verwirkung können ihn viel früher entfallen lassen — daher zügig handeln.

Kernfakten

PunktWert
Rechtsgrundlage Anspruch§ 109 Abs. 2 GewO [gesetze-im-internet.de]
VoraussetzungZeugnis unwahr, unvollständig oder nicht wohlwollend
1. SchrittAußergerichtliches Änderungsverlangen mit Formulierungsvorschlag + Frist
2. SchrittZeugnisberichtigungsklage beim Arbeitsgericht
Beweislast bis Note 3 (bessere Note gewünscht)Arbeitnehmer [BAG 9 AZR 584/13]
Beweislast unter Note 3 (schlechtere Note erteilt)Arbeitgeber
Regelverjährung3 Jahre, § 195 BGB (ab Ende des Jahres der Ausstellung, § 199 BGB)
AusschlussfristenArbeits-/Tarifvertrag, oft 1–3 Monate — Vorrang vor Verjährung
VerwirkungMöglich vor Verjährung; hohe Anforderungen, Zeit- + Umstandsmoment
Kosten 1. Instanz ArbeitsgerichtKeine Erstattung der Anwaltskosten, § 12a ArbGG
Anspruch auf NeuausstellungJa, mit unverändertem Ausstellungsdatum (Rückdatierung)
Selbst formulierenVorschlag zulässig; Arbeitgeber muss wahr + wohlwollend bleiben

Geltungsbereich

Der Berichtigungsanspruch gilt für alle Arbeitsverhältnisse in Deutschland, für die § 109 GewO greift — also auch Teilzeit, Minijobs, befristete und Probearbeitsverhältnisse. Für Auszubildende ergibt sich der Anspruch aus § 16 BBiG, inhaltlich gelten die gleichen Maßstäbe. Der Anspruch richtet sich stets gegen den Arbeitgeber; bei Betriebsübergang (§ 613a BGB) gegen den neuen Inhaber, im Insolvenzfall grundsätzlich gegen den Insolvenzverwalter. Beamte unterliegen dem separaten dienstlichen Beurteilungsrecht (BBG/LBG) und nicht § 109 GewO. Selbständige und freie Mitarbeiter haben keinen Zeugnis- und damit keinen Berichtigungsanspruch.

Vom Änderungsverlangen zur Klage — der Ablauf

1. Zeugnis prüfen. Auf Wahrheit, Vollständigkeit (Aufgaben, Leistung, Verhalten, Schlussformel) und versteckte Abwertungen achten. Fehlt die Dankes- und Bedauernsformel, ist das ein häufiger Berichtigungsgrund.

2. Änderungsverlangen formulieren. Schriftlich, konkret und mit eigenem Formulierungsvorschlag. Der Arbeitgeber muss die Vorschläge nicht wörtlich übernehmen, ist aber an Wahrheit und Wohlwollen gebunden. Angemessene Frist setzen (in der Praxis 1–3 Wochen).

3. Zeugnisberichtigungsklage. Reagiert der Arbeitgeber nicht oder unzureichend, kann beim Arbeitsgericht auf Berichtigung/Neuerteilung geklagt werden. Es gilt keine dreiwöchige Klagefrist wie bei der Kündigungsschutzklage (§ 4 KSchG) — maßgeblich sind Verjährung, Ausschlussfristen und Verwirkung.

4. Vollstreckung. Das berichtigte Zeugnis trägt das ursprüngliche Ausstellungsdatum — eine spätere Datierung würde die verzögerte Ausstellung offenbaren und wäre unzulässig.

Beweislast — wer muss was beweisen

Nach ständiger Rechtsprechung des BAG ist die Note „befriedigend" (Note 3) der beweisrechtliche Ausgangspunkt: Sie entspricht einer durchschnittlichen Leistung. Verlangt der Arbeitnehmer eine bessere Bewertung (Note 1 oder 2), muss er die überdurchschnittliche Leistung darlegen und beweisen (BAG, 18.11.2014 – 9 AZR 584/13). Umgekehrt muss der Arbeitgeber eine unterdurchschnittliche Bewertung (Note 4 oder schlechter) belegen. Als Beweismittel dienen frühere Beurteilungen, Zielvereinbarungen, Beförderungen, Gehaltserhöhungen, Auszeichnungen oder Lob-E-Mails. Wichtig: Die im Personalwesen kursierenden „Zufriedenheits-Skalen" sind kein Automatismus — entscheidend ist die tatsächliche Leistung, nicht allein die Wortwahl.

Fristen — Verjährung, Ausschlussfristen, Verwirkung

Der Berichtigungsanspruch verjährt regulär in drei Jahren (§ 195 BGB), gerechnet ab dem Ende des Jahres, in dem das Zeugnis ausgestellt wurde bzw. der Anspruch entstand (§ 199 Abs. 1 BGB). Vorrangig sind aber arbeits- oder tarifvertragliche Ausschlussfristen (Verfallklauseln), die häufig nur 1 bis 3 Monate betragen — wer sie versäumt, verliert den Anspruch trotz laufender Verjährung. Unabhängig davon kann der Anspruch verwirken, wenn der Arbeitnehmer über längere Zeit untätig bleibt (Zeitmoment) und der Arbeitgeber darauf vertrauen durfte, es komme keine Beanstandung mehr (Umstandsmoment). Die Hürden für die Verwirkung sind hoch; die Gerichte nehmen sie eher selten an — teils wurde ein Anspruch selbst nach rund zwei Jahren noch nicht als verwirkt angesehen. Verlass darauf ist dennoch riskant: je früher das Änderungsverlangen, desto besser.

Häufige Fehler

Quellen

Änderungsverlauf

Stand