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Elektronischer Antrag auf Pfändungs- und Überweisungsbeschluss (§ 829a ZPO) In Kraft

Inhaltlich verantwortlich: Andreas Warkentin (warepoint-media GbR) · letzte Änderung: 2026-10-18 · letzte Prüfung: 2026-10-18 · Quellen-Autorität A Fehler melden ✉
Kurzantwort Seit dem **1. Oktober 2026** kann ein Gläubiger, der beim Vollstreckungsgericht einen **Pfändungs- und Überweisungsbeschluss** (PfÜB) beantragt, die **Ausfertigung des Vollstreckungstitels**, die **Vollstreckungsklausel** und **weitere Nachweisurkunden** bei einem **elektronischen Antrag** einfach **in elektronische Dokumente übertragen** (also einscannen) und dem Gericht übermitteln (**§ 829a Abs. 1 ZPO** in der Fassung des Gesetzes zur weiteren Digitalisierung der Zwangsvollstreckung, BGBl. 2026 I Nr. 152). Das Original muss nicht mehr per Post nachgereicht werden. Im Gegenzug muss der Antragsteller **versichern**, dass die Scans mit den Originalen **bildlich und inhaltlich übereinstimmen** und die Forderung **in Höhe des Antrags noch besteht** (§ 829a Abs. 3 ZPO). Hat das Gericht Zweifel, fordert es die nötigen Dokumente an (§ 829a Abs. 2 ZPO).

Kernfakten

PunktWert
Rechtsgrundlage§ 829a ZPO – „Elektronischer Antrag auf Erlass eines Pfändungs- und Überweisungsbeschlusses"
Geltungseit 01.10.2026 (Art. 1 Nr. 13, Art. 18 Abs. 1 des Gesetzes vom 20.05.2026, BGBl. 2026 I Nr. 152)
Erfasste AnträgePfändung (§ 829), Pfändung und Überweisung (§§ 829, 835) oder Überweisung (§ 835) einer Geldforderung
Was eingescannt werden darf1. Ausfertigung des Vollstreckungstitels, 2. Vollstreckungsklausel, 3. weitere Urkunden zum Nachweis der Vollstreckungsvoraussetzungen
Betragsgrenze / Titelartim Wortlaut keine – die Vorschrift gilt für jeden Titel, aus dem wegen einer Geldforderung in Forderungen vollstreckt wird
Vollstreckungskostenzusätzlich nachprüfbare Kostenaufstellung und Belege als elektronische Dokumente (§ 829a Abs. 1 Satz 3)
Versicherung des AntragstellersÜbereinstimmung Scan = Original und Fortbestand der Forderung in Antragshöhe (§ 829a Abs. 3)
Zweifel des GerichtsMitteilung an den Antragsteller, Anforderung der Dokumente elektronisch oder in Papier (§ 829a Abs. 2)
Spätere Änderungenunverzügliche Information des Gerichts und Übermittlung der geänderten Schriftstücke (§ 829a Abs. 4)
§ 130d ZPONutzungspflicht gilt für die Urkunden Nr. 1–3 nicht (§ 829a Abs. 1 Satz 2)
Gerichtskosten-Vorauszahlungentfällt beim elektronischen Antrag nach § 829a, wenn die Nachweise elektronisch übermittelt werden (§ 12 Abs. 6 Satz 2 GKG)
Zuständiges GerichtAmtsgericht als Vollstreckungsgericht am allgemeinen Gerichtsstand des Schuldners (§ 828 Abs. 2 ZPO)
Parallele beim Gerichtsvollzieher§ 754a ZPO (elektronischer Vollstreckungsauftrag)

Worum es geht

Wer aus einem Urteil, Vollstreckungsbescheid oder einer anderen vollstreckbaren Urkunde Geld beitreiben will, pfändet häufig Forderungen des Schuldners gegen Dritte – etwa das Guthaben bei einer Bank oder den Lohnanspruch gegen den Arbeitgeber. Dafür erlässt das Vollstreckungsgericht einen Pfändungs- und Überweisungsbeschluss (§§ 829, 835 ZPO). Weil das Gericht die Voraussetzungen der Zwangsvollstreckung prüfen muss (Titel, Klausel, Zustellung), war bislang in aller Regel die vollstreckbare Ausfertigung im Original vorzulegen. Bei einem elektronisch eingereichten Antrag bedeutete das einen Medienbruch: Antrag digital, Titel per Post.

§ 829a ZPO in der seit 1. Oktober 2026 geltenden Fassung beseitigt diesen Medienbruch für alle Anträge auf Pfändung und/oder Überweisung einer Geldforderung. Der Gesetzgeber hat die Vorschrift durch das Gesetz zur weiteren Digitalisierung der Zwangsvollstreckung vom 20.05.2026 vollständig ersetzt und ihr die neue Überschrift „Elektronischer Antrag auf Erlass eines Pfändungs- und Überweisungsbeschlusses" gegeben.

Die Regelung im Einzelnen

Abs. 1 – Scan statt Original. Ist für den Antrag die Übergabe oder Vorlage der Titelausfertigung, der Vollstreckungsklausel oder weiterer Nachweisurkunden erforderlich, „genügt es bei einem elektronischen Vollstreckungsantrag, die Schriftstücke in elektronische Dokumente zu übertragen und diese dem Gericht zu übermitteln". Sollen auch Kosten der Zwangsvollstreckung (z. B. Kosten früherer Vollstreckungsversuche) mit beigetrieben werden, sind eine nachprüfbare Aufstellung und die Belege ebenfalls elektronisch beizufügen.

Abs. 1 Satz 2 – Verhältnis zu § 130d ZPO. Rechtsanwälte und Behörden müssen Schriftsätze, Anträge und Anlagen grundsätzlich elektronisch einreichen (§ 130d Satz 1 ZPO). Für die Titelausfertigung, die Klausel und die weiteren Nachweisurkunden gilt diese Pflicht nach § 829a Abs. 1 Satz 2 ZPO nicht. Wer die Originale lieber in Papier vorlegt, darf das also weiterhin – den Antrag selbst müssen Anwälte und Behörden aber elektronisch stellen.

Abs. 2 – Zweifel des Gerichts. Kann das Gericht anhand der Scans nicht zweifelsfrei feststellen, dass die Voraussetzungen der Zwangsvollstreckung vorliegen, teilt es dies dem Antragsteller mit und fordert die erforderlichen Dokumente an – elektronisch oder als Schriftstücke, also gegebenenfalls doch im Original.

Abs. 3 – Versicherung. Wer Titel, Klausel oder Nachweisurkunden elektronisch übermittelt, muss dem Gericht versichern, dass

  1. die elektronischen Dokumente jeweils bildlich und inhaltlich mit den Schriftstücken übereinstimmen und
  2. die Forderung in Höhe des Vollstreckungsantrags noch besteht.

Abs. 4 – Spätere Änderungen. Existieren die Schriftstücke nach der Übermittlung nicht mehr oder ändern sie sich (etwa durch einen Teilleistungsvermerk oder weil der Titel herausgegeben wurde), muss der Antragsteller das Gericht unverzüglich informieren und die geänderten Schriftstücke erneut elektronisch übermitteln. Ab dieser Information darf das Gericht die ursprünglich übermittelten Dokumente seiner Entscheidung nicht mehr zugrunde legen.

Formularpflicht und Verfahren

Für den Antrag auf Erlass eines PfÜB kann das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz durch Rechtsverordnung Formulare einführen; soweit Formulare eingeführt sind, muss sich der Antragsteller ihrer bedienen (§ 829 Abs. 4 ZPO, ebenfalls seit 01.10.2026 neu gefasst). Die Verordnung kann auch technische Rahmenbedingungen für die Übermittlung festlegen.

Zuständig ist das Amtsgericht als Vollstreckungsgericht, bei dem der Schuldner seinen allgemeinen Gerichtsstand im Inland hat (§ 828 Abs. 2 ZPO). Der Schuldner wird vor der Pfändung nicht angehört (§ 834 ZPO). Die Pfändung ist mit Zustellung an den Drittschuldner bewirkt (§ 829 Abs. 3 ZPO); die Aufforderung zur Drittschuldnererklärung muss zusammen mit dem Pfändungsbeschluss übermittelt werden (§ 840 Abs. 2 Satz 1 ZPO n. F.).

Gerichtskosten: keine Vorauszahlungspflicht beim elektronischen Antrag

Nach § 12 Abs. 6 Satz 1 GKG soll über Anträge auf gerichtliche Vollstreckungshandlungen nach § 829 Abs. 1 und § 835 ZPO grundsätzlich erst nach Zahlung der Verfahrensgebühr und der Zustellungsauslagen entschieden werden. Das gilt nach § 12 Abs. 6 Satz 2 GKG nicht bei elektronischen Anträgen nach § 829a ZPO, wenn die Nachweisdokumente als elektronische Dokumente übermittelt werden. Der vollständig digitale Antrag wird also nicht durch die Vorschusspflicht aufgehalten; die Gebühr selbst fällt trotzdem an.

Ausblick: weitere Stufen der Digitalisierung

Das Gesetz vom 20.05.2026 tritt in Stufen in Kraft (Art. 18):

| Ab | Änderung | |---|---| | 01.10.2026 | neuer § 829a ZPO, neu gefasster § 829 Abs. 4, § 754a ZPO (Gerichtsvollzieher) | | 01.01.2027 | § 829 Abs. 5 ZPO: Formulare können beim elektronischen Antrag als PDF oder als strukturierter XML-Datensatz übermittelt werden; liegen beide vor, wird die XML-Fassung der Prüfung zugrunde gelegt | | 01.06.2027 | § 752b ZPO: Die elektronische Nutzungspflicht des § 130d gilt in der Zwangsvollstreckung auch für registrierte Inkassodienstleister (§ 79 Abs. 2 Satz 2 Nr. 4 ZPO); Kreditinstitute müssen nach § 173 Abs. 2 Nr. 1 ZPO einen sicheren Übermittlungsweg für elektronische Zustellungen eröffnen |

Häufige Fehler

Geltungsbereich

§ 829a ZPO gilt für Anträge auf Pfändung und/oder Überweisung von Geldforderungen beim Vollstreckungsgericht nach dem Achten Buch der ZPO – praktisch vor allem für Konto- und Lohnpfändungen. Er gilt nur für elektronisch gestellte Anträge. Für Aufträge an den Gerichtsvollzieher wegen Geldforderungen enthält § 754a ZPO eine gleichlaufende Regelung; dort ist die Versicherung ausdrücklich in Textform zu übermitteln. Die Vollstreckung in Grundstücke (Zwangsversteigerung, Zwangsverwaltung, Zwangssicherungshypothek) ist nicht erfasst.

Ausnahmen

Beispiel

*Fiktives Beispiel:* Rechtsanwältin R vertritt die Gläubigerin G, die aus einem Urteil gegen S eine Restforderung von 3.200 € nebst Zinsen und 180 € Kosten eines erfolglosen Gerichtsvollzieherauftrags beitreiben will. Am 12.10.2026 stellt R beim Amtsgericht am Wohnsitz des S elektronisch einen Antrag auf Pfändung und Überweisung des Girokontoguthabens. Sie scannt die vollstreckbare Ausfertigung mit Klausel und Zustellungsnachweis ein, fügt eine Kostenaufstellung mit der Gerichtsvollzieherrechnung als PDF bei und versichert, dass die Scans den Originalen entsprechen und die Forderung in Antragshöhe noch besteht (§ 829a Abs. 1, 3 ZPO). Das Gericht erlässt den PfÜB, ohne das Original anzufordern und ohne auf die Zahlung der Gebühr zu warten (§ 12 Abs. 6 Satz 2 GKG). Als S eine Woche später 1.000 € zahlt, informiert R das Gericht unverzüglich (§ 829a Abs. 4 ZPO).

Siehe auch

Änderungsverlauf

Stand

Quellen

Letzte Änderung:
2026-10-18
Letzte Prüfung:
2026-10-18
In Kraft seit:
2026-10-01
Status:
In Kraft
Quellen-Autorität:
A
Lizenz:
CC BY 4.0